Review Zeiss Milvus 1.4/35mm für Nikon F-Mount

Testbericht zum Objektiv Zeiss Milvus 1.4/35mm für Nikon F-Mount
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Exzellent verarbeitetes Arbeitsgerät, das viel Freude bereitet und hochwertige Bildergebnisse liefert​

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Diesmal geht es um ein manuelles, lichtstarkes 35mm Objektiv: das Zeiss Milvus 1.4/35mm. Zeiss bezeichnet das Objektiv als „Perfektionist für alle Fälle“. Das Distagon der neuesten Generation wird angeboten für Nikon und Canon DSLRs. Die 35er Brennweite gehört zu meinen Lieblingsbrennweiten, steht sie doch für die klassische Streetfotografie, daher war ich auf die Ergebnisse und das Handling gespannt.

Die Foto/Video/Film-Objektive von Zeiss werden in Deutschland entwickelt und auch von hier vermarktet, hergestellt werden sie im Auftrag von Zeiss in Japan. Das Objektiv ist grundsolide verarbeitet und kann durch ein modernes Design überzeugen. Die mitgelieferte Sonnenblende fügt sich harmonisch in die Gesamtlinie des Objektivs ein. Auch haptisch kann das Objektiv überzeugen, da es hervorragend in der Hand liegt. Der Fokus lässt sich über den ganzen Drehwinkelbereich, der 227 Grad beträgt, präzise und geschmeidig einstellen. Damit ist das Objektiv auch gut bei Videoaufnahmen einzusetzen.

Durch das neu entwickelte optische Design sollen Farblängs- und Querfehler weitgehend vermieden werden. Neben der ZEISS T*-Beschichtung der Glasflächen werden laut Zeiss alle problematischen Innenflächen in aufwendiger Handarbeit mit einem tiefschwarzen Speziallack bearbeitet, was neben der Integration von speziell berechneten Oberflächen und Lichtfallen in den mechanischen Bauteilen sicherstellen soll, dass Reflexe gar nicht erst entstehen.

Zeiss bezeichnet das Milvus 1.4/35mm als „eine zukunftssichere Lösung für hochauflösende Kamerasysteme. Aufgrund ihrer hohen Abbildungsleistung sind die ZEISS Milvus Objektive besonders auf die Anforderungen der aktuellen und zukünftigen, leistungsstarken Digitalkameras ausgelegt. Kontrastreiche Aufnahmen sind aufgrund des niedrigen Streulichtniveaus im Objektiv auch bei steigenden Dynamikbereichen der Sensoren (HDR) möglich. Die Optik hat das Potenzial, auch aus hochauflösenden Systemen das Optimum herauszuholen.“

Die Objektive der Milvus-Reihe verfügen über spezielle Dichtungen zum Schutz gegen Staub und Spritzwasser und über einen integrierten Micro-Chip, der alle Objektivdaten an die angeflanschte Kamera überträgt. Darüber hinaus ist in den gängigen RAW-Konvertern damit auch eine (automatische) optische Korrektur gewährleistet. Wie bei der Milvus-Produktfamilie üblich, lässt sich die Rasterung des Blendenrings in der „ZF.2 Mount“-Version für Nikon-Kameras über eine Stellschraube aufheben. Dann lässt sich die Blende für Videoaufnahmen stufen- und lautlos verstellen.

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Zeiss Milvus 1.4/35mm

Technische Daten​

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Ich habe das Objektiv in Verbindung mit einer Nikon D750 getestet.

Meine Soft-/Hardware​

Als Programme nutze ich Lightroom CC und DxO PhotoLab 4 für die RAW-Konvertierung sowie Affinity Photo zur Bildbearbeitung. Dazu gesellen sich XnView als Bildbetrachter und einige andere kleine Helfer für Sonderfälle. Das Ganze läuft unter Windows10 Pro (aktuelle Version) auf einem Rechner mit AMD Ryzen 6-Kerner, 32 GB Arbeitsspeicher und einer Nvidia GTX 1050. Als Bildschirm steht ein 27 Zoll-4k-Monitor zur Verfügung. Die Programme liegen auf einer SSD, darüber hinaus fungiert eine weitere SSD als Speicherort für die LR-Kataloge und als schneller Cache für die Bildbearbeitung. Ich benutze den (die) RAW-Konverter in der Regel „stand alone“, ein Bildbearbeitungsprogramm kommt normalerweise nur noch zur Konfektionierung (Beschnitt, Ausgabeformat usw.) und für spezielle Ausarbeitungen (Montagen usw.) zum Einsatz!

Der Test​

Da ich natürlich kein professionelles Testlabor besitze, steht die praktische Anwendung im Vordergrund, anders ausgedrückt: entscheidend ist, was hinten rauskommt! Wie immer in meinen Reviews steht am Anfang eine Aufnahme meines Testcharts bei offener Blende.

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D750; ISO 800, 1/800 Sek., f 1.4, nur optische Korrektur in LR. Das Ergebnis ist schon bei offener Blende sehr gut.

Im Folgenden zwei Ausschnitte, einmal mit dem Zeiss 1.4/35mm und danach zum Vergleich das gleiche Motiv mit einem Nikkor 2/35mm D. Beide Aufnahmen erhielten nur eine optische Korrektur in LR.

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Bei beiden Aufnahmen wurde auf f 8 abgeblendet. Insgesamt ist der Kontrast beim Zeiss deutlich besser. Abgeblendet ist die Schärfeleistung in der Praxis, zumindest bis zur Größe von 60x40 cm, nicht signifikant unterschiedlich. Die förderliche Blende für das Zeiss liegt bei f 3,5 (Bild unten):

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Hier nun einige Praxisbeispiele. Die Fotos sind entstanden bei einem Foto-Spaziergang in Hattingen.

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f/8, ISO 100, 1/400 Sek.

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f/8, ISO 100, 1/125 Sek.

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f/4, ISO 100, 1/1000 Sek.

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f/3,5, ISO 100, 1/1000 Sek.

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f/8, ISO, 1/80 Sek.

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Oben: F/8, ISO 100, 1/320 Sek., Bild mit stürzenden Linien. Unten: stürzende Linien korrigiert (Anmerkung: die Kirchturmspitze ist so krumm!).


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Hier mal ein Beispiel als SW im „Street-Foto-Stil“ bearbeitet.

Fazit​

Das lichtstarke Zeiss Milvus 1.4/35mm Objektiv bringt stolze 1131 g auf die Waage und gehört damit (leider) nicht zu den kleinsten und leichtesten Vertretern in diesem Lichtstärken- und Brennweitenbereich. Dass es auch kleiner und leichter geht, beweist das Summilux 1.4/35mm oder auch das AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G (sogar mit Autofokus). Dafür bekommt der Käufer des Zeiss Milvus aber auch ein sehr, sehr gutes Objektiv an die Hand, mit dem er alle für diese Brennweite typischen Aufgabenstellungen perfekt erledigen kann. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der große Drehwinkel für die Fokussierung, der andererseits das Fotografieren auch etwas entschleunigt, da man für optimale Ergebnisse, besonders bei offener Blende, sehr präzise manuell fokussieren muss, was einen Moment dauern kann. Bei Nikon-DSLRs wird das Fokussieren durch zwei Pfeile und einen Punkt im Sucher unterstützt. Wenn man bei modernen Digitalkameras, die eigentlich für den Autofokusbetrieb optimiert sind (Mattscheibe im Sucher), mit manuellen Objektiven arbeiten will, sollte man sich etwas Training für das manuelle Scharfstellen gönnen, um die Ausschussrate klein zu halten.

Will man schnell und unauffällig sein (Streetfotografie), geht’s auch gut nach der alten Regel: „Wenn die Sonne lacht, nimm Blende 8“, etwas moderner: nimm einfach „Auto-ISO“, also mit voreingestellter Blende und Zeit einfach draufhalten. Gut ist der eingebaute Chip, der alle Objektivparameter für die Aufnahmedaten (Exif) bereitstellt, so dass auch bei diesem manuellen Objektiv eine lückenlose Dokumentation der Aufnahmedaten gewährleistet ist.

Ein kleiner Wermutstropfen ist leider der Preis, der momentan rund 1.800 Euro beträgt. Wer bereit ist, diese Summe auszugeben, erhält dafür als Gegenwert ein exzellent verarbeitetes Arbeitsgerät, das einem über Jahre viel Freude bereitet und qualitativ hochwertige Bildergebnisse liefert!

Ich vergebe 5 von 5 Sternen!

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Bewertung​

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© Dieter Doeblin. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Dieter Doeblin, Fotos: D. Doeblin, Zeiss AG.

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