Rezension Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens

Buchbesprechung zu "Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens" aus dem Knesebeck-Verlag
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Mit Wucht – Chronik eines Weltgeschehens​

Buchcover Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens


Es ist keine leichte Kost. Das sollte man wissen, wenn man dieses mächtige Werk zur Hand nimmt. Mächtig, aufgrund seines Formats und Gewichts (2300 g, 22.0 x 28.0 cm, gebunden, 432 Seiten mit 500 farbigen Abbildungen), genauso aber aufgrund der Wirkung seiner Fotos.

Es ist bedrückend und faszinierend zugleich, diese Bilder zu sehen. Sie sind Zeitzeugen und Dokumentation dieses kaum fassbaren Ereignisses, der Corona-Pandemie. Und sie beeindrucken nachhaltig!

Auf der Verlagsseite ist zur Entstehung dieses Werks zu lesen: „In Zusammenarbeit mit der renommierten Presseagentur Agence France Presse ist ein einmaliger und umfassender Bildband entstanden, der die Zeit der Corona-Pandemie von 2020 bis Mitte 2021 für uns und nachfolgende Generationen eindrücklich dokumentiert. Fotografinnen und Fotografen der AFP übersandten dazu aus 151 Ländern täglich über 3000 Fotografien, aus denen die 500 beeindruckendsten für dieses wichtige Zeitdokument ausgewählt wurden.“.

Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens, Seite 296-297. Wie ein Science-Fiction-Film. Die Desinfektion der Kathedrale von Zipaquirá, einer unterirdischen, in einer Salzmine errichteten Kirche, 45 Kilometer nördlich von Bogotá. Gerade hat Kolumbien erklärt, dass es in den letzten fast 6 Monaten mehr als 20.000 Tote zu beklagen hatte, da lockert die Regierung die Maßnahmen der Eindämmung der Pandemie. Zipaquira, Kolumbien, 30. August 2020 Bild: © Juan Barreto/Knesebeck Verlag

Seite 296-297. Wie ein Science-Fiction-Film. Die Desinfektion der Kathedrale von Zipaquirá, einer unterirdischen, in einer Salzmine errichteten Kirche, 45 Kilometer nördlich von Bogotá. Gerade hat Kolumbien erklärt, dass es in den letzten fast 6 Monaten mehr als 20.000 Tote zu beklagen hatte, da lockert die Regierung die Maßnahmen der Eindämmung der Pandemie. Zipaquira, Kolumbien, 30. August 2020 Bild: © Juan Barreto/Knesebeck Verlag

In der Einleitung fasst Marielle Eudes zusammen, was sie dazu bewog, dieses Werk herauszugeben. Sie schreibt vom plötzlichen Schock der durch die Pandemie ausgelöst wurde. Sie erinnert an die Verstorbenen. Sie erinnert an die erschöpften Pflegekräfte und an all jene, die sich dem Virus entgegenstellten und gegen diesen neuen, unbekannten Gegner kämpften. Mit allen vorhandenen Mitteln. Und die „Geschichten von Kampf, Widerstandskraft, Menschlichkeit, von Kreativität und Solidarität.“

Und so findet Marielle Eudes in ihrer Einleitung Überschriften, die den Inhalt dieses starken Buches sehr gut beschreiben:
  • Bilder wie aus dem Reich der Science-Fiction
  • Das Gesicht des Virus
  • Die Welt ringt nach Luft
  • Eine neue Runde wird eingeläutet
Die Fotos führen uns chronologisch durch diese Pandemie.

Es ist hart, das Foto zu sehen, wo ein Toter im Winter 2020 in Wuhan, China, am Straßenrand liegt. Ein Radfahrer fährt scheinbar achtlos an ihm vorbei. Erst die Folgebilder zeigen, wie in Vollschutz gekleidete Menschen sich um den Toten kümmern.

Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens, Seite 48-49. Nach China erlebt Italien die erste Welle. Dann ist es Mülhausen/Mulhouse, das rot eingefärbt aus der französischen Landkarte leuchtet. Die Rotoren der Helikopter, mit denen die Kranken von einem Krankenhaus ins andere gebracht werden, dröhnen ohne Unterlass. Schnell ist die gesamte Region überlastet. Daraufhin werden andere Regionen angeflogen. Die Transporte nehmen um das Vielfache zu und finden per Luftfracht oder Bahn statt. Mülhausen, Frankreich, 29. März 2020. Bild: © Thomas Samson/Knesebeck Verlag

Seite 48-49. Nach China erlebt Italien die erste Welle. Dann ist es Mülhausen/Mulhouse, das rot eingefärbt aus der französischen Landkarte leuchtet. Die Rotoren der Helikopter, mit denen die Kranken von einem Krankenhaus ins andere gebracht werden, dröhnen ohne Unterlass. Schnell ist die gesamte Region überlastet. Daraufhin werden andere Regionen angeflogen. Die Transporte nehmen um das Vielfache zu und finden per Luftfracht oder Bahn statt. Mülhausen, Frankreich, 29. März 2020. Bild: © Thomas Samson/Knesebeck Verlag

Fotos, die Unsicherheit ausdrücken. Fotos, die Angst widerspiegeln und Hilflosigkeit. Die vielen Fotos mit behelfsmäßigen, selbst hergestellten Masken aber auch die Fotos mit vielen maskierten Menschen erinnern an die erste Zeit der Ungewissheit.

Fotos aus Bergamo, Italien, zeigen die Unerbittlichkeit des Virus, genauso wie auch eine tiefe Menschlichkeit.

Und so reihen sie sich aneinander, Fotos aus der ganzen Welt von weltbekannten Orten – menschenleer…

Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens, Seite 164-165. Wie ausgestorben: „Ohne Touristen ist Venedig eine tote Stadt“, klagt ein Gondoliere in Venedig. Es herrscht eine endzeitliche Atmosphäre. Paris (wie viele andere Städte) erleidet das gleiche Schicksal. Die Stadt des Lichts wirkt wie eingeschlafen. Bild: © Agence France Presse/Knesebeck Verlag

Seite 164-165. Wie ausgestorben: „Ohne Touristen ist Venedig eine tote Stadt“, klagt ein Gondoliere in Venedig. Es herrscht eine endzeitliche Atmosphäre. Paris (wie viele andere Städte) erleidet das gleiche Schicksal. Die Stadt des Lichts wirkt wie eingeschlafen. Bild: © Agence France Presse/Knesebeck Verlag

Ein Foto ruft uns in Erinnerung, wie der Papst auf dem verlassenen Petersplatz die Gläubigen dieser Welt aufruft, ihre Prioritäten zu überprüfen und sich wieder mit dem Glauben zu verbinden.

Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens, Seite 58-59. Der Segen Urbi et Orbi. Vatikanstadt, Kirchenstaat, 27. März 2020. Bild: © Yara Nardi/Knesebeck Verlag

Seite 58-59. Der Segen Urbi et Orbi. Symbol und historische Premiere zugleich: Allein auf dem verlassenen Petersplatz leitet Papst Franziskus das Gebet anlässlich »des Ansturms« der Pandemie und fordert die »verängstigte und verlorene« Welt auf, ihre Prioritäten zu überprüfen und sich wieder mit dem Glauben zu verbinden: »Dichte Nebel füllen unsere Plätze, unsere Straßen und Städte; sie haben unser Leben ergriffen, indem sie alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt haben, die alles auf ihrem Weg lähmt.« Vatikanstadt, Kirchenstaat, 27. März 2020. Bild: © Yara Nardi/Knesebeck Verlag

Andere Fotos legen den Fokus auf das neu entdeckte nachbarschaftliche Leben, wieder andere sehen die Gewalten bei der Durchsetzung der Quarantäneregelungen. Fotos zeigen die unsichtbaren Helden der Pandemie und immer wieder natürlich auch den Tod…

Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens, Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens, Seite 370-371. Impf-Kathedrale. Die hohen mittelalterlichen Mauern, die zur Feier des Glaubens errichtet wurden, beherbergen heute die Hoffnung, die aus den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hervorgeht. Die normalerweise von Gläubigen und Touristen besuchte Kathedrale von Salisbury im Südwesten Englands wurde in ein Impfzentrum verwandelt. Salisbury, Vereinigtes Königreich, 20. Januar 2021. Bild: © Justin Tallis/Knesebeck Verlag

Seite 370-371. Impf-Kathedrale. Die hohen mittelalterlichen Mauern, die zur Feier des Glaubens errichtet wurden, beherbergen heute die Hoffnung, die aus den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hervorgeht. Die normalerweise von Gläubigen und Touristen besuchte Kathedrale von Salisbury im Südwesten Englands wurde in ein Impfzentrum verwandelt. Salisbury, Vereinigtes Königreich, 20. Januar 2021. Bild: © Justin Tallis/Knesebeck Verlag

Uns wird in Erinnerung gerufen, wie wir es immer mehr lernten, mit diesem Virus umzugehen und gleichzeitig, wie schwierig der Umgang damit ist.

Etwa in der Mitte des Buches beschreibt Christoph Koopmann seine Gedanken zu diesem Thema mit der Überschrift: „Jetzt knallt´s“. Er beschreibt sehr gut die massive Frustration der Bevölkerung.

Der Applaus für die Pflegekräfte auf den Balkonen dieser Welt darf genauso wenig fehlen, wie die Dokumente, die das Einhalten der Abstandsregeln festhalten.

Und das Buch berichtet vom vorsichtigen Testen neuer Freiheiten genauso, wie von den krassen Verstöße gegen die Einhaltung der Abstände auf ausgelassenen Partys.

Mir persönlich gefallen besonders die Fotos, auf denen sich die Menschen pragmatisch zu helfen wissen, die trotz aller Unsicherheiten positiv nach vorn schauen und nach Wegen aus der Krise suchen.

Pandemie: Chronik eines Weltgeschehens, Seite 280-281. Einander umarmen – trotz allem. Ein Altenheim in São Paulo hat einen »Kuschelvorhang« installiert, um den Bewohnern die Möglichkeit zu geben, ihre Angehörigen sicher zu umarmen. Für die Alten ist dies seit zwei Monaten der erste körperliche Kontakt mit ihren Angehörigen. São Paulo, Brasilien, 13. Juni 2020. Bild: © Nelson Almeida/Knesebeck Verlag

Seite 280-281. Einander umarmen – trotz allem. Ein Altenheim in São Paulo hat einen »Kuschelvorhang« installiert, um den Bewohnern die Möglichkeit zu geben, ihre Angehörigen sicher zu umarmen. Für die Alten ist dies seit zwei Monaten der erste körperliche Kontakt mit ihren Angehörigen. São Paulo, Brasilien, 13. Juni 2020. Bild: © Nelson Almeida/Knesebeck Verlag

Einen sehr starken Satz aus der Einleitung der Herausgeberin möchte ich zum Schluss noch zitieren: „Doch es ist ungewiss, ob die Pandemie, einmal gemeistert, nachhaltig unseren Weg zum eigenen Selbst fördern und uns zu den kollektiven Zielen einer gerechteren Welt und mehr Respekt für den Planeten führen wird.“

Ich hoffe es sehr.

Die Daten​

Agence France Presse (Hrsg.) Pandemie Chronik eines Weltgeschehens. erschien am 20. Oktober 2021 im Knesebeck-Verlag. Gebunden, 432 Seiten, mit 500 farbigen Abbildungen, aus dem Französischen von Ingrid Hacker-Klier.
Preis € 50,- [D] 51,80 [A]
ISBN 978-3-95728-583-6
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Rezension: Iris Schneider

Bewertung​

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© Iris Schneider und Netzwerk Fotografie. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Iris Schneider, Bildnachweis: © wie angegeben, courtesy Knesebeck-Verlag

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