Review Loupedeck-CT

Das Loupedeck-CT im Praxistest
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Die Maus, die alles kann…​

Das Loupedeck-CT. Produktabbild, Titelbild zum Review


Heute möchte ich euch das Loupedeck-CT vorstellen, eine Bedienungs- bzw. Eingabehilfe, die die Arbeit mit komplexer Software erleichtern und beschleunigen soll. Das Loupedeck-CT kann mit, ohne oder anstelle einer Maus bei vielen Programmen vom Browser bis zum Videoschnittprogramm eingesetzt werden. Das Teil ist im Anwendungsspektrum so mächtig, dass ich einige Monate damit „schwanger“ gegangen bin, ehe ich mich an das Review herangetraut habe. Allerdings möchte ich auch anmerken, dass das Loupedeck in dieser Zeit auch zwei wichtige Updates, u.a. auch eine deutsche Oberfläche, erhalten hat. Wie auch immer, hier die Geschichte…

Als Windows-Nutzer vom ersten Tag an war mir die Maus als Eingabehilfe sehr willkommen. Sie erleichterte mir die Arbeit in allen Programmen außerordentlich. Da ich anfangs deutlich mehr Text- als Bildarbeit zu erledigen hatte, war die Maus immer erste Wahl. Ich benutzte sie auch in Photoshop und später in Lightroom von Anfang an. Das war bedienungstechnisch, zumindest bei der EBV, die falsche Entscheidung! Besonders in der Zeit, als ich mit zwei oder sogar drei Bildschirmen zu Gange war, wurden die Wege, die man mit der Maus über die Bildschirme zurücklegen musste weit und kosteten Zeit. Die Grafiker und Bildbearbeiter in den Redaktionen oder bei anderen Dienstleistern zeigten mir dann, wie es geht: Sie nutzten statt der Maus ein Grafik-Tablet.

Drei Bilder zu Eingabehilfen am PC. Oben links: Maus. Oben rechts: Grafik-Tablet mit Stift. Unten: Geteiltes Bild auf zwei nebeneinanderstehenden Monitoren, rechts davon ein damit verbundener Laptop


Gesagt getan, Grafik-Tablet gekauft und angeschlossen und die Wege wurden wieder einfacher. Leider hatte ich einen wichtigen Aspekt übersehen: diese Leute benutzten ihre Tablets in Verbindung mit Shortcuts, also Tasten mit zugewiesenen Befehlen, die ich mir in den vielen Jahren der Nutzung von EBV leider nicht angeeignet hatte, Mit anderen Worten: Schneller und einfacher wurde die Bedienung auch mit einem Tablet bei mir nicht wirklich,

Dafür schritt die Technik voran. Mit den Flachbild-Monitoren kamen auch die großen Bildschirmformate, die mir ermöglichten, wieder mit nur einem Bildschirm (Monitor) und einfach wieder nur mit der Maus zu arbeiten. Das Tablet verschwand in der Schublade und mit ihm auch meine Bedienerfertigkeit. Mit der neuen Technik nahmen auch die Programme an Umfang zu und damit leider auch die Komplexität der Bedienung. Das hatte zur Folge, dass es mit der Maus immer schwieriger wurde, genau und dabei auch noch schnell zu arbeiten. Also bot die Industrie neben Maus und Tablet weitere Eingabegeräte an. Den Anfang machten ab 2015 Geräte für Lightroom und Photoshop aus der Adobe-Familie, da diese Software eine sehr hohe Verbreitung hatte und einen Markt für die neuen Zusatzgeräte bot. Im Bereich Videoschnitt gab es diese (frei-) programmierbaren Bedienteile sogar schon früher. Der große Vorteil der externen Bediengeräte liegt darin, dass die einstellbaren Parameter in der Software vielgenauer und präziser bedient werden können als mit einer Maus.

Drei neue Eingabehilfen für die Fotobearbeitung. Von links nach rechts: Palette (Monogram), Loupedeck 1, Tangent Wave


Neben den Geräten, die von mehr oder weniger großen Herstellern angeboten wurden, kamen auch schnell alternative Lösungen auf den Markt. Dies wurde möglich, da Adobe die Schnittstellen für die Bedienfunktionen in seinen Programmen freigegeben hatte. So fanden einige Tüftler ganz fix heraus, dass man zur Bedienung des Adobe Programms Lightroom auch das so genannte Midi-Protokoll nutzen konnte. Die Midi-Schnittstelle ist seit vielen Jahren Standard bei der Vernetzung von elektronischen Musikinstrumenten und deren Bedienung. So bot es sich an, die riesengroße Menge an Midi-Bedienteilen auf die Eignung zur Steuerung von Fotosoftware zu testen. Besonders interessant waren dabei z.B. kleine Tonmischpulte mit ihren zahlreichen Fadern und Reglern. Auch eine kleine Software für die Ansteuerung von LR war schnell verfügbar (MIDI2LR), sogar kostenlos!

Behringer-Controller mit selbstgemachter Beschriftung für Lightroom vor Tastatur und Monitor

Mein Behringer-Controller mit selbstgemachter Beschriftung für Lightroom

Bei Erscheinen waren die Geräte von Palette und Loupedeck mit rund 450 Euro relativ teuer und es gab so gut wie keine Testmöglichkeit auf Funktion und Praktikabilität vor dem Kauf. Daher habe ich mich damals entschlossen, die DIY-Variante mit einem Behringer-Controller und der Gratissoftware auszuprobieren. Die Lösung kostete 59 Euro (für den Behringer) und wäre bei Nichteignung zu verschmerzen gewesen. Für die MIDI2LR-Software, die man als Plug-In in Lightroom einfügen musste, gab es sogar eine Reihe fertiger Presets, die den Einstieg sehr einfach machten. Diese „Eingabe-/Bedienungshilfe“ hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen, da sie sehr gut auf meinen Workflow zugeschnitten war. Diese Lösung nutze ich nun seit gut vier Jahren täglich für die RAW-Entwicklung in Lightroom und bin immer noch voll zufrieden damit.

Zu Loupedeck​

Die Firma Loupedeck entstand ursprünglich 2016 als Crowdfunding-Projekt begeisterter Lightroom-Nutzer und hat ihren Sitz in Finnland. Loupedeck schreibt über sich: „Loupedeck wurde gegründet, um den steigenden Anforderungen kreativer Workflows und der überwältigenden Komplexität von Software Rechnung zu tragen. Unsere maßgeschneiderten Konsolen lösen dieses Problem mithilfe von umfassenden Integrationen, nahtlosen Steuerungen und intuitiv gestalteten Oberflächen“. Neben dem Loupedeck CT bietet die Firma noch das Loupedeck+ als Einsteigermodell und das Loupedeck Live zum Streamen an.

Das Loupedeck-CT​

Produktbild Loupedeck-CT


Das Loupedeck-CT ist ein fast quadratisches Bedienpult mit sieben Drehreglern, zwanzig Drucktasten und insgesamt dreizehn Touch-Displays. Das rund 360g schwere Teil vermittelt nach dem Auspacken eine sehr angenehme Haptik und wirkt sehr hochwertig verarbeitet. Teilweise geben verschiedene Tasten sogar eine Rückmeldung durch Summen und Vibrieren. Für die Arbeit mit dem Loupedeck-CT muss die herstellereigene Software (je nach Betriebssystem für Mac oder Windows) heruntergeladen und installiert werden. Darüber hinaus hat der User die Möglichkeit, sich ein eigenes Benutzerkonto bei Loupedeck einzurichten. Da das Gerät für eine Vielzahl von Software genutzt werden kann, sollte bzw. muss man sich von der Herstellerseite die entsprechenden Programm-Profile zusätzlich herunterladen. Grundsätzlich arbeitet das Gerät auf zweierlei Weise: Entweder greift es direkt auf die jeweilige Programmschnittstelle zu (z.B. bei Adobe Programmen), oder man muss sich, z.B. bei Affinity, mit der Loupedeck-Software einen eigenen Schnittstellen-Interpretator für die Tastaturbefehle anlegen. Die vorhandenen Profile sind für die jeweiligen Programme (leider) sehr unterschiedlich gestaltet und für den eigenen Workflow teilweise nur sehr eigeschränkt zu gebrauchen. Aber dazu später mehr.

Technische Daten und eine ausführliche Beschreibung gibt es hier.

Für den Anschluss an den Rechner liegt ein USB-Kabel bei, an dem sich an der Geräteseite ein USB-C Stecker und an der Rechnerseite ein normaler USB-Stecker (USB-2) befindet. Es handelt sich aber nicht um eine USB-C Schnittstelle, sondern man nutzt nur die Möglichkeit des USB-C Steckers, richtungsunabhängig eingesteckt werden zu können – je nach dem auf welcher Seite der Tastatur man das Teil aufstellen will.

Bedieneroberfläche des Loupedeck-CT am PC


Startet man die Software nach der Installation, öffnet sich eine gut sortierte Bedieneroberfläche (neuerdings auch auf Deutsch!) und gibt einen Überblick über die mit dem Controller ausführbaren Aktionen. Im Controller sind zwölf Programm-Profile vorinstalliert, darunter Lightroom und Photoshop.

Startet man eines der vorinstallierten Programme, ist das Loupedeck-CT sofort betriebsbereit und steht für die Bedienung zur Verfügung. Mittels der Bedieneroberfläche lassen sich aber auch individuelle Anpassungen an den Presets vornehmen oder auch andere Programm-Profile (für die keine Presets vorhanden sind) einrichten. Das alles lässt sich per Drag-and-Drop erledigen.

Nach Auswahl des Lighroom-Presets wechselt die Anzeige auf dem Loupedeck-CT automatisch.


Nachdem alles installiert war, habe ich natürlich als erstes Lightroom ausprobiert, da ich dort, neben dem Videoschnitt, mit „Bedienungshilfen“ bisher die größte Erfahrung gemacht hatte. Beim Start von Lightroom wechseln die Anzeigen auf dem Loupedeck entsprechend. Es konnte losgehen - eigentlich.

Das über das hinterlegte Lightroom-Profil bereitgestellte Preset passte hinsichtlich meines gewohnten Workflows mit Lightroom leider überhaupt nicht, so dass ich die individuellen Anpassungen über die Loupedeck-Software vornehmen musste.

individuelle Anpassung in der Loupedeck-Software, links mit der neuesten Oberfläche, rechts mit der älteren.


Hier die entsprechende Funktion, links mit der neusten Oberfläche, rechts mit der älteren.

Das funktioniert, ist aber sehr mühsam und kostet viel Zeit. Noch aufwändiger ist es z.B. mit Programmen wie Affinity-Photo, wo man sich quasi den gesamten „Schnittstellen-Interpretator“ zusammenstellen muss.

Alternativen: links das Loupedeck+, rechts der Behringer-Controller

Resümee​

Insgesamt ist das Loupedeck-CT ein hochwertig verarbeitetes Bediengerät mit einer interessanten Haptik und einer sehr modernen Geräte-Philosophie. Dazu ist es noch für eine Vielzahl an Programmen verwendbar. Das Gerät kann bei konsequenter Anwendung die klassische Maus und sogar (teilweise) die Tastatur ersetzen. Ideal wäre die Bedienung des Loupedeck-CT mit der linken Hand. Dann kann man das Gerät links von der Tastatur aufstellen und mit rechts normal weiterarbeiten.

Loupedeck hat sozusagen die Maus erschaffen, die alles kann! Das Loupedeck-CT ist eine durchaus gelungene Verschmelzung von Maus, Spielkonsole und Smartphone, setzt aber voraus, dass man genau in dieser Gerätewelt groß geworden ist.

Da das für mich (altersbedingt?) nicht zutrifft, war der Umgang mit dem Gerät für mich kompliziert und vom Workflow her eher umständlich, so dass ich wenig Vorteile in der Nutzung sah. Mir war und ist der Aufwand der individuellen Einrichtung und der Gewöhnungsprozess an das Gerät schlicht zu umständlich. Einzig der kurze Ausflug in den Videoschnitt vermittelte mir ein gewisses Maß an Vertrautheit, da dort ein Jog-Rad seit eh und je zentraler Bestandteil zur Bedienung ist. Mir fehlte einfach die visuelle Kontinuität zwischen Eingabegerät und der Funktion in der Software. Ich würde daher eher zum Loupedeck+ (s.o.) greifen, zumal das viel eher dem für mich gewohnten Behringer Controller entspricht und darüber hinaus ebenso für Photoshop nutzbar wäre, wie die CT-Version.

Für alle, die den hochmodernen Ansprüchen hinsichtlich der Bedienung und Einrichtung der postmanuellen Generation genügen oder sich gewachsen fühlen, ist das Loupedeck CT eine interessante Ergänzung oder Alternative für eine große Anzahl von Programmen!

Weitere Informationen​

Aktueller Verkaufspreis Loupedeck CT: 499,00 Euro; Loupedeck+ 249,00 Euro
Zur Webseite von Loupedeck
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Bewertung​

Für das Gerät vergebe ich fünf Sterne.

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Für die Bedienung an sich kann ich leider nur drei Sterne vergeben.

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© Dieter Doeblin. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Dieter Doeblin, Fotos: D. Doeblin, Loupedeck, HP, Palette, Tangent
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