Klein, leicht und mit erstaunlich viel Spaßfaktor
Pancake-Objektive fand ich schon immer etwas Besonderes. Nicht unbedingt, weil sie optisch alles besser machen als größere Objektive, sondern weil sie eine Kamera plötzlich wieder zu einem ständigen Begleiter machen können. Man nimmt sie einfach mit, ohne lange darüber nachzudenken.
Mit dem AF 26 mm F2.8 EVO bringt Viltrox genau so ein Objektiv für Nikon Z und Sony E-Mount auf den Markt. Ein Vollformat-Weitwinkel mit Lichtstärke F2.8, Blendenring und Autofokus – und das in einem Design, das kaum größer wirkt als der Objektivdeckel mancher anderer Festbrennweiten.
Optischer Aufbau des Viltrox AF 26 mm F2.8 EVO mit acht Linsen in sechs Gruppen sowie der vom Hersteller veröffentlichten MTF-Kurve.
Technisch bietet das kleine Viltrox dabei mehr, als seine Abmessungen zunächst vermuten lassen. Im Inneren arbeiten acht Linsen in sechs Gruppen, darunter zwei asphärische Elemente sowie eine Linse mit hohem Brechungsindex (HR), die für eine gute Korrektur von Abbildungsfehlern sorgen sollen. Der Autofokus wird von einem STM-Schrittmotor angetrieben, die Naheinstellgrenze liegt bei nur 20 Zentimetern. Firmware-Updates erfolgen bequem über einen USB-C-Anschluss am Bajonett, außerdem ist das Objektiv gegen Staub und Spritzwasser geschützt.
Innerhalb des Viltrox-Portfolios positioniert sich die EVO-Serie zwischen den besonders kompakten Air-Objektiven und den professionellen Pro-Modellen. Sie verbindet eine hochwertige Metallkonstruktion mit möglichst geringer Baugröße – genau das also, was ich mir von einem Pancake-Objektiv wünsche.
Erster Eindruck: erstaunlich klein
Zugegeben, ich hatte für dieses Review ein Objektiv dieser Bauart zum ersten Mal in der Hand. Mit einer Linse so groß wie zu meinen frühen analogen Zeiten das Fixfokus-"Objektiv" einer Kodak Instamatic.Ich war ehrlich überrascht, dass sich ein 26-mm-Weitwinkel mit Lichtstärke F2.8 so klein und leicht bauen lässt. Damit empfiehlt es sich auch gleich besonders für die kompakten Modelle der Nikon Z-Reihe, wie z.B. die Zf. Aber auch an der Z6II ragt es kaum über den Handgriff hinaus. Kleiner Tipp: Bevor man damit mit einer Z8 loszieht, ruhig kurz nachsehen, ob das Objektiv überhaupt montiert ist
Mit Z-Bajonett bringt das AF 26 mm F2.8 EVO gerade einmal 168 Gramm auf die Waage. Trotzdem besteht es komplett aus Metall, auch das Bajonett. Bei Verarbeitung und Haptik hatte ich nur an einer Stelle das Gefühl, wegen der kompakten Bauweise Kompromisse eingehen zu müssen – dazu später mehr.
Durchdachte Details im Alltag
Die Gegenlichtblende wiegt lediglich 13 Gramm, wird vorne angesetzt und rastet nach einer Vierteldrehung sicher ein. Gleichzeitig dient sie als Halter für 43-mm-Filter – eine clevere Lösung, die ich so bisher kaum gesehen habe.Besonders begeistert hat mich allerdings der magnetische Objektivdeckel. Er schnappt satt und sicher auf, selbst wenn die Gegenlichtblende montiert ist, und lässt sich ebenso leicht wieder lösen. Sowas kann man konstruktionsbedingt leider nicht bei jedem Objektiv bauen. Hier wo es möglich ist, wurde die Chance genutzt. Gut gemacht, danke dafür!
Der Fokusring vorn am Objektiv ist bauartbedingt sehr schmal und mit zwei Fingern zu bewegen. Gleiches gilt für den Blendenring, der zur Unterscheidung vom Fokusring erhaben ausgeführt ist und in Drittelstufen leicht rastet. Die Drehrichtung des Blendenrings zum Öffnen und Schliessen der Blendenöffnung entspricht dem der Nikkore - also keine Umgewöhnung erforderlich. Natürlich ist der Blendenring als Bedienelement optional, stellt man ihn auf “A”, übernehmen die Automatiken oder das vordere Einstellrad der Kamera die Kontrolle.
Der Fokusring dient gleichzeitig als frei belegbarer Einstellring. Alternativ lassen sich darüber im Kameramenü Blende, ISO, Belichtungskorrektur oder auch keine Funktion zuweisen.
Der einzige Kompromiss bei so einem Pancake ist (und das ist bauartbedingt unvermeidbar): An die beiden schmalen und dicht nebeneinanderliegenden Ringe muss man sich gewöhnen. Insgesamt haben mir die Haptik und Bedienung dieses kleinen und leichten Objektivs im Feld an der Z6II gut gefallen.
26 Millimeter – eine unterschätzte Brennweite
Wer häufig mit 35 Millimetern fotografiert, wird den Unterschied zunächst unterschätzen. Tatsächlich bringen 26 Millimeter aber deutlich mehr aufs Bild, ohne bereits den Charakter eines ausgeprägten Superweitwinkels anzunehmen.Als Referenzfoto dient uns die 35mm-Perspektive, aufgenommen mit dem Tamron 2.8/28-75:
35mm, f/8, 1/100s, ISO 100
26mm, f2.8, 1/500s, ISO 100
Der Bildwinkelvergleich zeigt gut, wie viel zusätzlicher Raum gegenüber einer klassischen 35-mm-Brennweite tatsächlich aufs Bild kommt, ohne dass die Perspektive unnatürlich wirkt.
Bereits bei Offenblende liefert das Viltrox in der Bildmitte eine sehr gute Schärfe. Wer bis Blende 5,6 abblendet, erhält diese hohe Detailzeichnung praktisch über das gesamte Bildfeld bis in die Ecken.
Architektur und Reportage
Ich habe das Objektiv an die Nikon Z6II gesetzt und bin durch Schweinfurt gelaufen. Architektur, Kirche, Blumen, Straßen, Markt und Museum – genau die Motive also, denen man auf einem normalen Stadtbummel begegnet.Die folgenden Aufnahmen zeigen sehr gut, wie vielseitig sich die Brennweite im Alltag einsetzen lässt.
f8, 1/400s, ISO 100
f8, 1/400s, ISO 100
f8, 1/250s, ISO 100
Gerade hier spielt die Brennweite ihre Stärke aus. Die 26 Millimeter sind kurz genug, um auch in engen Gassen oder auf Plätzen genügend Umfeld einzufangen, wirken aber gleichzeitig deutlich natürlicher als extreme Weitwinkel. Ich hatte nie das Bedürfnis, bewusst mit stürzenden Linien zu arbeiten. Stattdessen entstand fast automatisch eine Art Reportageblick auf die Motive.
f8, 1/320s, ISO 100
f8, 1/125s, ISO 100
f8, 1/320s, ISO 100
Auch am Museum Georg Schäfer zeigte sich dieser Charakter sehr deutlich. Das Objektiv lädt eher zum Erzählen einer Szene ein als zum Übertreiben von Perspektiven. Gerade feine Strukturen und gerade Linien profitieren sichtbar.
f8, 1/50s, ISO 100
f8, 1/80s, ISO 100
Ebenso gefallen haben mir die neutrale Farbwiedergabe und der gute Kontrast. Die Nikon Picture Controls bleiben erhalten und wirken genauso, wie man sie eingestellt hat. Farben erscheinen weder künstlich verstärkt noch flau.
Innenräume
Kirchen gehören zu den schwierigeren Motiven: wenig Licht, hohe Kontraste und viele feine Strukturen.f2.8, 1/30s, ISO 220
f8, 1/30s, ISO 1100
f2.8, 1/30s, ISO 400
f5.6, 1/30s, ISO 800
Hier überzeugte mich das Viltrox ohne Einschränkung. Gerade in Innenräumen fallen mögliche Unterschiede zwischen Bildmitte und Rand ohnehin kaum auf. Gleichzeitig helfen die 26 Millimeter dabei, den Charakter eines Raumes einzufangen, ohne spektakulär wirken zu wollen.
Nahaufnahmen
Mit einer Naheinstellgrenze von nur 20 Zentimetern gelingen außerdem problemlos Detailaufnahmen. Blumen oder kleinere Motive lassen sich angenehm freistellen; das Bokeh wirkt ruhig und unaufdringlich.f2.8, 1/320s, ISO 100
f2.8, 1/80s, ISO 100
Gegenlicht
Direkte Sonne im Bild gehört nicht zu den Lieblingsdisziplinen des Objektivs.Bei Offenblende treten sichtbare Flares und Coronas auf. Beim Abblenden entstehen Blendensterne, die allerdings etwas weicher ausfallen als bei manch anderem Objektiv. Wer häufig mit direkter Sonne im Bild arbeitet, sollte das im Hinterkopf behalten. Die gezeigte Aufnahme entstand bewusst mit direkter Sonne im Bild, um das Verhalten unter schwierigen Lichtbedingungen zu dokumentieren.
f2.8, 1/3200s, ISO 100
f8, 1/400s, ISO 100
Fazit
Das Viltrox AF 26 mm F2.8 EVO hat mich ehrlich überrascht.Nicht, weil es spektakuläre Effekte liefert oder jede andere Festbrennweite in den Schatten stellt. Sondern weil es genau das macht, was ein gutes Pancake-Objektiv tun sollte: Es verschwindet förmlich an der Kamera und lädt dazu ein, diese kompakte Kombi einfach mitzunehmen.
Die Verarbeitung überzeugt, die optische Leistung ist tadellos, wenn man die Grenzen dieses Objektivs kennt und damit umzugehen weiß. Der Autofokus arbeitet erwartungsgemäß, leise und präzise. Die 26-Millimeter-Brennweite erwies sich im Alltag als erstaunlich vielseitig: Architektur, Reportage, Street, Innenräume oder auch Details am Wegesrand – das kleine Viltrox fühlt sich in vielen Situationen zu Hause an. Darüber hinaus verwandelt es sich an einer FX-Kamera im DX-Modus in ein 2.8/39, so dass man wenn gewünscht auch noch eine gemäßigte Standardbrennweite dabei hat.
Dazu kommen durchdachte Details wie der magnetische Objektivdeckel und die Gegenlichtblende mit integriertem 43-mm-Filtergewinde.
Gerade beim Fotografieren in der Stadt finde ich diese Brennweite ausgesprochen angenehm. Sie verlangt zwar – wie jede Festbrennweite – gelegentlich ein paar Schritte vor oder zurück. Gleichzeitig wirkt der Bildwinkel sehr natürlich und macht den Bildaufbau überraschend unkompliziert.
Wenn ich zur guten alten Diazeit mal mit nur einer Festbrennweite losgezogen bin, war das fast immer das Nikkor 2.0/35. Jetzt werde ich sicher öfter mal dieses 26er mitnehmen. Für mich hat es einen hohen Spaßfaktor!
Preis, Verfügbarkeit und Community-Rabatt
Das Viltrox AF 26 mm F2.8 EVO für Nikon Z und Sony E ist ab sofort erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 319 Euro. Zum Lieferumfang gehören eine Gegenlichtblende mit 43-mm-Filtergewinde, ein magnetischer Frontdeckel, ein Rückdeckel sowie ein Objektivbeutel.Tipp: Für Community-Mitglieder gibt es 10 Prozent Rabatt. Verwendet dazu im Viltrox-Onlineshop oder bei Amazon den Rabattcode:
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Bewertung
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