Review Sony a7R V

Die Sony a7R V im Praxistest
Artikel-Reviews

Artikel details

Pixel satt - aber gibt es ein aber?​

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Im weiteren Verlauf meiner Artikel-Serie zu den aktuellen DLSM-Vollformatkameras geht es diesmal um die Sony a7R V. Seit Sony den neuen 61 MP-Bildsensor eingeführt hat, bleibt große Frage: Wieviel Pixel braucht der fotografierende Mensch? Da ich schon beim Test der Leica M11 Gelegenheit hatte, die ersten Erfahrungen mit einem 60 MP-Sensor zu machen, war natürlich die Neugier groß, was Sony hier zu bieten hat. Durch einen Zufall hatte ich die Möglichkeit, erst eine Sony a7R lV, und direkt im Anschluss die neue a7R V zu testen.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass, wenn alle Umfeldbedingungen stimmen, die Bildqualität der 60 MP-Sensoren beeindruckend ist!

Mit 61 Megapixeln auf einem 24x36mm-Sensor bietet Sony momentan die höchste Auflösung im KB-Format. Die effektive Pixeldichte entspricht dabei einem 40 MP APS-C-Sensor. Ganz zu schweigen von den exorbitanten Auflösungen in aktuellen Smartphones, sodass zukünftig auch noch höhere Auflösungen in Systemkameras denkbar sind. Doch ist das überhaupt sinnvoll? Vorausschicken möchte ich daher einige grundsätzlich Anmerkungen zu 60 MP-KB (24x36mm)-Bildsensoren und den dazugehörigen Kameras.

Da sich bekannterweise die Physik immer noch nicht überlisten lässt, führen bestimmte technische Fortschritte oft leider auch immer zu unvermeidlichen Nachteilen. So ist längst bekannt, dass bei kleiner werdender Blende bei Digitalkameras die Beugungsunschärfe wieder zunimmt und sich das ISO-Verhalten mit zunehmender Auflösung, zumindest oberhalb 50 MP, deutlich verschlechtert. Auch weiß man spätestens seit der Nikon D850, dass eine höhere Auflösung auch die Gefahr einer Bewegungsunschärfe (Verwacklung) erhöht. Darüber hinaus ist die hohe Bildqualität der Kameras nur mit absoluten Top-Objektiven erreichbar. Auf Seiten der Elektronik kommt dazu, dass diese Kameras schnelle Speichermedien und viel Rechenpower benötigen, um die heute von den Usern erwartete Performance zumindest ansatzweise zu erreichen. Alle genannten Probleme zeigten sich mehr oder weniger sowohl bei der Leica M11 und auch bei der a7R lV. Bleibt die Frage, wie sich das neuste Modell in dieser Sensorklasse, die a7R V, im Test schlägt. In meinem Bericht gehe ich auf die insgesamt leistungsmäßig deutlich schlechtere a7R lV nur noch ein, um signifikante Unterschiede bzw. Verbesserungen aufzuzeigen.

Die Kamera​

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Die wesentlichen Merkmale der Sony a7lV:
  • 61 MP Exmor R-CMOS-Vollformat-Sensor, mit Bayer-Filter
  • BIONZ XR-Prozessor + neu entwickelte KI-Verarbeitungseinheit
  • Dateiformate: JPEG-kompatibel (DCF-Version 2.0, Exif Version 2.32, MPF-Baseline-kompatibel), HEIF (MPEG-A MIAF-kompatibel), 14bit RAW (kompatibel mit dem Sony ARW 4.0 Format)
  • Empfindlichkeit: ISO 100–32.000 (ISO-Werte ab ISO 50 bis ISO 10.2400 im erweiterten ISO-Bereich), AUTO (ISO 100 – 12800, untere Grenze bzw. obere Grenze wählbar)
  • Sensor-Bildstabilisierung IBIS, 5-Achsen-Sensorverschiebung, + 8 LV
  • Schneller Hybrid-Autofokus (AF-Phasendetektion 693 Punkte), KI-basierter Echtzeit-Augenautofokus, Echtzeit-Tracking, Autofokus-Arbeitsbereich von -4 EV bis 20 EV
  • Verschluss: Elektro-Mech. 60s – 1/8000s, Bulb-Funktion, elektronischer Verschluss 1/8.000 bis 30 s
  • Serienaufnahmen: max. 10 Bilder/s
  • Elektronischer Sucher mit 9,4 Millionen Bildpunkten (OLED), max.120 BpS
  • Klappbares 8 cm (3,2 Zoll) Touchscreen-TFT mit 2,1 Millionen Pixeln
  • Professionelle Videoaufnahme in 8K/60p
  • Wi-Fi-Konnektivität und Fernsteuerung per Smartphone
  • Blitzschuh für externen Blitz
Die kompletten technischen Daten findet man hier:

Der Sensor​

Bei der a7R V setzt Sony den 61 MP Exmor RS™-BSI-CMOS-Vollformatsensor und einen BIONZ XR Bildprozessor für die Verarbeitung der Daten ein. Die Konstruktion sorgt laut Sony für schnelle Übertragungsraten und schnelle A/D-Umwandlung, die auch 8K Video-Aufnahmen bis zu 60p ermöglicht. In Verbindung mit der neuen AI-Verarbeitungseinheit bietet der Sensor auch eine erhöhte AF-Präzision sowie Fokusstabilität.

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In der a7R V kommt der BIONZ XR wie in der Alpha 1 im Duo zum Einsatz.

Die Wärmeableitung durch die neuartige Sony Σ (Sigma)-förmige Wärmebefestigung ermöglicht längere durchgängige Aufnahmen. Die Befestigung besteht aus Graphit, der über hervorragende Wärmeableitungseigenschaften verfügt. Aufgrund dieser Struktur kann sich der Bildsensor, eine der Hauptquellen für die Entstehung von Wärme im Kameragehäuse, während der Bildstabilisierung frei bewegen und gleichzeitig effektiv Wärme ableiten.

Der Verschluss
Der mechanische Verschluss ist auf über 250.000 Auslösezyklen ausgelegt. Die Vibrationen durch den Verschluss werden minimiert. Es handelt sich um einen elektronisch gesteuerten, vertikal ablaufenden Schlitzverschluss. Die Verschlusszeiten reichen bei Einzelaufnahmen von 1/8.000 bis 30 Sek. und Langzeit (Bulb) und einen aktivierbaren 1. Verschlussvorhang. Der elektronische Verschluss bietet ebenfalls Zeiten von 30 Sek. bis 1/8000 Sek, aber keine Bulb-Funktion.

Bildstabilisierung

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Integrierte optische 5-Achsen-Bildstabilisierung

Die a7R V wurde als erste Kamera der a Reihe mit bis zu 8 Stabilisierungsstufen allein im Gehäuse verbessert. So gelingen stabile Aufnahmen auch bei langen Verschlusszeiten für Innenräume oder Nachtszenen, bei denen die Empfindlichkeit nicht hochgesetzt werden soll.

Autofokus
Schneller Hybrid-Autofokus mit verbesserter Geschwindigkeit, Präzision und Tracking. AF mit Augenerkennung in Echtzeit. Die Leistung des a7R V AF-Systems hat sich mit der grundlegend optimierten Motiverkennung insgesamt stark verbessert. Deep-Learning-Technologien unterstützen die leistungsstarke Echtzeit-AF-Erkennung und ein zuverlässigeres Echtzeit-Tracking mit einem leistungsstärkeren schnellen Hybrid-Autofokus über einen größeren Bereich.

Der schnelle Hybrid-Autofokus nutzt eine Kombination aus AF-Phasendetektion und AF-Kontrastdetektion, um sogar kleine Objekte oder Menschen vor einem dunklen Hintergrund präzise zu fokussieren.

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Die gesammelten Daten werden von den Bildprozessoren in Verbindung mit der neuen KI-Verarbeitungseinheit in Echtzeit analysiert, um so möglichst optimale Ergebnisse des AF-Systems zu erzielen.

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Mit 693 AF-Phasendetektionspunkten deckt er leider nur ca. 79 % des Bildbereichs ab.

Anhand von Motivformdaten erkennt die a7R V Bewegungen und das menschliche Auge damit ca. 60 % besser als die Vorgängerversion. Anhand erlernter menschlicher Formen und Posen werden nicht nur Augen, sondern auch Körper- und Kopfposition präzise erkannt, um z.B. Personen zu fokussieren und nachzuverfolgen, die von der Kamera abgewandt sind oder eine Maske tragen.

Sucher/Monitor
Hochauflösender 1,6 cm Quad-XGA-OLED-Sucher mit 9,4 Millionen Bildpunkten. LCD-Display 8,3 cm (3,2 Zoll) TFT mit rund 2,1 Mio Bildpunkten und Touch-Funktion, Das neue Display ist in 4-Achsen klapp- und drehbar.

Ausstattung und Schnittstellen

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Die beiden Steckplätze der a7R V unterstützen CFexpress-Typ-A- sowie UHS-I- und UHS-II-SDXC-/SDHC-Speicherkarten.

Der USB-C Anschluss der Kamera unterstützt USB 3.2-Übertragungsgeschwindigkeit (bis zu 10 Gbit/s). Dies ermöglicht die schnelle Datenübertragung per PC-Fernzugriff (Tethering) für eine reibungslose Handhabung großer Bilddateien. Für die schnelle Datenübertragung wird zusätzlich zum 2,4-GH-Band ein integriertes WLAN mit 5 GHz Bandbreite eingesetzt. Eine FTP-Übertragung von Dateien im Hintergrund findet automatisch statt, während die Kamera weiterhin aufnimmt. Akkulaufzeit (Fotos): Ca. 430 Aufnahmen.

Alle Verbindungen und die Akkuabdeckung sind abgedichtet. Die Objektivverriegelung und die Polsterung an der Halterung bieten zusätzlichen Schutz.

Der Test​

Alle meine persönlichen Aussagen und Anmerkungen in diesem Bericht beziehen sich ausschließlich auf die mir zum Test überlassene Kamera und Objektive. Da ich über Fotografie schreibe, lasse ich auch die Video-Funktionen der Kameras im Grunde weitgehend außen vor. Die technischen Daten der Kameras drucke ich hier nicht komplett ab, sondern verweise mit einem Link auf die entsprechende Herstellerseite. In meinem Review erwähne ich die reinen technischen Daten nur punktuell, hauptsächlich da, wo Neuerungen bzw. Herausstellungsmerkmale zur Sprache kommen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass die kameraspezifischen Leistungsdaten in der Regel immer an optimale (Labor-)Bedingungen wie voller und neuer Akku, die schnellsten Speicherkarten und die Verwendung der Top-Objektive der jeweiligen Hersteller geknüpft sind. In der Praxis wird man daher meistens nur Ergebnisse erzielen, die knapp unter 100% der „Papierform“ liegen.

Eingesetzt wurden an der a7R lV und a7R V folgende Objektive: Sony GM2 2.8/24-70mm, Sony GM2 2.8/70-200mm, Viltrox AF 1.8/16mm, Zeiss Batis 2.8/18mm, und ein Sigma 6.3/150-600mm DG DN OS. Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder „out of Cam“.

Die Beispielbilder, zuerst die mit der a7R lV:


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37mm; f/6.3; 1/500s; ISO 200
Die Farben der JPGs sind denen der Nikon D810 sehr ähnlich, und haben mir auch sofort gefallen!

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32mm; f/6.3 1/800s; ISO 200

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37mm; f/8; 1/250s; ISO 200, korrigiert und beschnitten!

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24mm; f/2.8; 1/400s; ISO 200

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200mm, f/6.3; 1/160s; ISO 100

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54mm, f/4.5; 1/160s; ISO 200

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24mm, f/2.8; 1/8s; ISO 200. Hier leistet das 5-Achsen-Stabilisierungssystem ganze Arbeit!

Hier nun Bilder aus der a7R V:

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57mm, f/2.8; 1/250s; ISO 200

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70mm, f/22 1/33s; ISO 200

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70mm, f/5.6; 1/200s; ISO 100.

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165mm, f/2.8; 1/1600s; ISO 400.

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197mm, f/2.8; 1/12500s; ISO 400

Croppen
Eine Domäne für einen 60 MP-Sensor sollte das Croppen, z.B. bei der Tier- oder Vogelfotografie sein. Hatte die a7R lV noch arge AF-Probleme bei der Motiv-Erkennung und dem Tracking, bietet die neue 5er-Version hier nun perfekte Ergebnisse, wie man an den Ausschnittvergrößerungen unten sehen kann.

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600mm, f/6.3; 1/1000s; ISO 320.

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205mm, f/5.6; 1/1000s; ISO 320.

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200mm, f/6.3; 1/1000s; ISO 500.

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89mm, f/8.0; 1/160s; ISO 100.

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Viltrox 16mm, f/4.5; 1/800s; ISO1200.

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Viltrox 16mm, f/5.6; 1/400s; ISO 200.

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Zeiss Batis 18mm, f/8.0; 1/500s; ISO 250.

Rauschverhalten
Grundsätzlich wird das Rauschverhalten der Bildsensoren mit steigender Auflösung immer schlechter. Nach den Erfahrungen mit der Leica M11 waren meine Erwartungen, was den 60 MP-Bildsensor in der a7R V angeht, schon bescheiden. Dass die Ergebnisse so schlecht ausfallen würden, hat mich dann doch überrascht!

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6400 ISO mit der a7R lV, das Rauschen ist schon sehr deutlich!

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49mm; f/5.6; 1/100s; ISO 1000 mit Stativ ohne ND-Filter.

Mit der a7R V entstand zufällig diese kleine ISO-Reihe beim Ausprobieren eines variablen ND-Filters. Wir hatten vorher an gleicher Stelle die Fotos von den Enten gemacht. Dafür war die Kamera auf M eingestellt – mit einer kurzen Verschlusszeit, einer Blende von 5.6 .und ISO auf Automatik. Beim stufenweisen Zudrehen des ND-Filters hat die Kamera dann automatisch den ISO-Wert je Step entsprechend angehoben.

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Alle Fotos vom gleichen Standpunkt und mit Stativ. Bei ISO 1000 ist das Ergebnis noch ok, aber schon bei ISO 2500 ist das Rauschen schon deutlich zu erkennen…

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…und bei ISO 5000 wird es dann gruselig. Darüber sind die Fotos ohne entsprechende Nachbearbeitung kaum zu gebrauchen! Die Abbildungen hier auf der Website sehen dabei noch deutlich besser aus als am Monitor.

Eigenartigerweise sind die eigenen Bildsensoren, die Sony in seinen Kameras verbaut, im Rauschverhalten immer etwas schlechter als bei Nikon, wo ja auch Sony-Sensoren verbaut werden, obwohl sie je eigentlich die gleiche Basis haben dürften. Das legt den Schluss nahe, dass die Algorithmen in den Nikon-Bildprozessoren scheinbar besser funktionieren.

Menü

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Angenehm fällt das neue Menü auf - endlich hat es auch Sony geschafft, mehr Ordnung und Struktur in das Menü zu bringen! Nach einer Grundeinstellung für die erste Exkursion geht es dann wie immer nach draußen zu einem ersten Fotospaziergang. Hierbei soll sich zeigen, wie intuitiv eine Kamera zu bedienen ist. Und tatsächlich, nach den Erfahrungen mit einigen Vorgänger-Modellen war es einfacher. Wirklich Intuitiv geht es aber immer noch nicht.

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Über die Funktionstasten lassen sich wichtige Einzel-Menüs schnell aufrufen.

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70mm; f/5.6; 1/400s; ISO 200. Durch die hohe Auflösung der a7R V gelingen sehr fein abgestufte SW-Bilder, die wie hier mit Silverfast noch eindrucksvoller gestalten lassen.

Die Bildqualität ist bei beiden Kamera-Versionen sehr gut. Die Ausbeute an wirklich technisch guten Fotos fällt bei der neuen a7R V allerdings auf Grund der Verbesserungen wie AI-gestützter AF oder neues Tracking deutlich größer aus.

Fazit​

Das Gehäuse, aus robusten Leichtmetallschalen Kunststoff Compound gefertigt, ist sehr gut verarbeitet. Am Gehäuse befinden sich insgesamt 18 Bedienelemente. Alle Tasten, -hebel und Drehknöpfe sind wie bei Sony üblich relativ eng zu einander angeordnet. Die vier Finger der rechten Hand finden immer noch keinen ausreichenden Platz an der Griffwulst, so dass der kleine Finger immer irgendwie in der Luft hängt. Für meine Hände ist die Kamera definitiv etwas zu klein. Mit ihrem Gewicht von 723 Gramm und ihrer Größe insgesamt ist die Ausbalancierung mit lichtstarken Objektiven nicht immer ideal, und ich würde unbedingt zu einem Zusatzhandgriff raten! Die Verarbeitung und die Haptik ist Sony-typisch sehr gut und vermittelt den Eindruck von Robustheit.

Mit dem neuen Menü lässt sich einigermaßen flott arbeiten. Die a7R V hat außen am Gehäuse immer noch mehr Bedienelemente (18), als mir persönlich lieb ist. Die Position des mit der a7lV eingeführten neuen Joysticks und das neue (belegbare) rechte Einstellrad oben am Gehäuse machen sich positiv bemerkbar, da der Daumen nun vernünftig den Joystick bewegen kann, und weitere Funktionen mit dem Einstellrad nun bequem erreichbar sind.

Sony bietet mit dem 61 MP-BSI-Bildsensor eine sehr gute Bildqualität, vorausgesetzt die äußeren Bedingungen stimmen und der User berücksichtigt die physikalischen Grenzen. Die Bildqualität kann auch bei den Kamera-JPGs auf ganzer Linie überzeugen. Zwar ist die a7R V gegenüber ihrer Vorgängerin deutlich flotter geworden, aber ein Performance-Monster ist sie nicht. Die Serienbildgeschwindigkeit der Kamera liegt nominell bei 10 B/Sek, in der Praxis kommt man gerade mal auf 8 Bilder. Der neue Bildprozessor (er entspricht dem der Alpha 1) hat mit der Verarbeitung der 61 MP augenscheinlich gut zu tun, worauf nicht nur die gefühlt langsame Auslesezeit der einzelnen Fotos in den Zwischenspeicher hindeutet. Andere Tester sprechen hier sogar von einer Auslesezeit von bis zu 1/10s! Sony kann scheinbar trotz des BIONZ XR-Prozessors im Doppelpack die Datenmenge des Sensors nicht auf dem gleichen Geschwindigkeits-Niveau verarbeiten wie das die Alpha 1 mit dem Stacked-Sensor vermag. Das ist leider nur Durchschnitt und sorgt nach wie vor, besonders bei JPG-Aufnahmen, für kurze Wartepausen im Sucher. Beide Speicherkartenfächer der Sony Alpha 7R V sind zwar SD-USH-II-Karten kompatibel, nutzen mit SD-Karten aber nicht annähernd das Potential der Kamera.

Entgegen der Leica M11, die wohl auf dem gleichen Bild-Sensor basiert, nutzt Sony kein Pixel-Binning, um die Sensorauflösung, z.B. bei schlechten Lichtverhältnissen, zu verringern. Schade, denn da das Rauschverhalten bei ISO-Werten über 2500 ISO deutlich abfällt, wäre dies ein probates Mittel, dem User eine in der Praxis leicht einzusetzende Alternative für weniger Rauschen zu ermöglichen.

PS: Pixel-Binning wurde ursprünglich für die immer höher auflösenden Bildsensoren in Smartphones entwickelt, um bei schlechten Lichtverhältnissen das Rauschen zu vermindern. Vereinfacht erklärt, werden bei schlechter werdenden Lichtverhältnissen nebeneinander liegende Pixel zusammengefasst. Dabei können Dual-, Quad- oder sogar größere Pixel-Areals gebildet werden.

Das neue Hybrid-AF-System mit der neuen KI-Verarbeitungseinheit inklusive Augen-AF und einer überarbeiteten Motiverkennung entspricht nun endlich dem heutigen Standard bei Top-Kameras und ist ein wirklicher Fortschritt!! Auch das Realtime-Tracking hat gegenüber dem Vorgänger-Model einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Fokus-Stacking hingegen gibt es leider auch bei der a7R V immer noch nicht.

Der elektronische Oled-Sucher mit über 9 Mio. Bildpunkten bietet ein exzellentes Sucherbild. Und es ist eine Wohltat damit zu arbeiten, da er ein klares und detailreiches Bild und eine Bildwechselfrequenz von bis zu 120 B/s liefert! Das Touch-Display hat sich auflösungstechnisch ebenfalls deutlich verbessert und bietet jetzt rund 2,1 Mio. Bildpunkte bei nun 3,2 Zoll Bild-Diagonale. Dass das Display klapp- und drehbar ist, gehört heute ebenfalls zum Standard.

Was mir bei den Sony-Kameras immer sehr gut gefällt, ist die Möglichkeit, an der Kamera mit dem Sony-E-Mount-Bajonett eine Vielzahl an Objektiven, auch von Drittanbietern, problemlos einsetzen zu können. So konnten auch die beiden Objektive von Viltrox und Zeiss an der Kamera beweisen, dass sie auch mit der hohen Auflösung sehr gut zurechtkommen.

Die neue Sony a7R V stellt für mich eine Art „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ dar, auf der einen Seite eine Kamera mit einer sehr guten Bildqualität, guten Crop-Möglichkeiten und einem wirklich guten AF-System. Aber auf der anderen, der dunklen Seite, auch leider mit einigen Nachteilen wie der mäßigen Gesamt-Performance und für heutige Verhältnisse schwachen ISO-Leistung. Neben der hohen Auflösung bietet die Kamera auch wenig bis keine besonderen Herausstellungsmerkmale, mit denen andere Top-Kameras aufwarten.

Natürlich ist und war der Schritt auf eine KB-Sensor-Auflösung von 61 Megapixel von Anfang an mit gewissen Kompromissen behaftet. Wer die Sensorleistung ausschöpfen will, benötigt nicht nur sehr gute Objektive, sondern muss auch die eine oder andere Einschränkung in der täglichen Arbeit einkalkulieren. So sollte man möglichst niedrige ISO-Werte bevorzugen und auch nicht merklich weiter als f 5.6 abblenden. Darüber hinaus empfiehlt sich bei Verschlusszeiten unter 1/100 Sekunde (wenn möglich) ein Stativ. Somit beschränkt sich der Vorteil der hohen Auflösung auf ein schmales Band an Aufnahme-Situationen und -Parametern. Ob man die 61 MP haben muss oder haben will, ist sicher zum einen nicht nur eine Frage des Geldbeutels, sondern auch eine Frage einer nüchternen Abwägung des Kosten-/Nutzverhältnisses. Meine Bewertung lautet daher:

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Mehr Informationen:
Erhältlich ist die Sony a7R V z.B. bei unserem Partner AC-Foto:

© Netzwerk Fotografie und Dieter Doeblin. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Dieter Doeblin, Fotos: D. Doeblin, Sony

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