Review Carbon-Reisestative

Sechs Carbon-Reisestative im Vergleich: Manfrotto, Gitzo, Rollei, Vanguard, Benro und Peak Design
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Sechs aktuelle Stative im Vergleich​

Die 6 Teststative nebeneinander auf einer Treppe, seitlich fotografiert


Gute und stabile Stative sind normalerweise leider auch immer etwas größer und schwerer, als der User sich das wünscht. Eine Alternative sind kompakte Reisestative. Vor allem für den, der in Zeiten des Klimawandels zur Schonung unserer Umwelt zu Fuß geht oder mit dem Fahrrad fährt. Also kommt zur Frage der Größe auch noch der Faktor Gewicht, der in die Überlegungen mit einbezogen werden muss. Dass auf einer längeren Fotowanderung auch schon eine Gewichtseinsparung von 300 Gramm eine deutlich spürbare Erleichterung bedeutet, kann sicher jeder bestätigen, der fotografisch schon einmal so unterwegs war. Bei der Frage des Gewichts kommt schnell der Werkstoff Carbon ins Spiel: Carbon (Kohlefaser) ist leicht und dabei sehr stabil, also prädestiniert für leichtes Foto-Zubehör und heutzutage preislich durchaus erschwinglich.

Unser Review stellt sechs aktuelle Stative von Manfrotto, Gitzo, Rollei, Vanguard, Benro und Peak-Design vor und unterzieht diese einem Praxistest.

Die 6 Teststative nebeneinander auf einer Treppenstufe, von vorne fotografiert


Die Anforderungen​

Zum Einstieg aber vorweg erst einmal etwas zu den Anforderungen, die ich für alle Stative vorher festgelegt hatte: Carbon-Material, verstellbare Mittelsäule und ein maximales Packmaß von 45 cm (eingeklappt). Welche Kugelköpfe mitgeliefert wurden, konnten die Hersteller selbst bestimmen. Das Manfrotto-Stativ benutze ich schon länger. Es ist mit seiner umlegbaren Mittelsäule schon als Spezialist zu bezeichnen, so dass ich es nur als alternatives Beispiel mit einbeziehe.

Tabelle der Basisdaten aller 6 Teststative

Die Basisfunktionen​

grafische Anleitung zum Aufbau und Umklappen eines Stativs


Die Basisfunktionen sind bei den „Umklapp-Stativen“ alle identisch und weichen nur in den Stellgrößen voneinander ab. Beim Peak-Design muss die Mittelsäule, da das Stativ nicht umklappbar ist, nach oben herausgenommen werden und umgekehrt wiedereingesetzt werden, wenn man nach unten arbeiten will. Alle Stativköpfe konnten um 90° für Hochkantfotos abgeklappt werden.

Da Kohlefaser (CFK) ein besonderer Werkstoff ist, hier ein kleiner Exkurs zum Material.

Exkurs: Kohlenstofffaser

Kohlenstofffasern – im allgemeinen Sprachgebrauch auch verkürzt Kohlefasern oder (aus dem Englischen carbon fibers lehnübersetzt) Carbon- bzw. Karbonfasern genannt – sind industriell gefertigte Fasern aus kohlenstoffhaltigen Ausgangsmaterialien, die durch an den Rohstoff angepasste chemische Reaktionen in graphitartig angeordneten Kohlenstoff umgewandelt werden. Man unterscheidet isotrope und anisotrope Typen: Isotrope Fasern besitzen nur geringe Festigkeiten und geringere technische Bedeutung, anisotrope Fasern zeigen hohe Festigkeiten und Steifigkeiten bei gleichzeitig geringer Bruchdehnung in axialer Richtung. Die wichtigste Eigenschaft von Kohlenstofffasern als Versteifungskomponente für den Leichtbau ist der E-Modul; die E-Modulwerte der besten Fasern liegen nahe bei dem theoretischen E-Modul von Graphit in a-Richtung.

Größenvergleich menschliches Haar und Kohlenstofffaser

Foto: Wikipedia

Eine Kohlenstoff-Faser oder auch -Filament hat einen Durchmesser von etwa 5–9 Mikrometer. Üblicherweise werden 1.000 bis 24.000 Filamente zu einem Multifilamentgarn (Roving) zusammengefasst, das aufgespult wird. Die Weiterverarbeitung zu textilen Halbzeugen wie z. B. Geweben, Geflechten oder Multiaxialgelegen erfolgt auf Webmaschinen, Flechtmaschinen oder Multiaxial-Wirkmaschinen bzw. im Bereich der Herstellung von faserverstärkten Kunststoffen direkt auf Prepreganlagen, Strangziehanlagen (Pultrusionsanlagen) oder Wickelmaschinen. Als Kurzschnittfasern können sie Polymeren beigemischt und über Extruder- und Spritzgussanlagen zu Kunststoffbauteilen verarbeitet werden. Neben diesen Niederfilament-Typen gibt es auch sogenannte HT-Typen mit 120.000 bis 400.000 Einzelfasern, die hauptsächlich zu Kurzschnittfasern, aber auch zu textilen Gelegen verarbeitet werden.
Die Fasern werden überwiegend zur Herstellung von kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK = C-Faser verstärkter Kunststoff) benutzt.


CFK-Produkte: 3 Beispiele

CFK-Produkte

CFK besteht aus Kohlenstofffasern, die in eine Matrix aus Kunstharz eingebettet sind. Dabei profitieren die mechanischen Eigenschaften des ausgehärteten Verbunds vor allem von der Zugfestigkeit und der Steifigkeit der Kohlenstofffasern. Die Matrix verhindert, dass sich die Fasern unter Belastung gegeneinander verschieben. Dazu muss die Matrix auf der Faser haften. Da der Verbundwerkstoff vor allem von den Eigenschaften des Fasermaterials profitiert, wird meist ein möglichst hoher Faservolumenanteil angestrebt – möglichst viel Faser, möglichst wenig Matrix.
Die Festigkeit und die Steifigkeit eines aus CFK hergestellten Materials sind in Faserrichtung wesentlich höher als quer zur Faserrichtung. Quer zur Faser ist die Festigkeit geringer als bei einer unverstärkten Matrix. Deshalb werden z. T. einzelne Faserlagen in verschiedenen Richtungen verlegt. Die Faserrichtungen werden vom Konstrukteur festgelegt, um eine gewünschte Festigkeit und Steifigkeit zu erreichen.
Kohlenstofffasern haben im Vergleich zu Werkstoffen wie Stahl eine deutlich geringere Dichte (~ Faktor 4,3). Ihre gewichtsspezifische Steifigkeit in Faserrichtung ist, je nach Fasertyp, etwas (ca. 10–15 %) oder sogar deutlich (ungefähr Faktor 2) höher als die von Stahl. Auf diese Weise entsteht ein sehr steifer Werkstoff, der sich besonders für Anwendungen mit einer Hauptbelastungsrichtung eignet, bei denen es auf eine geringe Masse bei gleichzeitig hoher Steifigkeit ankommt. Häufig müssen Faserverbund-Bauteile, um dieselben Kräfte wie ein entsprechendes Metall-Bauteil auszuhalten, voluminöser entworfen werden, was den Gewichtsvorteil reduziert.


Beispielbild Autoklav

Autoklav. Ein Autoklav (gr./lat. selbstverschließend) ist ein gasdicht verschließbarer Druckbehälter, der für die thermische Behandlung von Stoffen im Überdruckbereich eingesetzt wird. Ein Schnellkochtopf stellt ebenfalls einen Autoklav dar.

Hochwertige CFK-Teile werden in sogenannten Autoklaven „gebacken“. Durch die Wärmebehandlung, in Verbindung mit hohen Drücken wird eine nahezu absolute Lunkerfreiheit und Gasdichte im Faserverbund erreicht. Damit werden Faserverbundbauteile noch besser für höchste Festigkeitsanwendungen im Rennsport, in der Luftfahrt und im Maschinen- und Anlagenbau. Darüber hinaus lassen sich mittels Pyrolyse eine Temperaturbeständigkeit von 1100 Grad Celsius erreichen.
Wie bei jedem Faser-Verbundwerkstoff ergeben sich die Eigenschaften in einer „Arbeitsteilung“ durch die Wahl der Materialien, die Orientierung der Fasern und das Herstellungsverfahren. Durch die Menge und die Art des CFK ergeben sich die mechanischen Eigenschaften wie Zugfestigkeit, Druckfestigkeit und E-Modul. Durch die Wahl des Harzes ergeben sich die chemische Beständigkeit und das Temperaturverhalten des Verbundes.

Anwendungen
Bauteile aus faserverstärkten Materialien sind teuer in der Herstellung verglichen mit Metallbauteilen gleicher Belastbarkeit. Daher kommen sie vor allem in Bereichen zum Einsatz, in denen ihre Vorteile (meist Gewichtseinsparung) ein mindestens entsprechend hohes Kosten-Einspar-Potential bewirken.

Das gilt besonders in der Luft- und Raumfahrt und im Fahrzeugbau; aber auch bei Sportgeräten, Fahrrädern und vielen mobilen Konstruktionen. Im Bauwesen wird CFK als Bewehrung von Betonbauteilen verwendet oder in Form von Lamellen oberflächlich oder in Schlitze auf die Bauteiloberfläche geklebt, um Bauwerke zu verstärken.

Der Werkstoff CFK ist also besonders gut geeignet, um leichtes Zubehör für den Fotografen herzustellen. Im Bereich Fotostative wurden zu Anfang eigentlich nur die Aluminium-Stativbeine durch solche aus CFK ersetzt. Inzwischen werden auch die Stativsäulen und Klemmvorrichtungen aus CFK gefertigt. Ein Thema ist auch immer wieder die sogenannte Eigendämpfung. Diese beschreibt das Schwingungsverhalten der Stative bei Berührung, wichtig z.B. bei Langzeitbelichtungen. Da CFK-Bauteile eine deutlich bessere Eigendämpfung besitzen als Metall, sind Carbon-Stative auch in dieser Hinsicht den Alu-Stativen überlegen! Noch bessere Eigendämpfungseigenschaften besitzen nur noch Holzstative, die aber in der Regel gewichtsbedingt als Reisestative eher ungeeignet sind. Ansonsten hat der hochmoderne Werkstoff CFK fast keinen Einfluss auf die eigentliche Konstruktion und das Design von Stativen genommen – bis auf eine Ausnahme: das Reisestativ von Peak Design!

Detailbild Stativbeine. Links: Drehklemmung, rechts Spannbügelklemmung.

Links: Drehklemmung, rechts Spannbügelklemmung.

Alle hier vorgestellten Stative haben bis auf eine Ausnahme runde Rohrprofile als Beine. Die Ausnahme macht auch hier Peak-Design: hier kommt ein spezielles, nicht rundes Profil zum Einsatz. Diese Konstruktion bedingt auch Spannklemmen, statt wie bei den anderen Kandidaten Drehhülsen zur Arretierung der Beinsegmente.

Inzwischen ist auch bei Reisestativen meist eine in der Höhe verstellbare Mittelsäule standardmäßig vorhanden. Das Benro und das Vanguard verfügen sogar über eine in sich nochmals ausziehbare Mittelsäule, mit der die individuelle Arbeitshöheneinstellung nochmals differenzierter möglich ist. Das Benro, das Peak-Design und das Vanguard haben neben dem Basis-Beinsegment jeweils vier ausziehbare Beine, das Manfrotto, das Gitzo und das Rollei kommen dagegen mit je drei Segmenten aus. Wie uns der Höhenvergleich bei den Stativen zeigt, ist die Anzahl der jeweiligen Beinsegmente nicht unbedingt maßgeblich für die eigentliche Arbeitshöhe.

Vergleich Grundhöhe der Stative, nebeneinander auf einer Treppenstufe

Grundhöhe der Stative. Das sehr kleine Peak-Design zeigt sich später als ein „Arbeitshöhen-Riese“!

Vergleich Grundhöhe der Stative bei eingefahrener Mittelsäule, nebeneinander auf einer Treppenstufe


Vergleich Grundhöhe der Stative bei ausgefahrener Mittelsäule, nebeneinander auf einer Treppenstufe


Wie man sehen kann, ist das Manfrotto bei Minimum- und Maximum-Einstellung das jeweils höchste Stativ. Bei der minimalen Einstellhöhe findet sich das Peak-Design, das Stativ mit dem kleinsten Packmaß, mit leichtem Vorteil vor dem Benro und Rollei auf dem zweiten Platz! Das Vanguard und das Gitzo bieten hier am wenigsten.

Bei der maximalen Arbeitshöhe kann das Benro mit dem Manfrotto mithalten, das Rollei, das Vanguard und das Peak-Design folgen mit einer guten Handbreit weniger Höhe. Das kleine Gitzo bietet hier die geringste mögliche Höhe.

Größenvergleich der Stative links mit 1,72 m großer Person, rechts mit 1,92 m großer Person daneben

Hier noch einmal ein Vergleich, der deutlich macht, dass ein Stativ auf die Größe des Users hin ausgewählt sein sollte. Links stehe ich (1,72 m groß) und rechts der Fotofreund Michael (1,92 m groß).

Natürlich gibt es eine direkte Korrelation zwischen möglicher Arbeitshöhe, Stabilität, Packmaß und Gewicht. Bei maximaler Arbeitshöhe verlieren alle Stative an Stabilität. Dabei wirken die Stative mit vier ausziehbaren Segmenten unbeladen erst einmal recht filigran. Packt man dann eine Kamera darauf, verbessert sich der Eindruck sofort: durch die Beladung stabilisieren sich alle Stative merklich selbst. Das liegt zum einen an der spielfreien Passung der Beine (Bein in Bein) und zum anderen an der Klemmung der Stativbeine. Am erstaunlichsten ist hier die Wirkung beim Peak-Design – mit einer D750 drauf steht das Teil dann recht stabil. Da können das Benro und das Vanguard nicht ganz mithalten und ohne zusätzliches Gewicht (an der Mittelsäule unten angehangen) ist das Arbeiten in Maximalhöhe bei diesen beiden nicht wirklich als stabil zu bezeichnen. Den Haken an der Mittelsäule, um ein Gewicht anzuhängen, haben übrigens alle Testkandidaten.

Kleiner Tipp: Praktisch als Zusatzgewicht ist eine stabile Plastiktüte, die zusammengefaltet keinen Platz beansprucht und, wenn nötig, vor Ort mit Sand, Erde oder Wasser befüllt werden kann.

Die mitgelieferten Kugelköpfe waren alle panoramafähig und mit Arca-kompatiblen Schnellaufnahmen ausgestattet. Die Klemmungen arbeiteten zuverlässig, so dass auch eine D750 mit z.B. einem 2.8/70-200mm-Objektiv bombenfest in der Landschaft stand.

Detail: die mitgelieferten Kugelköpfe der 6 Teststative nebeneinander


An der Stativschulter befinden sich bei fast allen Stativen heutzutage Gewindeanschlüsse (für Zollgewinde). Die Ausnahme bei den Testkandidaten machen das Gitzo und das Peak-Design, hier fehlt so etwas.

Detail: die Stativfüße der 6 Teststative nebeneinander


Die Stativfüße sind alle mit griffigen Gummikappen ausgestattet, die außer beim Rollei auch gegen Spikes ausgewechselt werden können. Beim Benro und Vanguard werden diese beim Kauf sogar mitgeliefert!

Beinsegment von der Stativschulter abgeschraubt, oben beim Vanguard, unten beim Benro


Vanguard (oben) und Benro bieten die Möglichkeit, ein Beinsegment von der Stativschulter (Basis) abzuschrauben und als separates Einbeinstativ zu nutzen. Diese behelfsmäßigen Einbeinstative bieten naturgemäß allerdings nur eine etwas geringere Arbeitshöhe als die Stative an sich. Sie sind aber, sofern man nicht sehr groß ist, durchaus zu gebrauchen.

Ein besonderes Augenmerk sollte man auf die Funktion der Klemmung der Beinsegmente richten. Bei Carbon-Stativen wird meist das Prinzip der Klemmhülse verwendet. Hierbei wird eine Schraubhülse gegen das Basissegment verschraubt und eine dünne und geschlitzte, konische Klemmhülse gegen die Innenseite des Beinrohres verpresst. Durch die hohe Qualität des CFK- und Kunststoffmaterials wird einerseits eine zuverlässige Klemmung und andererseits eine lange Lebensdauer erreicht. Dieses System passt sich durch das stufenlose Schraubverfahren normalerweise sehr gut an Temperaturschwankungen an. Die Drehhülsen sollten daher bei allen äußeren Bedingungen leichtgängig sein und spielfrei arbeiten.

Hochwertiges, im Autoklaven „gebackenes“ CFK-Material ist normalerweise sehr witterungsbeständig. Allerdings darf keinesfalls Feuchtigkeit in die Bauteile selbst eindringen (z.B. an den Kanten). In der Vergangenheit gab es hin und wieder Probleme mit nicht gebackenen, nur verklebten Bauteilen. Leider machen die Hersteller der Stative keine direkten Angaben zur Qualität des von ihnen verwendeten CFK-Materials.

Details: Klemmhülsen und (bei Rollei) Gummidichtringe)

Die geschlitzten Klemmhülsen sind aus verschleißfestem Polyamid gefertigt. Zusätzliche Dichtungsringe, die Rollei beispielsweise an den Verbindungsstellen verbaut, verhindern das Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit.

Detail beim Peak Design: Klemmbügel mit Nachstellschrauben


Einen anderen Weg geht Peak-Design. Da bei dem Profil der Beine eine Schraubklemmung nicht möglich ist, kommen hier Klemmbügel zum Einsatz. Diese Klemmbügel können mit Einstellschrauben in ihrer Spannung justiert werden, so dass immer eine optimale Klemmung gewährleistet ist. Eine Justierung könnte z. B. bei hohen Temperaturschwankungen nötig sein.

mitgeliefertes Zubehör, 3 Bilder vlnr: Werkzeug, Smartphone-Halterung, Tasche


Hinsichtlich des Zubehörs sind alle Stative ordentlich ausgestattet. So sind Taschen, kleines Werkzeugset und eine Kameraplatte Standard. Manchmal sind sogar Halter für Smartphones oder Spikes dabei.

Arca-Platten, Schnellwechselplatten, zum Test mitgeliefert


Die mitgelieferten Arca-Platten passen natürlich perfekt auf die ebenfalls mitgelieferten Schnellwechsel-Plattformen auf den Kugelköpfen der Hersteller. Hat man aber schon welche im Bestand, sollte man diese unbedingt vor der ersten Exkursion auf einwandfreien Sitz auf dem neuen Stativ prüfen, denn es sind China-Importe auf dem Markt, die nicht wirklich vollkompatibel sind.

Im Folgenden einige Impressionen zum Einsatz der Stative in der Praxis. Da alle Stative in allen für sie vorgesehenen Positionen gleich zuverlässig funktionierten, habe ich hier nicht alle Fotos zu allen Stativen ausgewählt, sondern nur typische Beispiele.

Beispielbilder für Packmaß in Trolleykoffer

Alle Kandidaten erfüllten zusammengeklappt die Vorgaben für das maximale Packmaß.

Beispielbild Stativeinsatz mit Olympus-Kamera


Beispielbild Stativeinsatz mit Olympus-Kamera


Beispielbild Stativeinsatz mit Olympus-Kamera


Beispielbild Stativeinsatz mit Olympus-Kamera

Bei allen Stativen auf den Bildern oben kam eine Olympus E-M1X zum Einsatz.

3 Beispielbilder nebeneinander:  Stativeinsatz mit Nikon D500

Hier mit einer Nikon D500.

2 Beispielbilder nebeneinander:  Stativeinsatz mit Sony A7 links und Nikon D500 rechts

Links mit einer Sony A7 und rechts wieder mit einer D500.

Kleiner Ausflug zum Thema „Stative und die Makrofotografie“​

Will man mit Carbon-Reisestativen auch Makrofotografie betreiben, geht das im Grundsatz mit allen hier vorgestellten Kandidaten. Beim Manfrotto Befree GT XPRO gibt es allerdings ein zusätzliches Feature, das die Makrofotografie erleichtert: das Stativ hat eine umklappbare Mittelsäule, die sowohl ober- als auch unterhalb der Stativschulter zu gebrauchen ist.

Umklappbare Mittelsäule beim Manfrotto Befree GT XPRO im Einsatz


Umklappbare Mittelsäule beim Manfrotto Befree GT XPRO im Einsatz


Damit ist das Manfrotto-Stativ sehr praktisch, jedoch auch deutlich schwerer, da für das System eine massive Aluminium-Stativbasis erforderlich ist. Seit einiger Zeit ist allerdings eine neue, sehr praktische Lösung auf den Markt gekommen: ein einzeln zu transportierender Winkel-Arm aus Carbon der Firma Rollei. Zusätzlich kann das Teil auch als Verlängerung der Mittelsäule dienen. Diese Lösung ist ebenfalls leicht und muss nicht permanent mitgenommen werden. Sie ist mit 49,- Euro zudem recht preisgünstig.

ST-29.jpg

Die neue Zusatz-Mittelsäule von Rollei.

Und zu guter Letzt noch ein kleiner Hinweis:

Während unseres Usertreffens am 18.06.2022 auf der Zeche Zollern in Dortmund wird uns Harald Gorr von Xhia sein sehr innovatives (Makro)Stativsystem ray nebst weiterem Stativ-Spezialitäten und Zubehör vorstellen!

Makrostativsystem ray von xhia

Das neue ray-System von Xhia.

Fazit​

Zur Einleitung meines Fazits möchte ich anmerken, dass alle hier vorgestellten Stative der Bezeichnung „leichtes und kompaktes Reisestativ“ mit vielleicht einer Ausnahme, dem Manfrotto, mehr als gerecht werden! Beim Manfrotto würde ich heute zur Version ohne umklappbare Mittelsäule und falls nötig zum multifunktionalen Rollei-Winkel-Arm greifen. Bis auf das Peak-Design lassen sich alle Standard-Stative mit dieser Lösung einfach ergänzen.

Die Verarbeitungsqualität ist bei allen getesteten Stativen sehr gut. Außer beim Peak-Design bieten alle Hersteller i.d.R. unterschiedliche Stativvarianten mit jeweils unterschiedlichen Arbeitshöhen an, so dass man sich das persönlich passende aussuchen kann. Nutzt man bei den hier vorgestellten Stativen die jeweilige maximale Arbeitshöhe, macht das Manfrotto den stabilsten Eindruck, gefolgt von Peak-Design und Rollei. Das Benro und das Vanguard können da nicht ganz mitthalten. Das Gitzo dagegen ist zwar stabil, aber dafür auch das mit der geringsten Arbeitshöhe. Da die konventionellen Stative konzeptionell im Prinzip identisch sind, gibt es bei der Bedienungsphilosophie auch keine wirklichen Unterschiede. Genau überlegen sollte man sich allerdings, ob man den vom Hersteller jeweils mitangebotenen Kugelkopf wählt. Hier gibt es sehr wohl Unterschiede, und zwar nicht nur hinsichtlich der Traglast. Beim Manfrotto und Gitzo ist die Bedienung simpel, auch mit Handschuhen. Beim Rollei, Vanguard und Benro ist das etwas frickeliger, man kann auch sagen gewöhnungsbedürftiger. Herausragend ist das Bedienungskonzept dagegen beim Peak-Design. Hier ist alles einfach und praktisch, und der spezielle Stativkopf ist simpel und auch einhändig zu bedienen!

Detailaufnahmen Spikes


Die Standfestigkeit, auch auf unterschiedlichen Untergründen, ist allgemein gut. Was aber die teilweise mitgelieferten Spikes bewirken sollen, hat sich mir nicht erschlossen, werden sie doch gerade eingeschraubt und stehen normalerweise so nicht mit den Spitzen zum Untergrund. Hier sind die abgewinkelten Beinspitzen von Rollei als gute Lösung hervorzuheben!

Stative sind in ihrer Ausführung so vielfältig wie die Aufgaben, für die ein Stativ benötigt wird. In Sachen Stabilität und Standfestigkeit geht auch nichts über Eigengewicht und Größe, das gilt grundsätzlich für das Studio und einige Sonderanwendungen (z.B. Astrofotografie). Wenn es um Mobilität geht, gelten aber ganz andere Kriterien: geringes Packmaß und möglichst geringes Gewicht, und damit wären wir wieder bei der Kategorie der Reisestative.

Beispielbild Reisestativ


Insgesamt sind alle hier vorgestellten Carbon-Stative gute und zuverlässige Begleiter für Fotografierende Wenn man die Auswahl sorgfältig nach den individuellen Bedürfnissen vornimmt, wird man keine Überraschungen erleben. Daher sollte man ein Reisestativ auch unbedingt gründlich vor dem Kauf ausprobieren. Bei einer Preisspanne von ca. 250 bis 650 Euro sind die Unterschiede erstaunlicherweise nicht wirklich sehr groß, so dass in manchen Fällen auch das preisgünstige Stativ seinen Zweck erfüllen kann! Darüber hinaus gibt es häufig Rabattaktionen, bei denen immer wieder Stative aus dem oberen Preissegment günstig erhältlich sind. Liebt man allerdings das Besondere, kommt man am Peak-Design nicht vorbei. Hier zeigen die Entwickler, dass auch bei Stativen und speziell Kugelköpfen Innovation möglich ist! Für den zugegebenermaßen hohen Preis (ca. 650 €) bekommt der Käufer allerdings auch das innovativste Stück Reisestativ in die Hand, welches der Markt zur Zeit zu bieten hat. Es wirkt schlicht und elegant, ist ungemein praktisch im Handling, und es ist klein, entpuppt sich aber bei der Arbeit als Riese. Ich bin von diesem Stativ schlichtweg begeistert - es hat das Zeug zu meinem dauerhaften Reisebegleiter zu werden!

Meine Bewertung​

Bewertungstabelle für alle 6 Teststative und verschiedene Kriterien

Grundlage für die Preis-/Leistungsbewertung sind immer die offiziellen Herstellerpreise.

Besonders bedanken möchte ich mich noch bei Michael Walter und Burkhard Gudd für ihre Hilfe!

Weitere Informationen zu den einzelnen Testkandidaten​

Manfrotto Befree GT XPRO Kit Carbon aktuell 454,67 €
Rollei Lion Rock Traveler M, Edition green aktuell 349,00 € (statt 698,00 €)
Benro FBAT15C aktuell (mit VX20) 330,00 €
Vanguard VEO 3T 235CBP aktuell 269,99 €
Gitzo GTO 545T aktuell 539,00 € (statt 626,23 €)
Peak Design Travel Tripod aktuell 699,99 €

Partnerlinks zu Amazon*
Manfrotto Befree GT XPRO Kit Carbon aktuell 351,25 (mit Schnellwechselplatte) €
Rollei Lion Rock Traveler M, Edition green aktuell 349,00 € (statt 698,00 €)
Vanguard VEO 3T 235CBP aktuell 246,89 €
Peak Design Travel Tripod aktuell 699,99 €
* Für Bestellungen über Partnerlinks erhält das Netzwerk Fotografie kleine Provisionen. Am Preis für dich als Kunden ändert sich nichts. Die angegebenen Preise sind aktuell am Tag der Veröffentlichung dieses Reviews. Sie können sich mit der Zeit ändern.

© Dieter Doeblin. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Dieter Doeblin, Fotos: D. Doeblin, Burkhard Gudd, Hersteller, Wikipedia

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