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Kamera der Spitzengruppe mit leichten Einstiegsschwierigkeiten für Canon-Ungeübte​

Review: Canon EOS R5 - spiegellos glücklich?


Heute startet im Netzwerk-Fotografie eine Reihe mit Reviews/Tests zu den aktuellen spiegellosen Systemkameras. In loser Reihenfolge stelle ich die Sony Alpha 1, Canon EOS R5, Leica SL2, Nikon Z 7ll, Panasonic S5 und die Sigma fpL vor. Hierfür liegen schon Zusagen von den Herstellern vor, und weitere sind angefragt. Alle genannten Modelle sind so genannte Vollformat-Kameras. Die Sensorauflösungen reichen von 24 MP bis zu 60 MP. Den Anfang macht die Canon EOS R5.

Vorab aber noch einige Anmerkungen zum Thema

„Spiegellose Systemkameras“​


Im Jahr 2018, auf der letzten Photokina, wurden die „Spiegellosen“ erstmals auf breiter Basis in Deutschland vorgestellt, und jeder namhafte Hersteller präsentierte neben den bekannten Spiegelreflex-Kameras auch spiegellose System-Kameras. Dabei konnte die Kundschaft bei den jeweiligen Herstellern unter den hausüblichen Sensorgrößen wählen. Auch das damals als Spitzensegment bezeichnete FX-Format (24x36mm) bei den DSLRs wurde von Sony, Nikon, Canon, Leica und anderen Anbietern als Top-Segment der spiegellosen Variante (DSLM) eingeführt. Man könnte also die 2018 vorgestellten DSLMs als 1. Generation bezeichnen. Die Ausnahme war hier Sony, die schon deutlich früher konsequent auf die spiegellose Systemkamera gesetzt hatten. Die momentan am Markt erhältlichen Vollformat-Spiegellosen stellen bis auf eine Ausnahme die 2. Generation dieser Kameras dar. Die Ausnahme bildet wieder Sony mit der Alpha 1.

Mit der Einführung der DSLM wurde die Kamera endgültig zum Computer mit angeflanschter Optik, was eine Vielfalt an technologischen Neuerungen ermöglicht, aber in seiner Auslegung systemisch den User, sprich Fotografen, zum Mitfahrer auf dem Beifahrersitz der Automatiken macht. Das schlägt sich natürlich auch in den Bedienkonzepten der neuen Kameras nieder. Eine DSLM bietet heute technisch die „Dreifaltigkeit der Fotografie“ in einem Gerät an:

Da haben wir die „Smartphone-Variante“, sicher die vom Hersteller meistgeliebte, macht sie doch alles automatisch, und produziert so technisch kaum Ausschuss.

Variante zwei, für den ambitionierten Fotoamateur, gaukelt die uneingeschränkte Kontrolle über den fotografischen Vorgang vor, vergisst aber dem User zu erklären, dass das heißgeliebte RAW schon längst vom Kamera-Computer vielfach aufgemotzt wurde, bevor es in der heimischen Software landet.

Tja, und die dritte Variante setzt voraus, das der User sich voll und ganz auf den zugegeben umfangreichen und technisch fortschrittlichen softwarebasierten Workflow einlässt. Das bedeutet aber selbst für den willigen User, dass er viel Lehrgeld bezahlen muss, ehe er wieder bei seinen gewohnten Standards angekommen ist, da die spiegellose Systemkamera eine etwas andere Herangehensweise an die jeweilige fotografische Aufgabe erfordert als gewohnt.

In der Praxis muss sich also zeigen, inwieweit der technische Fortschritt, der mit einer DSLM einher gehen soll, bei der täglichen Arbeit die Vorteile bietet, den die hohen Kosten eines Systemumstiegs erhoffen lassen. Die bei der Einführung der DSLM im Jahr 2018 bestehenden systemischen Nachteile wie hoher Stromverbrauch, Sucherqualität, Untauglichkeit für sich schnell bewegende Objekte, allgemeine AF-Probleme, spärliche Objektivauswahl, und generelle Einschränkungen bei Spezialzubehör sind inzwischen laut der Hersteller angeblich weitgehend behoben, sei es durch zahlreiche Updates der jeweiligen Kamerasoftware oder durch Erweiterung des Angebotes allgemein. Ob das tatsächlich so ist und ob die zahlreichen Updates die systemischen Probleme inzwischen beseitigt haben, möchte ich herausfinden.

Vor diesem Hintergrund gilt es, auch die praxisbezogene Testarbeit mit diesen Kameras den sich veränderten Bedingungen anzupassen. Es kann also durchaus sein, dass sich der eine oder andere Ansatz bei den anstehenden Tests vor dem Hintergrund gemachter Erfahrungen (noch) verändert.

Ich persönlich habe auf eine Systemumstellung bisher verzichtet, da ich für die Art der Fotografie, die ich privat betreibe, keinerlei Vorteile gesehen habe. Mir reicht (bisher) meine DSLR mit 24 MP für alle meine Aufgaben aus. Ob sich eventuell doch noch Gründe für einen Umstieg, z.B. nach der Testreihe mit den DSLMs, ergeben, wird sich zeigen. Es wird also spannend!

Die Canon EOS R5​

Alle meine persönlichen Aussagen und Anmerkungen in diesem Bericht beziehen sich ausschließlich auf die mir zum Test überlassene Kamera/Objektiv-Kombination. Da ich über Fotografie schreibe, lasse ich auch die Video-Funktionen der Kameras im Grunde weitgehend außen vor. Die technischen Daten der Kameras drucke ich hier nicht komplett ab, sondern verweise mit einem Link auf die entsprechende Herstellerseite. In den Berichten führe ich diese Daten nur punktuell auf, hauptsächlich da, wo Neuerungen bzw. Herausstellungsmerkmale zur Sprache kommen.

Die Canon R5 war bisher das Topmodell bei den spiegellosen Systemkameras von Canon. Just im Testzeitraum hat dann Canon die neue R3 präsentiert, die als die erste Canon Profi-DSLM beworben wird, und die wohl als der Einstieg in die 3. Generation der Spiegellosen bei Canon einzuordnen ist.

3 Produktbiloder der Canon EOS R5 nebeneinander, v.l.n.r: Rückseite, Vorderseite ohne Objektiv, Vorderseite mit Objektiv


Die R5 ist die erste DSLM die mir schon in der „Normalausführung“, also ohne zusätzlichen Handgriff, vom ersten Augenblick vom Handling her außerordentlich gut gefallen hat. Das Gehäuse stellt einen sehr guten Kompromiss zwischen Handlichkeit und Größe dar; dazu ist die Haptik geradezu perfekt. Für den Test stand mir neben der Kamera das Canon RF 24-105/4L IS USM zur Verfügung. Dies ist ein handliches „Immer-drauf-Objektiv“, welches im Handling und der Haptik der Kamera in nichts nachstand.

So kündigte Canon im Juli 2020 die EOS R5 in einer Pressemitteilung an (Auszug):

„Mit der neuen EOS R5…stellt Canon heute (eine) spiegellose Vollformatkamera vor, die das EOS R System mit dem zukunftssicheren RF Bajonett ergänzen. Die EOS R5 hat den Profi im Blick und liefert Fotos mit 45 Megapixeln bei bis zu 20 Bildern pro Sekunde¹. Sie ist die erste spiegellose Vollformatkamera, die 8K-RAW-Videos mit bis zu 29,97 Bildern pro Sekunde und in 4K mit bis zu 120p intern aufzeichnen kann.

Spiegellose Profi-Kameras – neu definiert! Die Canon CMOS-Sensortechnologie der nächsten Generation ermöglicht in Kombination mit den leistungsstarken RF Objektiven ein gänzlich neues Niveau an Detailvielfalt und branchenweit führender Geschwindigkeit. Zum ersten Mal gibt es in der EOS Serie mit der EOS R5 die kamerainterne 5-Achsen-Bildstabilisierung (In-Body Image Stabilisation - IBIS), die im Zusammenspiel mit allen kompatiblen Objektivtypen enorme Vorteile bietet. Insbesondere im Zusammenspiel mit RF Objektiven zeigt IBIS seine Stärken: Der optische IS des Objektivs und der sensorbasierte IS der Kamera arbeiten perfekt zusammen und korrigieren so horizontale bzw. vertikale Verschiebung, Rollen, Gieren und Kippen. Das Resultat ist ein perfekt aufeinander abgestimmter, sogenannter koordinierter IS. Dieses intelligente System stellt aktuell die weltbeste Bildstabilisierung dar und kompensiert bis zu 8 Belichtungsstufen. Bei Aufnahmen aus der freien Hand ermöglichen lange Belichtungszeiten ganz neue Formen der Kreativität – egal ob im Bild oder als Film. Der 54 mm große Durchmesser des RF Bajonetts stellt sicher, dass das Licht den gesamten Sensor bis in die Ecken erreicht – natürlich auch bei den Sensorbewegungen für die kamerainterne Bildstabilisierung – und erlaubt die Konstruktion von RF Objektiven mit größerem Bildkreis. Dadurch wird ein höherer Wirkungsbereich des kamerainternen IS erzielt. Das bedeutet, dass auch einige RF Objektive ohne optischen IS, wie das RF 85mm F1.2L USM oder das RF 28-70mm F2L USM, eine Bildstabilisierung von bis zu 8 Stufen2 erreichen können. Die DIGIC X Prozessortechnologie ist das Herzstück der EOS R5 und basiert auf der Technologie des High–End Modells EOS-1D X Mark III. Sie unterstützt den Dual Pixel CMOS AF II der nächsten Generation und hebt Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit auf ein unübertroffenes Niveau. Der weltweit schnellste Autofokus fokussiert in nur 0,05 Sekunden. Die EOS R5 kann bei Lichtverhältnissen bis zu -6 LW fokussieren. Der hochpräzise Autofokus arbeitet selbst bei wenig Licht oder in kontrastarmen Szenen besonders effektiv. Das iTR AF X AF-System wurde unter Verwendung einer Deep-Learning-Technologie programmiert. Die Gesichts-/Augenerkennung hält Motive auch dann scharf im Fokus, wenn sie sich unvorhersehbar bewegen oder mit geringer Schärfentiefe gearbeitet wird. Selbst wenn sich das Gesicht einer Person für einen Moment abwendet, wird der Kopf weiterhin verfolgt.

Auch die fortschrittliche Motivverfolgung wurde durch die Algorithmen des Deep Learning optimiert und führt den Fokus auf Gesichter und Augen des Motivs nach. Dies schließt Katzen, Hunde und Vögel ein – bei Foto- und Videoaufnahmen gleichermaßen. EOS R5 bietet unabhängig von Größe, Körperhaltung, Ausrichtung oder Gesichtsausrichtung des Motivs eine präzise Fokussierung und Nachführung. Selbst Motive, deren Bewegungen vollkommen unvorhersehbar sind, werden zuverlässig verfolgt.


So weit so gut. Die kompletten technischen Daten finden sich hier.

Canon EOS R5 Auszug der technischen Daten


Ausstattung​

Das Gehäuse besteht aus einer Metall-Kunststoff-Kombination, deren Kern (Ober- und Rückteil) aus einer Magnesiumlegierung gebildet wird. Ergänzt wird der Kern mit einem Metallrahmen. Der Rest ist aus glasfaserverstärktem Spezial-Kunststoff gefertigt. Die Fertigungsqualität entspricht der bisherigen Oberklasse bei Canon und lässt keine Mängel erkennen. Das Gehäuse macht einen stabilen Eindruck und lässt sich, zumindest mit den Händen, nicht verwinden. Diese stabile Bauweise ist auch der Grund für das relativ hohe Gewicht von ca. 740 Gramm (inkl. Akku). Darüber hinaus ist das Gehäuse komplett gegen Staub und Spritzwasser mit Gummidichtungen abgedichtet, Die Kamera-Schnittstellen nach außen sind mit den üblichen Gummiklappen (mit sogenannten Kapillardichtungen) geschützt.

Wie schon bei der EOS R befindet sich auf der Oberseite der R5 ein kleines Statusdisplay, in dem die wichtigsten Parameter permanent angezeigt werden. Ein Programmwahlrad gibt es nicht. Stattdessen kommt bei der R5 ein Modusknopf, der mit einem Funktionsrad kombiniert wird, zum Einsatz. Der jeweils eingestellte Modus wird auch im ausgeschalteten Zustand im Display angezeigt.

Canon EOS R5 Draufsicht


Im eingeschalteten Zustand werden zusätzlich die Belichtungsparameter wie Blende, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit sowie der Akkuladestand angezeigt. Auch einen Joystick zur Bewegung des Fokusmessfeldes hat man an der R5 wieder eingeführt. Das in drei Ebenen gegliederte Menü wird von drei Einstellrädern (eins hinter dem Auslöser, eines auf der Oberseite hinten und eines auf der Rückseite) gesteuert. Dabei ist jeweils ein Einstellrad einer Menüebene zugeordnet. Damit lässt sich das Menü nach kurzer Eingewöhnungszeit ganz gut bedienen. Noch einfacher kann man sich im Menü bewegen, wenn man den Touch-Modus auf dem Monitor nutzt. Insgesamt ist das Gehäuse der R5 mit 25 Bedienungselementen bestückt, deren Funktionen sich der User merken muss – ob das fortschrittlich ist, muss jeder Käufer für sich entscheiden. Das Krönchen, manche nennen es auch das Sahnehäubchen, bildet zusätzlich der belegbare Einstellring vorne am RF-Objektiv…Warum eigentlich vorne am Objektiv?

Auf der Rückseite der Kamera befindet sich der Touchscreen-Monitor mit einer Diagonale von 8 cm. Er lässt sich fast frei im Raum schwenken und drehen, so dass er, unabhängig wie die Kamera positioniert ist, für die Kontrolle und Einstellung der Aufnahmen aus allen erdenklichen Blickwinkeln nutzbar ist. Die Auflösung beträgt leider nur 2,1 Millionen Bildpunkte und auch die maximale Helligkeit ist mit einer Leuchtdichte von knapp 510 cd/m² ist eher bescheiden. Die Ablesbarkeit bei Sonnenlicht bleibt so nur durchschnittlich. Dies steht einer Kamera aus dem Spitzensegment leider nicht so gut zu Gesicht. Die Touchfunktionen arbeiten dagegen sehr gut, und Canon hat das runderneuerte Bedienungskonzept zumindest hier bedienerfreundlich umgesetzt. Das Arbeiten im Menü ist per Touchscreen sogar deutlich schneller als mit den Wahlrädern möglich. Natürlich kann der User auch gänzlich auf die Touchfunktionen verzichten. Auch wenn man den Sucher benutzt, kann der Touchscreen für die Positionierung der Autofokusfelder genutzt werden. Zumindest bei Nutzung eines Stativs ist mir das gelungen, Freihand eher nicht. Auf dem Monitor kann man die üblichen Einstellhilfen wie Gitter, Fokuspeaking, Lupe, Histogramm und eine 3D-Wasserwaage einblenden.

Der elektronische Sucher hat sich gegenüber der ersten Generation stark verbessert. Canon setzt jetzt ein sehr hochauflösendes OLED-Display mit 5,69 Millionen Bildpunkten ein. Das Sucherbild wartet mit einer 0,76-fachen Vergrößerung auf, und eine Dioptrien Korrektur ist möglich. Die feine Auflösung lässt einen fast vergessen, dass es sich hier um einen elektronischen Sucher handelt. Wenn das Umgebungslicht schwindet kann der Sucher seine Vorteile voll ausspielen: man erkennt dann mehr Details als mit dem bloßen Auge! In der Standardeinstellung des Suchers sollte man aber vorsichtig mit der Beurteilung der Aufnahmebedingen sein, da er deutlich „aufhellt“. Der Effekt lässt sich aber über die Einstellfunktionen gut korrigieren. Alle Anzeigefunktionen bzw. Einblendungen, die auf dem Monitor darstellbar sind, können auch im Sucher eingeblendet werden. Das ist sehr praktisch, denn durch die Einblendungen kann man weiterhin das Motiv im Auge behalten und verliert trotzdem die wichtigsten Einstellparameter nicht aus dem Blick.

Der elektronisch gesteuerte Schlitzverschluss reicht genau wie der rein elektronische Verschluss auf dem Sensor von 30- 1/8.000 Sek. Die Verschlusszeiten sind in halbe oder Drittelstufen einstellbar, zusätzlich gibt es Langzeitbelichtung. Ausgelöst wird mit einem elektromagnetischen Softauslöser. Der Schlitzverschluss ist auf 500.000 Auslösungen ausgelegt. Mit dem elektronischen Verschluss wird die Kamera „lautlos“. Man kann, wenn nötig oder gewünscht, z.B. bei bestimmten Events, geräuschlos auslösen.

Bei der R5 verbaut Canon einen hochauflösenden CMOS-Kleinbildsensor mit 45 MP (effektiv). Der neue Sensor verfügt über einen sogenannten Sensor-Shift-Bildstabilisator und bietet eine Empfindlichkeit von bis zu 102.400 ISO mit Erweiterung. Das sind allerdings Werte, die in der Praxis kaum anwendbar sind. Die Grenze liegt hier nach meinen Versuchen eher deutlich bei unter 12.800 ISO. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass der Sensor auf Grund der hohen Auflösung deutlich früher ins sichtbare Rauschen kommt, als die 24 MP-Sensoren, was sicher auch der höheren Erwärmung des 45 MP-Sensors geschuldet ist. Dazu später mehr!

Sehr gut ist die R5 im Bereich Tonwert- und Farbaufbereitung. Der DIGIC-X Bildprozessor sorgt für knackige Kontraste in den JPGs, ohne den Dynamikumfang negativ zu beeinflussen. Die Kamera schafft einen Dynamikumfang von zwölf Blendenstufen. Auffällige Farbabweichungen waren (bei automatischem WB) nicht festzustellen. Allerdings gibt es auch bei der R5 in den RAWs die „Canon-typischen“ gesättigten Rottöne begleitet von den gering flacheren Gelb- und Gelbgrüntönen.

Erhältlich sind auch sogenannte EF-Adapter. Sie machen es möglich, auch Canon-EF-Objektive an der R5 zu nutzen. Allerdings funktioniert dieser Adapter bei den unterschiedlich alten RF-Objektiven unter Umständen nur eingeschränkt. Da ich keine entsprechenden Objektive zur Hand hatte, konnte ich den mitgelieferten RF-Objektiv-Adapter nicht testen.

Bis auf den Anschluss für den Fernauslöser sitzen die Steckverbindungen für die elektronischen Schnittstellen der R5 alle an der linken Gehäuseseite. Die Schnittstellen sind in drei Gruppen unterteilt, die mit drei einzelnen Gummiabdeckungen verschlossen werden. Vorhanden sind: Blitzsynchron-Anschluss, die Video-Schnittstellen mit Micro-HDMI (Typ D) sowie zwei 3,5mm-Klinkenbuchsen (für Mikrofon und Kopfhörer). Darüber hinaus gibt es noch eine USB-C-Schnittstelle, die sowohl die Datenübertragung als auch das Aufladen des Akkus ermöglicht. Über diesen USB-C Anschluss ist auch eine Dauerstromversorgung der Kamera während des Betriebs möglich, sowohl über ein Netzteil als auch mit den bekannten Power-Packs für Smartphones. Sinnvollerweise gibt es auch ein Gewinde zur Anbringung einer Kabel-Zugentlastung, die sich im Lieferumfang der Kamera befindet. Diese Zugentlastung ist dann sehr praktisch, wenn man den Micro-HDMI-Anschluss im Livebetrieb nutzen möchte.

Canon EOS R5 Seitenansicht


Als Akku für die R5 kommt der neue LP-E6NH zum Einsatz. Dieser Akku bietet nicht nur eine höhere Kapazität als der LP-E6, sondern liefert für die maximale Serienbildfunktion auch die nötige höhere Stromstärke. Die alten Akkus können zwar in den neuen Kameras verwendet werden, aber damit sinkt die Serienbildrate entsprechend. Die Kapazität des Akkus scheint gut bemessen zu sein, zeigte die Anzeige doch selbst nach rund 450 Aufnahmen noch volle Kapazität an.

Features​

Anstatt eines Programmwahlrades gibt es an der Canon EOS R5 einen Modusknopf auf der Kameraoberseite, mit dem das jeweilige „Basisprogramm“ angewählt werden kann. Natürlich findet man bei Kameras dieser Preisklasse keine Motivprogramme mehr. Allerdings könnte man die Vollautomatik, die mit einer Motiverkennung arbeitet, indirekt so bezeichnen. Die Kamera bietet eine klassische Programmautomatik mit Programm-Shift, eine Zeit-, und eine Blendenautomatik sowie (glücklicherweise noch) ein manuelles Belichtungsprogramm mit optionaler ISO-Automatik und einen Modus für die klassische (Bulb-) Langzeitbelichtung an. Ergänzt wird die Auswahl durch den bei Canon Fv-Modus genannten, „flexiblen“ Einstell-Modus. Dieser erlaubt jederzeit Änderungen bei einzelnen Belichtungseinstellungen, wie den Wechsel von manuell und Automatik, wahlweise mit oder ohne ISO-Automatik. Außerdem besteht die Möglichkeit, drei individuelle Kameraeinstellungen zu kreieren und auf drei unterschiedlich benannten Speicherplätzen zu speichern. Diese benutzereigenen Programme können, wenn sie einmal programmiert sind, schnell wieder über den Modusknopf aufgerufen werden.

Neu ist in der R5 auch der Sensor-Shift-Bildstabilisator (IBIS), der gemeinsam mit dem Objektiv-Bildstabilisator bis zu acht Blendenstufen längere Belichtungszeiten möglich machen soll – zumindest in der Theorie. Mit der R5 ist es auch möglich, HDR-Aufnahmen direkt in der Kamera mittels speziellen Belichtungsreihen zu erzeugen (zusammenzusetzen), sowohl automatisch als auch manuell. Ein weiteres sehr interessantes Feature ist das Fokusstacking, das die Kamera mit den entsprechenden Objektiven hervorragend erledigt.

Da die Canon EOS R5 durchaus als „Computer mit angeflanschter Optik“ bezeichnet werden kann, scheinen die angebotenen Features und einstelltechnisch möglichen Verknüpfung schier unendlich, und übersteigen den Rahmen eines zeitlich begrenzten Tests deutlich. Ich muss mich also bei meinen Berichten auf die Essentials und Herausstellungsmerkmale der jeweiligen Kamera beschränken.

Der Test​


Canon EOS R5 auf Treppenstufe


Hier die einsatzbereite Canon EOS R5 mit dem RF 24-105mm

Nach einigen Trockenübungen und einer kurzen praktischen Testphase ging es zum ersten Fotospaziergang in den nachbarlichen Kietz. Das Arbeiten mit der Kamera bestätigt den ersten Eindruck hinsichtlich Handling und Haptik sofort. Das Teil liegt, zumindest mit dem mitgelieferten Objektiv, hervorragend in der Hand. Für den ersten Tag habe ich mich im Wesentlichen mit One-Shot Aufnahmen und fester ISO begnügt. Aufgezeichnet habe ich sowohl RAWs als auch JPGs, so wie ich das immer handhabe.

Bei der Rückkehr war ich dann sehr gespannt auf die Ergebnisse. Als erstes schaue ich mir immer die Kamera-JPGs an. Was ich da zu sehen bekam, konnte direkt überzeugen! Der zweite Schritt ist dann die RAW-Entwicklung. Also habe ich die gemachten Fotos wie gewöhnlich in Adobe Lightroom (LR) hochgeladen, um einige Fotos zu entwickeln und zu konvertieren. In meinem Workflow steht am Anfang die Objektivkorrektur und die Auswahl des Kameraprofils, und da musste ich feststellen, dass LR sehr wohl die Kamera und das Objektiv erkannte, allerdings keine Kameraprofile anbot. Nach einem Besuch auf der Adobe-Seite war klar: LR und Adobe Camera RAW (ACR) unterstützen sowohl bei der Canon R6 als auch der R5 keine kameraeigenen Profile. So konnte ich nur Adobe-Profile anwählen. Dass das anscheinend bezüglich der Bildqualität Nachteile nach sich ziehen würde, musste ich leider dann später feststellen. Darauf habe ich weitere RAW-Konverter ausprobiert, aber auch Affinity, ON1 und DxO PhotoLab4 waren hier nicht besser. Neben den Kamera-Profilen wird leider auch „Pixel-Shift“ nicht in Drittanbieter-Software unterstützt.

Da ich für einen Test natürlich sehen möchte, was die Kamera qualitativ bietet, blieb letztendlich nur die Möglichkeit, den Canon-RAW-Konverter zu benutzen, um das ganze Potential der Kamera abrufen zu können. Der Canon-RAW-Konverter bietet allerdings längst nicht die Möglichkeiten, die z.B. Lightroom inzwischen seiner Software als Standard mitgibt. So erkennt die Software nur Canon-Objektive und die Objektive von Drittherstellern bleiben, zumindest was die Objektivkorrektur angeht, außen vor.

Hier möchte ich anmerken, dass auch andere Hersteller (z.B. Nikon) diese Strategie verfolgen. Sony und die L-Mount-Allianz (Leica, Panasonic, und Sigma) sind da viel offener für Alternativen, was ich persönlich aus verschiedenen Gründen ausdrücklich begrüße!

Die Ergebnisse des ersten Fotospaziergangs konnten, auch mit wenig Canon-Erfahrung, technisch durchaus überzeugen, zumindest als Kamera-JPG oder im Canon-RAW-Konverter entwickelt.

CN-07.jpg

105mm, f/8, 800 ISO, 1/250s

24mm, f/8, 800 ISO, 1/1000s

24mm, f/8, 800 ISO, 1/1000s

24mm, f/8, 800 ISO, 1/400s

24mm, f/8, 800 ISO, 1/400s

Der zweite Fotospaziergang diente dazu, die Herausstellungsmerkmale der Kamera in der Praxis zu testen. Dabei ging es in erster Linie um die verschiedenen Auto-Fokus-Eigenschaften.

Vorab aber noch eine Auffälligkeit, die ebenfalls für die Verwendung des Canon RAW-Konverters spricht:

Aufnahme mit 105mm, f/8, 1/250s, und ISO 200. Links Canon entw., rechts In LR

Aufnahme mit 105mm, f/8, 1/250s, und ISO 200. Links Canon entw., rechts in LR

Aufgefallen ist mir ein relativ frühzeitiges Flächenrauschen bei relativ moderaten ISO-Einstellungen, das allerdings nur in RAW-Konvertern von Drittanbietern, wie z.B. hier in Lightroom, zu beobachten ist. Die Ausschnittvergrößerung zeigt den Unterschied in Originalgröße deutlich. In den kameraeigenen JPGs ist dieses Rauschen ebenfalls nicht zu sehen, da es durch den Bild-Prozessor der Kamera anscheinend herausgerechnet wird.

Ein wichtiges Herausstellungsmerkmal für die R5 ist sicher der Augenfokus, der sogar Tieraugen erkennen und auf diese schnell und sicher fokussieren soll. Also galt es, einen freundlichen Hund zu finden, der sich für diesen Versuch als Model zur Verfügung stellte. Da es in einem Park in der Nähe eine Hundewiese gibt, wurde ich dort auch fündig. Das Ergebnis war allerdings sehr ernüchternd. In der gemachten Aufnahmeserie war keine Aufnahme wirklich scharf.

105mm, f/8, 1/80s, ISO 800

105mm, f/8, 1/80s, ISO 800

Nachdem es während dieser zweiten Session noch weitere Ungereimtheiten zum Thema Autofokus gab, holte ich mir eine zweite Meinung eines Fotokollegen ein. Da sich die Bewegungsgeschwindigkeit des Hundes eher im moderaten Bereich bewegte und auch 1/80s Belichtungszeit in Verbindung mit der Bildstabilisierung (Canon wirbt mit dem Zugewinn von acht Blendenstufen) eigentlich kein Problem sein sollte, war uns das unerklärlich. Also stellten wir das ganze nach, allerdings diesmal mit einem menschlichen Model.

101mm, f/8, 1/80s und ISO 200


Aber auch hier, das Model ist mit normaler Gehgeschwindigkeit auf mich zugekommen, ergab sich das gleiche Problem bei den Einstellwerten 101mm, f/8, 1/80s und ISO 200. Daraufhin habe ich mit Canon gesprochen und die Fotos zwecks Analyse dorthin geschickt. Ergebnis: Laut Canon seien das „Verwacklungsunschärfen“, die durch zu lange Belichtungszeit entstanden wären. Also auf zum nächsten Versuch.

74mm, f/8, 1/640s, ISO 200

74mm, f/8, 1/640s, ISO 200

105mm, f/6,3, 1/200s, ISO 640

105mm, f/6,3, 1/200s, ISO 640

105mm, f/6,3, 1/200, ISO 640

105mm, f/6,3, 1/200, ISO 640

Kurz und bündig: alle Versuche mit dem Augen-Autofokus waren eher enttäuschend. Die gewünschte „Knackschärfe“ wollte sich einfach nicht einstellen. Und das Argument „zu lange Belichtungszeiten“ war hier bei diesen Versuchen auch nicht zielführend, da ich darauf geachtet habe, deutlich kürzere Belichtungszeiten zu verwenden.

Wie gut der Augen-Autofokus funktioniert, hängt augenscheinlich sowohl mit dem verfügbaren Kontrast als auch mit der Brennweite zusammen. Je weitwinkliger die Brennweite und je geringer der Kontrast, desto lieber springt der Fokus automatisch auf den Hintergrund, Das ist besonders ärgerlich, da man nicht einfach durch Andrücken des Auslösers oder der AF-Taste neu ansetzten kann, sondern erst unscharf stellen muss. Hier kann man nicht mehr von schnellem Arbeiten sprechen, und der Ausschuss ist im wahrsten Sinne vorprogrammiert. Anmerken möchte ich allerdings, dass bei der Testkamera nicht die neuste Firmware aufgespielt war. Das habe ich bei dem Gespräch mit Canon ausdrücklich erwähnt, aber, zumindest lässt das die Antwort vermuten, spielt es bei dem Problem keine Rolle. Da ich nur ein Objektiv zur Verfügung hatte, konnte ich auch nicht überprüfen, ob der Augen-Autofokus mit einem anderen Objektiv besser funktionieren würde.

Ein Versuch dagegen ohne Augen-Autofokus funktionierte auf Anhieb, siehe das Beispiel mit der S-Bahn, hier mit kontinuierlichen Autofokus (Servo-Einstellung bei Canon).

CN-16.jpg

105mm, f/8, 1/250s, ISO 200

Hier stimmt die Schärfe bei jedem Foto auf den Punkt. Alle hier gezeigten Beispiele sind Teile längerer Bildserien, alle aus der Hand, die ich nur in einzelnen Bildern hier gezeigt habe. Der normale Autofokus funktioniert sowohl bei Reihenbildaufnahmen bis 12 B/s als auch im One-Shot-Modus sehr gut.

105mm, f/8, 1/160s, ISO 400

105mm, f/8, 1/160s, ISO 400

105mm, f/8, 1/400s, ISO 200

105mm, f/8, 1/400s, ISO 200

105mm, f/8, 1/320s, ISO 200

105mm, f/8, 1/320s, ISO 200

Fazit​

Die Canon EOS R5 ist grundsätzlich eine sehr gute Kamera. Sie bildet den Stand der Technik bei den DSLM-Kameras eigentlich sehr gut ab. Das Handling und die Haptik der Kamera gehören sicher zum Besten, was ich in letzter Zeit in der Hand gehabt habe. Auch die technischen Features siedeln die Kamera in der Spitzengruppe an. Für Nicht-Canon-Fotografen ist aber einiges an Übungszeit notwendig, um die Kamera im Alltagseinsatz wirklich wie im Schlaf bedienen zu können, es sei denn, man nutzt die Automatik-Modi. Die 25 Bedienungselemente an der Kamera, die auch noch unterschiedlich belegt sein können, erfordern ein gutes Gedächtnis, um zu wissen, welchen Knopf man in welcher Situation drücken muss, vor allem bei den Usern, die die Kamera nicht täglich benutzen. Im Gegensatz zum sehr guten Sucher ist die Qualität des Monitors eher Durchschnitt. Das Menü ist ganz gut gegliedert und für die Hauptfunktionen gelingt die Bedienung, vor allem, wenn man den Touchscreen-Monitor benutzt, schon nach kurzer Zeit.

Positiv ist die Rückkehr des Joysticks zur Platzierung der Fokusfelder, aber leider ist die Position nicht sehr glücklich gewählt und eigentlich schwierig zu erreichen. Auch die Auswahl der AF-Modi ist mit Hilfe der Bedienungselemente etwas umständlich. Zudem verstellte sich das (z.B. mittig) eingestellte Fokusfeld bei umgehängter und eingeschalteter Kamera gerne ungewollt, und zwar scheinbar durch Berührung der Taste für die Messfeldwahl am Gehäuse.

Da das Autofokussystem der R5 sehr viele Möglichkeiten bietet, dauert es eine Weile, das System individuell so zu konfigurieren, dass ein flottes Arbeiten möglich wird. Dazu muss man im Menu in der Registergruppe für den Autofokus die jeweils richtige Auswahl treffen, die am besten zum eigenen fotografischen Arbeitsstil und zur Lösung der fotografischen Aufgabe passt. Das ist insofern etwas aufwändiger, als es systemisch bedingte Eigenheiten bei den spiegellosen Kameras zu beachten gibt. Mit diesen muss sich der Um- oder Einsteiger vertraut machen, um für unterschiedlichen Aufnahmesituationen jeweils die beste Einstellung für eine optimale Trefferquote zu finden.

Etwas enttäuschend ist das Rauschverhalten des 45 MP Sensors, was ja gerade beim so beliebten Croppen schnell zum Problem werden kann. Die Canon-eigenen hochauflösenden Bildsensoren scheinen nach wie vor Probleme mit dem Rauschverhalten zu haben und können mit den Sony-basierten Bildsensoren der Mitbewerber anscheinend immer noch nicht ganz mithalten. Da verwundert es nicht, dass Canon bei der ganz neuen, gerade präsentierten R3 die Auflösung des dort verwendeten Bildsensors quasi halbiert hat.

Nicht zufriedenstellend für den Verbraucher ist auch die Tatsache, dass nur mit dem Canon-RAW-Konverter die Möglichkeiten der Kamera voll ausgeschöpft werden können. Das gilt sowohl für das Rauschen als auch für den Pixel-Shift. Die guten Kamera-JPGs wären eine Alternative, allerdings nur, wenn man sich die zu Anfang beschriebene „Smartphone-Variante“ zu eigen macht und sich von der anspruchsvolleren RAW-Fotografie verabschiedet – aber wollen wir das?

Inwieweit man bereit ist rund 4.400 Euro für die Canon EOS R5 auf den Tisch zu legen, muss jeder, auch vor dem Hintergrund bestimmter, immer noch existierender systemischer Probleme, für sich selbst entscheiden. Bei der Bewertung der Kamera muss ich für die erwähnten kleinen Unzulänglichkeiten leider einen halben Stern abziehen und vergebe 4 ½ Sterne.

Weitere Produktinformationen​

Canon EOS R5 - Übersicht
Canon EOS R5 – technische Daten
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Bewertung​

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© Dieter Doeblin. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Dieter Doeblin, Fotos: D. Doeblin, Canon

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