Artikel-Reviews

Artikel details

Kein Schnäppchen, dafür aber Spitzentechnik für Profis​

Sony Alpha 1. Das Titelbild zum Review.


Zum Ende meiner kleinen Artikel-Serie zu den Top-DLSM-Vollformatkameras geht es um die Sony Alpha 1. Schon in der Kamerabezeichnung steckt der hohe Anspruch, das aktuelle „Alpha-Tier“ unter den Vollformat-Kameras zu sein. Sony beansprucht sehr selbstbewusst diesen Titel, obwohl sie fast das jüngste Mitglied in der altehrwürdigen Gilde der Foto-Kamera-Hersteller sind.

Sony stieg erst mit der Übernahme von Konica-Minolta 2005/2006 in das Geschäft mit digitalen System-Fotokameras ein. Das erste Modell, die a100, eine noch von Konica-Minolta entwickelte DSLR mit dem sogenannten A-Bajonett und im Format APSC betrat 2006 die Bühne. Sehr zum Ärger der großen Minolta-Konica-Fan-Gemeinde stampfte Sony die Labels Konica und Minolta einfach ein, übernahm das Knowhow inklusive der bekannt guten Objektive und schob 2008 mit der a900 die eigenentwickelte Vollformat-DSLR, immer noch mit dem alten A-Bajonett, nach. Der Erfolg am Markt hielt sich in Grenzen.

Dann erfolgte 2010 mit der Einführung der aNEX-Baureihe der strategisch große Wurf: die spiegellose Systemkamera mit dem neuen E-Bajonett, welches mit 18mm ein sehr kleines Auflagemaß hatte und so sehr leicht mit einfachen Adaptern für eine sehr große Zahl an Fremdobjektiven adaptierbar wurde. Darüber hinaus hat sich Sony seitdem immer offen gegenüber Drittanbietern von Objektiven für das E-Bajonett gezeigt. Dazu später noch etwas mehr.

Den durch den frühen und konsequenten Umstieg auf die Entwicklung der „Spiegellosen“ entstandenen Vorteil wusste Sony zu nutzen. Inzwischen hat sich das Unternehmen zum Marktführer bei den DSLM-Kameras gemausert. Parallel konnte sich Sony auch auf dem Sektor der bildgebenden Sensoren, die inzwischen von vielen Herstellern eigesetzt werden, führend etablieren. So hat die Firma immer wieder neue Sensoren und eine Vielzahl neuer Features bei ihren Kameras eingeführt, die inzwischen als Systemstandards gelten.

Sony selbst bewirbt die Alpha 1 damit, „die erste wirklich sporttaugliche DSLM“ zu sein. Ob mich die Sony Alpha1 überzeugen konnte, berichte ich im Folgenden.

Die Kamera​

Produktbilder Sony Alpha 1, links Vorderansicht, rechts Rückansicht leicht schräg


Die wesentlichen Merkmale der Sony Alpha 1:
  • 50,1 MP Exmor RS-(Stacked)-CMOS-Sensor, mit Bayer-Filter und ohne Tiefpassfilter
  • BIONZ XR-Prozessor
  • Dateiformate: JPEG-kompatibel (DCF Version 2.0, Exif Version 2.32, MPF Baseline-kompatibel), HEIF (MPEG-A MIAF-kompatibel), 14bit RAW (kompatibel mit dem Sony ARW 4.0 Format)
  • ISO: ISO 100–32000 (ISO-Werte ab ISO 50 bis ISO 102400 im erweiterten ISO-Bereich), AUTO (ISO 100–12800, frei wählbare untere bzw. obere Grenze),
  • Sensorbasierte Bildstabilisierung IBIS, 5-Achsen-Sensorverschiebung
  • Schneller Hybrid-Autofokus (AF-Phasendetektion/ AF-Kontrastdetektion, 759 Punkte), Augenerkennung
  • Verschluss: Mech. 60s – 1/8000s, Elektronischer Verschluss. 1/32.000 bis 30 s, Bulb-Funktion
  • Serienaufnahmen: 9 Bilder/s
  • Elektronischer Sucher mit 9,4 Millionen Bildpunkten (OLED), und bis 240 B/s.
  • Klappbares 7,5 cm (3 Zoll) Touchscreen-TFT mit 1,44 Millionen Pixeln
  • Zusatzdisplay zur Einblendung von Aufnahmeinformationen
  • Professionelle Videoaufnahme in 8K/30p
  • Wi-Fi-Konnektivität und Fernsteuerung per Smartphone
  • Blitzschuh für externen Blitz
Die kompletten technischen Daten finden sich hier.

Grafik Aufbau der Sony Alpha 1


Im Gegensatz zu anderen Herstellern gibt sich Sony bei der Verpackung eher bescheiden. Nach dem Auspacken hält man eine wirklich kleine Kamera in der Hand, die sich fast zierlich anfühlt. Das Gehäuse, im Wesentlichen aus einer Magnesium-Legierung gefertigt, ist sehr gut verarbeitet und rundum gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet.

Am Gehäuse befinden sich insgesamt 22 Bedienelemente. Alle Tasten, Hebel und Drehknöpfe sind relativ eng zueinander angeordnet. Die kleine Baugröße lässt keine wirklich ergonomisch optimale Anordnung zu, so dass der User sich während des Fotografierens etwas schwertun kann. Die vier Finger der rechten Hand finden keinen Platz an der Griffwulst, so dass der kleine Finger immer irgendwie in der Luft hängt. Für meine Hände ist die Kamera definitiv etwas zu klein. Mit ihrem Gewicht von 726 g und ihrer Größe macht die Ausbalancierung mit lichtstarken Objektiven einen bescheidenen Eindruck. Ich würde immer zum Zusatzhandgriff raten! Die Verarbeitung und die Haptik ist Sony-typisch sehr gut und erweckt auch den Eindruck von Robustheit.

Der Sensor
Bei der Alpha 1 setzt Sony einen sogenannten mehrschichtigen 50,1 MP Exmor RS Stacked-BSI-CMOS-Vollformatsensor mit Speicher ein. Separate Schichten für Pixel und Schaltungen und die A/D-Wandlung sorgen für eine schnelle Verarbeitung. Dabei unterstützt die Architektur des BIONZ XR Bildprozessors mit einer im Vergleich zu seinem Vorgänger 8-mal schnelleren Verarbeitung der Daten den Sensor.

Die Alpha 1 bietet so die Kombination von hoher Auflösung und hohen Geschwindigkeiten. Das schnelle Auslesen des Sensors ermöglicht Serienaufnahmen mit bis zu 30 B/s mit AF und AE-Tracking mit elektronischem Verschluss. Das ist natürlich besonders wichtig für Sport- und Tierfotografie, wenn es auf Schnelligkeit ankommt.

S-04.jpg


Die rückwärtig belichtete Struktur mit On-Chip-Linsen und das AR-beschichtete Deckglas ermöglichen einen Standard-ISO-Bereich von ISO100–32000, der sich auf ISO50–102400 erweitern lässt.

Der Verschluss
Die Verschlusseinheit mit im Vergleich zu Vorgängermodellen verbessertem Motor, Bremse und Dämpfern ist auf über 500.000 Auslösezyklen ausgelegt. Die Vibrationen durch den Verschluss werden minimiert und es sind Serienaufnahmen mit bis zu 10 B/s möglich. Die Alpha 1 verfügt über einen elektronisch gesteuerten, vertikal ablaufenden Schlitzverschluss mit mechanischer und elektronischer Verschlusssteuerung. Die angegebenen Verschlusszeiten lauten:

Foto: Einzelaufnahme
Mechanischer Verschluss: 1/8.000 bis 30Sek., Langzeit, AUTO: 1/32.000 bis 30 Sek., Langzeit, Elektronischer Verschluss: 1/32.000 bis 30 Sek.

Fotos, Serienaufnahme
Mechanischer Verschluss: 1/8.000 bis 30 Sek., AUTO: 1/32.000 bis ½ Sek., Elektronischer Verschluss: 1/32.000 bis ½ Sek
Videos: 1/8.000 bis 1/4 (1/3 Stufen), bis zu 1/60 im AUTO-Modus (bis zu 1/30 im Auto Slow Shutter-Modus)

Bildstabilisierung
Die 5-Achsen Bildstabilisierungseinheit mit Gyrosensoren und aktuelle Bildstabilisierungsalgorithmen ermöglichen einen Verschlusszeitvorteil von 5,5 EV.

Pixel Shift Multi-Aufnahme
Über eine Computer-Software lassen sich bis zu 16 mit der integrierten Bildstabilisierung aufgenommene Bilder zu Fotos mit bis zu 199 Mio. Pixeln zusammenfügen.

S-05.jpg

[1] Normale Aufnahme [2] Pixel Shift Multi-Aufnahme mit 16 Bildern

Autofokus
Der Hybrid-Autofokus mit Echtzeit-Augen-AF deckt mit 759 Phasendetektionspunkten das gesamte Bildfeld bis in die Ecken ab. Die Kombination von KI-Technologie und Hybrid-AF-Algorithmen soll präzises Scharfstellen in jeder Situation ermöglichen.

Der Echtzeit-Augen-AF für Tiere (hauptsächlich auf Katzen und Hunde optimiert) verwendet moderne Motiverkennungstechnologie zur Verfolgung und Fokussierung von Tieraugen. Sie funktioniert angeblich sogar, wenn das Gesicht auf dem Kopf steht.

Sony Alpha 1: Fast vollständige Abdeckung der AF-Fokuspunkte

Fast vollständige Abdeckung der AF-Fokuspunkte

Sucher/Monitor
Der OLED-Sucher der Alpha 1 arbeitet mit 9,44 Mio. Bildpunkten und bietet damit die höchste Auflösung in dieser Kameraklasse. Der Sucher ermöglicht eine 0,90-fache Vergrößerung, ein Sichtfeld von 41° und einen Augenabstand von 25 mm. Die Bildwiederholrate von 240 B/s mit UXGA-Auflösung ist laut Sony weltweit einmalig.

Sony Alpha 1: Darstellung im Sucherbild: oben ohne Dunkelpause, unten mit Dunkelpausen


Ausstattung und Schnittstellen
Die Alpha 1 verfügt über zwei Kartenslots, die beide UHS-I- und UHS-II-SDXC/SDHC-Karten sowie CFexpress-Speicherkarten Typ A unterstützen.
Der USB-C Anschluss der Kamera kann USB 3.2-Übertragungsgeschwindigkeit (SuperSpeed USB 10 Gbit/s). Dies macht die schnelle Datenübertragung per PC-Fernzugriff (Tethering) auch bei großen Bilddateien möglich. Die Alpha 1 besitzt außerdem einen integrierten 1000BASE-T-LAN-Anschluss. FTPS (File Transfer over SSL/TLS) wird unterstützt und ermöglicht SSL- oder TLS-Verschlüsselung.
Akkulaufzeit (Fotos): Ca. 430 Aufnahmen (Sucher) / ca. 530 Aufnahmen (LC-Display) (CIPA-Standard)

S-08.jpg


Alle Verbindungen und die Akkuabdeckung sind abgedichtet. Die Kartenslots sind mit einer doppelten Schiebeabdeckung und Verriegelung vor Wasser geschützt.

Das Sony E-Bajonett trug maßgeblich zum Erfolg bei​

Produktbild Sony Alpha 1


Das mit dem Wechsel zu den spiegellosen Systemkameras neu geschaffene E-Bajonett war mit seinem kleinen Auflagemaß hervorragend für die Adaption von Fremdobjektiven geeignet, darüber hinaus sperrte Sony sich auch nicht gegen Objektive von Drittanbietern, die zahlreich auf den Markt kamen. Das mag auch daran gelegen haben, dass Sony auch an der Objektivmarke Tamron beteiligt war, trug aber auf jeden Fall zum Erfolg in der Sony Fotosparte bei.

Die anderen Kamerahersteller wechselten 2018 mit der Einführung ihrer DSLMs dann ebenfalls auf neue, deutlich größere Objektivbajonette, was zur Folge hatte, dass z.B. Canon, Leica und Nikon, um ihrer Bestandskunden bei der Stange halten zu können, hauseigene Adapter für ihre „Altobjektive“ auf den Markt brachten. Allerdings ist mittlerweile das Sony E-Bajonett vom Durchmesser her das deutlich kleinste. Das könnte sich zukünftig bei der neuen Stacked-Sensor-Technologie als Nachteil erweisen, da die Anforderung für die Schnittstelle zur Kommunikation mit den Objektiven größer wird und mehr Kontakte erforderlich machen könnte. Die sind aber wohl ohne eine radikale Lösung beim aktuellen Sony E-Bajonett nicht mehr unterzubringen, so dass auch für Sony ein baldiger Objektivwechsel anstehen könnte.

Zu meinem Praxistest​

Alle meine persönlichen Aussagen und Anmerkungen in diesem Bericht beziehen ausschließlich auf die mir zum Test überlassene Kamera und Objektive. Da ich über Fotografie schreibe, lasse ich auch die Video-Funktionen der Kameras im Grunde weitgehend außen vor. Die technischen Daten der Kameras drucke ich hier nicht komplett ab, sondern verweise mit einem Link auf die entsprechende Herstellerseite. In meinem Review erwähne ich die reinen technischen Daten nur punktuell, hauptsächlich da, wo Neuerungen bzw. Herausstellungsmerkmale zur Sprache kommen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass die kameraspezifischen Leistungsdaten in der Regel immer an optimale (Labor-)Bedingungen wie: voller und neuer Akku, die schnellsten Speicherkarten und die Verwendung der Top-Objektive der jeweiligen Hersteller, geknüpft sind. In der Praxis wird man daher meistens nur Ergebnisse erzielen, die knapp unter 100% der „Papierform“ liegen.

In meinem Praxistest geht es darum, herauszufinden, ob sich eine Systemumstellung von der Spiegelreflex zur spiegellosen FX-Kamera, die mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden ist, lohnt. Mir reicht (bisher) meine DSLR mit 24 MP für alle meine fotografischen Aufgaben aus, ein Umstieg müsste also erhebliche Vorteile in allen Bereichen bieten.


Das erste Vertraut machen und die Kamera mit einer Grundeinstellung für die erste Exkursion zu versehen, dauerte mangels Erfahrung mit jüngeren Sony Fotokameras etwas länger als sonst, aber irgendwann nach mehreren Fehlversuchen am Schreibtisch und mit Bedienungsanleitung auf dem Bildschirm war es dann doch soweit, und es ging wie immer nach draußen in meinen Kietz zu einem ersten Fotospaziergang. Hierbei soll sich zeigen, wie intuitiv eine Kamera zu bedienen ist, und nach den ersten Erfahrungen mit dem Einstellungsmarathon war ich gespannt. Der Ruf und meine Erfahrungen mit Sony-Videokameras, was das umständliche Menü der Sony-Kameras angeht, bestätigte sich leider. Es ist zwar etwas besser geworden, aber irgendwie kriegt Sony das nicht wirklich flüssig hin.

Die Sony Alpha 1 verfügt außen am Gehäuse über 22 Bedienelemente und liegt damit für mein Gefühl deutlich über dem, was ich mir wünsche! Dass es auch anders geht, beweist Leica mit seiner SL2. Sie kommt gehäuseseitig mit nur 13 Bedienelementen aus, ohne dass man beim Fotografieren etwas vermisst.

Für den ersten Tag habe ich mich im Wesentlichen wieder mit One-Shot Aufnahmen und fester ISO begnügt. Das Kamera-Profil wurde auf Standard eingestellt. Aufgezeichnet habe ich sowohl RAWs als auch JPGs, so wie ich das immer handhabe. Nach der Rückkehr schaue ich mir als erstes immer die Kamera-JPGs am großen Monitor an. Was die Alpha 1 in dieser Hinsicht abliefert ist wirklich spitze!

S-10.jpg

50mm; f/16; 1/50s; ISO 320

Bei der ersten Fotorunde habe ich das Sony 1.2/50mm benutzt, da das Wetter etwas wechselhaft war. Die Kombination kleine Kamera und lichtstarkes Standardobjektiv mit entsprechender Größe und Gewicht, war dann wie erwartet vom Handling her gewöhnungsbedürftig.

Hier haben wir ihn wieder, den roten Roller!

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

50mm; f/5; 1/100s; ISO 100

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

50mm; f/4; 1/320s; ISO 100

Die Farben der JPGs sind denen der Nikon sehr ähnlich und haben mir auch sofort gefallen.

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

50mm; f/2.2; 1/50s; ISO 500

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

50mm, f/5.6; 1/50s; ISO 100

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

50mm, f/5.6; 1/200s; ISO 100

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

50mm, f/5.6; 1/800s; ISO 100

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

50mm, f/5.6; 1/200s; ISO 100

In der zweiten Runde ging es dann auf den Rummel…

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

50mm, f/2.2; 1/640s; ISO 100

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

25mm, f/4; 1/125s; ISO 1600, rechts Bildausschnitt

Mangels entsprechender Sportveranstaltungen und auch wegen der fehlenden längeren Brennweiten für die Sony Alpha 1 musste ich mir, um die Sporttauglichkeit der Sony auszuprobieren, eine Alternative ausdenken. Da bot sich der Rummel an, wo die Karussells sich entsprechend schnell bewegten und auch die Lichtverhältnisse nicht gerade ideal für Autofokus-Tests sind. Die Bildsequenz (10 B/s, mechanischer Verschluss) mit der Raupe unten zeigen, dass sich Sony hier keine Blöße gibt: die Trefferquote lag bei 100%, und sie lässt erst etwas nach, wenn das Licht wirklich schlecht wird.

Sechs Serienbilder mit der Sony Alpha 1

55mm, f/4; 1/125s; ISO 1600

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

24mm; f/2.8; 1/100s; ISO 1600

Beispielbild mit der Sony Alpha 1

24mm; f/4; 1/13s; ISO 1600

Beispielbilder mit der Sony Alpha 1, links bei 6.400 ISO, rechts 12.800 ISO


Beim Rauschverhalten war ich etwas enttäuscht. Bei 6400 ISO gab es bei 100% schon winzige Artefakte, die dann bei 12800 ISO nicht zu sehen waren. Insgesamt wirkt das Rauschen bei der Alpha 1 etwas unharmonisch.

12 Serienaufnahmen mit der Sony Alpha 1 zum Testen des Augen-Auto-Fokus

70mm; f/2.8; 1/250s; ISO 100 (12 Bilder von 30)

Dann wäre da noch das Thema Augen-Auto-Fokus. Auch hier konnte mich die Sony überzeugen, die Alpha 1 hält, was die Werbung verspricht. Die Trefferquote bei der gemachten 30 Bilder-Sequenz lag bei 100%, zumindest bei Personen. Natürlich muss man auch bei dieser Kamera bei nachlassenden Kontrasten und schlechteren Lichtverhältnissen davon ausgehen, dass nicht jedes Bild in derartigen Sequenzen knackscharf ist, da ist dann einfach die Physik davor, dennoch sind die Ergebnisse beeindruckend.

Fazit​

Chapeau, die Sony Alpha 1 ist technisch das Beste, was ich bisher bei den FX-DSLM-Kameras ausprobieren durfte. Sie scheint bis dato auch die Top-DSLM zu sein, mit der man auch bei schnellen Mannschaftssportarten hohe Trefferquoten, sprich Bildausbeute, erzielen kann!

Bei aller technischen Finesse und Qualität empfinde ich dagegen das Handling und die Bedienung, als unzureichend. Es kann einfach nicht sein, dass ich mit meinen durchschnittlich großen Händen beim Zugreifen mit den Fingerknöcheln an die Objektive stoße und die Kamera mit naturgemäß etwas schwereren lichtstarken Objektiven nicht ausgewogen halten kann, zumindest ohne Zusatzhandgriff! Auch das Menü und die Menüführung entsprechen eher nicht dem einer Top-Kamera. Aber das ist es dann auch mit der Kritik…

Sony hat mit der Alpha 1 und dem ersten Einsatz eines 50 MP Stacked-BSI-Bildsensors Maßstäbe gesetzt. Die Performance und die Bildqualität (auch bei den Kamera-JPGs) können auf ganzer Linie überzeugen, lediglich das Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten fällt da etwas ab. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit für Pixel-Shift-Multiaufnahmen mit rund 200 MP.

Der neue elektronische Sucher, jetzt mit über 9 Mio. Bildpunkten, sollte jeden Skeptiker überzeugen können, da er ein klares und sehr detailreiches Bild mit einer Bildwechselfrequenz von bis zu 240 B/s liefert. Darüber hinaus gehören Schwarzbildunterbrechungen, auch bei schnellen Bildserien, auf Grund der guten Performance der Kamera tatsächlich der Vergangenheit an. Und das ist etwas, was eine DSLR z.B. nicht kann, was aber im Grunde jeder Umsteiger von einer DSLM erwartet.

Auch das Hybrid-AF-System, welches mit 759 Fokuspunkten fast 100% des Bildfeldes abdeckt und der wirklich gut funktionierende Augen-Autofokus, der auch bei hohen Bildraten zuverlässig arbeitet, belegen eindeutig den Spitzenrang. Darüber hinaus kann der User eine Vielzahl an Objektiven, auch von Drittanbietern, problemlos einsetzen – das finde ich sehr gut!

Natürlich hat das alles seinen Preis und so belegt die Sony Alpha 1 auch in dieser Hinsicht den Spitzenplatz. Dieser schlägt mit rund 7.300 Euro zu Buche. Da machen die 329 Euro für den Zusatzhandgriff, den man sich unbedingt gönnen sollte, den Kohl auch nicht mehr fett, wie man so schön sagt. Nun ja, High-End-Technik hat ihren Preis. Ob man gewillt ist diesen zu zahlen, vor allen Dingen, wenn man mit der Fotografie nicht sein Geld verdient, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Ich vergebe 5 von fünf Sternen!

Hinweis​

Zum Abschluss der Serie gibt es in Kürze noch ein Resümee, in dem ich alle meine Eindrücke und Erkenntnisse zu den systemischen Fragen und Eigenheiten zusammenfasse. Ergänzen möchte ich das Ganze dann noch mit einem kleinen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der „Computer mit Objektivanschluss“. Darüber hinaus präsentiere ich im Anschluss noch eine echte Alternative, was die Frage der Bildqualität angeht, die gerade für Um- und Aufsteiger sehr interessant sein könnte.

Weitere Informationen​

Sony Alpha 1
Sony Alpha 1 – technische Daten
Sony Alpha 1 bei unserem Partner AC-Foto

Bewertung​

k_bewertung5.png


© Dieter Doeblin. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Dieter Doeblin, Fotos: D. Doeblin, Sony

More in Kameras

AnjaC
Aufrufe
240
Punkte Reaktionen
2
Ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der „Computer mit Objektivanschluss“, auch DSLM genannt.
AnjaC
Aufrufe
469
Punkte Reaktionen
4
FUJIFILM GFX 100 im Praxistest
AnjaC
Aufrufe
835
Punkte Reaktionen
4
Schlussfolgerung aus den bisherigen DSLM-Reviews
AnjaC
Aktualisiert
Aufrufe
450
Punkte Reaktionen
2
Panasonic Lumix S1R im Praxistest
Review Nikon Z 7ll
AnjaC
Aufrufe
2K
Punkte Reaktionen
11
Nikon Z 7II im Praxistest
Review Leica SL2
AnjaC
Aufrufe
763
Punkte Reaktionen
3
Leica SL2 im Praxistest
Review Canon EOS R5
AnjaC
Aufrufe
1K
Canon EOS R5 im Praxistest
Erfahrungsbericht Leica M10 Monochrom
AnjaC
Aufrufe
1K
Punkte Reaktionen
3
Erfahrungsbericht zur Leica M10 Monochrom
AnjaC
Aufrufe
431
Die Leica Camera AG ist ein internationaler Premiumhersteller von Kameras und Sportoptikprodukten. Der legendäre Ruf der Marke Leica basiert auf einer langen Tradition exzellenter Qualität, deutscher Handwerkskunst und deutschen Industriedesigns, verbunden mit innovativen Technologien. Fester...
-Anzeige-
-Anzeigen-

Artikel information

Kategorie
Kameras
Hinzugefügt von
AnjaC
Aufrufe
477
Letztes Update

Mehr von AnjaC

Share this Artikel

-Anzeige-
Oben Unten