Sabine und Sam, eine Bilderfreundschaft – 2022

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Ja, liebe Sabine. Der Krieg beschäftigt mich auch sehr. Claudia bedrückt es richtig mit all den Fragen, welche wir an die Zukunft haben. Wir, Claudia und ich sind ja daran, unsere letzten paar Arbeitsjahre zu gestalten. Das ist einerseits ein Privileg, andererseits auch nicht so einfach. Du und ich, also Menschen in den 50ern, wir haben einen guten Teil des Lebens hinter uns. Und wir lebten einen guten Teil in Frieden und Freiheit. Meine Eltern kannten Krieg, wenn auch nicht im eigenen Land. Die Schweiz wurde ja immer verschont.

"Aus Vergangenem kann man lernen, Vergangenheit aber nicht gestalten. Zukunft kann man gestalten, aber aus der Zukunft kann man nicht lernen". Mit diesem Gedanken wir wohl mein Buch über meine Grosseltern beginnen und es scheint mir, dass wir wieder am selben Punkt angelangt sind. Wieder ein "Déja-vue" mehr und alles Gelesene über all die Kriege und Konflikte der letzten paar hundert Jahre wird wieder Realität. Es ist schon sehr bedenklich, dass wir Menschen jeden noch so dümmlichen Luxus schaffen, aber uns dem grundlegenden, friedlichen, respektvollen und würdigen Zusammenleben gegenüber resistent zeigen.

Die Nebelbilder passen sehr zu diesen Gedanken ...



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Mit diesem "Watschel-Bild" verabschiede ich mich.
Auf dem Spaziergang am Sonntag sahen wir ein Warnschild mit Enten drauf und fanden es ziemlich lustig. Claudia und ich sahen aber weit und breit keine Enten...

Doch plötzlich tauchen diese drei süssen Dinge aus einer Furche im Acker auf und machten sich zum Frühstück auf, auf die nahe Wiese. Leider hatte ich nur das 50er dabei, aber vielleicht passt es so ...

Dir wünsche ich einen tollen Start in den Tag und mach' etwas, was Dir Freude macht.

Herzlich. Sam



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Riniken, 4. Mai 2022​

Liebe Sabine

Ich hoffe Du hattest einen guten Tag gestern. Ich schicke Dir noch die restlichen Postkarten vom Wochenende und von gestern am Morgen früh. Aber vorallem muss ich Dir noch die Neuigkeiten betreffend Familiengeschichte erzählen.

Ich habe über meinen Cousin, der Sohn meines Patenonkels, welcher gemalt hat (ich habe Dir auch schon von ihm erzählt), eine Mail erhalten von einem Architekten im Tessin. Mein Patenonkel war ja der Bruder meiner Mutter und somit auch Kind meines Grossvaters Fritz.

Er mache Biographiearbeit und sei auf die Hompage gestossen, welcher mein Cousin über die Malerei seines Vaters erstellt hat. Er sei der Enkel der Schwester meines Grossvaters. Wow, dachte ich, das ist ja spannend. Ich habe schon gewusst, dass die Schwester mit ihrem Mann im Tessin eine Gärtnerei betrieben hat. Ich wusste auch den Namen von ihr und wie sie hiess, als sie heiratete. Und nun sind wir im Kontakt miteinander. Ich habe mindestens drei Postkarten von der Schwester gefunden, welche sie an ihre Eltern geschrieben hat. Und ich habe höchst spannende Informationen eben von diesem Enkel erhalten.

Da passt doch, dass auf meiner D4 seit ein paar Tagen das 18mm Objektiv sitzt. Als ob sich meine Sichtweise öffnen würde ...



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Ja, wohl werde ich die grosse Welt nicht verstehen. Die kleine alleine schon ist manchmal kompliziert und aufwendig. Aber wenn es mir gelingt, wenigstens etwas von der eigenen Geschichte zu verstehen, dann ist es nicht nur eine Bereicherung für mich selbst. Ich kann darüber erzählen und vielleicht andere dazu motivieren, ihrer Geschichte auch nachzugehen.

Ja, und manchmal muss ich einfach Himmel fotografieren. Als ob ich meinen Horizont erweitern müsste ...



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Riniken, 6. Mai 2022​

Liebe Sabine

Ich hoffe, dass es Dir gut geht.
Nebst unglaublicher Arbeitsbelastung, lässt mir die Geschichte mit der Familie von unseren Grosseltern keine Ruhe. Mit dem Architekten vom Tessin bin ich im regen Mail-Austausch und erhalte von ihm immer neue Dokumente und Fotografien von der Schwester meines Grossvaters. Und ich meinerseits schicke ihm Informationen und Dokumente von meinen Grosseltern.

Es ist enorm spannend, wie sich in dieser Familie die Malerei und Fotografie über drei Generationen hinweg zieht. Ein Bruder meines Grossvaters malte ebenfalls, von ihm habe ich einfach noch keine Bilder gefunden. Der Bruder meiner Mutter, wie Du weisst, war auch ein begnadeter Maler. Und die Tochter des Architekten vom Tessin ist Regisseurin und hat einen Fotografen geheiratet. Irgendwie merke ich, dass sich viele Gemeinsamkeiten über Generationen hinweg ziehen. Lustig auch, dass sich der Gärtnerberuf durch mittlerweile vier Generationen hinweg zieht.

Ich schicke Dir heute eine Postkarte von der Schwester meines Grossvaters. Vom 30 Januar 1917 an ihre Eltern. Also an meine Urgrosseltern. Sie schreibt darin, dass sie nun in Lugano, ihrer neuen Heimat angekommen sei. Lugano blieb ja nicht ihre Heimat, sondern Locarno, wo ihr Mann den "Giardino della pace" gegründet hat und noch heute zu besichtigen ist.

Die Rückschau erhält gerade in diesen Zeiten eine ganz neue Dynamik. Und es bedrückt mich immer wieder, wie wenig sich unser Verhalten in den letzten Jahrzehnten wirklich verändert und entwickelt hat.

Claudia reist dieses Wochenende ins Ferienhaus. Susanne feiert dort ihren Geburtstag und ich halte zuhause die Stellung, natürlich zusammen mit Tina. Vielleicht reicht die Zeit, etwas zu fotografieren und natürlich der Geschichte meiner Grosseltern nachzugehen.

Dir wünsche ich einen tollen Tag und trag Dir Sorge.

Herzlich. Sam



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Kiel, 7. Mai 2022​
Lieber Sam,

danke für Deine neuen Postkarten! Spannend, was Du von Deinem Cousin schreibst! Und dann noch der andere, etwas entferntere Verwandte!

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist der Architekt der Enkel der Schwester Deines Großvaters. Richtig?
Bei uns in der Familie heißen diejenigen Schwippcousin bzw. Schwippcousine (in meiner Familie hatte ich früher engeren Kontakt zur Enkelin und zum Enkel der älteren Schwester meiner Großmutter mütterlicherseits).

Ich weiß gar nicht, ob der Begriff Schwippcousine korrekt oder allgemein gebräuchlich ist. Ich habe daher nochmal nachgesehen: Die Geschwister unserer Großeltern sind unsere Großtante/n bzw. Großonkel. Deren Enkelin/nen und Enkel sind unsere Cousine/n bzw. unser/e Cousin/s 2. Grades.
Ja, äh, wäre das auch geklärt. :dizzy:

Egal, welche Bezeichnung nun korrekt ist: Schon sehr interessant, dass Ihr alle drei Euch mit Euren Vorfahren so intensiv beschäftigt. Die Gemeinsamkeiten, die Ihr dabei entdeckt, sind schon auch erstaunlich. Ich bin gespannt, was Du noch berichten wirst.


Meine Woche war, tja, irgendwie sehr mühsam. Ich war krank, erschöpft, traurig, genervt ... Trotz allem (oder gerade deswegen) war ich jeden Tag mindestens kurz in der Bünte. Aktuelle Postkarten dazu schicke ich Dir noch.

Die nächsten vier Postkarten sind alle vom 25. April 2022 und inzwischen sind die Kirschblüten bereits verblüht.


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So sah es da also vor knapp zwei Wochen aus. Wenn ich es schaffe, will ich heute auch wieder hin. Vielleicht mache ich ein paar Vergleichsfotos mit dem Fisheye. In jedem Fall ist die Bünte ein sehr tröstlicher Ort für mich.

Ich hoffe, dass Claudia gut gelandet ist im Ferienhaus, und ich wünsche Dir ein schönes Wochenende mit Tina, Spaziergängen, Fotografieren und Schreiben über Deine Großeltern.

Herzliche Grüße,
Sabine


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Riniken, Muttertag 2022​

Liebe Sabine

Ganz herzlichen Dank für deine tollen Postkarten. Ich hoffe, dass es Dir zumindest an diesem Sonntag etwas besser geht und Du Dich über dem hoffentlich schönem Wetter erfreuen kannst.

Ich habe mir ein Buch gekauft. Ja, ich weiss ... ich habe noch viele Bücher, die ich nicht gelesen habe, aber da musste ich zuschlagen: "Warum Johann Sebastian Bach keine Oper geschrieben hat" ....
Schon nur der Titel finde ich spannend. Ich werde Dir darüber berichten.

Ein lustiger Begriff dieser "Schwippcousin/e". Ja, aber Du hast es richtig erkannt. Der Architekt und ich sind eigentlich Cousins 2. Grades. Die Geschichte mit seinen Grosseltern ist nicht eine einfache. Wir sind im regen Austausch miteinander und gestern hat er mir eine traurige Mail geschrieben. Ich unterstütze ihn in seiner "Familienforschung" so gut ich kann.
Aber auch für mich sind ganz neue Erkenntnisse über meinen Grossvater, über den Bruder von meinem Grossvater, welcher nach Amerika auswanderte entstanden. Das Bild meines Grossvaters erweitert sich permanent und vielleicht ist es gut, habe ich das Buch noch nicht geschrieben ...

Ich gehe die letzten Tag nur noch mit meinem 18mm nach draussen. So verzehrt die Linien bei dieser Optik wirken, so verzehrt ist wohl die heutige Realität ....



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Muttertag. Manchmal und gerade heute wünschte ich mir eigentlich, dass es keine Kinder geben würde. Was tun wir ihnen an, was tun wir Mütter an, aber auch Väter, Eltern, welche sich engagieren, Kindern Friede und ein respektvolles Leben zu ermöglichen. Welche Botschaft wir als Erwachsene an die Kinder senden zurzeit ist haarsträubend....

Und so gehe ich oft dieser Zeit nachdenklich mit Tina in den Wald. Wald ist beruhigend, etwas runterfahren, etwas entspannen ...



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Und wenn ich schon bei Bach bin. Heute habe ich die Missa tota (h-moll Messe) von Johann Sebastian Bach ganz leise auf dem Morgenwackel gehört. Sie hat mich über Wiesen und Felder und im Wald begleitet....



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