Für den kommenden Tag hatten wir einen Guide zur Stadtbesichtigung gebucht. In der riesigen Stadt (damals ca. 8 Millionen Einwohner, heute mehr als das doppelte) gibt es natürlich unendlich viel zu sehen. Die große Zeit Delhis begann mit der Eroberung durch Babur, der das Reich der Mogulkaiser begründete und Delhi zu einer der Hauptstädte neben Lahore, Agra und Fatehpur Siri machte.
Unsere Besichtigung starteten wir bei Tagesanbruch mit dem Laxminayaran Tempel, der Vishnu geweiht ist.
Die interessantesten Bauwerke stammen aus der Mogul-Zeit. Hier das Grabmal des zweiten Mogul-Herrschers, Homayun, Sohn von Babur.
Am sehenswertesten ist sicherlich der Qutb-Komplex. Hier stehen neben den Ruinen der ersten Moschee Indiens das berühmte Qutb-Minarett und die weltbekannte Eiserne Säule.
Das Qutb Minarett ist ein durch Balkone gegliederter fünfgeschossiger Turmbau aus rotem und gelben Sandstein mit einer Höhe von über 70 Meter und einem sich kontinuierlich verjüngenden Durchmesser von knapp 14 m an der Basis und 2,75 m an der Spitze. Die vorspringenden umlaufenden Balkone ruhen auf Muqarnas-Gesimsen*. Im Inneren gibt es eine Wendeltreppe. Der Grundstein wurde wahrscheinlich Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts nach dem Sieg der Moslems über die Hindus gelegt. Als Vorbilder dienten Turmbauten aus dem heutigen Afghanistan, Iran und Zentralasien. Die Besteigung durch Besucher wurde verboten, nachdem 1981 bei einem Stromausfall und einer Massenpanik 45 Menschen ums Leben kamen.
* Ich zitiere aus meinem Iran-Bericht:
Muqarnas sind ein weit verbreitetes Stilelement der islamischen Architektur. Die Bezeichnung kommt aus dem Arabischen und bedeutet wörtlich „das erstarrte“. Die künstlerische Tradition reicht nach aktueller Forschung zurück in die Zeit des persischen Sassanidenreiches im 4. Jh. n. Chr. Aus dem Jahrhundert davor sind die ersten Kuppeln auf quadratischem Baukörper bekannt, beispielsweise in der sassanidischen Festung Qal-e Dokhtar südlich von Shiraz, der Burg des ersten Sassaniden-Herrschers Ardeshir I., der 242 n. Chr. starb. Mit dieser architektonischen Erfindung ergab sich die Notwendigkeit, die unvermeidbaren Zwickel beim Übergang zwischen einer viereckigen Basis und einer runden Kuppel auszubilden und zu gestalten. Entsprechend diesem Ursprung findet man Muqarnas meist als obere Abschlüsse von Nischen verschiedenster Art sowie später auch an Torbögen."
Nicht weit davon befindet sich die berühmte Eiserne Säule. Sie ist 7,21 m hoch (davon 1,12 m im Boden), 6,5 t schwer und wurde während der Blütezeit der Gupta-Dynastie im 4. Jahrhundert n.Chr. gefertigt. Die Eiserne Säule besteht aus Schmiedeeisen und beweist die frappierende Fachkenntnis, welche die frühen indischen Eisenschmiede bei der Eisengewinnung und -verarbeitung erlangt hatten. Aufgrund ihrer hohen Witterungsbeständigkeit und fehlender Korrosion in den vergangenen 1600 Jahren hat sie weltweit das Interesse von Archäologen und Metallurgen geweckt. Sie wurde wahrscheinlich nicht gegossen, sondern nach der Methode des Feuerschweißens hergestellt. Sie wurde von den muslimischen Eroberern erbeutet und hier aufgestellt. Wo sie ursprünglich stand ist unklar. Laut einem Volksglauben winkt demjenigen, der sich mit dem Rücken an die Eiserne Säule stellt, sie mit den Händen umfasst und dessen Fingerspitzen sich dabei berühren, besonders viel Glück. Seit 1997 umgibt ein Zaun die Säule.
Delhis größtes Bauwerk ist
Lal Qila, das Rote Fort. Die dicken, roten Sandsteinmauern mit den Türmen und Zinnen sind von einem breiten, ausgetrockneten Burggraben umgeben. Das monumentale Bauwerk, das dem früher entstandenen Roten Fort von Agra nachempfunden ist, wurde 1639 bis 1648 auf Veranlassung von Schah Jahan erbaut. 1737 eroberten die Armee des persischen Herrschers Nadir Schah Delhi und plünderten die Mogulresidenz. Dabei wurde unter anderem der legendäre Pfauenthron geraubt.
Hier brachen wir jedoch unsere Besichtigung ab und flüchteten vor der Hitze ins Hotel. Zum Ausgleich gibt es später einige Fotos des Originals, des roten Forts von Agra.
Ich erinnere mich, dass auch unser Guide über die Hitzebelastung klagte und sagte, er könne nachts kaum schlafen.