Hitze, Elend, Menschen & Kultur: 12.000 km nach Kathmandu und retour

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Die Gangesebene ist fruchtbar und so gibt es immer wieder entsprechende Motive.

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In Delhi checkten wir in einem wahren Luxushotel ein: Es gab eine Klimaanlage! Während der Fahrt litten wir teilweise großen Durst. Denn wo sollten wir etwas für uns trinkbares auftreiben? Bezüglich Hygiene und Sauberkeit waren wir durch unsere vielen Reisen eigentlich ziemlich unempfindlich und genügsam. Doch was wir hier an Schmutz und eigentlich unbeschreiblichen Zuständen sahen, sprengte auch unsere Toleranz.
Unvergessen für mich bleibt, dass wir im Hotel jedes Mal Leitungswasser in mitgebrachte Flaschen füllten, Micropur forte-Tabletten rein, die vorgeschriebenen 30 Minuten warten und dann erst trinken.
In Indien wurde niemand von uns krank. Erst auf der Rückfahrt in Pakistan. Aber dazu später.
 
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Für den kommenden Tag hatten wir einen Guide zur Stadtbesichtigung gebucht. In der riesigen Stadt (damals ca. 8 Millionen Einwohner, heute mehr als das doppelte) gibt es natürlich unendlich viel zu sehen. Die große Zeit Delhis begann mit der Eroberung durch Babur, der das Reich der Mogulkaiser begründete und Delhi zu einer der Hauptstädte neben Lahore, Agra und Fatehpur Siri machte.

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Unsere Besichtigung starteten wir bei Tagesanbruch mit dem Laxminayaran Tempel, der Vishnu geweiht ist.

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Die interessantesten Bauwerke stammen aus der Mogul-Zeit. Hier das Grabmal des zweiten Mogul-Herrschers, Homayun, Sohn von Babur.


Am sehenswertesten ist sicherlich der Qutb-Komplex. Hier stehen neben den Ruinen der ersten Moschee Indiens das berühmte Qutb-Minarett und die weltbekannte Eiserne Säule.


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Das Qutb Minarett ist ein durch Balkone gegliederter fünfgeschossiger Turmbau aus rotem und gelben Sandstein mit einer Höhe von über 70 Meter und einem sich kontinuierlich verjüngenden Durchmesser von knapp 14 m an der Basis und 2,75 m an der Spitze. Die vorspringenden umlaufenden Balkone ruhen auf Muqarnas-Gesimsen*. Im Inneren gibt es eine Wendeltreppe. Der Grundstein wurde wahrscheinlich Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts nach dem Sieg der Moslems über die Hindus gelegt. Als Vorbilder dienten Turmbauten aus dem heutigen Afghanistan, Iran und Zentralasien. Die Besteigung durch Besucher wurde verboten, nachdem 1981 bei einem Stromausfall und einer Massenpanik 45 Menschen ums Leben kamen.

* Ich zitiere aus meinem Iran-Bericht:
Muqarnas sind ein weit verbreitetes Stilelement der islamischen Architektur. Die Bezeichnung kommt aus dem Arabischen und bedeutet wörtlich „das erstarrte“. Die künstlerische Tradition reicht nach aktueller Forschung zurück in die Zeit des persischen Sassanidenreiches im 4. Jh. n. Chr. Aus dem Jahrhundert davor sind die ersten Kuppeln auf quadratischem Baukörper bekannt, beispielsweise in der sassanidischen Festung Qal-e Dokhtar südlich von Shiraz, der Burg des ersten Sassaniden-Herrschers Ardeshir I., der 242 n. Chr. starb. Mit dieser architektonischen Erfindung ergab sich die Notwendigkeit, die unvermeidbaren Zwickel beim Übergang zwischen einer viereckigen Basis und einer runden Kuppel auszubilden und zu gestalten. Entsprechend diesem Ursprung findet man Muqarnas meist als obere Abschlüsse von Nischen verschiedenster Art sowie später auch an Torbögen."


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Nicht weit davon befindet sich die berühmte Eiserne Säule. Sie ist 7,21 m hoch (davon 1,12 m im Boden), 6,5 t schwer und wurde während der Blütezeit der Gupta-Dynastie im 4. Jahrhundert n.Chr. gefertigt. Die Eiserne Säule besteht aus Schmiedeeisen und beweist die frappierende Fachkenntnis, welche die frühen indischen Eisenschmiede bei der Eisengewinnung und -verarbeitung erlangt hatten. Aufgrund ihrer hohen Witterungsbeständigkeit und fehlender Korrosion in den vergangenen 1600 Jahren hat sie weltweit das Interesse von Archäologen und Metallurgen geweckt. Sie wurde wahrscheinlich nicht gegossen, sondern nach der Methode des Feuerschweißens hergestellt. Sie wurde von den muslimischen Eroberern erbeutet und hier aufgestellt. Wo sie ursprünglich stand ist unklar. Laut einem Volksglauben winkt demjenigen, der sich mit dem Rücken an die Eiserne Säule stellt, sie mit den Händen umfasst und dessen Fingerspitzen sich dabei berühren, besonders viel Glück. Seit 1997 umgibt ein Zaun die Säule.


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Delhis größtes Bauwerk ist Lal Qila, das Rote Fort. Die dicken, roten Sandsteinmauern mit den Türmen und Zinnen sind von einem breiten, ausgetrockneten Burggraben umgeben. Das monumentale Bauwerk, das dem früher entstandenen Roten Fort von Agra nachempfunden ist, wurde 1639 bis 1648 auf Veranlassung von Schah Jahan erbaut. 1737 eroberten die Armee des persischen Herrschers Nadir Schah Delhi und plünderten die Mogulresidenz. Dabei wurde unter anderem der legendäre Pfauenthron geraubt.
Hier brachen wir jedoch unsere Besichtigung ab und flüchteten vor der Hitze ins Hotel. Zum Ausgleich gibt es später einige Fotos des Originals, des roten Forts von Agra.

Ich erinnere mich, dass auch unser Guide über die Hitzebelastung klagte und sagte, er könne nachts kaum schlafen.
 
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Weiter ging es nach Agra. Das Vorankommen auf den Straßen war oft recht mühsam. Viele Menschen - zu Fuß, mit dem Fahrrad - auf der Straße, viele Tiere. Wer auf dem Beifahrersitz saß hatte eine wichtige Aufgabe: dem Vater sagen, wenn der Verkehr ein Überholen erlaubte. Ein Linkslenker im Linksverkehr ist eben unpraktisch. Auf dieser Strecke erlebten wir auch, wie hier Tiefbau betrieben wird. Männer arbeiteten mit Schaufeln, Frauen und Kinder trugen den Aushub fort. Maschinen sahen wir auf dieser Baustelle nicht.

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Unterwegs begegneten wir mal wieder einem Elefanten. Es war ein ziemlich junger.

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Vielleicht wollte mein Vater deshalb, dass ich da rauf klettere? War ja nicht so hoch .....

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Die heute etwa 1,6 Millionen Einwohner zählende Stadt Agra war mit Unterbrechungen von 1526 bis 1648 die Hauptstadt des Mogulreichs. Sein Begründer Babur hielt sich häufig hier auf. Die Blütezeit Agras begann mit dem Regierungsantritt seines Enkels Akbar, der die Stadt ausbaute, und hielt bis in die Regierungszeit von Aurangzeb, Sohn des berühmten Shah Jahan, an. Mit dem Niedergang des Mogulreiches verlor auch Agra an Bedeutung.

Das Rote Fort ist eine Festungs- und Palastanlage der Mogulkaiser und diente ihnen (mit Unterbrechungen) als Residenz. Ein Teil der riesigen Anlage wird heute noch militärisch genutzt und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Der Bau wurde 1565 unter Akbar begonnen und unter vor allem unter Shah Jahan in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erweitert. Während Akbar vorwiegend mit rotem Sandstein aus Rajasthan bauen ließ, bevorzugte Shah Jahan weißen Marmor mit Verzierungen aus Glas und Halbedelsteinen als Baumaterial (wie auch später beim Tadj Mahal). 1648 wurde die Hauptstadt nach Delhi zurückverlegt, womit auch das Rote Fort an Bedeutung verlor. Nach seiner Machtergreifung 1658 stellte Aurangzeb seinen Vater im Roten Fort unter Hausarrest, wo dieser im Jahre 1666 auch starb.

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Leider sind viele Negative in einem erbarmungswürdigen Zustand.​
 
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Vielen gilt der (oder auch das) Taj Mahal als Inbegriff für Indien. Nun ja. Die Architektur ist überwiegend persisch, war doch ein Perser der federführende Architekt und persisch auch die Hofsprache der Mogulkaiser. Dass es ein Mausoleum ist brauche ich hier wohl nicht näher zu erläutern.

Der Taj Mahal ist von einer Mauer aus rotem Sandstein umgeben umgeben. Das Eingangsportal, ebenfalls aus Sandstein, ist mit weißen Marmor verziert. Die vier Ecken des Daches tragen achteckige Türmchen mit Kuppeln aus weißem Marmor, ähnliches findet man im Fort. Der Torbau ist mit Zitaten aus dem Koran verziert. Zwischen dem Eingangsportal und dem Mausoleum liegt ein 18 Hektar großer Garten mit einem länglichen Wasserbecken im Zentrum. Es handelt sich um einen klassischen viergeteilten und symmetrischen Tschahar Bagh. Die Anlage ist somit typisch persisch. Tschahar (persisch) = vier, bagh = Garten. Je nach Lesart symbolisieren die vier Arme die vier paradiesischen Flüsse oder auch die vier Himmelsrichtungen.

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Das Mausoleum besteht im Kern aus gebrannten Ziegeln und ist außen wie innen mit weißem Marmor verkleidet. Dieser Marmor kam aus Jaipur (Rajasthan), etwa 300 km östlich von Agra. Angeblich wurde das Baumaterial mit 1000 Elefanten transportiert.

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Die Minarette sind leicht nach außen geneigt dass sie bei einem Einsturz in Folge eines Erdbebens nicht das Grabmal beschädigen.


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Der ganze Bau ist mit Einlegearbeiten aus 28 verschiedenen Edel- und Halbedelsteinen verziert. Jaspis, Karneole, Achat, Kristall, Lapislazuli, Saphire, Korallen, Granate, Onyx, Blutjaspis Türkis und noch einige mehr. Sogar Diamanten wurden zur Verzierung genutzt. Dabei finden sich bunte florale Motive, wie z. B. Lilien und Rosen, aber auch Inschriften mit Passagen aus dem Koran in schwarzem Marmor auf weißem Grund.

Dass dies alles die nach dem Bau folgenden Jahrhunderte nicht unbeschadet überstanden hat ist klar. Angeblich planten die Briten im 19. Jahrhundert, das damals stark vernachlässigte Gebäude stückweise auf Auktionen in England zu verkaufen. 1903 wurde das Bauwerk unter Schutz gestellt und kam 1983 auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Das im Zentrum befindliche Grab der Mumtaz Mahal trägt Koran-Inschriften, weil im Islam eine Frau, die stirbt, während sie Leben gibt, als Märtyrerin betrachtet wird. Mumtaz Mahal starb bei der Geburt ihres 14. Kindes. Auf den Seiten ihres Sarkophags finden sich die 99 Namen Gottes sowie die Inschrift: „Er ist ewig. Er ist genug.“ und die nachfolgende Passage aus dem Koran: „Gott ist derjenige, der keinen Gott neben ihm hat. Er weiß, was verborgen ist und was manifest ist. Er ist barmherzig und mitfühlend."
 
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Nach einer Legende plante Shah Jahan ein gleichartiges Bauwerk aus schwarzem Marmor als Mausoleum für sich selbst auf dem anderen Ufer des Yamuna. Da er den Staatshaushalt mit seinen Prachtbauten ruiniert hatte sei es beim Plan geblieben. Andere Erzählungen lauten, auf der gegenüberliegenden Seite des weißen Taj Mahals lag eine Parkanlage mit einem großen Wasserbecken. Das Taj Mahal habe sich in diesem Becken gespiegelt und erschien im Wasser schwarz. Wie auch immer: Anfang der 2000er-Jahre erfolgten Ausgrabungsarbeiten auf der dem Taj Mahal gegenüberliegenden Seite des Yamuna. Dort wurden die Grundrisse eines achteckigen Gebäudes freigelegt, dessen Form und Größe denen des Taj Mahal entsprechen und die These des Plans eines baugleichen Mausoleums mit schwarzem Marmor als Grabmal für Shah Jahan untermauern. Jedenfalls wurde der Bau nicht erstellt; Shah Jahan ruht an der Seite seiner liebsten Gemahlin. Sie im Zentrum, er an ihrer Seite.

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Shah Jahan auf dem Pfauenthron (verlinkt aus Wikipedia)

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Wuxi
Wuxi kommentierte
Das ist großartig. Die Gebäude so wie sie auch heute noch aussehen, aber die Menschen aus den 70ern. Wahnsinn was Du erleben konntest.
 
Jetzt noch etwas aus der Perspektive der mitreisenden Kinder.

Meine lebhafteste Erinnerung an das Taj Mahal: sprinten von Schatten zu Schatten. Das Betreten des Mausoleums war nur barfuß gestattet und der Boden so heiß dass man kaum stehen bleiben konnte. By the way: Das mittlere Tagesmaximum in Agra wird für Mai und Juni auf Wikipedia mit 41,7 bzw. 40,7°C abgegeben. 5° mehr als im gewohnten Tehran und 16° über unserer pfälzischen Heimat.

Nach dem Taj Mahal machten wir, um den Kindern einen Gefallen zu tun, auf der Rückfahrt zum Hotel noch kurz Station beim Mausoleum von Dschalāludin Mohammed (1542–1605), des ab 1561 regierenden dritten und bedeutendsten Herrschers der Mogul-Dynastie, der schon zu Lebzeiten Akbar („Der Große“) genannt wurde. Es ist das flächenmäßig größte Grabmal Indiens. Es liegt im Zentrum einer ausgedehnten viergeteilten und mit Wasserläufen, Bäumen, Wiesen und Blumenbeeten gestalteten Gartenanlage im persischen Stil (Tschahar-Bagh), in welcher auch Gazellen, Affen, Pfaue und Streifenhörnchen leben – eine Anspielung auf das vom Koran in Aussicht gestellte Paradies. Eine Textpassage der Torinschrift lautet denn auch: „Dies sind die Gärten von Eden. Tritt ein und lebe auf ewig.“

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Und als Nachtrag noch die fotografischen Ergüsse des 11jährigen mit der Kinderkamera. Es war eine Kodak Instamatic 33. Einzige Einstellmöglichkeit: die Wahl zwischen dem Sonnen- und dem Wolkensymbol. Anders als die Eltern lichtete ich auch immer wieder uns ab.

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Die Mutter vorne rechts, der Vater im Zentrum

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Vater und Schwester

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Der Vater hier mit der Handtasche der Mutter .... wahrscheinlich, weil sie gerade mit der Rollei beschäftigt war.​
 
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Wuxi
Wuxi kommentierte
Tolle Bildgestaltung für einen 11jährigen!
 
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Lydian
Lydian kommentierte
Danke für den Link. Wenn ich mir die Instamatics genauer anschaue, glaube ich eher, dass es eine 33 war. Jedenfalls bot unsere Kamera keine zwei verschiedenen Belichtungszeiten. Und sie hatte einen Anschluss für Blitzwürfel. Die fanden wir als Kinder total cool.
Kodak Instamatic 33
 
Nur Kinderkamera? Denke viele, die damals keine besonderen fotografischen Ansprüche hatten, haben mit einer Kodak Instamatik fotografiert
Für uns war es die Kinderkamera. Ich kann mich nicht erinnern dass meine Eltern sie jemals in die Hand nahmen :)
Und selbst habe ich auch nur als Kind damit fotografiert. Mit 15 hatte ich das Geld für meine erste SLR zusammen, eine Exakta TL 1000 für 258 DM.
Die Sammlung Kurt Tauber: Exakta TL 1000kameramuseum.nethttp://www.kameramuseum.net › 0-fotokameras › exa...
Und 1-2 Jahre vorher schon durfte ich mit Contarex und Rolleiflex (die war mir lieber) durch die Gegend ziehen.
 
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Wir verließen nun Uttar Pradesh, den bevölkerungsreichsten Bundesstaat, der zugleich einer der ärmsten uns am wenigsten entwickelten ist, und fuhren nach Khadjuraho im Bundesstaat Madhya Pradesh. Auch hier trafen wir auf sehr prekäre Lebensumstände der Menschen. Unser Ziel war natürlich die weltberühmte Tempelanlage.

An der etwa 450 km langen Autofahrt waren zwei Begebenheiten erinnerungswürdig. Von der ersten gibt es keine Fotos, aber ich werde es nie vergessen. Wir hatten ein Bahngleis zu passieren. Die Schranke war geschlossen. Also anhalten, Motor aus. Nach etwa 10-15 Minuten wurden wir etwas ungeduldig und stiegen aus. Mit uns warteten viele Menschen, alle zu Fuß oder per Rad. Einer sprach etwas Englisch. Der Zug komme gleich, sagte er. Er kam nach etwa einer halben Stunde. Ins Auto, Motor an. Aber die Schranke öffnete sich nicht. Unser Gesprächspartner meinte, es komme noch ein Zug. Nach etwa 15 weiteren Minuten. Außer uns wurde niemand ungeduldig.

Einige Kilometer weiter kamen wir an einen Fluss. Die Brücke war eingestürzt, und das offensichtlich schon vor längerer Zeit. Es gab eine Fähre. Oder eher ein Floß. Mit uns setzten viele Fußgänger und Radfahrer über. Auch Rinder, aber kein weiteres Auto. Wir kamen wohlbehalten am gegenüberliegenden Ufer an.

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Wie man hier sieht wollten wir diese Überfahrt gleich mit zwei Kameras festhalten. Die Mutter machte nur ein Foto, ich dagegen mehrere. Ich fand es sehr spannend.


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Warten auf die Fähre


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Der Tempelbezirk von Khajuraho umfasst etwa 20 Tempel im Zentrum und in der näheren Umgebung der Stadt. Nahezu alle Tempel wurden von den Herrschern der Chandella-Dynastie, der zu dieser Zeit führenden Macht Nordindiens, zwischen 950 und 1120 beauftragt. Die Mehrzahl ist den hinduistischen Hauptgöttern geweiht. Die Tempel stehen auf bis zu 3 Meter hohen Plattformen, die das Bauwerk vor Witterungseinflüssen, insbesondere dem Monsunregen, schützen.

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Die bekanntesten sind der Kandariya-Mahadeva-Tempel, der Vishvanatha-Tempel und der Kandariya-Mahadeva-Tempel. Allen ist gemein, dass sowohl Plattform wie Tempel mit abertausenden kleineren und größeren Figuren geschmückt sind. Vor allem die größeren Skulpturen stehen nahezu vollplastisch auf Steinplatten, d. h., sie sind kaum noch mit dem rückwärtigen Reliefgrund verbunden. Die etwas hervorstehenden Bauteile zeigen zumeist Götterfiguren (Shiva, Vishnu u. a.), die in den etwas zurückspringenden Teilen von gleich großen weiblichen Figuren – leicht bekleideten „Schönen Mädchen“ (surasundaris) in unterschiedlichen Posen begleitet werden. Die etwas breiteren, aber am stärksten zurückgestuften Mittelregister der drei Außenwände präsentieren in der unteren Ebene erotische Szenen aller Art, für die die Tempelbauten Khajurahos in der ganzen Welt berühmt sind; darüber finden sich „Himmlische Liebespaare“ (mithunas).

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Die altindische Religion beruht in nicht unwesentlichen Maße auch auf Liebesbeziehungen; die zumeist männlichen Hauptgötter werden stets begleitet von weiblichen Göttinnen (shaktis), durch welche ihre Kräfte oft erst wirksam werden. Frühen Darstellungen fehlt die eindeutig erotisch-sexuelle Komponente, die erst im Rahmen des sich entwickelnden und über große Teile Nordindiens verbreiteten Tantrismus stärker zur Ausbildung kam.

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Die eindeutig erotisch-sexuellen Darstellungen finden sich ausschließlich an den Außenwänden. Im Innern, also in der Welt des Göttlichen, sind derartige Szenen nicht zu sehen. Es gibt hier jedoch auch hier einander zärtlich umarmende Liebespaare (mithunas) oder vollbusige und halbnackte 'Schöne Mädchen' (surasundharis). Auffällig ist überdies, dass in der gesamten Tempelanlage keiner Darstellungen von Dämonen zu finden sind. Durch die Vielzahl und die dichte Anordnung der lebensbejahend schönen, harmonischen und auch erotischen Darstellungen haben diese Tempel heute eine hohe Anziehungskraft auf Touristen aus aller Welt.

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Bei den Jain-Tempeln und den späteren Hindu-Tempeln sind kaum noch erotisch-sexuelle Darstellungen zu finden; hier überwiegt die Anzahl der Götterfiguren.
 
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Zum Abschluss dieses Abschnitts wieder zwei Kinderfotos.

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Übrigens: Dass meine Mutter oft einen Reiseführer in der Hand hält war bezeichnend. Sie recherchierte vor den Reisen und legte weitgehend die Routen fest.
 
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2 Kommentare
rollertilly
rollertilly kommentierte
Deine Schwester hatte auf den letzten Bildern sichtlich Spaß ;)

Klasse, deine Reportage!!
 
Lydian
Lydian kommentierte
Ich hatte auch meinen Spaß .... Ernsthaft: Die Reise war sehr sehr anstrengend. Und der schwierigste Teil kommt noch. Für die Überschrift des Threads hab ich nicht zufällig zwei negative Begriffe gewählt. Das Elend, das ich während der nächsten Tage sah, hat mir sehr zu schaffen gemacht.
 
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