Hi,
wer hat denn so einen Unfug behauptet?
Das weiß ich aus meiner Jugend, da wurde allgemein gesagt: Die Fotografie ist die bessere Malerei, weil … 1:1 Abbildung, unverfälscht (überspitzt gesagt) durch künstlerische Allüren der Maler.
Es wundert mich, dass du das nicht aus der Kunstgeschichte kennst.
Hi,
Natürlich ist es das nicht. Man kann nicht hinein gehen, man kann sich darin nicht umsehen, man kann keine Plüümchen riechen, kein Vogelgezwitscher hören, es kann einem kein Stein aus dem Bild heraus auf den Kopf fallen, man kann stundenlang ein Bild an der Wand ansehen und es wird sich darin nichts verändern. Natürlich hat ein Foto so gut wie nichts mit der Realität zu tun.
„So gut wie nichts“ finde ich übertrieben, das ist aber nur meine Meinung. Ist es bei deinen Bildern so?
Aus einem Buch:
„Ein Bild ist nicht nur etwas vom Menschen Geschaffenes (und in diesem Zusammenhang in seiner Bedeutung Fixiertes), ein Zeichen, sondern mit ihm entsteht auch ein direkter Abdruck der Dinge, der Gegenstände der sichtbaren Welt, überall dort, wo sichtbare optische Welt durch »automatische« technische Verfahren aufgezeichnet wird: durch Fotografie, Film, Video. Solange diese technischen Mittel nicht existierten, konnte ein solches visuelles Zeugnis durch den Künstler, dem an der Übereinstimmung des Bildes mit dem Vorbild gelegen war, angefertigt werden. In dieser Hinsicht stehen Technik und Kunst (griechisch téc/më = Technik, Kunst) gleichermaßen im Dienst einer realitätsgetreuen Wiedergabe. In seiner Form trägt ein Bild sozusagen eine unmittelbare visuelle Erinnerung an einen Gegen- stand oder an ein Ereignis mit sich.
Zu den besonderen Vorzügen des Bildes gehört, daß es Realität mit großer Detailtreue wiedergeben kann. Mit gleicher scheinbarer Detailliertheit vermag ein Bild aber auch Realität vorzugaukeln.
-> Falsche Realitätssignale
Christian Doelker
EIN BILD IST MEHR ALS EIN BILD
Visuelle Kompetenz in der Multimedia-Gesellschaft“
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~Gruß, Karl