Thomas, diese Sichtweise ist leider recht verbreitet. Kekulé z.B. denkt ähnlich.
Das ist zwar überholtes Denken, aber ich erkläre trotzdem mal, wie es dazu kommt ...
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Das Problem: die Protagonisten können sich nicht vorstellen, wie man mittelfristig R0 ohne Lockdown unter 1 halten kann und aus der Verzweiflung heraus sehen sie hier einen Weg. Aber man kann R0 auch ohne Lockdown unter 1 halten, sobald die fallzahlen wieder klein sind. Daher ist das Argument nicht valide.
Das möchte ich nicht unkommentiert lassen.
Kekule beschäfftigt sich seit Jahrzehnten mit Virologie UND Epidemilologie. Hat an Pandemieplänen gearbeitet, ist international hoch angesehen und hat keine Scheu von erfolgreichen Ländern, wie Singapore, Südkorea, etc. zu lernen. (Damit scheinen andere größere Probleme zu haben.)
Grundsätzlich sei hier noch mal erwähnt, dass Epidemiologie eben keine Mathematik ist, sondern Mathe ist da nur eine Hilfswissenschaft. Und die Mathematik hinter der Epidemiologie ist vergleichsweise simple, die wurde im Grundstudium, "Mathe für Biologen und Chemiker" abgehandelt. Das beherrscht auch Kekule locker. Die Biologie hinter einem speziellen Virus ist Potenzen komplexer und nur wenn man diese richtig einordnet, kann man sinnvolle Annahmen machen. Irgendwas runterrechnen kann jeder, ob das dann sinnvoll ist, zeigt sich hinterher. Will heißen, ein Virologe kann Epidemiologie, eine Mathematiker eher nicht.
Mit zunehmender Durchseuchung einer Population nimmt der R0 zwangsläufig und automatisch ab, das ist trivial, das hat Kekule im ersten Semester gelernt. Die Frage ist doch, wie manage ich die Phase zwischen 5-40% Durchseuchung und was sind meine Prioritäten, oder welche Schäden bin ich bereit zu akzeptieren.
Bei der Beurteilung der Maßnahmen gegen eine zu schnelle Ausbreitung des Wuhan Virus geht es eben nicht nur um Bettenkapazität und Tote, es geht auch im gesellschaftliche Spannung und ökonomische Schäden, da muss man die Balance finden.
Nach jetzigen Wissensstand (incl. Erfahrungen aus Fernost) würde ich mir die Kombination aus milder Infektion (geringe Virenlast), frühes Identifizieren von Infizierten und frühzeitige Medikation mit Chloroquin, oder Favipiravir, etc. genauer Anschauen. Gesunde Menschen, bis 40 Jahre alt, schwach infizieren und die Virenreproduktion medikamentös verzögern, so dass das Immunsystem reagieren kann, bevor Covid in den unteren Lungenbereich absteigen kann. So sollte es möglich sein, eine schnelle Durchseuchung der Bevölkerung zu erreichen, ohne dass kritische Fälle zu stark ansteigen. (Masken tragen verringert die Virenlast, die man inhalieren kann, und würde so den Anteil milder Infektion unterstützen).
Nur für die Risikogruppen würde dann in dieser Phase ein strenger Lockdown empfohlen, der jedoch nicht angeordnet wird, sondern freiwillig wäre. Wer sich selbst gefährden möchte, darf das natürlich in einem freien Land tun (Rauchen und anderes gesundheitsschädliches Verhalten wird ja auch nicht verboten. - Deutschland akzeptiert rund 120.000 Rauchertote jährlich. Wie viele Pandemie-Tote können wir da alle 10-20 Jahre akzeptieren?)