In dem Zusammenhang hat sich das RKI bisher ja clever der Dunkelziffer Diskussion enhalten. Sinngemäß "das ist wenig relevant, da wir darauf abzielen, die Epidemie unter der Belastungsgrenze der Intensivbettenkapazität zu halten".
Das ist tatsächlich sauber argumentiert, wenn man, wie bisher, annimmt, dass die Intensivbettenkapazität eine relevante Begrenzung darstellt.
Neuere Zahlen lasen mich das jetzt aber gerade überdenken - ich weiss es gerade nicht.
Laut ICNARC Report vom 4. April (UK Intensive Care National Audit and Research Council), nach Auswertung von 2900 Intensivstationspatienten, sieht es wie folgt aus:
1. 32% benötigen Sauerstoff und/oder Überdruck, aber keine fortgeschrittene Beatmung. Davon überleben 84%. Insgesamt 27%.
2. 68% benötigen fortgeschrittene Beatmung, Davon überleben aber nur 33%. Insgesamt 22%.
1&2 Zusammen also 49% Überlebende.
Für die Behandlungsart (1) benötigt man vielleicht gar keine Intensivstationen, sondern entsprechende Geräte, ggfs. für den ambulanten Bereich oder Normalstationen. Natürlich kommen diese Patienten alle in den Intensivbereich, um schnell reagieren zu können, sollte sich ihr Zustand verschlechtern. Nur, siehe (2), macht das dann leider keinen wirklich grossen Unterschied mehr
Der Wegfall des Intensivwesens verdoppelt also in etwa die CFR, der Wegfall von (2) allein erhöht sie um einen Faktor 1.4x. Das lässt sich womöglich weiter senken durch Optimierung der einfachen Beatmung, analog dem Interview mit dem Lungenfacharzt weiter oben hier verlinkt.
Es erscheint mir womöglich falsch, alle Anstrengungen nun darauf zu optimieren, Option (2) nicht zu verlieren.
Vielmehr sollte die Hauptzielfunktion sein, die Zahl von Infizierten überhaupt, und damit die Zahl von Intensivfällen, zu minimieren, ungeachtet der Zahl der Intensivbetten.
P.S.
In Frankreich ist die Zahl der Fälle kürzlich explodiert, weil man die Fälle in Pflegeheimen nun auch erfasst. Diese sterben wohl in aller Stille, ohne in ein Krankenhaus zu kommen, und ohne daher zuvor erfasst worden zu sein. Das unterstreicht mein Argument, dass man die Zahl der Infizierten minimieren sollte, absolut, nicht relativ einer Grenze wie Zahl der Intensiv-Beatmungsplätze, die dann gar nicht helfen.