Riniken, 27. Februar 2020
Liebe Sabine
Besten Dank für die visuellen und gedanklichen Anstösse. Ich schlafe schlecht, Claudia war krank, vieles beschäftigt mich. Und ich habe Fragen:
Warum mich Motive rufen? Warum vor einem Baum stehen, an dem ich schon tausend Mal vorbei gegangen bin? Warum kann ich Frage nach dem Lieblingsessen, der Lieblingsfarbe, dem Lieblingsbuch, der Lieblingsmusik nicht eindeutig beantworten?
Vielleicht deshalb nicht, weil ich weder im Imperativ noch im Konjunktiv lebe. Vielleicht deshalb, weil ich nicht bereit bin, mich mit dem dem Klavierkonzert von Beethoven auseinander zu setzen. Weil heute, jetzt eine selbstgemachte Pizza mein Lieblingsessen ist. Ich aber auch gerne Sweet und Sauer habe. Aber nicht immer. Weil ich manchmal gelb mag, aber auch rot, grün auch, auch blau. Aber eben, manchmal. Punkt. Nicht in diesem Moment. Später, irgendwann wieder. Aber nicht jetzt.
Fotografie ist abschliessend für den Moment. Aber nie die Wahrheit und immer Vergangenheit. Vielleicht lache ich über das Foto ein paar Tage später, ärgere mich darüber, weil ja, eben, weil ich gehofft habe, dass das Licht nun doch von der anderen Seite hätte kommen sollen.
In diesem Moment war die Farbe Grün dein Reiz im Bild 169. Wenn ich das betrachte, dann sehe weniger die Farben als die Strukturen der Steine. Vielleicht hätte uns das Motiv gemeinsam gerufen. Aber ich hätte mit ihm einen anderen Dialog geführt als Du. Faszinierend, wie verwirrend manchmal .
Und so starte ich separat eine kleine Serie, Du findest sie unter dem Titel "Tankstelle für die Seele".
Sei herzlich gegrüsst, trage Dir Sorge. Herzlich, gedankenvoll....Sam
Auch das war ein Moment, gestern.