Sandra und ich beenden unsere schöne Runde bei der Alten Mu und holen unsere Räder beim Fahrradständer ab.
Mein Blick fällt da noch auf dieses dekorierte Fenster. Erneut klare Botschaften.
Wir radeln beseelt und dankbar nach Hause und lassen den Tag gemütlich mit Tee ausklingen.
Das ist jetzt schon wieder eine Woche her. Eine Woche, in der in der Ukraine und anderswo in der Welt immer wieder sinnlos Menschen sterben mussten. Mich macht das immer wieder traurig, fassungslos, wütend ...
... und wieder traurig. Es bleibt eine Zeit, die mich weiterhin herausfordert in dem Spagat, "normal" weiterzumachen und gleichzeitig das Leid oder besser: die leidenden Menschen im Blick zu behalten, dabei handlungsfähig zu bleiben, zu gucken, wo ich wie sinnvoll helfen kann. Vor Ort, mit Geldspenden, mit einer freundlichen Geste, mit Dasein und mit Zuhören ...
Ich merke, dass ich Nachrichten als Information brauche (zumindest einmal täglich lese ich ZEIT online, aber mehr als zwei- oder dreimal täglich nicht. Stichwort: Balance), weil mich Informationen (in Textform und in Maßen) auch wieder ein Stück weit beruhigen können. Weil sie mir klar machen können, welchen Handlungsspielraum ich habe.
Muss ich den Krieg überhaupt verstehen,
wie Du Dich schon vor zwei Wochen gefragt hast. Tja, das werde ich wohl auch nie. Krieg verstehen. Trotz all der Theorien und Hintergründe dazu, über die ich zurzeit lese.
Ich denke gerade an meinen Vater, der zur Zeit der sogenannten Jugoslawienkriege meterweise (Fach-)Literatur verschlungen hat, um zu versuchen, den Konflikt zu begreifen, um da irgendwie durchzusteigen, irgendeine Erklärung zu finden. Ich wiederum habe zu Schul- und Studienzeiten sehr viel über die Konflikte und Kriege zwischen Israel und arabischen Staaten gelesen, weil ich unbedingt verstehen, begreifen wollte, worum es da geht.
Tja, vielleicht wächst mit dem Wissen um die Geschichte und um bestimmte Zusammenhänge das Verständnis für eine Seite, für mehrere oder sogar für alle beteiligten Seiten. Aber den Schritt, aktiv einen Krieg zu beginnen, den werde ich trotzdem nicht verstehen ...
Wichtig bleibt,
wie Du auch schon geschrieben hast, dass wir uns selbst einen Sinn geben. Da stimme ich Dir auch voll zu. Aufstehen, Kaffee trinken, schlimme Momente so gut es eben geht aushalten, schöne Momente sammeln. So in der Art.
Okay, ich mache mal Schluss. In der Postkarte hier sind auch noch so viele Themen und Botschaften enthalten, ganz zu schweigen von dem Raum dahinter ...
Ich gucke mal, ob ich Dir die nächsten Postkarten noch heute Nacht schreiben werde oder erst die nächsten Tage.
In jedem Fall sei lieb gegrüßt und pass auf Dich auf!
Herzlich,
Sabine
@sam25 ......Sam, Dir und Claudia nachträglich auch die besten Wünsche zum Geburtstag.