Für Einsteiger bietet die Z50 ein gutes, überzeugendes Angebot, was fehlt ist noch ein Weitwinkelobjektiv 10-20 VR in der Qualität und im Preissegment des Af-P DX 10-20, dass sich mit dem großen Bajonett und dem netten Auflagenmaß des Z-Bajonetts sicher ähnlich dem 16-50 als Pancake konstruieren lässt. Aber das wird sicher irgendwann noch kommen. Ansonsten haben Alex Coleman und unser ernst w. schon die meisten Argumente gebracht. Das DX-Kit Z50 plus die beiden Objektive ist schon ein überzeugendes rundum-Sorglospaket.
Problematischer wird es schon für Umsteiger: In Sachen FX bin ich auf Z umgestiegen, weil ich die beiden Kameras Z6 und Z7 in der Summe der Argumente überzeugend finde, besonders ist das die Qualität der Z-Vollformat-Objektive, die endlich nicht mehr die CA-Problematik aller bisherigen lichtstarken Nikkore haben, die dem kleinen F-Bajonett geschuldet war. Z-FX ist für mich Zeiss-Otus-Qualität mit moderatem Nikon-Gewicht und Preis.
Dieses Argument gibt es bei DX nicht. Lichtstarke DX-Nikkore gibt bis auf das 35er 1,8 und mit Abstrichen das alte 2,8/17-55 nicht und wird es nach der Roadmap im Z-DX-System solche zumindest zunächst nicht geben. Die auf dem Markt befindlichen DX-Objektive sind zwar recht lichtschwach, jedoch relativ klein und qualitativ ok, teilweise sogar sehr gut. Die kleinen DX-Kameras der D5xxx-Serie sind nicht wesentlich größer und schwerer als die Z50. Die D7xxxer Serie ist ausgereift und hat kaum Schwächen und die D500 ist ohnehin eine DX-High-End-Kamera, zumindest zum Fotografieren. Wer die Z50 hingegen überwiegend zum Filmen will, ist mit ihr sicher besser bedient, als mit einer der kleinen DX-DSLR. Ibis wäre hierfür aber auch schön, muss jedoch nicht letztlich sein. Was mir nicht gefällt ist die Position des Kartenschachts und die Tatsache, dass dieser nur kompatibel mit den langsamen UHS-I-Karten ist. An einem Tele ab 70-200 oder länger stört der FTZ-Adapter kaum noch. Die zwei letzten Nikkore 70-200 mit 2,8, das Tamron G2 und das Af-S Nikkor 70-200 F4VR zeigen Spitzenabbildungsqualität an den Z-Kameras, und es stellt sich die Frage, ob das neue 70-200er fürs Z-Bajonett, das, geht man mal von der bisherigen Preisgestaltung Nikons bei Z aus, sicher 3000 oder mehr € kosten dürfte und dabei weder kleiner noch leichter als die obengenannten sein dürfte, noch viele Kaufanreize bieten wird, zumal ab einer gewissen Brennweite nach wie vor die VR im Objektiv besser funktioniert als ein IBIS.
Außerdem ist, denke ich, die F50 nicht mehr der klassische 1,5 fache Telekonverter wie die D500 oder auch die D7xxx-Kameras. Leider purzeln am Gebrauchtmarkt zurzeit schon die Preise für gute DX Objektive, aber auch für FX-Objektive mit F-Bajonett deutlich, ebenso die Preise für DX- und FX-Kameras mit F-Bajonett, dass der Umstieg mit erheblichen Verlusten verbunden ist. Dazu tragen natürlich auch diverse Cashback und Rabattaktionen Nikons bei, aufgrund derer die Neupreise dieser guten Geräte zu Schnäppchenpreisen werden.
Das kommt noch zu dem Umstand hinzu, dass in der Z50 kein IBIS verbaut wurde und die recht hohe Preisgestaltung (UVP) Nikons schon den eigenen Umsatz kastrieren wird, weil IBIS und ein Preis deutlich unter dem der Mitbewerber sicher den Umsatz anders in Gang gesetzt hätte. Das weiß aber Nikon auch und so werden, wenn die Nachfrage ans Stocken kommt, schon die Preise fallen oder weitere Aktionen eingeläutet werden. Die Käufer wissen das auch und warten daher, wenn sie es können und wollen auch mit dem Kaufen ab, zumal die Z50 eigentlich nichts hat, was man unbedingt sofort braucht. Nikons Problem ist auch die Konkurrenz, (Fuji /Sony), die mit entsprechenden Preisen den Verdrängungswettkampf am kleiner werdenden Markt beflügelt, und die letztlich auch auf Grund ihrer Größe einen längeren Atem hat.
Die Rechnung, zunächst mal fleißig Z50 zu verkaufen und dann eine Z60 mit Ibis nachzuschieben, die die Kunden dann auch noch kaufen, dürfte bei Nikon also in zweifacher Hinsicht nicht aufgehen. Die Lust auf etwas Neues oder einfach so zum Wechseln wird geringer. Zum einen sind alle Produkte, auch die mit F-Bajonett sehr ausgereift, zum Zweiten wird der Markt kleiner, außerdem sitzt angesichts der sich andeutenden Rezession und der politischen Gesamtlage in Europa, bei vielen das Portemonaie nicht mehr so locker. Und: Klar, mit einem Handy kann man längst nicht so gut fotografieren, wie mit einer Systemkamera, aber mit einem Handy kann man aber mittlerweile so gut fotografieren, dass es den meisten reicht, denn sie knipsen nicht nur mit dem Teil, sie schauen meist auch die Fotos fast ausschließlich damit an. Und die meisten Handybesitzer wissen das auch nicht, oder es ist ihnen egal.