Ich bin, wie meist, nicht so schnell mit meinen Beiträgen.
Kurz zur Erläuterung meiner Vorgehensweise:
Das Foto öffne ich mir in der rechten Bildschirmhälfte, links öffne ich ein leeres Blatt in Word.
So habe ich das Foto immer im Blick und kann gleichzeitig meine Gedanken dazu aufschreiben und nach und nach sortieren.
Das kann ein bisschen dauern. Schließlich gebe ich mir Mühe.
Damit ich möglichst unvoreingenommen auf das Foto schauen kann, lese ich Eure Beiträge erst im Nachhinein.
Das erklärt mögliche Wiederholungen oder Widersprüche zu anderen Beiträgen.
Nun aber zu Kays Schnappschuss!
Mein Blick bleibt zunächst kurz beim Hund hängen und irrt dann weiter durch das Bild.
Toilettenhäuschen! Einbahnstraße, Toi Toi! Zwei Männer, roter Mülleimer, klebt als Rucksack am Rücken eines Mannes.
Bauzaun, angeschnittene Person rechts, darüber angeschnittene Füße und Waden eines Denkmals.
Backsteingebäude mit Säulen, blauer Container, Camouflage-Jacke, Bierflasche, Gestrüpp …
Das geht bei mir in Sekundenschnelle, ist ganz schön viel auf einmal und wirkt auf mich wuselig, unstrukturiert, chaotisch.
Uffz. Mein erster Impuls: Bloß weg hier! ---- Und das Foto in die Tonne.
Aber gut. Kay, Du zeigst das Foto ja in diesem Thread und siehst offenbar etwas Zeigenswertes darin.
Also bleibe ich stehen, schaue mehr als zweimal hin und versuche, das Foto mit Deinen Augen zu sehen.
Ich weiß nicht recht, auch dann bleibt es für mich ein chaotisches, wuseliges Foto.
Eher düster, trostlos, ohne Kommunikation zwischen den abgebildeten Lebewesen. Das Gegenteil von Schönwetter-Fotografie.
(Ich habe nichts gegen das Gegenteil von Schönwetter-Fotografie. Im Gegenteil!

)
Und dann macht es bei mir Klick! Ich hätte es genauso fotografieren können: als Abbild meiner inneren Verfassung.
So macht es plötzlich Sinn für mich. Alles, was mich beim ersten Blick auf das Bild irritiert und eher abgestoßen hat, darf so stehen bleiben, weil dies genau die Aussage dieses Schnappschusses sein kann.
Der Inhalt des Fotos kann eben genau dieses Wuselige, Chaotische, Trostlose, „Bloß weg hier!“ sein.
Ein äußeres Abbild eines inneren Zustandes. Dann wird das Foto mit einem Mal sogar sehr persönlich.
Mein Fazit somit: auf den ersten Blick für die Tonne, aber auf den zweiten Blick zeigenswert.
Ich könnte es mir allerdings noch besser als Konzeptfotografie vorstellen, innerhalb einer ganzen Serie ähnlicher Szenen.
Dann könnte es im besten Fall über das Persönliche/Individuelle hinaus eine allgemein gültige Bedeutung bekommen.