Lesetipp: "Schleichende Veränderungen"

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Diese Meister ihrer Kunst wußten mit einer F3 und den langen Tüten perfekt umzugehen, das Motiv richtig herauszuschälen, ebenso wie die Meister der Schwarzen Kunst, die Bilder geradezu saftig-glänzend zu Papier zu bringen. Respekt!

Sehe ich als mittlerweile fast "Altknacker" genauso

... während die Zeitungsknipser heute vor allem mit Weitwinkel-Gummilinsen herumlaufen und dem Motiv belästigend nahe auf den Pelz rücken...

Bei diesem Satz muss ich Dir ein wenig widersprechen.

Ich war in den 80ern fotografischer "Dauergast" im Wiener Radstadion. Meine besten Aufnahmen habe ich damals mit dem 24er im Fahrerlager geschossen. Das "nahe auf den Pelz rücken" war schon immer üblich, früher sogar leichter möglich.

lG
Wolfgang
 
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OK, jetzt ich will ich auch meine Meinung loswerden

Was mir in den letzten Jahren auffällt ist, dass Sport- und Reportagefotos immer mehr das Aussehen von gestellten Studioaufnahmen annehmen. Bei aller Hochachtung vor technisch perfekten Aufnahmen, irgendwie fehlt mir das Interessante und das Lebendige, etwas, was meiner Meinung nach essentiell bei solchen Aufnahmen ist.

Wie komme ich darauf? Ich habe mir aus meiner Bibliothek den Fotoband "Rallye" des Fotografen Tamotsu Futamura aus dem Jahr 1985 herausgesucht. Nach objektiver Betrachtung sind fast alle Bilder körnig, unscharf und verwackelt. ABER: Ein einziges dieser Bilder sagt (meiner Meinung nach) mehr über die dargestellte Szene und das Thema Rallyesport im Allgemeinen aus als 100 knackscharfe, unverrauschte und perfekt fokusierte Dutzendbilder.

Möglicherweise ist's aber auch nur Schwärmerei von der "guten alten Zeit"

lG
Wolfgang
 
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Kapier ich jetzt auch nicht so wirklich. Ich habe die genannten Objektive an meiner D2H im Einsatz und erziele damit herrliches DoF. Warum ich dafür eine D3 bräuchte ist mir schleierhaft.
 
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Diese Meister ihrer Kunst wußten mit einer F3 und den langen Tüten perfekt umzugehen, das Motiv richtig herauszuschälen ... Respekt!

Nun, heute benutzen sie keine F3 mehr. Alles andere haben die Damen und Herren Sportfotografen, die am Spielfeldrand und hinter dem Tor sitzen noch genau so drauf wie früher. Genau wie die Naturfotografen. Die haben das auch nicht verlernt. Allerdings führt die Möglichkeit, heute digital mit ISO 800 und weit darüber zu fotografieren zu einer Brillanz und Rauschfreiheit, von der die "Kamera-Kämpfer" von vor 25 Jahren nur träumen konnten. Wenn du deinen Dreibänder von 1986 vergleichen willst, dann solltest du das nicht unbedingt mit einer Tageszeitung tun, sondern mit aktuellen vergleichbar hochwertig angelegten Produktionen.

Während die Zeitungsknipser heute vor allem mit Weitwinkel-Gummilinsen herumlaufen und dem Motiv belästigend nahe auf den Pelz rücken...

Die "Zeitungsknipser" - auch die ganz großen - bevorzugen in der Reportage-Fotografie, seit für Magazine geknipst wird eher die normalen und kurzen Brennweiten. Warum sie das machen, ist in jedem einigermaßen guten Lehrbuch zur Fotografie nachzulesen. Noch hilfreicher ist es aber, sich die Werke der großen Meister des Genres anzusehen. Die Telefotos waren auch schon bei Capa, HCB, Walker, Seymoure, DDD oder Smith die Ausnahme. Das schließt natürlich ganz und gar nicht aus, dass auch mit längeren Brennweiten ganz besondere Fotos möglich sind. Das vielleicht berühmteste Beispiel stammt vom kubanischen Fotografen Alberto Díaz Gutiérrez genannt Korda. Es ist das mittlerweile zur Ikon gewordene Portrait von Ernesto 'Che' Guevara. Gemacht hat er es mit seiner M-Leica und einem 90mm-Objektiv (übrigens im Querformat, er hat es hinterher beschnitten). Bei Pressekonferenzen, in der Parlaments- und Sportfotografie und in vielen anderen Bereichen kommen heute wie eh und je Objektive längerer Brennweite zum Einsatz.

Also, deine Kritik kommt mir zu unspezifisch daher. Pressefotografie wurde nie nur oder überwiegend mit leichten oder längeren Teleobjektiven gemacht. Auch vor 20 oder 30 Jahren nicht. Die vielzitierte "Konzentration auf das Wesentliche" lässt sich nicht auf Brennweiten, Blenden oder mehr oder weniger freigestellte Motive reduzieren. Motive vor verschwommenen Hintergrund haben jedenfalls erstmal nichts mit "Konzentration" zu tun, nur mit knapper Schärfentiefe. Ob es zur "Konzentration auf das Wesentliche" wird, ist davon abhängig, dass der Fotograf mit den von ihm gewählten Mitteln sein Motiv so eingefangen hat, dass der Betrachter das Bild versteht, alles nötige erfährt ohne sich mit unnötigem beschäftigen zu müssen. Und allein die Diskussion um die letzen zwei, drei Halbsätze kann abendfüllend sein.

Das der Bildstil dynamischer geworden ist, will ich nicht bestreiten und vielleicht wird es manchmal auch übertrieben. Das ist aber eine Frage des persönlichen Geschmacks. Die Fotografen in den 70ern haben auch nicht mehr im Stile eines Erich Salomon fotografiert.
 
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Das ist keine "Schwärmerei". Wir können endlos über Dynamikumfang und Auflösevermögen neuer Chips, Schärfeleistung neuer Linsen etc. diskutieren.
Tatsache bleibt, wir haben alle die gleichen Augen im Kopf, und sofern diese nicht Fehlsichtig sind, nehmen sie die Realität auf bestimmte Weise wahr.
Nur als Beispiel. Wer gegen die Sonne blinzeln muss wird schwerlich im Schatten des Vordergrundes Details sehen. Wozu muss es denn das Aufnahmemedium können?
Da die Wiedergabe der analog aufgenommenen Bilder der Wahrnehmung unserer Augen eher entsprechen, wirken diese auch natürlicher. Was davon in irgendeiner Weise abweicht wird letztendlich als Fremd empfunden.
 
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nun, ich denke. dass das subjektive sehen hierbei ein wenig auf der strecke geblieben ist. die neuen medien der bildaufzeichnung geben die möglichkeit, einen scheinbar stärker objektiven zustand wiederzugeben.

also wird dies einerseits verstärkt genutzt von den fotografen.
andererseits wird dies wohl auch verstärkt gefordert von den bildredaktionen. soweit ich dies von aussen blickend zu beurteilen vermag.
stichwort:
makros
mitzieher
eingefrorene sportaufnahmen fussball/handball etc.

bilder müssen eben so oder so "sein".
diesem diktat unterwerfe sich, wer mag. oder wer muss.
individuelle handschriften werden sich da nur noch schwer herauskristallisieren.

gruesse
ralf
 
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Egal ob analog oder digital. Ich bevorzuge scharfe und brilliante Bilder. Korn mag ich genauso wenig sehen wie rauschen.
Einzig bei AL SW Aufnahmen finde ich es wegen des nostalgischen touches für reizvoll. Das liegt aber weider daran, dass der Betrachter es GEWOHNT ist, dass bei schlechten Licht gemachte Aufnahmen körnig sind. Wobei bei Farbe Korn genauso scheußlich ist, wie Rauschen.
Aber SW ist Kunst und im Endeffekt ist das sehen in Grautönen unnatürlich per se.
Farbe entspricht aber letztlich unserem natürlichen Sehgewohnheiten. Und körnige Bilder gehören nicht zum Programm auf der Netzhaut. Höchstens eine Mattscheibe nach durchzechter Nacht.
 
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Siehst du, da hast du vollkommen Recht, aber bei vielen Bildern bevorzuge ich trotzdem Korn. Das ist alles eine persönliche Geschmackssache und hat im Grunde genommen nichts mit besser oder schlechter zu tun. Dass die Möglichkeiten heute *BESSER* sein müssen um Aufnahmen zu machen als es vor sagen wir mal 40 Jahren war ist klar. Der Fortschritt hat bestimmt nicht vor der Fotografie halt gemacht und eine D300 ist technisch gesehen bestimmt besser als eine F3. Wer etwas anderes behauptet sollte da mal überlegen was er sagt.

Ich habe mir gestern mal einige hier im Forum in der letzten Woche neu eingestellte Fotos angeschaut. ich freue mich jedesmal wenn ich neues Bild von z.B. Comabird oder Safetti sehe. Beide haben eine eigene Bildersprache entwickelt die auch von der Art der Bearbeitung lebt, die sie ihren Bildern angedeihen lassen. Und ich freue mich auch darauf wenn Werner (Dongil) neue Bilder reinstellt. Diese sind ganz anders, analog, meist s/w und beinahe ohne jede EBV (Natürlich muss er die Fotos digitalisieren.) Er hat eine ganz andere Art zu fotografieren und somit sind die Stimmungen die seine Bilder verbreiten auch andere. Aber bei allen dreien kommt auch deren Philosophie und Persönlichkeit/persönliche Sichtweise rüber. Und wenn durch die digitalen Möglichkeiten heute die Fotografie ein viel breiteres Spektrum bekommt, dann ist das doch ausgesprochen gut. Warum sich nur für die eine Richtung entscheiden wenn doch einfach die Vielfalt mehr tolle Bilder produziert? Ich höre neben Pop/Rock auch Jazz und werte nicht in der Art "Das ist aber besser als das andere". Es ist einfach anders. Und jeder dieser Arten Bilder darzustellen gibt einen spannenden Einblick in die Sichtweise der Fotografen. Viel besser als tausend gleichförmige analoge oder digitale Bilderschwemmen.

Bernd
 
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...und eine D300 ist technisch gesehen bestimmt besser als eine F3. ..

nehm für den Vergleich mal die F6, weil das besser passt. OK?

"Anders" finde ich Treffender. Beides sind Werkzeuge, die des Fotografierenden Intentionen in Bilder umsetzen sollen.
Mit der F6 habe ich auch lange geliebäugelt, zum Ausprobieren dieser "Sorte Werkzeug" aber erst mal eine F100 angeschafft, weil dies günstiger war.
Fazit: Hat Spass gemacht, aber jetzt ist es auch genug, und die F100 wird wieder einen neuen Besitzer finden müssen.
Grund: So komfortabel AF auch sein mag, für meine art zu Fotografieren passt manueller Focus besser. Desgleichen die Weise der Belichtungsmessung. Zwar habe ich die Matrixmessung der F100 als sehr zuverlässig erlebt, (und die F6 legt ja bekanntlich in diesem Sektor nochmal eine "Schippe drauf"), aber letztendlich bin ich bei Fotos die mir Wichtig waren immer zur Mittenbetonten Messung gewechselt, da ich den einprogrammierten Refernzen letztendlich nicht zu 100% traue, und mich andererseits auch Wohler fühle, wenn ich meine Erfahrung und mein Wissen benutze, statt die Verantwortung einer Automatik zu übergeben.
Ergebnis war, das ich nach ein paar Filmen die F100 in den meisten Fällen wie eine F3 benutzt habe. Zeitautomatik, Mittenbetonte Messung.
Zudem habe ich noch bemerkt, das ein Werkzeug wie die F100 (oder F6) mich dazu verleitet, wesentlich mehr Aufnahmen zu machen als die F3. Eine Weile habe ich mich, auch was die Bildfrequenz anbelangt, in meine D200 Zeiten zurückversetzt gefühlt. Auch das Resultat war mit dieser Zeit vergleichbar. Mehr Fotos, aber weniger "Ausbeute", was jene Bilder anbelangt, die von mir "Geliebt" wurden.

Der Einschätzung, das digitale Fotografie eine Bereicherung darstellt, kann ich mich mittlerweile auch anschliessen. Nicht zuletzt ein Verdienst von "comabird", der anschaulich die "anderen" Möglichkeiten dieser Technik vermittelt. Seine Aufnahmen stehen für mich auch nicht in Konkurrenz zur analogen Fotografie, sondern betreten Neues und spanendes Terrain.
 
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Hallo Werner,

mit technisch besser meine ich folgendes: Drück einem unvorbelasteten Menschen eine F3 in die Hand, und anschließend eine D300. (Oder meinetwegen auch eine F6, wenn wir mal bei den analogen Kameras bleiben.) Die Fotos, die er machen wird sind bei der F6 mit Sicherheit von der technischen Seite gelungener. Bei der F3 wird wohl wesentlich öfters die Belichtung nicht stimmen und auch der Focus, bzw. die Schärfe dürfte bei der F6 und dem schnellen und treffsicheren Autofocus deutlich öfters sitzen.

Das was du angeführt hast ist sicherlich richtig, ich habe nicht gemeint dass man bei Bildern mit einer F3 nicht an die Qualität herankommen kann/wird, welche die neueren Kameras machen. Aber es ist mehr Wissen erforderlich als bei den neueren Modellen um die Kamera zu beherrschen. Immerhin stecken auch ungefähr 25 Jahre Kameraentwicklung zwischen F3 und F6.

Viele Grüße,

Bernd
 
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ja, das ist wohl so! Als ich damals "unvorbelastet" anfing, drückte man mir eine Voigtländer mit einem festen 50er in die Hand, erklärte mir kurz das Einstellen von Bende, Zeit und Entfernung, und von da an war ich für das Gelingen verantwortlich.

Wenn Heute ein Neuling eine SLR der letzten Generation in die Hand nimmt, muss ihm alleine die ungeheure Dimension der Menus und Untermenus den Eindruck vermitteln, das "Fotografie" eine wahnsinnig komplizierte Angelegenheit ist.
 
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Wenn Heute ein Neuling eine SLR der letzten Generation in die Hand nimmt, muss ihm alleine die ungeheure Dimension der Menus und Untermenus den Eindruck vermitteln, das "Fotografie" eine wahnsinnig komplizierte Angelegenheit ist.

Das ist mir aber leider mit allen Alltagsgegenständen so. Nimm einen Küchenherd, eine Mikrowelle, oder noch viel schlimmer einen Wagen der gehobenen Mittelklasse aufwärts. Grauenhaft. Ich bekomme bei unserem Videorecorder regelmäßig Wutanfälle.
Ich habe mich lange jahre geweigert einen AF zu benutzen, weil mir erschien das zu kompliziert in der Handhabung.
Nur muss man die Kirche im Dorf lassen. Das meiste stellt man einmal ein, und läßt es für immer in Ruhe.
 
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Ja, die fotografische Gemeinschaft will es ja so. Den ernsthaften bildschaffenden Fotografen interessiert sowas in der Regel recht wenig. Der schaut aufs Ergebnis und dieses hat sich durch noch mehr Schnickschnack selten verbessert.
 
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Nein. Wenn ich mich in der Verwandschaft so umhöre, dann wollen die alle mit dem Handbelichtungsmesser rumlaufen und sich intensiv mit Verschlußzeit und Blende auseinandersetzen. Leitzahlrechnen beim manuellen Blitzen ist auch sehr beliebt
 
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Nein. Wenn ich mich in der Verwandschaft so umhöre, dann wollen die alle mit dem Handbelichtungsmesser rumlaufen und sich intensiv mit Verschlußzeit und Blende auseinandersetzen. Leitzahlrechnen beim manuellen Blitzen ist auch sehr beliebt

ach Volker....
 
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Nein. Wenn ich mich in der Verwandschaft so umhöre, dann wollen die alle mit dem Handbelichtungsmesser rumlaufen und sich intensiv mit Verschlußzeit und Blende auseinandersetzen. Leitzahlrechnen beim manuellen Blitzen ist auch sehr beliebt

Ganz richtig, das bringt dann so eine Spontanität in die Aufnahmen
 
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