Im Endeffekt ist es wieder ein Hin- und Hergeschiebe von Vorwürfen und tatsächlicher Schuld. Und die Eindrücke sind immer subjektiv, da selbst objektive und berechtigte Entscheidungen zur Händlerwahl stets individuell sind und mitunter alleine von der bevorzugten Marke abhängen. Ich für meinen Teil habe den Niedergang der Radio- und TV-Läden miterlebt, der in meiner Heimat leider zum Ende meiner einschlägigen Berufsausbildung in diesem Genre fiel. Die meisten der Fernsehläden haben i.d.R. einen exzellenten Kundenservice geboten und konnten sich gegen die Einschläge nicht wehren. Entscheidend waren nicht so sehr das Konsumverhalten sondern der Technikwandel. Damals kostete ein preiswerter Markenfernseher 1500, ein guter 2000 und ein Loewe 2500 Mark. Als 70er wohlbemerkt. Ein 84er Metz wurde für 4000 Ocken verkauft, sowas gibt es heute flach für 249 Euro in erträglicher Bildqualität.
In der Fotobranche sieht das ein wenig anders aus. Habt Ihr mal überlegt, wie groß der Kuchen ist, an dem das böse Internet knabbert? Sicherlich, ich habe auch zu analogen Zeiten alle 3 Jahre ne andere / weitere Spiegelreflex bekommen. Die meisten hier vermutlich. Es war aber sicher keine Kamera für 600 Euro aufwärts, oder? Mal Klartext: Vor 30 Jahren hat Otto Normal 1500 Mark für ne Kamera mit 28er, 50er, 80-200er und nem Blitz mit LZ 28 ausgegeben. Die hielt dann Minimum 25 Jahre. Heute werden für ne D7100 mit zwei Zooms und nem Systemblitz 2000 Euro über den Tisch geschoben. Und zwar Minimum alle 5 Jahre. Ich war früher verblendet, weil im Bekanntenkreis meiner Eltern ziemlich viele ne Reflex hatten, heute denke ich, im Schnitt haben mehr Menschen eine Spiegelreflex als früher. Und vor allem bei den engagierten Amateuren werden unfassbare Summen in die Hand genommen. Ergo ist der Kuchen nicht ganz klein.
Was lernen wir daraus? Der Fotohandel hat es offenbar nicht geschafft, sich seinen Teil vom Kuchen zu sichern. In meiner Heimatstadt deshalb nicht, weil der sehr freundliche und kompente und bemühte Fotoverkäufer eben bei Saturn hinterm Tresen steht und nicht beim, mit Blick auf den Chef, guten Fachhändler. Denn der hatte, seinen eigenen Qualitäten zum Trotz, nur polnische / russische Azubinen, die trotz ihrer Talente (auch freundlich und zuverlässig) wirklcih nicht die Bohne Plan hatten, von dem was sie da vertickern sollten. Wenn ich ein 1,8/50er AF Nikkor will, dann will ich den Hauspreis wissen und bestellen, nicht aber den Hinweis "wir haben ein 35-70, das hat sogar 52mm". Das war ein O-Ton, das hat wortwörtlich so stattgefunden. Wegen mir können alle Fotoläden miefig und verstaubt, von Holzwürmern befallen sein. Solange eine nette, kompetente Beratung und Preise abseits des legalisierten Raubrittertums bekomme, kaufe ich da und schaue regelmäßig in die Gebrauchtecke. Diese hatten aber stets Museumscharakter. Ne Occassion musste mit mindestens 500% Aufschlag verkauft werden, sonst machte der Laden minus, wegen Garantie und so. Damit dann von den Modellen, wo mal versehentlich was verkauft wurde, im Schlimmsten Falle nur 18 statt 19 Exemplare in die Insolvenzmasse gingen. Hört mir auf. Der Fotohandel hat stets alles getan, um seine Kunden aus dem Haus zu jagen.
In einer benachbarten Kleinstadt gbt es mit altem Mief ein altes, kleines Warenhaus. Sieht aus wie ein Hertie von 1974. Das Ding ist so geil, da hat die Atmosphäre Museumscharakter. Die Angestellten allerdings auch. Die sind alle furchtbar nett, haben einen Blick für gefragtes Sortiment. Ich bekomme immer was. Egal ob ich Schreibwaren brauche, ne Küchenuhr, ein aktuelles Buch oder Lego für meinen Sohn: Ich kriege immer was, was mich überzeugt, zu fairen Preisen. Und ne Bedienung wie in der guten alten Zeit (wobei es in allen Zeiten auch Arschkrampen hinterm Tresen gab, früher war nicht immer alles besser). Ohne zu wissen ob der Laden kurz vor der Pleite ist oder verdientermaßen floriert - ich finde es geil, dort einzukaufen!