Wenn Du so bei Dir zuhause den Digitaloutput und die Dias vergleichst, zu welchem Schluß kommst Du?
Gruß Erik
Hallo Erik,
gute Frage, die mich seit meiner Rückkehr ungefähr jeden Tag beschäftigt

Also keine einfache Frage, muss ich sagen - und das in mehrfacher Hinsicht. Zuerst einmal muss ich anmerken, dass ich absoluter Digitalanfänger war, als ich meine Reise in diesem Sommer begonnen hatte. Ich konnte mich aber relativ schnell einarbeiten und die D200 hat mir eine Menge Freude bereitet (Ein riesiges Dankeschön an István an dieser Stelle!). Am Anfang habe ich aus lauter Widerwillen gegen die "gefühlte Beliebigkeit" des RAW-Formates ausschließlich JPGs geknipst und erst nach einigen Wochen eingesehen, dass es vielleicht doch schlauer ist, die Möglichkeiten von RAW zu nutzen - oh wie doof

. Wahrscheinlich werden jetzt viele lächeln, wenn ich sage, dass für mich die phantastischen "High-Iso"-Fähigkeiten der D200 der absolute Wahnsinn war. Als Diabelichter immer an ISO 50-100 gewöhnt, konnte ich nun ISO 640 benutzen und es sah immer noch stark aus. Das war für mich eine Wucht und hat meine Möglichkeiten und Themen erheblich erweitert. Ihr seht, ich war "DSLR-Anfänger".
Die gesamte Reise über habe ich sowohl auf Chip, als auch auf Film belichtet - teilweise parallel, aber zumeist auf eine potentielle Verwendbarkeit ausgerichtet. D.h. bei Bildern die ich einfach so für mich auf Wanderungen gemacht habe, kam überwiegend Film zur Anwendung. Hatte die "Fotografiesession" eher den Charakter einer Reisereportage und war klar, dass es irgendwie zu einer Präsentationsform kommen wird, bei der originäre Digitaldaten von Vorteil sein würden, belichtete ich den Sensor der D200.
Wenn ich nun vergleichen soll, wird es wirklich schwierig. Vergleiche ich den Spaß, den ich beim Fotografieren hatte, so gewinnt glaube ich - wenn ich die Faszination des Unbekannten als Bonus der D200 abziehe - immer noch die filmbasierte Fotografie. Das ist ziemlich sicher eine rein emotionale Angelegenheit, ich finde Film einfach klasse
Wenn ich die Ergebnisse, den Output vergleichen soll, kommen viele verschiedene Parameter ins Spiel, die einen "ehrlichen" Vergleich für meine Begriffe fast unmöglich machen. Nach etwas Abstand bin ich eigentlich mit meinem Output in beiden Bereichen so im Großen und Ganzen recht zufrieden. Aber z.B. ist mir der Vergleich bez. des quantifizierbaren Ausschusses analog versus digital nicht möglich, da ich die Digibilder einer Mehrfachselektion unterzogen habe und viele Bilder bereits sofort in der Kamera unmittelbar nach der Aufnahme gelöscht hatte. Eines der wirklich herausragenden Vorteile der Digitalfotografie ist die direkte Bildkontrolle - kalter Kaffee ich weiß, aber nichts geht über eigene Erfahrung

. Die Folge aber war, dass ich beim Sichten der Dias zunächst dachte, oh mein Gott wie viel Ausschuss habe ich denn da produziert, und dabei aber vergessen, dass die Digidaten ja schon zweimal meinen "Papierkorbfilter" durchlaufen hatten.
Wie steht es aber nun mit der Vergleichbarkeit bezüglich der Qualität? Auch da muss ich sagen ist es schwierig, für mich einen fairen Vergleich zu ziehen. Der Fuji Velvia 50 hat unbestreitbar seine große Stärke in der Projektion, die D200-Files haben ihre Stärke beim betrachten am Monitor und vielleicht beim Ausbelichten, wenn mir für den Film kein Fachlabor oder Highend-Scanner zur Verfügung steht. Also wie vergleichen? Nach dem Scan der ersten Rolle war ich relativ enttäuscht über das Ergebnis am Monitor. Im Vergleich zu den D200-Daten sind die Scans weicher, vielleicht sogar etwas "matschiger". Dafür gefallen mir persönlich die Farben des Velvia 50 - die zugegebenermaßen wenig mit der "Realität" zu tun haben, sehr und ich muss nach dem Scan praktisch keine Bildbearbeitung machen, außer die üblichen kleineren Geschichtchen. Die Farben stimmen für mich, an den DSLR-Daten muss ich persönlich mehr arbeiten. Und weil ich kein versierter Bildbearbeiter bin, hasse ich das natürlich
Aber kann ich D200-JPGs mit einer Lupe am Leuchtpult betrachten oder mit einem vernünftigen Projektor groß an die Wand werfen? Also alles eine Frage der späteren Anwendung, was nun "qualitativ" mehr Sinn macht. So manches Mal habe ich mich gefragt, dass es doch ein Wahnsinn ist, sauteures Fotoequipment zu benutzen und sich dann in der Verarbeitungskette beim analog-digital-Übergang dann so dermaßen Verluste einzuhandeln - und das Ganze, nur um dann diese Bilder zu 90% auf Webgröße zu skalieren. Das IST Wahnsinn - macht aber Spaß
Quintessenz der Erfahrung für mich: Ich spare auf eine D700 und werde in Zukunft das Medium gezielter auf die spätere Präsentation abstimmen. Wahrscheinlich, so vermute ich, wird es daraufhin hinauslaufen, dass ich Schwarzweiss weiterhin auf Film mache (mit selber entwickeln und so....) und die bunten Bilder mehr und mehr digital produzieren werde. Wenn ich aber nur für mich und zur reinen Freude fotografiere, dann werde ich auch weiterhin Dias mit der F6 belichten, den analog rockt ja schließlich
Jetzt ist es "etwas" lang geworden mit der Antwort und ich hoffe, niemand damit gelangweilt zu haben. Und bitte den Beitrag als subjektiven Erfahrungsbericht eines Hobbyfotografen verstehen und nicht als in Stein gemeißelte Fakten....
Viele Grüße,
Jochen
P.S. Noch eine Anmerkung zum Velvia 50. Ich mag ihn sehr, wie oben beschrieben, würde aber zum scannen eher den Fujo Provia 100F und den Kodak E100 GX empfehlen - und nach dem Scan etwas an der Sättigung schrauben
Ach ja, und bevor ich es vergesse: Photostudio 13 rulez !!!