Fantastik land - kreuz und quer durch Südnorwegen

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Wie der Zufall es will, jetzt sind wir in Bergen - zeitgleich mit bewi2 und seinem Bericht über Nordmeerträume an wilden Küsten. Ich vermute, wir waren annähernd auch zum selben Zeitpunkt dort, denn auch wir hatten einen trockenen Tag nach einer Rekordzahl von Regentagen.

Vom Campingplatz einiges außerhalb geht es mit Bus und Straßenbahn in die Stadt. Von dieser mal zunächst nicht die immer wieder gesehene Front der Hansehäuser.

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im hinteren Bereich des Hanseviertels Bryggen




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Festung Bergenhus




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Es heißt, in Norwegen sei die Gleichberechtigung der Frau annähernd umgesetzt. Laut unserer Reiselektüre "Gebrauchsanweisung für Norwegen" bedeutet dies auch, dass es keine Berufe mehr gibt, die echte Männerdomänen sind.


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Jetzt doch die Hansehäuser. Aber nur, weil zwei Fassaden gefaked sind.

Etwas nervig finden wir dann doch die Vielzahl an Touristen. OK, wir sind auch welche. Aber wenn dann gleich drei Kreuzfahrtschiffe (darunter die "Queen Elisabeth") quasi direkt an der Festung Bergenhus vor Anker liegen, wird es verdammt voll. Eher witzig finden wir dann doch die Gruppen, die einem in die Höhe gehaltenen Nummernschild hinterherlaufen, aber das Segway-Geschwader hat uns eher peinlich berührt.

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Am nächsten Tag sind wir wieder weg. Das beste an Bergen: Die Kaffeerösterei und die frischen Blåbær-Muffins. Es waren auch kaum Touristen hier, da die Rösterei etwas abseits der Trampelpfade liegt.

 
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Am nächsten Tag schon wieder Sonne und sehr angenehme Temperaturen. Wir sind fast verwirrt. Matthias hatte am Vortag im Outdoorladen in einem Kletterführer geschmökert und darin einen vielversprechenden Fels entdeckt. Er versuchte, sich dessen Lage zu merken und heute suchen wir ihn südlich von Bergen.

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Wir finden einen etwas versteckten romantischen Friedhof, keinen bekletterbaren Fels. Aber bei der Suche fahren wir an einer schönen Wand aus Gneis mit ein paar blitzenden Bohrhaken vorbei. Sie muss nun als Ersatz herhalten.

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Wir klassifizieren ob des optischen Anscheins zwei Linien als für uns kletterbar und steigen ein. Gefühlt liegt die Schwierigkeit bei 8- bzw. 7 UIAA. Auch im Nachhinein finden wir nirgends (weder im Netz noch in Kletterführern) Informationen über diese etwa 300 m breite und bis zu 60 m hohe Wand. Die Norweger haben einfach zu viel Fels.


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Drei Tage gutes Wetter müssen reichen. Wir sind südlich von Bergen auf der Insel Tysnesøy und besteigen den dortigen höchsten Gipfel Tysnessåta , immerhin 752 m hoch, also schon ein bisschen über dem nahen Meer. Laut Wanderführer soll sich oben eine fantastische Aussicht bieten.


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Wie man am Foto erahnen kann, wird es damit nichts. Laut Wetterbericht hätte es aufklaren sollen. Fahrradkette.

Weiter geht es nach Skudeneshavn an der Südspitze von Karmøy. Das Städtchen gewann mal einen Preis für Norwegens am besten erhaltene Kleinstadt. Tatsächlich ist sie sehenswert.


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Zufälligerweise findet dort gerade ein Fest statt. Viele alte Boote im Hafen, alte Schiffsdiesel am Kai, jede Menge Gemäldegalerien in den Häusern, nur norwegische Touristen.

In einem Schuppen arbeitet ein Mann an einem Ruder. Als wir an seiner Arbeit Interesse bekunden, erklärt er uns, dass er einen Nachbau eines etwa 2000 Jahre alten Bootes, dessen Überreste bei Skudeneshavn gefunden wurden, mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln und Werkzeugen angefertigt habe. Es ist das Boot, dessen Foto im Hintergrund rechts zu sehen ist. Zwei Jahre habe er daran gearbeitet. Er zeigt uns speziell angefertigte Werkzeuge, erklärt, welche Holzarten verwendet wurden, wie es abgedichtet wurde etc. Stolz zeigt er uns den Bildband, der die Fertigung dokumentiert. Alle Erläuterungen in recht fließendem Englisch.

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Nächste Station ist das "Nordvegen historiesenter" in Avaldesnes. Dieses heute eher unbedeutende Örtchen ist bekannt als alter norwegischer Häuptlingssitz und erster Königshof. Im Jahr 872 legte Harald Hårfagre (Harald Schönhaar) seinen Hof nach Avaldsnes und begründete damit den ersten Königssitz in Norwegen. Einige Zeit später soll hier auch ein Ausgangspunkt der Christianisierung Norwegens gewesen sein. Die Olavkirche, angeblich durch Olav Tryggvason gegründet, ist leider geschlossen.

Das sehr sehenswerte Museum ist komplett unterirdisch, der Eingang recht unscheinbar. Es ist verdammt diesig und regnerisch und so suchen wir eine Weile. Das Museum selbst ist wirklich lohnend.

Einige hundert Meter laufen wir dann noch durch den Regen zu einem Freilichtmuseum auf einer vorgelagerten Insel. Dort wurde ein kleines Wikingerdorf originalgetreu nachgebildet.

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Leider werden die Häuser gerade geschlossen und so reicht es nur für ein schnelles Foto.


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Beim Auslösen stand ich in völliger Dunkelheit und habe nichts gesehen.


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Interessant sind die Fenster: Statt Glas (damals unbekannt) wurde Glimmer verwendet.

 
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Nach dem Museumsbesuch ist es 17 Uhr und das Wetter weiter mies, soll aber ab morgen für wieder mal drei Tage gut werden. Anne & Matthias wollen noch ein paar Wanderungen machen, wir hingegen unseren Urlaub gemütlich ausklingen lassen. Schon im Vorfeld haben wir uns dafür das Nissedal ausgesucht, dahin fahren wir jetzt. Einmal quer von Karmøy an der Westküste in die Telemark. Wir fahren u. a. über die E134 (Haukelivegen) - wieder mal grandiose Landschaften, aber im Dauerregen. In den vielen Tunnels kann man immerhin den Scheibenwischer auch mal ausschalten. Nach etwa 300 km erreichen wir gegen 23 Uhr die Telemark, übernachten im Wald bei Kviteseid und steuern am nächsten - sonnigen! - Morgen einen Campingplatz am Westufer des Sees Nisser an. Zuvor halten wir für ein Foto auf einem Parkplatz mit "Turistinformasjon" - ein Glücksfall.



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Die Landschaft erinnert irgendwie an das Yosemite-Valley - nur mit mehr Wasser.



Der Campingplatz "Nisser" bei Fjone ist gut gefüllt, nahezu ausschließlich mit Norwegern. Bei 17 Grad Luft- und 16 Grad Wassertemperatur machen die hier Badeurlaub - am See gibt es angeblich die schönsten und längsten Süßwasser-Badestrände Norwegens. Wir finden noch ein schönes Plätzchen am Strand und fühlen uns wie im Urlaub ....

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Eins muss ich noch los werden. Wie geschrieben, der Campingplatz ist voll, einige hundert Norweger, überwiegend Familien, sehr viele Kinder. Und: Es ist abends, nachts, morgens .... eigentlich immer .... ruhig. Kaum was zu hören. Das kennen wir so nicht. Einzige schlechte Angewohnheit der Norweger: den Grill mit Trockenspiritus anzuheizen.
 
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Für uns verweichlichte Mitteleuropäer sind weder Luft- noch Wassertemperatur wirklich einladend auf ein Bad. Und hier kommt der oben genannte Glücksfall ins Spiel: Bei der 'Turistinformasjon' lagen zwei Faltkarten der Nord- bzw. West-Telemark aus, auf ihnen eingetragen Freizeitmöglichkeiten, Touristenattraktionen etc. Ohne Beschreibung, nur mit Foto und Vermerk der Lage auf der Karte. Und das Foto "Jettegrytene" hat es uns angetan. Nie zuvor gehört, aber das WWW klärt uns auf, dass es sich um Gletschertöpfe handelt, die als Badeziel recht beliebt sind. Also hin.

Der Weg führt in den Weiler Eikhom, wo die Straße endet. Für die Weiterfahrt muss zunächst eine Maut entrichtet werden, da die Zufahrt über eine Privatstraße eines Wasserkraftwerkes erfolgt. Wie oft in Norwegen üblich, steckt man das Geld (hier: 50 NOK) in einen bereit gelegten Briefumschlag und wirft diesen in einen Briefkasten.

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Dann öffnet man die Absperrung, fährt durch und schließt sie wieder.




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Nach 5 km Schotterpiste erreicht man den Parkplatz. Die "Jettegrytene" kamen zum Vorschein, als man in den 60er Jahren den Großteil des Wassers dieses Flusses zwecks Elektrizitätsgewinnung* umleitete. Seither fließt nur noch ein Bach durch das Flussbett, gerade so viel, dass die Töpfe ständig gefüllt sind. Das Wasser fließt über ausgewaschene Granitplatten und kann sich daher, wenn die Sonne scheint, auf recht angenehme Temperaturen erwärmen.

*Norwegen gewinnt 98% der benötigten elektrischen Energie aus Wasserkraft. Atom- und Gaskraftwerke gibt es nicht, auf Spitzbergen steht das einzige Kohlekraftwerk.

 
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Vielen Dank für Deinen tollen Bericht.

Wir waren wohl nicht am selben Tag zusammen in Bergen, denn die "Queen Elisabeth" war bei uns nicht im Hafen.

Aber wir haben gleich empfunden, die Kreuzfahrtriesen machen jede schöne Destination mit ihren tausenden Touristen kaputt und jedes Jahr werden neue Riesen gebaut, die noch mehr Menschen ausspucken und die Ziele mit ihrer schieren Masse ersticken!

Unsere Reportagen ergänzen sich doch gut, Ihr, pixeliced und Du, berichtet von der Landseite, ich fauler Hund von der Seeseite.
 
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[...] die Kreuzfahrtriesen machen jede schöne Destination mit ihren tausenden Touristen kaputt und jedes Jahr werden neue Riesen gebaut, die noch mehr Menschen ausspucken und die Ziele mit ihrer schieren Masse ersticken!

Wir haben das in Bergen zum ersten Mal erlebt, da wir üblicherweise solche Touristenmagnete gar nicht erst besuchen. Es lagen drei Kreuzfahrtschiffe vor Anker, darunter die QE und ein Aida-Schiff. Da kann man wohl von 4000 bis 5000 Passagieren ausgehen. Wenn man bedenkt, dass das in etwa 80 bis 100 vollbesetzten Reisebussen entspricht .... Und kaum legt ein Riese ab, kommt der nächste. Uns langt es ja immer schon, auf der Fähre für ein paar Stunden eingepfercht zu sein.​
 
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Eins muss ich noch los werden. Wie geschrieben, der Campingplatz ist voll, einige hundert Norweger, überwiegend Familien, sehr viele Kinder. Und: Es ist abends, nachts, morgens .... eigentlich immer .... ruhig. Kaum was zu hören. Das kennen wir so nicht. Einzige schlechte Angewohnheit der Norweger: den Grill mit Trockenspiritus anzuheizen.
So haben wir es auch in diesem Jahr wieder auf den meisten C.Pl. in Norwegen getroffen. Aber auf die 5-Sterne-Plätze mit Wasserrutsche gehen wir nie. Dafür sind wir auch schon zu alt.
Ha de bra
Jürgen
 
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Aber auf die 5-Sterne-Plätze mit Wasserrutsche gehen wir nie. Dafür sind wir auch schon zu alt.

Wasserrutschen gab es ja an den Gletschertöpfen. Das kann verdammt schnell werden und einmal habe ich mir die Hüfte angehauen. Man kann nicht mal einen Betreiber verklagen:D
Ich bin für sowas ja auch zu alt.
 
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So, das war's, da der Rest - Fahrt nach Langesund, Fähre nach Hirtshals und Heimfahrt - nicht weiter berichtenswert ist. Fazit: Es war großartig. Wir werden noch mindestens 4 weitere Norwegen-Urlaube benötigen, um die Mitte, den Norden, Lofoten & Vesterålen sowie Spitzbergen zu bereisen.

Knapp zusammengefasst und brainstormartig unsere Erfahrungen:


# Das Land ist es wert, Zeit mitzubringen.

# Das Fahren dort ist sehr entspannend. Keiner hat es eilig, keiner drängelt. Auch die Schafe nicht.

# Wir haben (bezogen auf die Norweger) nur sehr freundliche Menschen getroffen. Manche Touristen können nerven ...

# Bemerkenswert: Wir haben keine Norweger getroffen, die nicht sehr gut englisch sprachen. Ob jung oder alt, ob Supermarkt-Kassierer*innen, Straßenbauarbeiter*innen. Einzig der deutsche Gastarbeiter fiel da aus dem Rahmen ....

# Das Wetter ist unberechenbar, daher ist Flexibilität bezüglich der Reisedurchführung sehr von Vorteil. Wenn's schlimm wird, hilft Galgenhumor.

# Es ist nicht (mehr) so teuer, wie immer behauptet wird. Beispiele: Campingplatz 20 - 30 €, Diesel (wenn man sich umschaut) 1,25 €.

# Die Parkgebühren an den Wanderhotspots sind erheblich. Eigentlich sind das Gebühren für Ausbau und Unterhalt der teilweise aufwendig angelegten Wanderwege.

# Beeindruckende Straßen: landschaftlich sowieso, Kreisverkehr im Tunnel, Tunnel unter dem Fjord bis annähernd 300m unter dem Meer. Schmal!

# Ein Problem im Frühsommer: Gnitzen, die am frühen Morgen und späten Abend den Aufenthalt im Freien vermiesen können. Eingestellt hatten wir uns auf Stechmücken, die wir aber kaum antrafen. Die Gnitzen lassen sich durch kein Moskitonetz aufhalten, sie beißen statt zu stechen, die Bissstellen können sich entzünden und jucken wesentlich länger als Mückenstiche. Was hilft: Wind - dann bleiben sie am Boden. Oder sich in Innenräume verkriechen. Seltsamerweise verhalten sie sich dort passiv. Und als Innenraum zählt hier auch das Reisemobil.

# Bezüglich der bekannten Wanderhighlights wie Kjerag, Preikestolen und Trolltunga gilt: Antizyklisches Verhalten bringt Vorteile. Wenn man mit 300 anderen Leuten auf dem Preikestolen steht oder sich in die Schlangen am Kjeragbolten oder der Trolltunga einreihen muss, kann es sicher nervig werden.

# Unsere Highlights (außer der Tatsache, dass es dort überall schön ist): Kjeragbolten (Ambiente), Preikestolen (Licht bei Sonnenaufgang), Trolltunga (Ambiente, Wanderung) sowie Baden unterhalb des Løefjells und in den Gletschertöpfen Jettegrytene. Die Entscheidung, sowohl am Preikestolen wie auch an der Trolltunga eine Nacht im Zelt zu verbringen, war für uns goldrichtig.


Und nun sage ich zum Abschluss: Mange takk for oppmerksomheten!
Steff



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Schade, schon zu ende. :heul:

Mange Takk für den interessanten Reisebericht mit den Bildern, wo mir schon beim Anschauen schwindlig wird.

Wir werden noch mindestens 4 weitere Norwegen-Urlaube benötigen, um die Mitte, den Norden, Lofoten & Vesterålen sowie Spitzbergen zu bereisen.​


Die Betonung liegt auf mindestens ...
... Lofoten und der Norden lohnen sich im Sommer und im Winter. :D

Ich freue mich auf weitere Fotoreportagen.​
 
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