Wenn das Objektiv weniger lichtstark ist oder nicht mit Offenblende fotografiert wird, mag man auch bei einem Zoom mit der AF-Feineinstellung zu befriedigenden Ergebnissen kommen. Anderenfalls aber nicht.
Nikon D300 BDA schrieb:
In den meisten Fällen wird eine AF-Feinabstimmung nicht empfohlen. Verwenden sie sie nur im Bedarfsfall.
Aus eigener Erfahrung kann ich diese Aussage nur unterstreichen.
Ich habe mich über die mangelnde Schärfe meines 24-120VR hauptsächlich bei kurzen Brennweiten geärgert. Ausserdem wollte ich versuchen, die Schärfe meiner drei 1.8-Festbrennweiten bei Offenblende zu "optimieren".
Ich habe also mit den vier Objektiven und der AF-Feinabstimmung mit verschiedenen Testmethoden so lange herumgekaspert, bis ich zu folgenden Erkenntnissen gekommen bin:
Eine minimale Verbesserung der Abbildungsleistung des Zooms bei kurzen Brennweiten durch eine AF-Feinabstimmung hatte ich mit deutlicher Verschlechterung bei den langen Brennweiten erkauft.
Dieses Verhalten war dann auch noch von der Motiventfernung abhängig. Resultat: die AF-Feinabstimmung für dieses Objektiv deaktiviert.
Bei dem Festbrennweiten habe ich nach Tests (Testfoto-Verstellung-Testfoto) für jedes Objektiv einen Korrekturwert (zw. +/- 5 und 15) ermittelt. Als mir dann beim Betrachten von Fotos, die bei rel. offener Blende gemacht wurden ein Fehlfokus auffiel, erneuter Test. Ergebnis: deutlich andere Korrekturwerte für jedes der drei Objektive. Und wieder Fehlfokus bei zwei von drei.

Ich habe dann herausgefunden, dass ein oder wenige Testfotos zur zuverlässigen Ermittlung eines sinnvollen Korrekturwertes u.U. einfach nicht ausreichen, da der AF der Kamera-Objektiv-Kombinationen eine gewisse
Wiederholungenauigkeit aufzuweisen schien.
Endresultat: AF-Feinabstimmung nur für das 1.8 85mm, dessen Fokusgenauigkeit als einzige von dieser Korrekturmöglichkeit
reproduzierbar profitierte.
Wir alle kennen keine technischen Details zum Regelprinzip des Kamera-AF und dessen Störfaktoren. Ausserdem wissen wir weder zuverlässig, auf welche Art genau verschiedene Kameras und Objektive im Werk oder vom Service justiert werden. Ebenso ist uns das Funktionsprinzip der AF-Feineinstellung unbekannt. Auch darüber, von welchen Faktoren die Wiederholgenauigkeit des AF abhängt (elektronische Toleranzen, Spiel in der Mechanik...) gibt es bisher nur Spekulationen.
Das bedeutet, dass wir mit "AF-Tuningversuchen" in einen rel. komplizierten Regelalgorithmus eingreifen und ohne wirklich sorgfältiges Testen der Auswirkungen unserer Korrekturen eine grosse Chance haben, den AF eher zu verschlimmbessern.
Ausserdem scheint es wohl Probleme mit bestimmten Kamera-Objektiv-Kombinationen zu geben, sowie konstruktionsbedingte Eigenheiten einiger Objektive, die einen Fehlfokus in bestimmten Situationen verursachen, der weder mit der AF-Feinabstimmung noch vom Service behebbar ist.
Meine Rückschlüsse:
Wenn ich mit meinen alten, eher ausgenudelten Festbrennweiten einen sicheren, absolut korrekten Fokus bei Offenblende haben möchte, verwende ich nach Möglichkeit manuellen Fokus mit Liveview und hoher Monitorvergrösserung auf das zu fokussierende Motivteil. Sollte dies nicht möglich sein, mache ich zur Sicherheit mehrere Aufnahmen mit AF, nachdem ich zwischendurch komplett neu fokussiert habe.
Sollte ich ein neues Objektiv kaufen und bei diesem einen Fehlfokus feststellen, so erwäge ich eine Wandlung des Kaufes oder eine Justierung durch den Herstellerservice. Sollte es ein teures 2,8-Zoom sein, dann erwarte auch ich eine perfekte Fokussierung ggfs.nach einem Service durch den Hersteller. (Ich weiss aber auch, dass ich erst einmal einen möglichst sicheren "Beweis" dafür erbringen sollte, dass tatsächlich Kamera, Objektiv oder gerade diese Kombination von beidem, das Problem verursacht. Dies stärkt die "Verhandlungsposition" bei evtl. Reklamationen und senkt die Gefahr, später kleinlaut zugeben zu müssen, dass der Fehler doch hinter dem Sucher zu finden war!

) Ergibt auch mehrfacher Serviceaufenthalt keine Besserung, so versuche ich, vom Kauf zurückzutreten.
Auf alle Fälle gehe ich davon aus,
dass ein neues lichtstarkes
Zoom im Rahmen seiner technischen Möglichkeiten (ggfs. nach einem Service)
ohne die Zuhilfenahme der
AF-Feinabstimmung zu funktionieren hat.
(Sollte Nikon das Gegenteil behaupten, so werde ich die Auswirkungen der Feinkorrektur bei diesem Objektiv genauestens im Auge behalten.)
Ein mit jedem Objektiv an jeder Kamera absolut perfekter AF, der dem Pixelpeepen in der 200%-Ansicht standhält, ist wohl zur Zeit eher Wunschdenken. In den meisten Fällen kommen Kameras und Objektive gut justiert und brauchbar zum Anwender. In manchen Fällen mag es Probleme geben. In diesen Fällen sollte man jedoch sehr sorgfältig nach der Ursache suchen. Ich hoffe, ich weiss jetzt, worauf ich zu achten habe und gehe an eventuelle Probleme aufmerksam aber zunächst gelassen heran.
gruss,
Peter