Hallo Wölfchen!
Sei nicht zu streng mit uns hier im Forum.
Du musst verstehen, wir sind hier keine neutralen Berater, sondern Fanboys, die zu dem raten, was wir selbst am besten finden. Selbst, wenn die Systemkamera XY genau
die Kamera für Dich wäre, würden wir Dir zu einer Spiegelreflex raten.
Als Anfänger würde ich, fürchte ich, 80% der hier geschriebenen Dinge nicht verstehen. Daher versuche ich, mal ein wenig zu erklären:
In einer digitalen Kamera ist ein
Bildsensor drin, der das Bild einfängt - also die digtale Version der Fotofilms. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je größer der Sensor, desto besser die Bildqualität (und die Freistellungsmöglichkeiten, siehe unten).
Hier gibt es ein paar gängige Größen (mit z.T. irreführenden Namen):
FX/Vollformat/Kleinbildformat: Diese Größe (36x24 Millimeter) orientiert sich am Kleinbildfilm von "damals". Professionelle Spiegelreflexkameras der Oberklasse sind mit dieser Größe ausgestattet. Viele Berufsfotografen, Reporter, Nikon-Forum-Leute etc. nutzen Kameras mit dieser Größe. Diese Kameras kosten viel (die günstigsten Modelle von Canon und Nikon liegen bei 1400€ ohne Objektiv). Die Objektive kosten i.d.R. auch nicht wenig.
Mittlerweile gibt es erste Systemkameras (Leica lassen wir mal außen vor), die auch einen Vollformatsensor nutzen.
Vollformatkameras bei Nikon sind z.B. die D700, D600, D750, D800, D3, D4, Df, ... Bei Canon die EOS 6D, EOS 5D, EOS 1D X, ... Das sind alles Spiegelreflexkameras. Sonys Alpha 7-Reihe sind Systemkameras.
DX/APS-C: Diese Größe ist nach Vollformat die nächstgrößere (ca. 23,7x15,6 Millimeter). Viele Spiegelreflexkameras nutzen diese Größe (z.B. Nikons D3000er-Reihe oder die D5000er-Reihe oder Canons kleine EOS 100D, aber auch Canons Profimodell EOS 7D Mark II), aber auch viele Systemkameras (z.B. Sony Alpha 6000, Samsung NX1, Samsung NX3000, Teile der Fuji X-Serie). Von günstigen Einstiegsmodellen bis zu teuren Profimodellen findet man hier alles.
(Four-Thirds)/Micro-Four-Thirds/MFT/µFT: Dies ist eine mittlerweile etablierte Größe (17,3x13 mm), die hauptsächlich von Olympus und Panasonic vertrieben wird. Das Spannende hier ist, dass Du an solchen Kameras MFT-Objektive mehrerer verschiedener Hersteller nutzen kannst (Der Name MFT bezieht sich also nicht bloß auf die Sensorgröße, sondern auf das ganze "Systemkamera-System").
(Normalerweise sind die Hersteller nicht untereinander kompatibel. Ein Canon APS-C-Objektiv ist nicht an einer Nikon-APS-C-Kamera nutzbar. Allerdings gibt es ein paar Objektivhersteller (wie
Sigma oder Tamron), die an Nikon und Canon nutzbare Objektive herstellen; man spricht bei dem "Anschluss" zwischen Kamera und Objektiv auch von Bajonett).
Die Diagonale des MFT-Sensors entspricht genau der Hälfte der Diagonale des Vollformatsensors.
Auch hier gibt es von günstigen Einstiegsmodellen bis zu teuren Profigeräten einiges an Angebot (sowohl bei den Kameras als auch bei den Objektiven).
1-Zoll/1"/Nikon-1: Hat eine Größe von 13,2x8,8 Millimetern. Das ist die Größe des Nikon-1-Systems und wird auch in vielen Kompaktkameras verbaut.
Hier findest Du einen schönen Größenvergleich der Sensoren (einige Formate wie das Mittelformat habe ich jetzt mal weggelassen).
Grundsätzlich lässt sich sagen, je größer Sensor, desto größer das Gehäuse und die entsprechenden Objektive.
Und da in einer Spiegelreflexkamera noch Spiegel und so drin sind, sind diese im Vergleich zu einer Kamera mit gleichgroßem Sensor meistens (nicht immer) größer. Zu dem optischen Sucher lässt sich sagen, dass dieser bei Spiegelreflexkameras nicht vergleichbar ist mit dem Sucher einer Polaroidkamera. Viele Leute schwören auf optische Sucher bei Spiegelreflexkameras und wollen ihn nicht missen. Du solltest mal einen "richtigen" optischen Sucher ausprobieren.
Nochmal allgemein zur Sensorgröße: Hier werden manchmal Glaubenskriege geführt. Ein größerer Sensor macht nicht automatisch das bessere Bild. Mittlerweile spielen selbst einige Kompaktkameras in sehr hohen Ligen mit. Viele Profis nutzen mittlerweile MFT-Kameras und hier im Forum habe ich schon einige Fotos gesehen, die mit einer Nikon-1-Kamera aufgenommen worden sind, bei denen mir die Kinnlade heruntergeklappt ist. Ein Siegerfoto der World Press Photo Awards 2015 wurde mit einem iPhone aufgenommen. Wie schon hier erwähnt, nicht die Kamera macht das Foto, sondern die Person hinter der Kamera und ihr Auge fürs Motiv.
Zu den
Objektiven:
Hier wird oft von der Lichtstärke gesprochen. Je lichtstärker ein Objektiv, desto besser. Normalerweise findet man auf jedem Objektiv (auch bei Kompaktkameras) zwei Werte, die Brennweite und die Lichtstärke.
Die
Brennweite verändern ist das, was viele Leute meinen, wenn sie von zoomen reden. Es ist also bisschen, wie "nah dran" oder "weit weg" man ans/vom Motiv geht.
Nun ist es so, dass diese Brennweite bei unterschiedlichen Bildsensorgrößen unterschiedliche Bildausschnitte produziert - 100mm Brennweite bei FX enstspricht 200mm Brennweite bei MFT. Und 300mm bei einer Kompaktkamera sind viiiiieeeeel "näher dran" als 300mm einer FX-Kamera.
Ach herrje, ist das alles kompliziert!
Hier im Forum wurde Dir z.B. ein Objektiv mit einem Brennweitenbereich von 18-105mm an einer DX-Kamera vorgeschlagen. An einer FX-Kamera würde das ungefähr einem Brennweitenbereich von 27-157mm entsprechen.
Um die Kommunikation auf der Welt zu vereinfachen, beziehen wir uns i.d.R. auf FX/Kleinbild/Vollformat. Wenn jetzt jemand hier im Forum schreibt "Ich würde Dir eine Brennweite von 300mm empfehlen" bezieht sich diese Person normalerweise auf 300m bei FX. Ein MFT-Objektiv hätte hier 150mm stehen.
Die
Lichtstärke wird auch unterschiedlich angegeben (uff, ja, blöd!). Manchmal ist es nur eine Zahl, manchmal ein Bereich, aber meistens steht - zumindest auf Objektiven - ein f davor.
Die Lichtstärke kann also z.B. so aussehen:
f/1.4 oder f/5.6 oder f/3.5-6.3
Die Sache ist: Je
kleiner die Zahl, desto
mehr Lichtstärke hat das Objektiv. Die Lichtstärke sagt (unter anderem) aus, wie viel Licht so auf den Sensor trifft.
Beispiel: bei einer Lichtstärke von f/2 kommt doppelt so viel Licht auf den Sensor wie bei einer Lichtstärke von f/2.8 und viermal so viel Licht wie bei f/4.
Das heißt: Um bei f/2.8 die gleiche Menge Licht auf den Sensor zu bekommen wie bei f/2, musst Du doppelt so lange belichten.
Belichtung (oder auch Verschlusszeit) ist die die Zeit, wie lange das Licht so auf den Bildsensor (damals auf den Film) scheint, wie lange das Bild also "aufgezeichnet" wird. Bei einer "langen Aufzeichnung" kommt länger Licht rein, allerdings wird das Bild verwackelt (wenn Du aus der Hand fotografierst) bzw. verschwommen, weil die Wölfe sich bewegen.
Mehr Lichtstärke ermöglicht also kürzere Belichtungszeiten.
Objektive, die zoomen können, haben meistens nicht so viel Lichtstärke wie Objektive, die nicht zoomen können. Als Faustformel lässt sich also sagen, je mehr Zoom ein Objektiv hat, desto weniger Lichtstärke hat es. Deswegen laufen viele von uns nicht mit einem Superzoom mit einem Brennweitenbereich von 28-300mm herum, sondern mit mehreren Objektiven, die den gleichen Bereich abdecken, dafür aber lichtstärker sind (und auch bessere optische Qualitäten haben).
Lichtstarke Objektive sind aber auch größer, schwerer und teurer als nicht so lichtstarke Objektive.
Das Fass
Freistellung möchte ich eigentlich nur ein bisschen öffnen.
Nur so viel: Mit großen Bildsensoren und lichtstarken Objektiven lässt sich gut freistellen, also das Hauptmotiv "betonen" - das geht dadurch, dass das Motiv scharf aussieht und der Hintergrund unscharf. Am besten, Du guckst einfach nach ein paar
Bildern, ist dann wahrscheinlich einfacher zu verstehen.
Denn: Ein großer Sensor und ein lichtstarkes Objektiv haben Auswirkung auf die sogenannte Schärfentiefe. Eine geringe Schärfentiefe finden viele Leute irgendwie besonders toll (siehe z.B.
hier - das eine Auge ist scharf, das andere schon längst nicht mehr)
Fazit:
Man kann also nie alles haben und muss irgendwo immer Kompromisse eingehen. Daher haben wir Dir auch von teurem Profimodell bis günstige Einstiegsknipse so ziemlich alles empfohlen - wir wissen (bis auf das Budget) nicht, was Dir wie wichtig ist. Deswegen können wir auch nicht so gut sagen "nimm die und die und dann ist gut".
Eine wahrscheinlich wichtige Frage wäre, wie viel Zeit und Lust Du hast, Dich mit der Fotorgrafie nach dem Kauf der Kamera zu beschäftigen und ob Du bereit bist, Folgekosten (für weitere Objektive, ...) in Kauf zu nehmen.
Zum Schluss möchte ich noch eins sagen: Schließe einen Gebrauchtkauf nicht aus, es muss nicht immer das allerneueste Modell sein. Viele Hobbyfotografen verkaufen ihr echt gutes Zeug, weil es etwas Neueres auf dem Markt gibt, dabei ist das "alte" Equipment immer noch sehr gut. Und: Viel gebrauchtes Zeug ist häufig in einem erstaunlich gutem Zustand (viele von uns nutzen ihre Zeit, um in Internetforen abzuhängen anstelle dafür, Fotos zu machen).