Eine Menge guter Fragen, Sam, die ich mal
aus eigener Erfahrung zu beantworten suche.
Die wichtigste Hürde der Location hast Du ja
schon genommen.
1. Was war die Motivation, die Bilder auszustellen?
Nun, meine erste Ausstellung hatte ich sehr spät,
da hatte ich schon über 30 Jahre lang meine Fotos
in Zeitungen und Magazinen publiziert.
Es wurde schlicht Zeit, meine Bilder mal in einem
anderen Kontext zu zeigen und auch für Menschen,
die mit Jazz eher weniger am Hut haben.
2. Habt Ihr ein Konzept entworfen?
Aber sicher – ohne das geht es nicht. Man braucht
ein Thema, das leitmotivisch für seine Arbeit steht.
Meine erste Ausstellung hieß "Miles and more – Jazz
in the Eighties", weil ich unbedingt einige Miles-Fotos
zeigen wollte. Die ursprüngliche Idee, um Miles nur
ehemalige Mitmusiker zu präsentieren, habe ich aus
diversen Gründen aufgegeben. Das Auswahlkriterium
war dann brutal: nur Tote und nur aus den 80er Jahren.
3. Welche Bilder und wieviel habt Ihr ausgewählt?
Ausgewählt habe ich nur solche Bilder, die über den
Tag hinaus wirken und eine eigene Qualität haben.
Wichtig ist bei der Auswahl, darauf zu achten, daß
man die Bilder korresponierend hängen kann:
Hier Bobby McFerrin neben Laurie Anderson und
gegenüber eine ähnliche Paarung …
Das "wieviele" ergibt sich aus drei Faktoren:
a) dem Raumangebot, d.h. der Wandfläche.
b) der Bildergröße samt Rahmen
c) einreihige oder zweireihige Hängung
Um die Hängung präzise planen zu können, empfehle
ich, mit einem maßstabsgerechten (!!!) Grundriß der
Location zu arbeiten und Miniaturbilder am Rechner
hin- und herzuschieben:
4. Wie habt Ihr die Bilder gedruckt (Leinwand, Wechselrahmen....usw.)?
sw-Bilder in 30 x 45 und 50 x 75 per Ink-Jet gefertigt beim
lokalen Fotoladen meines Vetrauens.
Farbfotos in 30 x 45 bei
Saal Digital.
Einige Farbbilder als großformatige Alu-Dibonds, was toll
aussieht. Würde ich nicht mehr machen, weil die Kosten
derart hoch sind, daß man die Bilder nicht verkauft kriegt.
Für meine erste Ausstellung habe ich reichlich Rahmen
und Passepartouts bei
Max Aab gekauft – kostet bei
50 x 70 rd. 34 Euro, bei 70 x 100 rd. 50 Euro pro Stück.
Falls man öfter Ausstellungen machen will, sind jedoch
Halbe-Rahmen die beste Wahl – leider sauteuer, aber
auch hochkomfortabel beim Einrahmen …
5. Falls jemand ein Bild kaufen möchte, wie setzt man Preise fest?
Auf jeden Fall selbstbewußt!
Für 30 x 45 habe ich 230 Euro genommen, für 50 x 75
340 Euro (je incl. Rahmen) und wirklich gut verkauft.
6. Was waren die finanziellen, werbemässigen und zeitlichen Aufwendungen?
Für Prints, Passepartouts, Rahmen und Kleinmaterial
sicher gut über 1000 Euro, was natürlich von der Zahl
der Bilder abhängt.
Bei einigen Ausstellungen konnte ich auf vorhandene
Rahmen zugreifen, da fielen dann nur Kosten für die
Passepartouts und Bilder an; summiert sich aber …
Einladungskarten zu drucken ist billig, etwa 50 Euro.
Verschicken per Post ist teuer, war aber nicht mein
Problem.
Ich habe die Einladungen zusätzlich als PDF per Mail
verschickt.
Plakate hatte ich bislang keine, allerdings kosten die auch
nicht allzu viel, wenn man denn welche will. Die zu hängen
kostet allerdings einiges an Zeit …
Allfällige Bewirtungskosten (Getränke, Snacks) übernahm
bei mir immer die Ausstellungslocation; bei "Miles and more"
spielte außerdem ein Musiker aus alter Freundschaft für lau.
Muß man das selbst zahlen, wird's schnell teuer …
Der zeitliche Aufwand ist u.U. recht heftig und gliedert sich
wie folgt:
1. Bildauswahl und Fertigung
2. Konzeption und Hängung
3. Erstellung und Realisation der Einladung
4. Erstellung und Verteilung von Presse-Infos
5. Einkleben der Bilder in Passepartouts (ca. 5 Std.)
6. Einrahmen (ca. 5 Std. und mehr)
7. Hängen der Ausstellung (ca. 6 Std. und mehr)
Für 5.-7. empfehle ich dringend einen Assistenten:
Es braucht mindestens Zollstock, Wasserwaage
und Bleistift, dazu Hammer und Stahlstifte …
Schneller geht das Hängen, wenn man die Nägel
mithilfe eines speziellen Lasers setzt.
Nicht zu vergessen:
Vor die Vernissage gehört eine Pressetermin, so
daß die Ausstellung spätestens am Tag ihrer
Eröffnung in der Zeitung steht. Monatsmagazine
müssen deutlch früher informiert werden.
7. Was hat es gebracht, oder anders, was ist Euer Resümee (Zusammenarbeit mit andern Fotografen, Publikum usw.
Einnahmen (= Refinanzierung) durch Verkäufe,
Anerkennung, Presse-Resonanz – Reihenfolge
beliebig. Dazu eigene Befriedigung …
Und auch das: die nächsten Ausstellungen.
Abschließend ein altes Zitat aus der Werbung:
Wenn einem so viel Gutes wird beschert,
dann ist das einen Asbach Uralt wert.