Warum eigentlich nicht....

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Bevor ich in die Stube eintrete, mache ich einen Abstecher in das "Fernsehzimmer". Es war, ganz an Anfang, das Schlafzimmer meiner Eltern. Als sie zu Beginn der 70er Jahren das obere Stockwerk ausbauten, habe ich als kleine Kind im Zimmer meiner Eltern geschlafen. Später dann, haben mein Bruder und ich ein (Mansarden) Zimmer und ein Bett im oberen, noch nicht umgebauten Stockwerk, geteilt ...

Das "Fernsehzimmer", gleichzeitig das "Nähzimmer" war zwischendurch immer wieder ein zentraler Punkt. Mein Vater lag dort mehrere Wochen lang, als er von einem Auto angefahren wurde.

Später stand ein Fernseher drin und wir haben uns als Familie zusammengesetzt, wenn "die kleine Farm", "Daktari" oder die "Muppet Show" ausgestrahlt wurde ...

Auch an dieses Bild, welches dort hängt, kann ich mich nicht genau erinnern ...


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Ich gehe durch den Korridor in die Stube, auf Gutdeutsch, das Wohnzimmer....

Hier haben wir am Sonntag unsere Mahlzeit eingenommen, unsere Gäste empfangen und alle Feste gefeiert ...

Meine Mutter liebte diesen Raum, mein Vater fühlte sich in der Küche auf dem Kirchenbank ebenso wohl ...

Was ich, was wir als Kinder für unglaublichen Boden von unseren Eltern mitbekommen haben, fällt mir immer wieder auf....

Wir alle Kinder, sind fähig Grenzen zu überschreiten und den Boden nicht zu verlieren ...

Bild und Uhr: Die Uhr hat mein Vater lange Jahre vor dem Zubettgehen aufgezogen. Und lange Jahr hat sie auch die richtige Zeit angezeigt ...


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...und so wie ich es beschrieben habe: obwohl auch bei uns der Alltag Alltag war, irgendwie haben wir alle von Kunst, Malerei und Musik aktiv und passiv immer wieder viel mitbekommen ...

Der Maler Ernst Gubler, war zwar väterlicherseits mit uns verwandt. International war er nicht sehr erfolgreich. Und auch der Bruder meiner Mutter hat nur als Hobby gemalt, verkauft hat er meines Wissens nie ein Werk.

"Warum auch nicht.". Wenn ich hinter diese drei Wörter einen Punkt setze, dann ist es eine Bemerkung. Wenn ich hinter diese drei Wörter ein Fragezeichen setze, dann ist es eine Frage. Wenn ich hinter diese drei Wörter ein Ausrufezeichen setze, dann ist es ein "Go".

Diese drei Wörter, rückblickend betrachtend, waren der Motor unserer Erziehung ....

Und so höre ich Bemerkung von meinen Vater über diese Bild ... "Der Mann muss gewaltige Oberschenkelmuskel haben ... so ohne Stuhl ...."


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Im Stuhl, rechts vom Bild, ist mein Vater oft gesessen ... Hier lass er, sang mit reiner Stimme und äusserst musikalisch Weihnachtslieder oder nahm an Gespräche teil ...

Ich ging, weil ich im selben Dorf wohnte, oft zu meinen Eltern, nicht weil ich musste ...

Mit dem Vater habe ich dann immer einen Schnaps getrunken, er trank nie, aber wenn wir Kinder oder ich alleine bei den Eltern vorbeikamen, dann gönnten wir uns einen "Kräftigen" ....

Ich habe die "Gläubigkeit" meiner Eltern immer wieder bewundert. Sie beide wurden vor den Kriegsjahren geboren und haben auf ihre Art und Weise, wenn auch nicht aktiv betroffen, die Auswirkungen dieser Jahr miterlebt. Diese Zeit hat sie immens geprägt und ich braucht lange, um das nachzuvollziehen ...

Ich habe, letzthin im Haus meiner Eltern eine "Lebensmittelmarken-Karte" gefunden. Gewisse Lebensmittel waren in den Kriegsjahren rationalisiert und man bekam nur eine vordefinierte Menge davon....

Dieser Fund hat mich sehr berührt ....


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Wenn man die Treppe in den ersten Stock hinaufgeht, empfängt mich immer das gleiche Bild...

Die Kirche vom Geburtsort meiner Mutter. Sie war ihr Leben lang eng verbunden mit diesem Ort. Und ich habe mit der Zeit verstanden wieso....

Als die Mutter meiner Mutter, als sie 16 Jahr alt war starb, war der Krieg kaum vorbei. Sie übernahm, nebst ihrer Ausbildung als Kinderkrankenschwester, an den Wochenenden die Familienarbeit, u.a. auch die Betreuung ihrer behinderten Schwester.

Als Kind, aufgewachsen in den Nachkriegsjahren mit zunehmend ungeahnten Möglichkeiten, konnte mir das nur schwer vorstellen ... Dass meine Mutter auf eine beständiges und zuverlässiges Umfeld angewiesen war, realisierte ich damals nicht. Und so verstand ich auch nicht dass sie ihre Ahnen, ihre Verwandten auch nach ihrem Tod hoch verehrte ....


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Um auf die den Satz zurückzukommen, wohin wir gehen, ist weniger wichtig als woher wir stammen ...

In der dieser knappen Stunde des Fotografierens wurde mir die Dimension des Menschsein unglaublich vor Augen geführt ...

In der Ruhe habe ich so viel verstanden vom Leben und ich glaube nicht, dass ich bis anhin wenig verstanden habe ...

Die Kamera spürte ich längst nicht mehr, die Marke war mir ohnehin egal, sie hat mir nur die Möglichkeit gegeben, einen kurzen Gedanken in ein Rechteck zu bringen ...

Auf den vielen Teppichen viel mir dann dann der kleine Stern auf ... kein Raum ohne Teppiche in unserem Haus ....


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Jeder Winkel des Hauses hatte ihre Bedeutung ... als Kind nahm ich es zur Kenntnis, aber dachte nicht drüber nach ...

Jetzt wo das Hau leer ist, und zunehmend, so empfand ich es, auch zunehmend "leblos", mache ich mir Gedanken darüber ...



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Das ehemalige Schlafzimmer meiner Eltern betrete ich nicht gerne. Die beiden Bilder an der Wand haben wir abgehängt und Vater und Mutter, zeitverschoben, ins ihr Zimmer im Altersheim gehängt ...

Wie lange sie dort gehangen sind, zeigt folgendes Bild ...


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...und so drehte ich mich um und fand die Kisten mit Seifen ...

Ich mag mich an die Freundschaft erinnern, welche meine Eltern mit einem Seifenfabrikanten pflegten ...

Ein etwas bitterer Nachgeschmack kam in mir hoch: ausgerechnet der Vater meiner Mutter half aktiv mit in der Rodung der Wälder im Belgisch Kongo zur Produktion von Palmöl ...

Ich wandte mich ab ....


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Dieser Raum war mein Kinderzimmer ... später, nach seiner Pensionierung, das Büro meines Vaters ...

Ein grosser Raum, aber meine Eltern erkannten mich als Wesen schon sehr früh ... Sam kann man nicht einsperren .. der Junge braucht Raum ....:D

Mein Vater stand sein Leben lang im Dienst der Bauern ... nicht unkritisch aber mit Leib und Seele ...

Zu den Kühen verband ihn sein Leben lang eine besondere Beziehung, darum erhielt er auch eine Kuhglocke als Abschiedsgeschenk ....


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