Nee, das kommt so nicht hin: Größe und Gewicht sind der Preis, den man (ab einem bestimmten Niveau und ab einer bestimmten Anzahl von gleichzeitig zu erfüllenden Kriterien) für ordentliche Optik hinlegen muß. Größe und Gewicht sind für die meisten eher ein Minuspunkt. Also ist es durchaus interessant zu erfahren, wie "schlimm" das Ausmaß denn nun ist. Das hat doch nix mit Verstehen der restlichen Leistung zu tun.
Bei Weitwinkelobjektiven in SLR Kameras fürt die große Schnittweite (bedingt durch den Schwingspiegel) zu den recht komplexen asymmetrischen Linsenkonstruktionen. Dort können die Bildfehler nur durch den Einsatz von viel 'Glas' korrigiert werden. Und genau deshalb sind Weitwinkelobjektive für SLRs immer viel größer, als die quasi symmetrischen Konstruktionen der spiegellosen Kameras.
Normalerweise wäre bei einem 50er, oder 55er, gar keine asymmetrische Konstruktion nötig da die Brennweite größer als die Schnittweite ist. Und deshalb sind auch alle anderen 50er (die quasi symmetrischen Gaus-Typen) mit ihren 4-7 Linsenelementen soviel kompakter. Warum man sich trotzdem für so eine komplexe Konstruktion, die viel größer und schwerer ist, entschieden hat, erklärte ein leitender Wissenschaftler bei Zeiss mal in einem Interview:
'Wir haben uns für das komplexe Distagon-Optikdesign entschieden, das sich bisher nur bei Weitwinkel-Objektiven findet. Nur damit lässt sich die gewünschte Schärfe und Kontrastwiedergabe bis in die Bildecken erreichen. Klassische Objektive im Brennweitenbereich rund um 50 mm sind vom Typ Planar. Mit einem quasisymmetrischen, sehr kompakten Aufbau weist dieser Objektivtyp eine enge Verbindung zwischen der Korrektion der Bildmitte und dem Bildrand in dem Sinne auf, dass bei einer guten Korrektion der Bildmitte der Bildrand unkorrigiert bleibt und umgekehrt. Strenger fachlich ausgedrückt ist die Korrektion der sphärischen Aberration nicht gleichzeitig mit der Korrektion der Bildfeldwölbung zu erreichen. Unser wichtigstes Ziel war aber eine konstante Abbildungsleistung über das gesamte Bildfeld, einschließlich der Ecken. Deshalb haben wir die relativ einfache Struktur des Planars durch die wesentlich komplexere des Distagons ersetzt.
Die Struktur des Distagons erlaubt eine gute Trennung zwischen den negativen und den positiven Brechkräften innerhalb der Optik. Deshalb können wir damit eine hervorragende Korrektion der Bildfeldwölbung erreichen. Die Bildfeldwölbung ist der wichtigste Abbildungsfehler, und sie zu korrigieren ist die Grundvoraussetzung für eine perfekte Abbildung. Mit einem angepassten Linsengerüst und mehreren asphärischer Flächen lassen sich auch die anderen Aberrationen auf kleinste Niveaus korrigieren. Speziell haben wir die sphärische Aberration und die Koma, die beide eine verheerende Wirkung auf die Bildgüte haben, perfekt korrigiert. Natürlich ist auch die Verzeichnung nicht wahrnehmbar. Neben der durchgängigen Schärfe bis in die Bildecken war uns auch eine möglichst natürliche Abbildung der Objektränder wichtig. Das bedeutet vor allem eine außergewöhnliche Farbfehlerkorrektion und die Verhinderung von Farbsäumen, welche durch chromatische Aberration hervorgerufen werden. Das Planar-System wäre auch damit überfordert. Da die Linsen, die im Planar diese Korrektion übernehmen, auch für die Korrektion der sphärischen Aberration und der Bildfeldwölbung verantwortlich sind, werden die Farbfehler beim Planar besonders aufwendig korrigierbar. Auch diese Herausforderung war nur durch den Einsatz des Distagons zu bewältigen. Mit „normalen“ Gläsern ist eine gute chromatische Korrektur in einem hochqualitativen optischen System nicht zu erreichen. Für die Korrektion der Farbfehler verwenden wir deshalb Spezialgläser, die eine „anomale“ Teildispersion haben. Dadurch können wir nicht nur die primären und sekundären Farbfehler korrigieren, sondern auch die chromatischen Variationen sämtlicher Aberrationen, wodurch sich auch die Farbsäume stark reduzieren.'
Das man auch mit kompakten Gauss Typen herrvoragende 50mm Optiken bauen kann, zeigt Leica mit dem aktuellen Sumicron 2/50 Asph. (das ist allerdings auch nicht so Lichtstark und nochmal teurer). Prinzipiell sagt die Anzahl der eingesetzen Linsenelemente, oder die Größe eines Objektivs, aber nichts über dessen Optische Leistung aus. In diesem 'Spezialfall' ist das so. Die Größe wird durch das asymmetrische Konstruktions-Prinzip bestimmt. Sollte eigentlich jedem klar sein, daß das Otus und das
Sigma, zwangläufig deutlich größer sein müssen.
VG