Vergleichstest von: Zeiss Otus, Sigma 50 Art, Nikkor 58G, Nikkor 50/1.4G und 50/1.8G

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FlowtographyBerlin

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Hallo Forum,

ich habe einen Vergleichstest gemacht von folgenden Linsen:

  • Zeiss Otus 55mm/1.4,
  • Sigma 50mm/1.4 Art,
  • Nikkor 58mm/1.4G,
  • Nikkor 50mm/1.4G
  • Nikkor 50mm/1.8G

Das Besondere ist, daß es A/B-Slider gibt, mit denen man die Resultate eines gleichen Motivs direkt miteinander vergleichen kann, Schärfe, Bokeh etc. Außerdem gibt's "normale" Bildmotive und keine Ich-setz-mich-mal-an-meinen-unordentlichen-Schreibtisch-und-knips-in-die-Ecke" Motive. ;-)

Ist auf Englisch, aber die meisten können das ja: Klickt Ihr hier.

Viel Spaß,
Flow
 
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Wenn ich mich recht erinnere, gehen die Erfahrungen der meisten anderen Nutzer in die Richtung, daß beide Objektive (50er und 58er Nikkor) einen annähernd gleichen Schärfeeindruck bei offener Blende vermitteln.

Für die mittleren Bereiche des Bildfelds ist das angesichts der von Nikon veröffentlichten MTF ja auch völlig plausibel. Denn damit sich ein Unterschied von etwa 85% zu etwa 80% im Bildkontrast in deutlich wahrnehmbarer Weise niederschlägt, muss der Motivkontrast schon recht hoch sein, sowie auch die MTF-Werte der übrigen Komponenten des Gesamtsystems (Kamera, Display etc.).

In den von der Bildmitte weiter entfernt liegenden Bereichen des Bildfelds sollte man jedoch bei der Blende 1,4 mit dem 1,4/58 eigentlich oft "schärfere" Resultate erzielen können als mit dem 1,4/50. Denn bei einer Bildhöhe von zum Beispiel etwa 15 mm liegen die sagittalen und tangentialen Graphen (10 lines/mm) für das 1,4/50 bei etwa 63% und etwa 80%, also bereits weit auseinander, während die für das 1,4/58 bei etwa 84% und etwa 87% liegen. Und dieser Unterschied sollte sich eigentlich auch oft in einem letztendlich höheren Bildkontrast der mit dem 1,4/58 aufgenommenen Fotos bemerkbar machen. Im Bildergebnis kann sich ein solches Auseinanderlaufen der sagittalen und tangentialen Graphen manchmal ähnlich bemerkbar machen, wie eine leichte Verwacklungs- oder Bewegungsunschärfe, weil dieses Auseinanderlaufen ja mit der räumlichen Orientierung der abgebildeten Bilddetails zusammenhängt.

Auf Basis der von Nikon veröffentlichten MTF sollte man also eigentlich beim 1,4/58 Bildergebnisse erwarten, die sich von denen des 1,4/50 zwar nicht durch eine in der Bildmitte deutlich höhere "Schärfe" unterscheiden, jedoch durch einen oft auch wahrnehmbar gleichmäßigeren Schärfeverlauf über die größten Teile des Bildfelds hinweg. Und das könnte für Motive, bei welchen der "Schärfeschwerpunkt" nicht in der Mitte liegen soll, gegebenenfalls vielleicht ein Vorteil sein. Auch ein außermittig gelegenes Element des AF-Sensors wird dadurch vom 1,4/58 gegebenenfalls mit etwas besseren Daten da etwas höherem Kontrast versorgt.

Außerdem sollte man im Zusammenhang mit dem Thema "Schärfeunterschiede" auch nie vergessen, dass das visuelle System des Menschen nicht linear arbeitet. Daher steht also auch unser subjektiver Schärfeeindruck beim Vergleichen von mit dem 1,4/50 und dem 1,4/58 aufgenommenen Fotos nicht in einem linearen Zusammenhang mit dem objektiven Bildkontrast der verglichenen Fotos, wie man ihn auf Ausdrucken mit zum Beispiel einem Densitometer messen könnte.

Bei den nachstehenden Links kann bei Interesse jeder hier seiner eigenen Kontrastwahrnehmung einmal "live" bei der Arbeit zusehen:

Kontrast-Verstärkungsregelung: http://www.michaelbach.de/ot/lum_contrast-adapt/index-de.html
Kontur-Adaption: http://www.michaelbach.de/ot/lum-contourAdapt/index-de.html
Rautensprung: http://www.michaelbach.de/ot/lum-diamond/index-de.html
Pyramidentäuschung: http://www.michaelbach.de/ot/lum-pyramid/index-de.html
Munker-White-Täuschung: http://www.michaelbach.de/ot/lum_white/index-de.html
Adelsons Schachbrett: http://www.michaelbach.de/ot/lum_adelsonCheckShadow/index-de.html
 
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Desto erstaunlicher sind doch aber die schon in Bildmitte so schlechten Ergebnisse des 58er Nikkor, die sich nicht mit den Werten der MTF-Kurven erklären lassen. Ich tippe wirklich auf Probleme in der Herstellung und mangelnde Endkontrolle.

Die Wahl einer Konstruktion mit asphärischen Linsen, statt der bei Normalobjektiven sonst weit verbreiteten einfachen Planarkonstruktion mit weniger Linsen, spricht eigentlich für hohen Aufwand und entsprechend bessere Bildqualität (eben nicht nur in Bildmitte). Aber der höhere Aufwand scheint sich irgend wie nicht richtig gelohnt zu haben. Jedenfalls nicht bei Offenblende.
 
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In der Tat wiedersprechen sich die MTF-Kurven von Nikon und der Praxistest von Florian insofern, als daß das 58er bei offener Blende mindestens genauso gut/schlecht sein sollte wie das 50er.

Nun, das stimmt ja so schon mal nicht.
Sowohl laut Nikon als auch DxO (vgl. mein Link von weiter oben) ist das 58/1.4G dem 50/1.4G bzgl. MTF50 bei Offenblende unterlegen.

Laut Nikon 49% statt 58% bei 30 lp/mm bis 5mm Bildkreis. Laut DxO 1300 statt 1600 lp/PH in Bildmitte, 1050 statt 1300 bei 1/3 Bildkreis. Allerdings ist der 10 lp/mm Kontrast beim 58er laut Nikon deutlich besser als beim 50er (zumindest in der Theorie, denn Hersteller geben als MTF Sollwerte aus dem Simulator an, keine echten Messwerte).

Gerade beim Kontrast sieht das 58er bei Florian's Test eher schlecht aus. Bzgl. Details kann ich in etwa des Gleiche erkennen (Löcher im Mikrofontuch). Das 58er hat einen grünen Schleier an den Kanten, das 50er einen Magentaschleier. Laut DxO haben beide Objektive in etwa gleiche CAs. Beide Objektive sind also nicht exakt auf das Mikrofon fokussiert, das eine ist leicht front, das andere leicht backfocussed.

Dies ist bei einem nichtwissenschaftlichen Vergleichstest aber absolut üblich und vor allem bei F/1.4 häufig. Gerade wenn es offenblendig nicht wirklich scharf ist, fällt das Fokussieren ja auch nicht gerade leicht, hinzu kommt beim AF der Fokusshift. In gewisser Weise nehme ich die Schwierigkeit des exakten Fokussierens als Teil eines Real-Word Testergebnisses. Denn eigene Ergebnisse werden halt nicht wirklich besser ausfallen. Tatsächlich ist der Zeiss Salespitch hierauf optimert: Es wird i.d.R. argumentiert (zumindest, als ich Gelegenheit erhielt, eines der ersten Muster kurz zu testen), dass sich andere Objektive manuell einfach nicht so exakt in den Fokus bringen liessen wie das Otus. Das Bild "springt" weniger in den Fokus, die Spindel ist nicht so weich mit nicht so wenig Spiel vor- und zurück. Vielleicht stimmt's ja tatsächlich?

Ich dachte allerdings, diese Problematik sei den Diskutanten hier im Forum ohnehin bewusst.
 
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... laut Nikon ... ist das 58/1.4G dem 50/1.4G bei Offenblende unterlegen. Laut Nikon 49% statt 58% bei 30 lp/mm bis 5mm Bildkreis.

Das trifft nicht zu:

MTF 1,4/58G: http://imaging.nikon.com/lineup/lens/singlefocal/normal/af-s_nikkor58mmf_14g/index.htm Bei 30 lines/mm bis 5 mm Bildhöhe 58%

MTF 1,4/50G: http://imaging.nikon.com/lineup/lens/singlefocal/normal/af-s_50mmf_14g/index.htm Bei 30 lines/mm bis 5 mm Bildhöhe 49%

Es ist also genau anders herum als Du - wohl aufgrund eines Versehens - schreibst.

Und DxO veröffentlicht bei Deinem Link nach meinem Verständnis nicht Messungen in Bezug auf die beiden Objektive, sondern in Bezug auf zwei Gesamtsysteme, bestehend aus dem jeweiligen Objektiv und jeweils einer D800. Diesbezüglich gelten daher die Erläuterungen auf den Seiten II/19 bis II/21 dieser Broschüre von Zeiss nach der Zwischenüberschrift "Anmerkungen zur MTF-Messung mit Kameras".
 
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Das Interesse für die technischen Hintergründe ist unterschiedlich stark ausgeprägt.
Oder anders ausgedrückt: man kann ein gutes Objektiv schätzen, ohne die technischen Finessen genau verstehen zu wollen/ müssen. Da kommen dann schnell solche Spontanaussagen wie "gut = groß" zustande. Dürfen sich diese Interessenten nicht für ein Sigma Art interessieren? Und gibt es nicht auch Profis, die mit Objektiven lieber fotografieren, statt sich mit ihren technischen Finessen auseinanderzusetzen?
 
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Ich würde mal sagen, daß Profis mit ihren Objektiven in jedem Fall fotografieren, unabhängig davon, wie groß nun ihr technisches Interesse ist Ganz generell wird sich aber fast jeder, der ein neues Objektiv sucht, erstmal einen Überblick über das Angebot verschaffen wollen und nicht das Erstbeste nehmen. Und nach welchen Kriterien er es dann aussucht, Messergebnisse, Praxistests, Gefühl, oder was auch immer, steht dann jedem frei. Einfacher diskutieren lässt sich aber anhand von Messergebnissen, oder Bildern, als mit gefühlten Eindrücken.

VG
 
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In der Tat wiedersprechen sich die MTF-Kurven von Nikon und der Praxistest von Florian insofern, als daß das 58er bei offener Blende mindestens genauso gut/schlecht sein sollte wie das 50er.

Auf einen denkbaren Grund für diese Widersprüche - nämlich den sich im Unterschied zu der von einem Hersteller gemessenen oder berechneten MTF bei einem Praxistest immer ergebenden Abweichungen von der optimalen Fokuslage - hat ja falconeye bereits in seinem Beitrag #124 hingewiesen.

Meinst Du (Ihr), das dies der einzige Grund sein dürfte, oder sind Deiner (Eurer) Meinung nach für diese Widersprüche möglicherweise noch weitere Gründe verantwortlich?

Laut DxO ist das 58/1.4G dem 50/1.4G … bei Offenblende unterlegen. Laut DxO 1300 statt 1600 lp/PH in Bildmitte…

Neben den von mir bereits in meinem Beitrag #125 verlinkten "Anmerkungen zur MTF-Messung mit Kameras" von Zeiss ist bezüglich dieser von DxO veröffentlichten Messergebnisse für die Kombis 1,4/58/D800 und 1,4/50/D800 noch Folgendes zu beachten:

Wie man der nachstehend verlinkten Grafik entnehmen kann, ist bei einer Ortsfrequenz von 1600 Lp/PH die Kontrastempfindlichkeit des visuellen Systems des Menschen bei der Betrachtung eines mit der Kombi 1,4/50/D800 aufgenommen Fotos unter dem für einen normalen perspektivischen Eindruck notwendigen "Normalwinkel" (= Bildwinkel der Kombi 1,4/50/D800) - also von über der Bildhöhe 27° - gleich = 0,0 - oder in Worten - Nullkommanichts: http://de.wikibooks.org/wiki/Digita...tial.frequency.in.cycles.per.image.height.png

Selbst bei einem auf einem Ausdruck oder Display wohl selten bis nie vorliegenden maximalen (Michelson-) Bildkontrast von 1, würde man also ein Sinusgitter mit 1600 lp/PH unter dem "Normalwinkel" gar nicht mehr als Sinusgitter wahrnehmen, sondern nur noch als eine völlig strukturlose graue Fläche. Für die Betrachtung eines mit der Kombi 1,4/50/D800 aufgenommenen Fotos unter dem "Normalwinkel" von bezogen auf die Bildhöhe 27° ist also festzuhalten

Die Ortsfrequenzen in Lp/mm, für welche Nikon die MTF für das 1,4/50 und das 1,4/58 veröffentlicht, also 10 Lp/mm und 30 Lp/mm, sind also durchaus praxisgerecht gewählt. Denn bei einer Ortsfrequenz von 10 x 24 = 240 Lp/PH ist die Kontrastempfindlichkeit unseres visuellen Systems bei Betrachtung unter dem "Normalwinkel" nahezu optimal (in der weiter oben verlinkten Grafik ca. 0,97). Und bei 30 x 24 = 720 Lp/PH noch groß genug (in der weiter oben verlinkten Grafik ca. 0,25), um Bilddetails von einer dieser Ortsfrequenz entsprechenden Größenordnung auch bei Bildkontrasten wahrnehmen zu können, wie sie in der Praxis auf Ausdrucken oder Displays tatsächlich vorkommen.

Die von falconeye verlinkten Testresultate von DxO sind hingegen für eine Betrachtung der Bildergebnisse unter dem "Normalwinkel" in etwa genauso aussagekräftig, wie zu analogen Zeiten die Angabe der maximalen Auflösung eines Filmmaterials bei einem Kontrastumfang von 1000:1. Denn selbst bei den von DxO für die Kombi 1,4/58/D800 "nur" gemessenen 1300 Lp/PH beträgt die Kontrastempfindlichkeit bei Betrachtung der Bildergebnisse unter dem Normalwinkel laut der weiter oben verlinkten Grafik nur noch ca. 0,02 - also weniger als 1/10 der noch bei 30 Lp/mm = 720 Lp/PH vorhandenen Kontrastempfindlichkeit von ca. 0,25.

Unter den beim Pixelpeeping bezogen auf die gesamte Bildhöhe des jeweiligen Fotos riesigen Sehwinkeln betrachtet, können Sinusgitter mit 1300 Lp/PH (DxO für 1,4/58/D800) oder 1600 Lp/PH (DxO für 1,4/50/D800) natürlich sichtbar werden. Wie praxisrelevant diese vergleichsweise riesigen Sehwinkel sind, kann man ja jeweils persönlich gewichten.
 
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Verstehe ich das richtig? Der von Falk verlinkte Vergleich bei DxO zeigt Ergebnisse, die mit unterschiedlichen Meßmethoden ermittelt wurden?

Die von DxO für die Kombis 1,4/58/D800 und 1,4/50/D800 veröffentlichten MTF50-Werte wurden nach meinem Verständnis mit identischen Messmethoden ermittelt, aber mit unterschiedlichen Ergebnissen: MTF50 1,4/50/D800 = 1600 Lp/PH - MTF50 1,4/58/D800 = 1300 Lp/PH.

Die Messmethode, mit welcher DxO diese beiden MTF50-Werte ermittelt hat, ist jedoch nach meinem Verständnis eine vom Grundsatz her völlig andere, als die Messmethode, mit welcher zum Beispiel Hersteller die MTF von Objektiven messen, wie zum Beispiel Zeiss:

DxO veröffentlicht als "Messwert" jeweils die Ortsfrequenz in Lp/PH, bei welchen die MTF den Wert 0,5 oder 50% annimmt (MTF50-Ortsfrequenzen = MTF50-Werte), und zwar für ausgewählte Orte im Bildfeld, und für eine Kombination aus Objektiv und Kamera.

Hersteller veröffentlichen hingegen MTF-Werte für zwei (Nikon, Canon), drei (Zeiss), oder vier (Leica) ausgewählte Ortsfrequenzen, und zwar für das gesamte Bildfeld, und nur für das jeweilige Objektiv für sich allein genommen.

Und mein Hinweis im Beitrag #128 galt dem Umstand, dass beide von DxO für die Kombis 1,4/50/D800 und 1,4/58/D800 veröffentlichten MTF50-Ortsfrequenzen - also sowohl 1600Lp/PH, als auch 1300 Lp/PH - aus den im Beitrag #128 erläuternen Gründen bei einer Betrachtung der Bildergebnisse unter dem "Normalwinkel", der gleich dem Bildwinkel ist, sowie bei in der Praxis tatsächlich vorkommenden Bildkontrasten, überhaupt nicht wahrnehmbar sind, da die Kontrastempfindlichkeit unseres visuellen Systems dafür bei diesen Ortsfrequenzen und unter diesen Bedingungen nicht ausreicht.
 
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Das ist für mich der springende Punkt. Die Relevanz kann nur jeder selber, ganz individuell, beurteilen.

Ich persönlich finde z.B. das Konzept des 'normalen Sehwinkels' und des sich daraus ergebenden Betrachtungsabstandes wenig hilfreich. Das bedeutet aber nicht, daß es in anderen Fallen nützlich sein kann.

Als Fotograf, und meine Anfänge waren zu Zeiten der analogen Fotografie, muss ein Print (fotorealistisches Positiv) immer wie ein Foto aussehen. Unabhängig vom Betrachtungsabstand. Also auch wenn man nur ein Detail des Bildes aus der Nähe betrachtet. Mit analogen Fotografien ist das problemlos möglich. Sie können dann vielleicht körnig wirken, oder nicht mehr sonderlich scharf, aber sie sehen immer noch aus wie ein Foto.

Genau diesen Eindruck/Anspruch strebe ich auch bei digitalen Prints an. Für mich darf es nicht sein, daß man bei näherer Betrachtung eines Bildausschnittes plötzlich einzelne Druck-/Bildpunkte ausmachen kann, oder gar digitale Artefakte (Treppchenbildung, ect.) bemerkt. Die maximal mögliche Printgröße wird also durch die Auflösung vorgegeben, die erforderlich ist um ein Foto immer wie ein Foto aussehen zu lassen. Und das ist, glaube ich, der Grund warum die Meinungen teilweise soweit auseinander gehen.

Das es bei anderen Anwendungen (Zeitschriftendruck, Plakate, ect.) andere Anforderungen gibt, stelle ich gar nicht in Frage. Als Fotograf steht aber eigentlich das gedruckte Positiv für mich im Vordergrund. Die Bildschrimbetrachtung wird ja im wesentlichen durch die Größe der verfügbaren Bildschrime bestimmt und kommt selten in Bereiche, wo's mit der Auflösung kritisch wird.

VG
 
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Ich persönlich finde z.B. das Konzept des 'normalen Sehwinkels' und des sich daraus ergebenden Betrachtungsabstandes wenig hilfreich. Das bedeutet aber nicht, daß es in anderen Fallen nützlich sein kann.

Der Frage, ob der Bildwinkel der "Normalbrennweite" für das jeweilige Aufnahmeformat tatsächlich ein beim Betrachten von Fotos besonders häufig vorkommender Betrachtungswinkel ist, ging man zum Beispiel in der nachstehend verlinkten Studie einmal systematisch nach: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3440305/

Und das Ergebnis war:

We claim that the 50-mm rule emerged because of people’s tendency to view pictures from a distance that establishes a desirable field of view.

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3440305/

Insofern können also Hersteller wie Anwender durchaus von der begründeten Annahme ausgehen, dass eine in statistischem Sinne überwiegende Mehrzahl von Betrachtern, die den Betrachtungswinkel frei wählen können, einen Betrachtungswinkel nahe dem Bildwinkel der "Normalbrennweite" wählen. Aber selbstverständlich gilt dies eben nur in einem statistischen Sinne, also nicht für jeden einzelnen Betrachter und jedes einzelne Foto. Von anderen Betrachtungswinkeln auszugehen als dem "Normalwinkel", oder auch von besonderen persönlichen Zielvorstellungen – wie zum Beispiel den von gugu erläuterten - ist daher selbstverständlich ebenso berechtigt.

Es gibt eben auch in der Fotografie keine Patentrezepte und Allheilmittel. Mit jeder Rezeptur und jedem Heilmittel bezüglich dessen man sich schlau gemacht und persönliche Erfahrungen gesammelt hat, steigt meines Erachtens jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass man zur Linderung fotografischer Wehwehchen auch eine jeweils geeignete Rezeptur benutzt.

Und in Bezug auf die Möglichkeiten zur Vorabinformation bei Kaufinteresse ist es in diesem Sinne doch eine feine Sache, dass der entsprechende Apothekenschrank so reichlich gefüllt ist - bis hin zu den Placebos, falls die Emotion sowieso schon weiß wohin die Reise geht, und nur die Ratio (oder der Kassenwart) noch auf "guten Gründen" besteht.
 
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Wie ich in meinem Beitrag #132 ja bereits betont habe, ist mir die oben zitierte Zielvorstellung vom Grundsatz her völlig nachvollziehbar (unsere Welt wäre ja auch ein eher langweiliger und trostloser Aufenthaltsort, wenn wir alle den gleichen Geschmack und die gleichen Bedürfnisse und Ziele hätten).

Auf der nachstehend verlinkten Seite 649 des Buchs "Kompendium der Mediengestaltung" wird nun erläutert, welche Bedingungen Drucker und Druckerpapier nach Auffasung der Autoren dieses Buchs erfüllen müssen, damit sich mit ihnen ein "fotoähnlicher Druck" realisieren lässt: http://books.google.de/books?id=QsA...AEwEA#v=onepage&q=Fotoähnlicher Druck&f=false

Wenn ich Deinen Beitrag #131 richtig verstanden habe, dann ist also Deine Auffassung die, dass ein mit einem derartigen Drucker und derartigem Druckerpapier realisierter Gesamtausdruck des mit dem Sigma 1,4/50 aufgenommenen Bildes, dessen 100%-Ausschnitt FlowtographyBerlin in dem Schiebereglervergleich "Sigma vs. Nikon 58G" zeigt, auch bei Betrachtung unter einem sehr großen Sehwinkel eher noch "wie ein Foto" aussehen würde, als ein derartiger Gesamtausdruck des in diesem "Schiebereglervergleich" von FlowtographyBerlin gezeigten mit dem Nikon 1,4/58G aufgenommenen Bildes.

Könntest Du daher zu meinem besseren Verständnis Deiner Auffassung bitte einmal an dem konkreten Beispiel dieser beiden von FlowtographyBerlin gezeigten Bilder erläutern, aus welchen Gründen genau Du der Auffassung bist, dass ein derartiger Gesamtausdruck des mit dem Sigma 1,4/50 aufgenommenen Bildes auch unter einem sehr großen Sehwinkel noch eher "wie ein Foto" aussehen würde, als ein derartiger Gesamtausdruck des mit dem Nikon 1,4/58G aufgenommenen Bildes?
 
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@ Pesch

Vielleicht habe ich mich ein wenig mißverständlich ausgedrückt

Das eine ist der Print an sich, wobei es mir weniger um eine bestimmte Drucktechnik ging (Lightjet, Lambda, usw.) als vielmehr darum das ich für meine Prints eine gewisse Mindestauflösung verwende, unabhängig von der Printgröße, damit das Bild unter allen Betrachtungsbedingungen wie ein analoges Foto aussieht. Das hat, an sich, nichts mit der verwendeten Optik zu tun.

Die Leistung der Optik ist vor allem bei großen Printformaten wichtig. Wenn man sich also die Details im Foto genauer anschaut, dann wirken diese mit einer besseren Optik detailreicher und präziser. Und genau diesen Detailreichtum/Prazision kann man als Stilmittel einsetzen um auch mit relativ kleinen Sensorformaten (wie dem 24x36mm) verhältnismäßig große Prints hoher Qualität anzufertigen.

Ein weiterer für mich mitentscheidender Kaufgrund ist die Tatsache, daß man jede Blende auch als Arbeitsblende nutzen kann. Mit meinen 'alten' 50ern war ich eigentlich erst ab Blende 2.8 mit der Abbildungsleistung zufrieden und das 'neue' kann ich bei praktisch jeder Blende nutzen. Man hat also mehr Gestaltungsmöglichkeiten, oder kann in Situationen mit wenig vorhandenem Licht mit geringeren Empfindlichkeit arbeiten und hat somit weniger Bildrauschen bei 'available Light' Bildern.

Das man mit einigen der neuen KB-Optiken, die mittlerweile für das F-Bajonett erhältlich sind, auch tatsächlich alle Blenden nutzen kann, finde ich persönlich eine geniale Entwicklung.

VG
 
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Das hat, an sich, nichts mit der verwendeten Optik zu tun.

Danke für die Ausräumung meines Missverständnisses.

Die Leistung der Optik ist vor allem bei großen Printformaten wichtig.

Das Ausmaß des Einflusses der MTF eines Objektivs auf den subjektiven Schärfeeindruck ist nie vom Ausgabeformat abhängig, sondern immer nur vom Betrachtungswinkel.

Und in einem statistischen Sinn - also für die überwiegende Mehrheit von Betrachtern und Betrachtungssituationen trifft es laut der nachstehend zitierten und verlinkten Studie zu diesem Thema nicht zu, dass der von Betrachtern gewählte Betrachtungswinkel von der Größe des betrachteten Bildes abhängt, also umso größer ist, je größer das Format des betrachteten Bildes ist:

 
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@ Pesch

Ich glaube wir reden ein wenig aneinander vorbei. Prinzipiell ist alles richtig was Du schreibst, aber meine Erklärung zuvor war genauso zutreffend. Ich benutze nur andere Parameter um mich auszudrücken, weil ich nicht in 'Sehwinkeln' oder 'Bogenminuten' denke, sondern in Metern und Zentimetern.

Glücklicherweise hast Du aber den Online-Rechner zum Sehwinkel gleich mit verlinkt (http://rechneronline.de/sehwinkel/) und wirst festellen, daß man den Sehwinkel (α) als Funktion vom Betrachtungsabstand (r) und der Printgröße (g) ausdrücken kann. Nämlich: α = 2*arctan(g/(2r))

Wenn ich also von Printgrößen und Betrachtungsabständen spreche, mache ich nichts anderes als wenn Du vom Sehwinkel redest. Für mich ist ein Sehwinkel aber etwas viel abstrakteres als mir ein Printformat, oder Betrachtungsabstand, in Zentimetern oder Metern vorzustellen.

VG
 
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Wow! Da hast Du Dir ja richtig Mühe gemacht. Toller Vergleich!

Dem möchte ich mich erst einmal voll und ganz anschließen! Ich kann die Aussagen zum 1.8/50mm und zum 1.4/50mm unterstreichen, und ich freue mich, dass wir mit dem Sigma und Zeiss jetzt Konkurrenzprodukte zur Auswahl haben, die von der technischen Abbildungsleistung her gesehen, noch besser sind.

Was die Bewertung des 58er Nikkors anbelangt, möchte ich aber dieser Aussage:

"Usable results start only at f/2.8 – which is unfortunately exactly the point where the bokeh starts looking the same as that of the other Nikkors."


widersprechen. Zum einen teile ich die Auffassung von Häuschen, dass z.B. hier:



beim Fokussieren etwas schief gegangen sein muss.

Ich habe eben selber mal kurz mit den AF-S 1.8/50, 1.4/50 und 1.4/58 einige Vergleichsfotos bei Offenblende gemacht. Zu den Besonderheiten des 58er gehört es, dass es bei Blende 1.4 im beginnenden Unschärfebereich überstrahlt; dadurch wirkt der Schärfentiefebereich noch geringer als er ohnehin schon ist, insbesondere natürlich nahe der Naheinstellgrenze. Wenn man hier nur geringfügig fehlfokussiert, stellen sich solche Effekte ein wie oben abgebildet. Ich konnte das an einem nicht ganz parallel zur Schärfeebene stehenden Stuhl aus Peddigrohr testen.

Davon abgesehen, ist die Frage, ob etwas "brauchbar" ist, auch eine Frage des Zweckes des Gegenstandes. Ich will Dir gern zugeben, dass das 1.4/58mm AF-S bei Offenblende nicht als Reproobjektiv taugt. Aber es hat eine besonders bei Portraits, aber auch bei outdoor (z.B. Landschaft mit einer Rosenhecke im Vordergrund) eine ganz besondere Anmutung, die gerade durch die Überstrahlungen im Offenblendebereich ausgelöst wird. Hier ist deutlich ein Unterschied zu dem - auch sehr guten - Bokeh der beiden anderen von Dir getesteten Nikkore zu sehen, umso deutlicher, je mehr Spitzlicher im Unschärfebereich vorhanden sind. (Getoppt wird das 1.4/58 insoweit allerdings noch vom 1.2/58 Noct). Klar, das sind dann Bilder, in denen es nur einen kleinen scharfen Kern und viel Unschärfe gibt - aber selbstverständlich haben solche Bilder in der Fotografie ihre Berechtigung.

Ich möchte mich daher dieser Bewertung anschließen:

Ich sehe das 58er Nikkor außerhalb der Testnormen, als Spezialobjektiv für einen besonderen Schärfeverlauf.

"Unbrauchbar" ist es vielleicht zu bestimmten, aber längst nicht zu allen Zwecken, ein "Witz" ist es schon gar nicht. Ich jedenfalls habe am Objektiv und an den damit erzielten Resultaten große Freude.
 
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"Unbrauchbar" ist es vielleicht zu bestimmten, aber längst nicht zu allen Zwecken, ein "Witz" ist es schon gar nicht. Ich jedenfalls habe am Objektiv und an den damit erzielten Resultaten jedenfalls große Freude.

Hm, also Spezialobjektiv für spezielle Anwendungen zu einem speziellen Preis.
Da sind sich das Otus und das Nikkor 58 1.4 ja recht ähnlich. Ich denke, ich bevorzuge das Sigma 50 Art, das nicht ganz so speziell ist, für meine allgemeineren Anwendungen zu einem nicht ganz so speziellen Preis.:up:
 
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