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Die Luft in Neukölln ist anders.
Und Ansichten, die Du in NordOstWestfalen einmal im Jahr hast, hast Du in Neukölln gleich dreimal, wenn Du Dich 5sek. um die eigene Achse drehst.
Berlin ist aufregend, aber auch so bunt, dass es schon anstrengend ist, wenn man längere Zeit nicht mehr dort war. Neukölln ist dann noch die Steigerung der Eindrücke.
Das DSLR (besser "Kamera") vs. Smartphone - Problem habe ich hier schon mehrfach zur Sprache gebracht und bin nur auf sehr geringe Resonanz getroffen.
Genau Dein Problem habe ich ständig, wenn ich mit der Ausrüstung unterwegs bin. "Für wen machen Sie die Fotos?" werde ich gefragt, wenn ich in einer Oldtimerhalle (Schuppen 1 Bremen) mit Stativ alte Autos fotografiere. Bei "für mich privat" bekommt man ob der professionellen Ausrüstung auch noch komische, ungläubige Blicke zugeworfen. "Dürfen Sie das?" ist auch ein immer wieder gern gehörter Satz - "Ja, das darf ich, weil ich auf öffentlichem Grund stehe." die kurze und klare Antwort. Egal ob auf der Straße oder ob ich eine Blume oder Biene in einem fremden Vorgarten ablichte. Einfach mal Kontra geben, diesen schrecklichen Paparazzos, nicht dass der nur fotografiert, wie er am besten bei uns einbrechen kann ... !? Genau das würde ich mit einem Smartphone machen ...
Ich weiß nicht, was in den Köpfen der Leute heute vorgeht, alle haben Angst, ihre Daten zu zeigen (kaum einer steht mehr im Telefonbuch) oder zufälligerweise auf einem Foto zu landen. Alle haben Angst, die Medien schüren sie. Keiner will in sozialen Netzwerken gesehen werden - außer auf der eigenen Faselbuchseite, die offen steht wie ein Scheunentor.
Ich mache trotzdem weiter! Denn es gibt auch viele positive Beispiele, die darf man nicht aus den Augen lassen. Interessierte, gesprächsbereite, nette Zeitgenossen. Wenn ich fotografieren gehe, speziell Street, dann nur mit der richtigen und ruhigen Grundstimmung,. Brennweite bei Street maximal 75mm (50mm f1.4 an D500), eher 50mm. Wenn dann jemand fragt, zeige ich das Foto oder lösche es, wenn gewünscht (NEIN, ich stelle es hinterher nicht wieder her ... ). Alternativ nehme ich auch gern einen Kameraoldtimer mit s/w-Film für Street mit, wenn dann jemand fragt, bekommt er das Angebot, in 2-3 Wochen das Foto per E-Mail zu bekommen. Dann ist auch die Angst der Fotografierten auf einmal gar nicht mehr groß.
Wie vieles andere ist auch das Fotografieren allgemein und speziell auf der Straße nicht einfacher geworden. Kopf hoch und durch!
Zum Thema "Dürfen Sie das?" habe ich eine aktuelle Story: Ich mache nebenbei etwas Hobbymusik, bin Sänger in einer Rockband, nichts kommerzielles, hier muß ich eher noch Geld mitbringen, weil nur wenige unsere radio- und tanzuntauglichen Eigenkompositionen hören wollen. Unser Gitarrist ist Rechtsanwalt. Der Mann hat bspw. noch nie etwas von der "Panoramafreiheit" gehört. Gewiß kann sich kein Jurist in allen Rechtsgebieten auskennen, keine Frage, aber als ich ihm als Beispiel erläuterte, daß ich sein privates Wohnhaus von der Straße aus fotografieren und das Foto sogar verkaufen dürfte, wurde er ziemlich heftig, das könne nicht sein, das sei doch sein Haus, er müsse zumindest sein Einverständnis geben, evtl. auch am Gewinn beteiligt werden undsoweiter undsofort. Ich denke, ich werde ihm zur nächsten Bandprobe mal die schriftliche Rechtsgrundlage mitbringen ;-).
Das Smartphone ist in vielerlei Hinsicht Fluch und Segen zugleich, ich würde, wenn ich nicht muß, auf meines zwar nicht mehr verzichten wollen, doch speziell in fotografischer Hinsicht ist das Gerät überhaupt kein Thema für mich. Wenn ich keinen Sucher habe kann ich keine gescheiten Fotos machen, ganz einfach. Von allen anderen Unbilden der Smartphone-Kameras mal ganz abgesehen.
Doch wehe, ich argumentiere gegenüber Smartphone-Jüngern, was Smartphones - als Kameraersatz - noch immer nicht können, dann kriege ich von diesen blindwütig Technikgläubigen vor den Latz geknallt, daß es bloß eine Frage der Zeit sei, bis Smartphones auch hinsichtlich Fotografie ALLES BESSER KÖNNEN als jede jetzige und künftige Kamera im klassischen Sinne. In solchen Diskussionen erzähle ich dann gern mal, daß ich auch noch recht häufig analog fotografiere, und wo man denn dann bei den zukünftigen Super-Foto-Smartphones den Film einlegt. Mitleidiges Lächeln, Kopfschütteln, mir könne man nicht helfen, Neanderthaler, Dinosaurier u. v. m. kommt dann als Antwort/Reaktion. Eigentlich müßte ich in solchen Situationen noch viel schlagfertiger sein, aber das fällt einem meist erst hinterher ein. Zum Beispiel, warum die Fotografen am Spielfeldrand und in der Pressekonferenz sich die Schlepperei nicht sparen und ihre Fotos stattdessen mit Smartphones machen ;-).
Fazit: Weitermachen und nicht beirren lassen, insofern entspricht das Deinem "Kopf hoch und durch!", wofür ich Dir danke.
Die obigen Fotos sind schon älter (2012). Vielleicht würden sich die abgebildeten heute gar nicht mehr selbst erkennen. Sie sind in der Berliner Innenstadt entstanden. Ich hatte nicht das Gefühl, dass irgendjemand zu diesem Zeitpunkt sich an einem fotografierenden Typen gestört hätte. Die längere Brennweite habe ich damals ganz bewusst eingesetzt, um die Personen besser freistellen zu können und die hektische Stadtumgebung in der Unschärfe versinken zu lassen. Das geht natürlich nicht immer. Manchmal muss es eine kürzere Brennweite sein, wenn die Umgebung ein wichtiger Teil der Szene ist.
Vielleicht muss man bei Streefotografie die Bilder einfach eine gewisse Zeit ruhen lassen.
In Berlin sind so viele 'Touristen unterwegs, dass das eher geht. Ansonsten empfehle ich statt DSLR eine kompakte Kleinknipse. Selbst komme ich zu wenig dazu.
Die Sony RX 100 ist dafür neben anderen gut geeignet:
Dank Klappdisplay kann man aus der Bauchperspektive knipsen, als wenn man sich Fotos anschauen würde.
Das ist eigentlich keine Streetfotografie, das ist schießen aus dem Hinterhalt. Das mache ich grundsätzlich nicht (gaaanz wenige Ausnahmen).
Wenn ich mit meiner DSLR als Fotografierender erkennbar bin, hat jeder, der denkt, er sei fotografiert worden, die Möglichkeit und das Recht zu sehen, was ich da auf den Chip gebannt habe. Und wenn es nicht gefällt, wird gelöscht - sofort. Wir haben in Deutschland Rechte zu beachten, Persönlichkeitsrecht etc., stehen irgendwo auch in Gesetzbüchern drin und wurden zu Zeiten von DSGVO usw. auch umfangreich im nff diskutiert. Seither fotografiere ich mit offenem Visier, mit allem Positivem und Negativem. Mache ich mit meiner kleinen Fuji X20 aber nicht anders.
Dann habe ich auch ein besseres Gefühl, wenn ich gute Fotos veröffentliche, ob hier oder auf meiner HP.
VG Holger
Mir ist die Grenze der Persönlichkeitsrechte nicht ganz klar. Ist das Foto zur Veröffentlichung OK? Gesichter kann man keine sehen und der Junge hat einen Daumen nach oben signalisiert (was natürlich kein schriftlicher Vertrag ist). Wie auch immer, ich fand die Stimmung super.
...ist ja niemand richtig darauf zu erkennen. Daher m.E. ok.
Habe übrigens eine ganz ähnliche Situation veröffentlicht: Personen nur von hinten gezeigt
Vielleicht muss man Streetfotos liegen lassen wie guten Wein. Die Fotos werden vielleicht nicht besser, aber die Abgebildeten erkennen sich selbst nicht mehr.
VG Holger
...der kleine Junge hatte gar kein Geld in das Münzfernrohr eingeworfen, spielte aber mit Inbrunst "in die Ferne sehen"
...mit dem inneren Auge sieht man mehr
das sind aber eher keine Fensterputzer, würde bei der Lage der Fenster so auch keinen Sinn ergeben
Ich vermute die nehmen Ausbesserungen an den Geländern, bzw. deren Halterungen vor.