Deine Antwort in Beitrag 315 habe ich zum Anlaß genommen, nochmals Kalibrierversuche zu machen mit dem Ergebnis, daß ich mit der Wide Gamut-Kal. für IPS-Panels das beste Ergebnis erzielt habe (da das 24" -Cinema Display ja ein IPS ist).
Hm, ein IPS ist es, aber ist es auch Wide Gamut? Davon habe ich noch nichts gehört und habe daher Zweifel (aber wissen tu ich es nicht).
Es wäre jedenfalls ein großer Irrtum, verschiedene Voreinstellungen à la
wide /
nicht wide bei Kalibration und Validation durchzuprobieren, die Validationsergebnisse zu vergleichen und den Schluss zu ziehen, dass das beste Validationsergebnis bedeutet, dass es sich hier um die korrekte Voreinstellung handelt.
Denn die Validation findet ja mit denselben Einstellungen statt wie die Kalibration und kann also nur die
interne Konsistenz der Kalibration messen. Ob die eingangs gemachten Angaben wie
wide /
nicht wide korrekt sind, darüber sagt das gar nichts aus, sondern setzt es im Gegenteil voraus. Mach mal folgendes Gedankenexperiment: Nimm an, es gäbe eine Displaytechnologie, die aufgrund einer merkwürdigen Interaktion mit den Filtern in Kolorimetern dazu führt, dass die Kolorimeter fälschlicherweise einen Rotstich messen. Dann müsste es in der Messsoftware eine Einstellung für Displays mit dieser Technologie geben, bei der die Software den gemessenen Rotanteil rechnerisch reduziert. Mit dieser Einstellung würden solche Displays dann korrekt kalibriert werden, herkömmliche Displays würden bei dieser Einstellung aber natürlich einen starken Stich ins Türkise (die Komplementärfarbe) aufweisen und völlig unbrauchbar sein.
Es
könnte aber völlig unabhängig davon der Fall sein, dass ein mit dieser falschen Spezialeinstellung kalibriertes (und farblich völlig unbrauchbares) herkömmliches Display sehr gut validiert, wenn die Validation ebenfalls mit dieser falschen Voreinstellung vorgenommen wird – eben, weil Kalibration und Validation
in sich konsistent sind.
Anders gesagt: eine Validation kann nur zu korrekten Angaben führen, wenn die Voreinstellungen korrekt sind – z.B. eben der
tatsächliche Display-Typ. Du kannst Dir daher nicht "aussuchen", ob Du
Wide Gamut wählst oder nicht, sondern musst
vor der Messung wissen, ob Dein Display diese Technologie verwendet oder nicht.
Ist das nicht bekannt, liesse sich die korrekte Wahl nur mit einem Spektralphotometer feststellen, das im Gegensatz zu Kolorimetern keine Filter für die verschiedenen Displaytypen braucht, da es ja den genauen (absoluten) Spektralverlauf der Farben misst.
Leider sind die Bilder unleserlich klein.
Ist das Ergebnis so einsetzbar?
Aber selbst, wenn ich sie lesen könnte – das Ergebnis sagt nichts aus, solange nicht klar ist, ob Dein Display ein Wide-Gamut-Display ist oder nicht und ob also Deine Voreinstellungen korrekt sind.
Wie ändern sich denn die Farben auf Deinem Bildschirm, wenn Du von einem "normalen" auf ein Wide-Gamut-Profil umschaltest? (Vorsicht, problemlos funktioniert diese Umschaltung erst ab Snow Leopard!) Wird das Bild dann deutlich stärker Magenta-farben? Falls ja, dann probiere folgendes: Wenn Du auf Wide Gamut 5800 K kalibrierst und bei dem schattigen Tageslicht, das wir in diesem tollen Mai im Moment so haben, das Bildschirm-Weiß mit dem Weiß eines von schattigem Tageslicht beschienenen Blattes Papier vergleichst, hat dann der Bildschirm einen klaren Magenta-Stich? Falls ja, ist Deine Voreinstellung auf Wide Gamut definitiv falsch.
Übrigens funktionierte ein erstelltes Lut-Profil fast genauso gut.
Solange Du nicht mit antiker Adobe-Software kämpfen musst, die damit nicht zurecht kommt, solltest Du normalerweise immer Lut-Profile nehmen, weil die die Bildschirm-Macken viel detaillierter korrigieren können.
Mal zum Schluß nur so eine Idee: Könnte man prinzipiell ein externes Modul zwischen Rechner und Monitor schalten, der vom Rechner aus gesehen einen Hardware-kalibrierbaren Monitor darstellt?
Wie sollte das gehen? Solange dieses Modul nicht mit einer Spezialschnittstelle mit mehr als 8 Bit pro Farbe mit dem Monitor verbunden ist (und so eine Schnittstelle hat ein handelsüblicher Monitor ja eben gerade nicht), ändert sich an dem Problem der geringen Datenbreite von 8 Bit pro Farbe zum Monitor, mit dem die Softwarekalibration zu kämpfen hat, doch überhaupt nichts. Und übrigens, aus Sicht der Computer-Hauptplatine ist die Grafikkarte ja in gewisser Weise genau so ein "externes Modul". Um die Qualität eines hardwarekalibrierten Monitors zu erreichen, darf es
nach dem Modul, das die Farbanpassungen vornimmt, aber nirgendwo mehr ein "8-Bit-Nadelöhr" geben.
Die Lösung, die Hardwarekalibration weitgehend überflüssig machen würde, wäre eine 10-Bit-Schnittstellen-Norm zwischen Grafikkarte und Monitor. Da ist eine Hardwarekalibration dann doch entschieden weniger aufwändig.
Tschau
Uli