Hallo,
ich kann Dir inzwischen einen Erfahrungsbericht zum
Sigma 2.8/24-60 mm EX geben. Zuende getestet habe ich es zwar noch nicht, aber die Erkenntnisse reichen aus, um dieses Objektiv definitiv NICHT zu empfehlen, obwohl es auf den ersten Blick durchaus positive Eigenschaften hat.
Vorab: ich habe die Optik bisher nur an meiner Nikon D200 getestet. Alle Aussagen gelten also für digitale Bilder im DX-Format.
Zuerst das Positive:
1. Das Ding ist sehr scharf. An Schärfe und Auflösung gibt es wirklich nichts zu meckern.
2. Die Verzeichnung ist sehr gering.
3. Zum Lieferumfang gehören eine sehr gut gemachte Tasche und die Gegenlichblende. Die Gegenlichblende lässt sich gut auf- und absetzen und zum Transport auch verkehrt herum montieren.
4. Das Objektiv hat einen Blendenring.
5. Die Verarbeitung wirkt solide, das Objektiv macht einen robusten Eindruck.
6. Der Brennweitenbereich (an DX vom leichten Weitwinkel bis zum Portraittele) ist sehr praxisgerecht.
Und nun das Negative:
1. Die Steigung der Spindel für die Entfernungseinstellung ist extrem steil. Selbst bei geduldigem manuellem Fokussieren auf statische Objekte, mit KatzEyeScheibe, ist es schwierig, die exakte Schärfenebene zu treffen. Außerdem verstellt sich die Spindel sofort, sobald man die Kamera vom Auge nimmt.
2. Auch im AF-Betrieb fällt es schwer, die Schärfe exakt auf die gewünschte Ebene zu legen. Grund dürfte neben der steilen Spindelsteigung das unvermeidliche Spiel im Stangenantrieb sein. Es ist ratsam, das Objektiv abgeblendet einzusetzen.
3. Der Blendenring lässt sich an der D200 schlecht greifen.
4. Das aus meiner Sicht größte Problem dieses Objektivs: die Farbwiedergabe. Zunächst gefallen die im Vergleich zu Nikon-Orginalobjektiven etwas wärmeren Farben. Aber: das Objektiv bringt nicht die Farbtiefe, den Kontrast und die Farbdifferenzierung eines echten Nikkors. Die Bilder wirken bestenfalls bonbonfarben, schlimmstenfalls verwaschen. In jedem Fall aber irgendwie "flach".
5. Die Optik ist sehr empfindlich gegen Streulicht. Bei Gegenlicht genügt die Gegenlichblende nicht, die Frontlinse muss zusätzlich von Hand abgeschattet werden.
Fazit: für Erinnerungsfotos durchaus brauchbar, für ernsthafte Fotografie nimmt man besser andere Optiken. Über die Gründe für die Mängel kann ich nur spekulieren: im Vergleich zu Nikon-Orginalobjektiven wohl billigere Glassorten, wesentlich schlechtere Vergütung und eine billige Spindelmechanik.
Auffällig sind die Parallelen zu dem zweiten Sigma-EX-Objektiv aus meiner Sammlung, einem 2.8/14 mm EX HSM. Hier gibt es dank HSM keine Probleme mit der Entfernungseinstellung, die Schärfe ist sehr gut, dafür ist die Verzeichnung sehr auffällig. Vor allem aber treten bezüglich Farbwiedergabe und Empfindlichkeit gegen Streulicht exakt dieselben Probleme auf wie beim 2.8/24-60. Ich gehe daher davon aus, dass diese Probleme Sigma-typisch sind und sich aus der Konstruktionsphilosophie dieser Firma ergeben.
Fazit: Forget about Sigma - Nikon or nothing !!!
Grüßle
Uwe