NF-Rezension Rezension: Kreative Modelfotografie von Jamari Lior

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Virgil Kane

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Über die Autorin:

„Jamari Lior stand zunächst selbst bei zahlreichen Shootings als Model vor der Kamera und wechselte dann die Perspektive. Als promovierte Medienethnologin betrachtet sie die theoretische Seite der Fotografie, als freiberufliche Fotografin beherrscht sie die praktisch-gestalterische Seite der inszenierten Menschenfotografie.

Sie unterrichtet medienbezogene Themen an verschiedenen Institutionen und ist Redakteurin eines bekannten Fotomagazins. Sie hat die Bücher »Modelfotograf werden« und »Besondere Techniken der Modelfotografie« sowie die DVD »Praxistraining Fotografie: Posing« veröffentlicht. Beim dpunkt.verlag ist sie Autorin des Buchs »Inszenierte Peoplefotografie«.“ (Quelle Verlagswebsite)


Dem gegenüber ein - seltsames - Zitat der Autorin aus dem Buch:
„Ein gutes Shooting ist ein Shooting, das vorüber ist. Es hat immerhin stattgefunden“

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Zur Rezension.

Das Buch kommt in gewohnt ausgezeichneter dpunkt-Verlagsqualität über den Ladentisch. Aufgeräumtes Layout, hochwertiger Druck, angenehmes Papier und eine Bindung, die neben dem robusten Hardcover auch auf ein Lesebändchen nicht verzichtet.

Inhaltlich gliedert sich das Werk in die Bereiche:

  • Vorwort
  • Model
  • Technik
  • Kostüm / Make-Up
  • Requisiten
  • Locations
  • Mehr draus machen
  • Final Inspirations

Schon beim Lesen des Vorwortes kommen die ersten Zweifel. Dort wird der Low-Budget-Gedanke erstmals visualisiert. Einem Foto, das während eines teuren Shootings auf Korsika entstanden ist wird das Low-Budget-Foto eines Models am nachbarlichen Pool als gleichwertig gegenübergestellt. Ein netter Versuch, allein, er funktioniert nicht. Das teurere Foto ist um jeden Cent mehr besser…

Wer sich bis dahin nicht abschrecken lässt und tapfer weiter blättert, gelangt nun zu den einzelnen oben aufgeführten Kapiteln. Sie sind durchgehend im Fließtext betextet, begleitet von zahlreichen erläuternden Bildbeispielen und einigen blauen Kästen mit ergänzenden Infos zum Beispiel zu Stoffarten, Schminktipps, Auflistungen von Dingen, die man schon bei der Aufnahme beachten sollte und solche, die man nachher per Photoshop berichtigen kann. Diese Info-Boxen sind es auch, auf die man sich nach einiger Zeit des Lesens konzentriert. Der Fließtext ist für das was er inhaltlich bietet einfach zu umfangreich.

Was sind nun Jamari Liors Low-Budget-Lösungen für das Modelshooting?
Eine willkürliche Auswahl daraus:

  • Besorgt euch alte Schaufensterpuppen statt teurer Models, um Licht und Schatten zu üben
  • Besprecht genau die Nutzungsrechte, wenn ihr kostenlos eure Freunde oder die hübsche Nachbarin fotografiert
  • Baustrahler sind preiswerte Lichtquellen, achtet dabei auf den Weißabgleich
  • Backpapier hält hohe Temperaturen aus und kann als Lichtstreuer vor dem Scheinwerfer dienen
  • Bild-Hintergründe gibt es bei Wikimedia, um das Shooting nachträglich aufzupeppen
  • Tortenböden aus Papier wirken wie teure Spitzen-Kragen
  • Hinten weit ausgeschnittene Kleider können auch mal verkehrt herum angezogen werden
  • Habt immer einen Satz beigefarbene neue Damenunterwäsche parat, falls die Wäsche des Models durch das Kleid durchscheint
  • Sorgt für eine Wohlfühlatmosphäre z.B. durch geeignete Musik im Studio
und…und…und

Zugegeben: der ein oder andere Tipp ist durchaus nützlich.


Die Abbildungen im Buch sollen das gerade besprochene Thema ergänzend veranschaulichen. Leider verzichtet die Autorin darauf, technische Daten dazu zu liefern. Keine Belichtungsdaten, keine Angaben zu Kamera und Objektiv, keine Making-of-Skizzen, die beispielsweise den Lichtaufbau oder die Kameraposition in Relation zum Model zeigen. Je weiter man sich durch das Buch kämpft, desto mehr hat man das Gefühl, hier schreibt jemand, der sehr große Erfahrung in der Modelfotografie besitzt, der es aber vorzieht, ein wenig mit seinem Können anzugeben, anstatt sein Wissen wirklich zu vermitteln. Ein aktuelles Modemagazin würde genauso dafür taugen, Ideen für Foto-Motive zu bekommen.


Für wen ist dieses Buch geeignet?
Für alle, die ihre Erwartungen am Untertitel festmachen: Low-Budget-Lösungen werden in der Tat beschrieben. Wer darauf Wert legt, sollte schon mal den Weg zum Baumarkt einplanen. Wer mehr erwartet, wer drauf aus ist, zu erfahren, wie man Models beispielsweise anhand schrittweiser Erklärungen in Wort und Bild ins rechte Licht rückt, sollte zu einem anderen Ratgeber greifen. Erste Eindrücke können bei der Entscheidung sicher helfen, wie sicher auch dieses Video:




Fazit:
Kreative Modelfotografie von Jamari Lior hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Ist der ein oder andere Low-Budget-Tipp durchaus interessant, so ist der didaktische Aufbau der Kapitel doch sehr dürftig und der Nutzen für den Leser eher gering. Mehr Making-of und weniger Text würden dem Buch gut tun.

3 Sterne

Die Daten
Jamari Lior. Kreative Modelfotografie: Originelle Low-Budget-Lösungen für drinnen und draußen erschien am 23. Juni 2016 im dpunkt.verlag. 320 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband. Auch als E-Book erhältlich.
ISBN: 978-3-86490-300-7
Preis: 34,90 Euro (D) | E-Book 27,99 Euro

Bewertung:
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ISBN: 3864903475

 
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