Vergessen wir doch mal den Titel…
Ich mag Portraitserien und ich mag es, wenn sie - bei aller Individualität der Abgebildeten - irgendwo einen roten Faden haben. Den sehe ich bei dieser Serie hier in der einheitlichen Inszenierung, Lichtführung und Farbgebung. Auch die frontale Ausrichtung und der direkte Blickkontakt sind ganz eindeutig bewusst gewählt, ebenso die etwas düstere Anmutung durch Teilentsättigung und tiefe Schatten.
Ich finde die Serie insgesamt gut.
Die völlig neutrale Kameraposition und der frontale, direkte Blick ins Auge des Betrachters lassen diesem wesentlich mehr Spielraum bei der Findung des eigenen "Bildes", das man sich von den Personen macht, wenn man sich eine Weile mit dem Foto beschäftigt. Die vollkommen "neutrale" Mimik wirkt auf uns nur deshalb "düster", "schwermütig", "traurig" oder sonstwie "negativ", weil wir es gewohnt sind, dass Menschen gerne möglichst freundlich, positiv, fröhlich ("charmant") dargestellt werden (wollen). Ich würde fast behaupten wollen, dass die Regie hier äußerst zurückhaltend war, dass den abgebildeten Personen gesagt wurde "nicht lächeln, schau mal ganz normal…". Dieser Ansatz gefällt mir.
Mit der etwas düsteren Beleuchtung wird natürlich von Seiten des Fotografen ein gewisser Einfluss auf den Betrachter ausgeübt (deshalb tun sich einige mMn. etwas schwer mit dem Bergriff "ehrlich"), wobei ich mir nicht sicher bin, ob dieser in der Form wirklich vom Fotografen gewollt war. Möglicherweise wollte er auch einfach nur mit dem Verlassen der klassischen Portraitbeleuchtung zeigen, dass es eben "andere" Portraits sind, als man gemeinhin gewohnt ist. Ich finde das im Prinzip völlig legitim (es geht ja hier nicht um - übertrieben gesagt - biometrische Passbilder, sondern um die Reduzierung auf das Wesentliche, nämlich den abgebildeten Menschen), aber ich bin der Meinung, dass hier beim Licht zum Teil ein wenig über das Ziel hinausgeschossen wurde – eben weil das Licht selbst zum Darsteller wird. Ich glaube, es hätte mir besser gefallen, wenn das etwas zurückhaltender gehandhabt worden wäre.
Der Einheitlichkeit und dem Seriencharakter hätte es auch gedient, wenn die Kameraposition wirklich immer identisch (z.B. auf Augenhöhe) wäre. Die leichten Unterschiede die man sieht, nehmen der Serie ein wenig von ihrer Stringenz, ihrer Kosequenz. Und sind zudem im Hinblick auf die Gestaltung nicht sofort nachvollziehbar. Besonders auffällig ist das beim Bild in Beitrag #23 - hier führt die deutliche Aufsicht zu einem Übergewicht der hellen Stirnpartie, das noch dadurch verstärkt wird, dass es weder Haare noch Kopfbedeckung gibt.
Ich würde versuchen, mit dem Licht immer dann dezent zu variieren, wenn dadurch die Einheitlichkeit der Darstellung wieder hergestellt wird. So würden z.B. die Bilder in Beitrag #1 und Beitrag #23 nicht leiden, sondern gewinnen, wenn man die Lichtführung soweit verändert hätte, dass die dunkle Mütze und ihr Schatten bzw. die helle Stirn nicht so extrem in die Bildgestaltung eingreifen. Gerade bei solchen Serien kommt es mMn. sehr auf die Details an!
Ich freue mich auf weitere Bilder!