Mitmachthema Nicht perfekte Schnappschüsse, die ich nicht weggeworfen habe und sogar zur Diskussion stelle

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.
Heute auf dem Weg zur Arbeit fuhr ich hinter einem Pickup her, welcher folgende Aufschrift hatte:
"Es gibt wichtigeres im Leben als Angeln, nur was?"

Nun es gibt auch wichtigeres im Leben als Fotografieren oder sich in einem oder mehreren Foren zu tummeln. Und ja, Albert, mir hat es hier auch zu viel "technisches", aber irgendwie verstehe ich es auch. Wenn früher zwischen der Produktion von neuen Kameras oder Objektiven Jahre vergingen, wird man heute fast im Wochentakt mit Neuheiten bombardiert.

Nun würde ich eigentlich gerne ein Bild einstellen hier. Aber bei meiner Art zu fotografieren "schnappe ich nicht oft beim Schiessen" also entstehen auch wenig Schnappschüsse. Und in der Regel sind die Fotos dann grottenschlecht, so dass sie dann auch nicht ins Forum kommen ....

In diesem Sinne.....
 
Kommentar
Anzeigen
Ok.
Wenn keiner will, dann ich:



Ein Schnappschuss, der relativ typisch ist für meine Art zu fotografieren:
Motiv gesehen, draufgehalten, ausgelöst. Viel Zeit zum "Komponieren" bleib da nicht.

Im Nachhinein gesehen: Lichter ausgefranst, teilweise unscharf ( nicht nur in den Bewegungen)und zumindest ein "störendes Element" nämlich die Fototasche, die auch durch Beschnitt nicht zu elemenieren ist.
Einzige Bearbeitung; Leicht nachgeschärft und das Bild der Farbe beraubt, weil so die Kontraste besser rauskommen und der störende rote Turnschuh im Hintergrund verschwindet.​
 
Kommentar
Dann starten wir mal mit dem Kommentieren:

Vorab, beide Bilder (Marktszene und liegender Fotograf) wären bei mir in die digitale Rundablage gewandert.

Zu diesem Bild:
"Street" zur Mittagszeit - da lässt sich nicht die letzte technische Perfektion erreichen,
das wäre für mich auch bei so einer Aufnahme kein Problem.

Der am Boden liegende Fotograf gibt zwar alles, aber wir (Betrachter) wissen nicht warum.
Das Fotomotiv des Fotografens ist nicht zu sehen, der Ausschnitt gibt nicht die Gesamtszene wieder
und somit hat das Foto (für mich) keine Aussage und sollte keinen Speicherplatz blockieren.
 
Kommentar
Moin zusammen,

die Basis dieses Threads war ja der etwas verunglückte Thread 'Technische Perfektion oder Fotos?‘, der eventuell besser
wie folgt tituliert worden wäre: 'Technisch perfekte Fotos oder Bilder?‘

Mag vielleicht Haarspalterei sein, aber ich glaube dieser Titel hätte die Fragestellung besser getroffen.

Ich sehe mir sehr gerne Fotos hier, auf Flickr, auf 500px oder sonst wo an. Manch treffe ich dabei auf Fotografen,
die sich einen Dreck um technische Perfektion oder optimale Bildgestaltung kümmern, aber trotzdem Bilder liefern,
die mich irgendwie berühren.
Da sind auch Fotos von sehr jungen Fotografinnen und Fotografen, die sowas von unperfekt sind, aber eine wahnsinnige
unverbrauchte Frische haben. Da würde jede Aufforderung das Foto besser auszurichten oder an den Farben zu schrauben
und den Beschnitt ändern das Bild zerstören.

Auf 500px habe ich lange die Bilder einer nicht mehr ganz jungen Dame verfolgt, die ihre DSLR wohl auf alles gerichtet hat,
was ihr interessant und zeigenswert erschien. Eigentlich könnte man die Fotos durchweg als schlecht bezeichnen, aber alle
hatten irgendwie einen besonderen Charme.

Also so gesehen, find ich die Ausgangsfrage nicht schlecht, den nicht alles was unperfekt ist, ist automatisch Müll.

Grüße aus HB

Heiner
 
Kommentar
Heute auf dem Weg zur Arbeit fuhr ich hinter einem Pickup her, welcher folgende Aufschrift hatte:
"Es gibt wichtigeres im Leben als Angeln, nur was?"



Was dem einen seine Angel, ist dem anderen seine Angela …



.


Und nun zu Martin @schwyps sein Fotografenbild:

Die Tasche ist ein wichtiges Bildelement, weil sie
a) die wichtigste Bildachse betont
b) leeren, langweiligen Raum füllt

Ohne den Kontext der Situation zu kennen, habe
ich sofort an Up-Skirting (dt. unter'n Rock knipsen)
gedacht, was justiziabel ist bzw. werden soll.

Für entsprechende Berichte ist das ein passendes
Bild (sofern noch sw genommen wird), auch weil
der dargestellte Fotograf nicht identifizierbar ist.




.
 
Kommentar
Mein Senf (trotz origineller Stituation des Forografen ein Tritt in die Tonne):
  • Die "störende" Tasche könnte man relativ einfach entfernen, nur was bleibt dann noch übrig? Die Tasche erfüllt in diesem Bild tatsächlich noch eine Funktion, ist schon eine Aussage.
  • Die Wadeln samt Schuhen im Hintergrund stören mich mehr. Und die sind nur relativ aufwändig zu beseitigen. Das wäre das Bild mir nicht wert, aber es würde es in seiner Erzählung nicht verändern.
  • Aber, Don Martin würde sagen "Jetzt kommt's!", der Fotograf schmeißt sich voll rein. Warum? UND er hat nicht mal die Blickrichtung frei, wenn schon sein Objekt der Begierde nicht sichtbar ist. Die schlechte Raumverteilung ist es, was mich am meisten stört.
Da sind noch andere, von dir aber kaum beeinflussbare Punkte:
  • Mit dem Licht vor Ort musst du leben, das finde ich in diesem Fall auch nicht so schlimm. Bis zu eine mobile Blitzanlage aufgebaut hättest...
  • Dass bei vielen Motiven keine Zeit für gefällige Arrangements ist, verstehe (und akzeptiere) ich auch.
 
Kommentar
... Viel Zeit zum "Komponieren" bleib da nicht.

Erklär doch mal, was Dich dazu bewogen hat das Bild nicht zu verwerfen...

Mich persönlich stört hier, dass das Foto durch das unruhige Motiv dem Auge keinen Haltepunkt, keine Führung bietet.
Es springt zwischen den Lichtpunkten, den Füßen, der Tasche und dem Fotografen.
Ich glaube, ich hätte so gar nicht abgedrückt...
Ein anderer Standpunkt und/oder Augenblick hätte hier womöglich vieles geändert bzw. verbessert - das ist der Hauptunterschied zur Marktszene...
 
Kommentar
Erklär doch mal, was Dich dazu bewogen hat das Bild nicht zu verwerfen...

Das Bild ist ein absolutes Zufallsprodukt, bei dem ich auch keine Zeit gehabt hätte, grossartig den Standpunkt zu ändern.
Es ist Teil einer Bilderserie anlässlich einer Musik-Veranstaltung (48 Stunden Wihelmsburg), bei der die Zuhörer sich von ein Spielort zum anderen bewegen.
Der Fotograf lag keine dreissig Sekunden so und hat wohl aus dieser Perspektive das vorbeilaufende Publikum unter einem witzigen Ladenschild darüber fotografiert, welches ich aus meiner Perspektive möglicherweise mit aufs Bild bekommen hätte, aber nur so, dass man es nicht hätte lesen können.
Deshalb habe ich mich in dem Momet nur auf den Fotografen konzentriert mit der Intention, auf unkonventionelle Art die Bewegung des Publikums zu visualisieren. Würde ich es heute nochmal machen, hätte ich den Fotografen wohlmöglich mehr an den linken Bildrand gerückt und auch den Ausschnitt nach oben weiter gewählt.
Insofern gehören die Waden schon zum Motiv. (Wobei mir natürlich klar ist, dass das Bild für sich alleine genommen keine Glanzleistung ist)
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar
Heiner, Du bringst gerade auf den Punkt, was im vorigen Thema Diskussionsgrundlage sein sollte. Leider haben das einige nicht verstanden.

Bettina, ich wollte es schon im vorherigen Thread sagen, aber dann ist das Ding so abgedriftet,
dass ich liebe die Klappe gehalte habe.

Grüße aus HB
Heiner
 
Kommentar

Ich finde das Bild sehr lebendig. Sieht so aus, als wollte der Fotograf im Bild keine Zeit verlieren,
um einen guen Schuss zu landen ... Tasche weg und los.

Wäre cool, wenn man jetzt auch noch ehen könnte, was der junge Mann eingefangen hat.
 
Kommentar
Ich finde das Motiv nicht schlecht. Es gibt hier einen Thread, der sich "Fotografierte Fotografen" oder so ähnlich nennt. Da war meiner Erinnerung nach Bedingung, dass das Motiv des fotografierenden Fotografen ebenfalls zu sehen sein soll. Das hätte mMn das Bild deutlich aufgewertet.

Ich frage mich häufig, warum mich einige BIlder ansprechen und andere nicht. Geht wahrscheinlich jedem ernsthaften Fotografen so. Hier komme ich zu dem Ergebnis, dass mir das Bild zu wirr ist und die Konzentration auf den Fotografen schwer fällt. Das liegt zum einen an den willkürlichen Beinen im Hintergrund, zum anderen an der Bildaufteilung. Dort wo das Bild am klarsten/ruhigsten/konzentriertesten sein soll, sehe ich nur Wirrwarr.

FAzit: Das Bild transportiert eine Idee, aber es fesselt mich nicht.
 
Kommentar
Meine spontanen Eindrücke der Streetszene:
  • Ein lohnendes Motiv gut gesehen, aufgrund der beschriebenen Umstände konnte kein Knallerbild draus werden. Wer das sofort im Moment erkennen kann, hätte nicht ausgelöst - ich hätte es wohl auch mitgenommen, um zu sehen, ob in der Bearbeitung noch was draus werden kann.
  • Die Umwandlung in s/w ist aus den genannten Gründen eine gute Idee
  • Die Fototasche ist ein wichtiges Element (siehe @jazzmasterphoto ). Der Gurt sollte daher bitte nicht angeschnitten werden.
  • Gerade, dass das Motiv des Fotografen nicht erkennbar ist, macht das Bild interessant. Das Kopfkino beim Betrachter ergibt dann aber ziemlich sicher nicht die tatsächliche Situation. Kommt also drauf an, was die Bildidee war: die Situation wiedergeben oder beim Betrachter etwas eigenes auslösen?
  • Auf den Up-Skirting-Gedanken wäre ich allerdings nicht gekommen, weil mir dafür die Kamera zu hoch gehalten wird. Müsste schon eine Riesin mit Minirock vorbeilaufen
  • Unruhiges Motiv, Bewegung und Lichtpunkte: ja, stimmt. Aber dadurch ist auch Bewegung drin. Halt keine zielgerichtete. Auch hier wieder die Frage der Intention: "Was soll das Bild mir sagen?" Soll mein Blick erst ein bisschen herumirren, um dann (et)was zu entdecken?
Ich nehm mal Feiningers Kriterien zur Hilfe:
Vier Grundeigenschaften, über die ein gutes Bild verfügen sollte:
- Aufmerksamkeit erregen
– Absicht und Sinn offenbaren
– gefühlsmäßig wirken
– grafische Gestaltung besitzen

Mir fehlt da vor allem "Absicht und Sinn offenbaren" - und Elemente der grafischen Gestaltung sind definitiv vorhanden, insbesondere die Bildachse betreffend, aber mehr davon wäre wünschenswert, wenn auch vermutlich nicht umsetzbar gewesen.
 
Kommentar

Der Kontext ergibt sich leider nur im Zusammenhang der gesamten Bilderserie (wie oben geschrieben) und wäre für das Einzelbild sicher deutlicher gewesen, wenn ich den Ausschnitt anders gewählt hätte.
Aber was dran kleben geht ja leider nicht.
 
Kommentar
Danke Martin für die Einstellung des Bildes:

Im Club hatten wir über Jahre "Bildbesprechungen in 5 Phasen" geübt. Spannend und immer aufschlussreich. Dies beinhaltete folgende Punkte

1. Bildbeschreibung: Inventur im Bild (Teilnehmer)
2. Persönlicher Eindruck, Gestaltung, Technik, Persönliche Wertung (Teilnehmer)
3. Intention des Fotografen, tatsächliche Aufnahmesituation (Fotograf)
4. Positive und negative konstruktive Kritik (Teilnehmer)
5. Feedback zum Feedback: was nehme ich an, was nicht? (Fotograf)

Ich gehe, wenn erlaubt gehe ich jene Punkte durch, welche mich als "Teilnehmer" betreffen:

1. Bildbeschreibung
- Strasse, Gehsteig und rechts oben ein Schacht (?)
- Fotograf, liegend, Tasche links unten
- 6 Füsse und Beine mit Schuhen
- ein schwarzer Strich auf einer Gehsteigplatte
- Unrat (?) vor dem Schachtgitter
- Gras und einzelne Blätter am Boden
- Helle Flecken zwischen dunklen Stellen
- Bewegungsunschärfe
- Schatten (Tasche, Fotograf)

2. Persönlicher Eindruck, Gestaltung, Technik, Persönliche Wertung
- Eindruck: die Szene spricht mich an. Ich würde nie auf den Gehsteigrand liegen und von unten Passanten fotografieren....
- Gestaltung: Ich erkenne Diagonalen im Bild, von der Tasche links unten bis zum Schachtgitter. Ebenfalls eine Diagonale ergibt sich aus dem liegenden Fotograf: Beine zu Passanten.
Technik: schräg hinunter fotografiert, keine (direkten) Gesichter, s/w.
Persönliche Wertung: Als Gesamteindruck stimmig, ein gewisser Witz im Bild, es lädt ein zum Fantasieren.

4. Positive und negative konstruktive Kritik
Positiv: wie bereits erwähnt, eine für mich stimmige Szene, weil sie per se schon nicht alltäglich ist. Die angeschnittenen Beine stören nicht und es lädt zum Fantasieren ein. Die s/w Umsetzung gefällt mir.
Negativ: Der Hauptprotagonist ist mir zu mittig. Er schaut sozusagen ins "halbe Bild".

Gesamthaft ist es ein für mich gelungener Schnappschuss, welcher auch, wie vom Fotografen beschrieben, sehr gut zum "rasch hinschauen" und "flüchtigen" passt.
 
Kommentar
Ja, das ist schon klar. Aber was hast Du in dem Moment für eine Idee gehabt? Was war Deine Absicht?
 
Kommentar
Ja, das ist schon klar. Aber was hast Du in dem Moment für eine Idee gehabt? Was war Deine Absicht?
Zum einen fand ich die Situation witzig (ich würde mich genausowenig wie Sam auf de Bürgersteig werfen , um ein Bild zu machen) und zum anderen hatte ich die Idee, in der Bilderserie nicht nur die Musiker zu zeigen, sondern auch ein wenig "drumherum".
Da kam mir das Motiv gerade recht.


Das hab ich geliebt, auch wenn es zeitintensiv war!

Mit ein Grund, warum mir dieser Thread hier gerade richtig gut gefällt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar
-Anzeige-