Naturfoto-Reisebericht Indien

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.

lokatz

NF-Premium Mitglied
Premium
Registriert
Zweieinhalb Wochen war ich im April 2025 in Indien unterwegs, und das nur zur Naturfotografie. Naturfotografie? In Indien? Echt jetzt?

Ja, es mag zwar das bevölkerungsreichste der Welt sein, aber dank einiger kluger Entscheidungen, vor allem unter Indira Gandhi, hat das Land heute über 100 Nationalparks und zahlreiche andere Schutzgebiete. Wie so oft bei mir, ging es auch bei dieser Reise insbesondere um Vögel. Andere spannende Tiere habe ich aber auch erlebt. Ich hoffe, ihr findet meinen Bericht, den ich wieder mal über etliche Tage strecken werde, interessant! (Meine Frau findet übrigens aus einer Reihe von Gründen Indien zu anstrengend, daher war ich dieses Mal alleine unterwegs, während sie sich mit Freundinnen in Bayern vergnügte.)


Der Start war holprig. Eigentlich wollte ich einen Mietwagen nehmen und damit vom Flughafen in Delhi nach Sattal fahren, einem kleinen Ort in den südlichen Ausläufern des Himalaya, der für seinen Vogelreichtum bekannt ist.

full


Der Vermieter wollte mir aber, anders als vom deutschen Vermittler zugesagt, partout kein Auto geben, da sie das Konzept des „Self-driving“ schon seit Corona aufgegeben hätten. Es blieb mir schließlich nichts anderes übrig, als einen (überraschenderweise nicht viel teureren) „Chaffeur Drive” zu nehmen.

Der arme Teufel, der von jetzt auf gleich auf eine viertägige Reise mit mir los musste, um mich herumzukutschieren, war nicht zu beneiden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Anzeigen
Ich war in den letzten dreißig Jahren schon etliche Male in Indien. Hier kommen aber erstmal einige Beobachtungen für die, die noch nicht dort waren:


full


„Blow Horn“ (Hupen) findet man auf den meisten LKWs in Indien. Darunter steht gelegentlich noch das rücksichtsvolle „Use dipper at night“ (Nachts Lichthupe benutzen). Damit ist schon fast alles über Indiens Straßenverkehr gesagt. Ich vermute, hier kann man ein Auto ohne Lenkrad immer noch besser verkaufen als ein Auto ohne Hupe. Die wird nämlich immer und überall gebraucht: Um eine Überholabsicht anzuzeigen; um andere zu warnen, dass man sie plattmacht, wenn sie vor einem einbiegen; um andere zu warnen, dass man losfährt, egal was sie machen und wie dicht sie schon da sind; oder auch nur, um mal Hallo zu sagen. :)
 
Kommentar
Der Verkehr ist selbst für Entwicklungsland-Maßstäbe chaotisch. Erst in den Neunzigern bekam Indien mit dem sogenannten Goldenen Viereck, das Mumbai (früher Bombay), Bengaluru (früher Bangalore), Chennai (früher Madras) und Delhi verbindet, ein rudimentäres Überlandstraßennetz. Dieses wurde mittlerweile deutlich erweitert, so dass es nun z.B. auch von Delhi bis fast an den Himalaya heran überwiegend als Schnellstraßen gebaute Verbindungen gibt, aber dennoch muss man nach wie vor überall mit allem rechnen. Es kommt häufig vor, dass auf breiten (und auch auf engen) Straßen jemand auf der falschen Spur entgegenkommt. Das kann bei getrennten Fahrbahnen sowohl auf der Innen- als auch auf der Außenseite sein, und das gelegentlich sogar gleichzeitig. Von Fußgängern über Mopeds, Tuktuks (Motorrädern mit angebauter offener Kabine für Passagiere), Kühe, Treckern und Autos bis hin zu großen Lastwagen machen das quasi alle. Alles davon habe ich auf diesem Trip erlebt.

Wenn dann auch noch ein ganzer Trupp von Kühen beschließt, in der Innenstadt spazierenzugehen, wie hier im mit über 150.000 Einwohnern nicht gerade kleinen Haldwani, sind Geduld und größte Vorsicht angesagt.

full


Eine Kuh anzufahren, sollte man auf JEDEN Fall unterlassen. Bei solchen Unfällen gab es in Indien anschließend schon Fälle von Lynchjustiz. Inder nehmen nun mal ihre Kühe ernst. Die sind ihnen heilig. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar
Auch wenn keine Kühe unterwegs sind, ist das Tempo dort sehr gemächlich, wo keine Schnellstraße vorhanden ist. Ein Durchschnitt von 25 Stundenkilometern ist dann schon ganz ordentlich...

Das Konzept der Fahrspur ist im Land quasi unbekannt. Sicher, oft gibt es auf den Straßen aufgemalte Linien, aber die große Mehrheit der indischen Verkehrsteilnehmer fragt sich anscheinend, was das denn eigentlich sein soll. Im Regelfall sieht jedenfalls eine zweispurige Straße eher so aus:

full
 
Kommentar
Von Delhi bis Haldwani ist dieser Teil Indiens sehr flach. Nördlich dieser großen Ebene geht es dagegen kontinuierlich und oft ziemlich steil bergan in die Ausläufer des Himalaya. Sattal selbst liegt bereits auf 1.400 Metern und war somit nachts vergleichsweise kalt (10-12 Grad), tagsüber dagegen mit 25-28 Grad recht angenehm. (In der Ebene waren es 37-40.) Die Berghänge hinauf wurde der Verkehr recht abenteuerlich und ich war ehrlich gesagt dann doch froh, nicht selbst fahren zu müssen.

full


Die Fahrt von Delhi nach Sattal dauerte insgesamt etwa sechseinhalb Stunden, für eine Strecke von 330km.

Am Tag darauf ging es dann endlich in die Natur. Davon werde ich morgen anfangen zu berichten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar
Der Besuch in Sattal stellte den ersten Teil von insgesamt drei verschiedenen Stationen auf meiner Reise dar. Um eilige Leser „bei der Stange zu halten“, sollte ich vielleicht schon einmal erwähnen, dass die dritte Station mich in Tigerland führte. Von denen erzähle ich gegen Ende meines Berichts mehr. ;-)


Am ersten ganzen Tag meiner bescheidenen zwei Tage in Sattal ging es morgens zunächst in den Christian Ashram Bird Hide. Dieses religiöse Zentrum hat eine kleine Vogelbeobachtungsstation angelegt, an der ein notdürftig mit grüner Gaze verkleideter Verschlag und ein wackliger Plastikhocker als Basis ausreichen müssen (und das auch tun), um Vögeln beim Fressen und Baden zuzusehen. Die Artenvielfalt war hier nicht allzu groß, aber einige der Vogelarten gaben schon einen guten Eindruck davon, wie bunt und komplex die Vogelwelt im unteren Himalaya ist.

full
 
Kommentar
Schon während ich Stativ und Kamera aufbaute, konnten sich ein Grauspecht, ein Rotkehl-Waldrebhuhnpaar, und ein Weißhaubenhäherling nicht zurückhalten und fingen schon mal zu fressen an. Sie blieben zum Glück lange genug, um sie fotografisch festzuhalten.

full


full


full
 
Kommentar
In deutlich größerer Zahl tauchten kurze Zeit später Scharen von Pflaumenkopfsittichen auf. Diese Sittichart gibt es fast überall in Indien.

full


full


full


full
 
1 Kommentar
ZHR
ZHR kommentierte
Ein wunderbar schöner Vogel. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus-meine Frau auch. Diese Farben !
 
Besonders angetan hat es mir der Rotschnabel-Sonnenvogel. Dieser winzige Bursche kommt auf beiden Seiten des Himalaya sowie in weiteren Bereichen Chinas vor. Durch menschliche Einwirkung leben heute Populationen dieser Art auch in Japan und auf Hawaii.

full


Er badet übrigens auch gern. :)

full
 
Kommentar
Ein anderer hübscher, wenn auch nicht ganz so farbenfreudiger Kerl ist der Weißkehlhäherling. Häherlinge, von denen es über 130 Arten gibt, sind kleine bis mittelgroße Singvögel, die in Asien sowie Teilen Afrikas vorkommen.

full
 
Kommentar
Später tauchte dann noch ein besonders farbenfroher Specht auf, den ich auch sehr mag: Der Gelbnackenspecht. Etwa so groß wie ein Grünspecht, halten sich diese Spechte nicht recht an unsere Erwartungen, da sie nur selten hacken und hämmern. Sie suchen ihre Nahrung oft am Boden und fressen alles Mögliche, von Beeren und Samen über diverse Insekten bis hin zu kleinen Wirbeltieren.

full



Soviel vom Ashram. Das war schon mal ein vielversprechender Anfang.
 
Kommentar
Am Nachmittag ging es dann mit einem Naturführer zusammen in ein benachbartes Tal, einen kleinen Fluß entlang, an dem sich sehr viele Vogelarten fanden. Auf dem Weg sahen wir bereits einen Heulbartvogel, eine von mehreren Bartvogelarten, denen ich auf dieser Reise begegnet bin. Diese hier ist mit einer typischen Länge von etwas 34cm die größte.

full
 
Kommentar
Die schönsten Beobachtungen an diesem Nachmittag galten aber den Eisvögeln, von denen gleich zwei Arten am Fluß fischten. Eine war der uns sehr vertraute ‘normale‘ Eisvogel. Dass der sich auch in höheren Lagen herumtreibt, war mir neu.

full
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten