jflachmann schrieb:
Ich bin bei photoscala.de auf den folgenden interessanten Beitrag gestoßen:
Plädoyer für "sexy" Kameras:
http://www.photoscala.de/node/3565
Der Titel ist etwas irreführend. Es geht um die Frage, welche Auswirkungen der Pixelwettstreit der großen Hersteller auf die Bildqualität bei den digitalen Kompaktkameras hat. Dietmar Wüller, Leiter des Testlabors Image Engeneering (führt die Tests für ColorFoto durch), stellt hier die Probleme, die sich aus immer höher auflösenden Sensoren für die Gesamtbildqualität ergeben dar. :gruebel:
Er hat zu diesem Zweck auch eine eigene Info-Seite eingerichtet (
www.6mpixel.org).
Ich finde den Artikel sehr lesens- und nachdenkenswert.
Jens
Hallo,
sorry, dass ich mich erst jetzt in diesen interessanten Thread einklinke, aber ich hatte es erst jetzt gesehen.
Dass immer mehr Pixel auf der gleichen winzigkleinen Fläche zunehmend Probleme bereiten, gerade hinsichtlich Rauschen und Dynamikumfang, ist für kritische Tester schon seit längerem ein bekanntes Phänomen.
Ich hatte dieses Jahr die Möglichkeit, mir die Kamera- und Objektivproduktion eines sehr renomierten Herstellers anzuschauen. Sehr beeindruckend. Noch beeindruckender war die Offenheit, mit der dort gesprochen wurde. Bei der Besichtigung der Objektivfertigung kam man auch auf die derzeitige Entwicklung bei den digitalen Kompaktkameras zu sprechen. Man nahm diesbezüglich wirklich kein Blatt vor den Mund: Der Megapixelwahn bei den Kompaktkameras wurde aus technischer Sicht als völliger Unsinn bezeichnet. Nicht nur wegen der Probleme beim Rauschen und beim Dynamikumfang, sondern weil die verbauten Objektive in der Leistung nicht mehr mitkommen. Nicht, dass man keine solchen Objektive bauen könnte, das ist technisch möglich. Aber eben in dieser extrem preissensiblen Kameraklasse einfach nicht bezahlbar.
Also werden die Objektive aus den früheren 5-6 Megapixelkameras verbaut. Die zusätzlichen Pixel 'verpuffen' weitgehend ungenutzt....
Weiteres Problem: Die verwendeten Objektive sind sind bei den derzeit verwendeten Dimensionen und Objektiv-Sensor-Kombinationen schon sehr stark beugungsbegrenzt, so dass schon bei leichterer Abblendung Verluste in der Abbildungsqualität zu verzeichnen sind.
Es wurde offen eingestanden, dass sich die Bildqualität in dieser Kameraklasse durch die steigende Pixelanzahl bei gleicher Sensorfläche sichtbar verschlechtert hat. Auf die Frage, warum es denn dann gemacht wird, erhielt ich die Antwort "die Geister, die man rief, man wird sie nicht mehr los".
In der Anfangszeit des Digitalbooms hat sich durch die Werbung (und damals technisch auch noch berechtigt) die einfache Formel festgesetzt je mehr Megapixel, desto besser. Das war die Werbestrategie, mit der man innerhalb kurzer Zeit dem Kunden wieder ein neues Modell verkaufen konnte (und immer noch kann). Und auf diese Formel sind auch die Fotoblätter eingenordet worden, die von den Anzeigen der Hersteller leben.
Und diese Strategie hat sich festgesetzt und mittlerweile verselbstständigt. Wenn der Konkurrent höhere Megapixelzahlen anbietet, müssen wir nachziehen. An der Ladentheke wird in dieser Kameraklasse nichts groß technisch erläutert von wegen technischer Details. Eine einfache Zahl und "mehr ist besser" ist eingängig und damit kann verkauft werden.
Man sagte ganz offen, dass sich niemand richtig traut, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Der Wettbewerb ist mörderisch und die Gewinnspannen bei kompakten Digicams sehr gering (in den nächsten Jahren werden bei zunehmender Marktsättigung einige Hersteller große Probleme bekommen). Wenn dann ein Modell floppt, hat der Hersteller ein Problem. Solange der Kunde das Spielchen also mitmacht....
Ich hatte mir schon länger überlegt, mir so zum immer dabei haben vielleicht auch eine digitale Kompakte zu kaufen. Dann habe ich mir die Panasonic Lumix meines Schwagers mit 5 MP näher angeschaut. Eine der besten digitalen Kompaktkameras, lag zu ihrer Zeit im Vergleich mit der Konkurrenz immer weit vorn (wird nicht mehr gebaut).
Ich habe sie dann mit den bei uns in der Familie vorhandenen Film-Kompaktkameras von Rollei, Leica und Olympus verglichen. Die Bildqualität dieser Kameras lag höher als die der Panasonic, insbesondere bei den höheren Empfindlichkeiten. Daraufhin habe ich mir dann bei ebay eine kleine Leica geschossen, für etwas mehr als 20 €, neuwertig. Die Optik und Belichtungsmessung sind Diafilm tauglich. Selbst unter der 12x Lupe sind z.B. Nummernschilder weit entfernter Autos noch knackscharf.
Meine erste Kompaktkamera in meinem Leben. Habe sonst immer mit den 'größeren Geschützen' (Meßsucher, SLR, TLR, Klappfalter) gearbeitet. Aber, macht echt Spaß als Schnappschuss- und immer dabei Kamera. Und für den Preis natürlich ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis.
Viele Grüße,
Balou