Im Post 134 Sven, hast Du einen ganz entscheidenden Hinweis gegeben. Die Trennung zwischen "Technik" und "Ästhetik".
Generell stellt sich - unabhängig vom Forum, in das ich das Bild einstelle - die Frage, was betrachte ich bei diesem Bild?
Im Club haben wir ja diese Abteilung "Bildbesprechung in 5 Phasen", wo ein Mitglied ein Bild zur umfassenden Besprechung einstellen kann. Sie beinhalten folgende Punkte:
1. Bildbeschreibung: Inventur im Bild (Teilnehmer)
2. Persönlicher Eindruck, Gestaltung, Technik, Persönliche Wertung (Teilnehmer)
3. Intention des Fotografen, tatsächliche Aufnahmesituation (Fotograf)
4. Positive und negative konstruktive Kritik (Teilnehmer)
5. Feedback zum Feedback: was nehme ich an, was nicht? (Fotograf)
Bei Punkt 1 geht es ja darum, nur das eigene Sehen zu schulen. Also was sehe ich und wo und es geht dabei nur darum, vorerst zu beschreiben. Das wäre ja die Voraussetzung überhaupt, ein Bild umfassend zu bewerten. Der zweite Punkt unterscheidet sich vom ersten, dass eine persönliche Wertung stattfindet, also die Empfindung des Betrachters oder eben auch die Ästhetik. Punkt 3-5 wenden sich dann der Feedbackkultur zu, resp. der Stellungnahme des Fotografen.
Es ist nicht so, dass der Mensch nur über Kritik lernt, das ist neurologisch betrachtet schon gar nicht richtig. Genau so lernt er über Lob und Motivation. Hier eine Balance im öffentlichen Raum wie hier zu finden, hat oft mit den eigenen Erwartungen an sich und dem Gegenüber zu tun. Das Bild von Brenda ist ja wohl ein typisches Beispiel dafür. Aber ich kann auch meine Bilder als Diskussionsgrundlage nehmen. Ich erfahre ja in der Regel Lob für meine Bilder, ich weiss aber auch, dass ich kritisiert oder hinterfragt würde, wenn ich daneben haue. Meine Bilde leben ja - im Vergleich zu andern Fotografen hier - nicht in erster Linie von der sauberen Technik. Das hat Jan (Teewatt) einmal schön auf den Punkt gebracht. Dennoch mögen sie Reaktionen auslösen. Betrachte ich die Bilder von tomschi mit diesen wunderschönen Vogel- und Waldtierbildern, dann leben diese nicht zwingend von der Ästhetik, sind aber situativ und technisch nahezu perfekt und in ihrer Art wunderschön.
Was will ich damit sagen: Vielleicht könnten wir angewöhnen, bevor wir zum Rotstift greifen, uns vorerst zu überlegen, welche Ebene ich bewerten möchte. Das würde dem Aussteller schon sehr helfen zu differenzieren.
Ein letzter Aspekt möchte ich noch aufgreifen, über den ich viel nachgedacht habe. Ich bin zum Beispiel kein Autofan. Ich finde an Autobilder keinen Gefallen, ich kann für mich nichts anfangen mit ihnen. Aber sind sie deshalb für mich kritisierbar? Ja und nein. Ich könnte, wenn ich wollte, auf die technische Ebene gehen. Das tue ich nicht, weil ich von Technik viel zu wenig verstehe. Also lasse ich das. Die ästhetische Ebene darf ich aber nicht betreten. Wenn ich schon mit Autobilder nichts anfangen kann, dann lasse ich auch die Kritik.
Was ich damit sagen will ist, dass ich versuche auch nur zu Bildern etwas zu sagen, positiv oder negativ, zu welchen ich etwas zu sagen habe. Sei es, dass sie mich berühren oder interessieren oder ich sie schlicht und einfach originell oder gut finde...
Und so freut es mich immer wieder, wenn - wie gestern - zu einem meiner Bilder eine weiterführende Antwort, eine Kritik, eine Stellungnahme usw. kommt...
