Ist Analog (nun endgültig) tot ?


NF Adventskalender 2019
W

Werner Gilliam

Guest
Hi,


nach meiner Wahrnehmung ist es eher eine Art von Interaktion zwischen Foto und Betrachter, die das besonderen Flair analoger Bilder ausmacht. Es ist keine Eigenschaft des Bildes selbst.

Die Generation 40-plus verbindet IMO mit analogen Bildern zumindest einen Teil ihrer Kindheit und damit die Phase ihres Lebens, in der sich die Persönlichkeit bildete, die sie heute sind. Selbst wenn sich die Fotografie nicht weiterentwickeln würde, bin ich davon überzeugt, dass spätestens die nächste Generation zu den hier im Thread gezeigten Bildern (speziell zu denen, die besonders "analog" sind) sagen wird, dass die Motive zwar gut gewählt, die Bilder technisch aber völlig unzulänglich sind => unscharf, körnig, verrauscht, schlechte Farben, ungenügender Weißabgleich, mangelhafter Kontrast (wahlweise zu viel oder zu wenig).

Insofern - fürchte ich - ist es keine besondere Gabe, besagte Unterschiede in den analogen Bildern wahrnehmen zu können. Es ist einfach die Erinnerung an die Nachkriegszeit in den 40er, die Wirtschaftswunderzeit in den 50er , die Zeit des kalten Krieges in den 60er und 70er und all dem, was wir bis in die 90er Jahre gemacht und auf Film gebannt haben: Nach Italien in Urlaub gefahren, Geheiratet, Kinder und Enkel bekommen, Haus gebaut. Vielleicht waren wir auch als Portrait-Zeichner auf den Ramblas in Barcelona gesessen und Fotos erinnern uns an diese Zeit.

Es verschwinden mit der Zeit nicht die Personen mit dieser Gabe, es verschwinden einfach die Personen. Die Bilder sind, was sie sind. Abbilder eines Zeitgeistes, eingefrorene Erinnerungen, Zeitkapseln, Gedächtnisstützen aus einer lange vergangenen Zeit, ... vielleicht auch Kunstwerke, aber um ein fotografisches Kunstwerk zu erstellen sind nicht notwendigerweise technische Defizite beim Aufnahmegerät erforderlich. Manchmal stören sie aber auch nicht.

Ciao
HaPe
Bekannte Argumente, Hans Peter, die auf den ersten Blick einigen sicher einleuchten. Teilen tu ich diese Ansicht jedoch nicht!
 
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Timotheos

Sehr aktives Mitglied
In der Debatte um das analoge Bild werden verschiedene Betrachtungsebenen miteinander vermischt und das sorgt für Verwirrung.

Da gibt es zum Beispiel die technische Qualitätsfrage: Kann Digitalfotografie Analogfotografie das Wasser reichen oder umgekehrt?
Und dann gibt es die Frage, ob sich die Herstellung analoger Fotogerätschaften für grosse Hersteller lohnt. Eine eher betriebswirtschaftliche Betrachtung.
Eine betriebswirtschaftliche Perspektive gibt es ebenfalls aus fotografischer oder aus publizistischer Perspektive. Wer tagesaktuelle Pressebilder verkauft, wird digital wirtschaftlicher finden. Die Herausgeber der "PhotoKlassik" finden ihre Nische lohnenswert.
Und der Amateur, der Vergnügen Fotografie hat, kümmert sich gar nicht um betriebswirtschaftliche Dinge. Der hat ohnehin Ausrüstungen, die sich "nicht rechnen".

Also ganz klar: Die Eingangsfrage kann man mit "ja" beantworten, man kann sie auch mit "nein" beantworten. Fotografie ist sowohl Geschäft als auch Geschmackssache.
 
W

Werner Gilliam

Guest
..dass spätestens die nächste Generation zu den hier im Thread gezeigten Bildern (speziell zu denen, die besonders "analog" sind) sagen wird, dass die Motive zwar gut gewählt, die Bilder technisch aber völlig unzulänglich sind => unscharf, körnig, verrauscht, schlechte Farben, ungenügender Weißabgleich, mangelhafter Kontrast..
Eben! Die Zahl derer, die Silikonbrüste schön finden, nimmt ja auch ständig zu..! :)
 

shovelhead

Sehr aktives Mitglied
unscharf, körnig, verrauscht, schlechte Farben, ungenügender Weißabgleich, mangelhafter Kontrast (wahlweise zu viel oder zu wenig)
Ja. Mir geht es, wenn ich analog photographiere, um Korn und Kontrast. Ich bemühe mich unbedingt analoge Photos ebenso scharf und sorgfältig zu erstellen, wie digitale Aufnahmen. Gelegentlich mache ich dabei sogar die gleiche Aufnahme mit zwei verschiedenen Gehäusen und Objektiven; manchmal fällt der Unterschied positiv auf, manchmal gar nicht (was auch OK ist, weil das bedeutet, dass meine Arbeit im Ergebnis nicht vom Werkzeug beeinflusst wird).​



#1 Nikkor S-Auto 1.4 - 50 mm von 1969 (vulgo Berg und Tal "Silver Barrel") auf Kodak Tri-X Pro





#2 AF-S Nikkor 1.4-50 mm G in D610





#3 Nikkor P.C. Auto 2.5 - 105 mm von 1975 (vulgo Berg und Tal "Black Barrel") auf Kodak Tri-X Pro





#4 AF-S Nikkor 1.8 - 85 mm G in D610



Was lernt uns das?

Bilder # 1 und #2 zeigen Jennifer in Rembrand-Licht an genau der gleichen Stelle - nur ich habe mich etwas bewegt (zwischendurch Kamera wechseln, leicht andere Perspektive). Ich bekomme auf Film nicht die gleiche, weiche Zeichnung der Hauttöne hin, die mir digital möglich ist. Da beisst die Maus keinen Faden ab: ein inzwischen fünf Jahre alter 24 MP Sensor gewinnt in dieser Disziplin klar gegen Film (wäre das nicht so, würden Beauty-Strecken garantiert weiter auf Film produziert - werden sie aber nicht).

Die vierte Aufnahme (Pullover/Digital) lässt uns (und Jennifer) erkennen, dass sie sich Sorgen um ihr Bindegewebe machen muss - ihr Gesichtsausdruck ist (meiner Ansicht nach ) sensationell. Die analoge Aufnahme #3 vertuscht oder - nobler ausgedrückt - überspielt oberflächliche Unzulänglichkeiten und obwohl das Licht im Gesicht alles Andere als optimal ist, finde ich das Bild "heisser" (wenn ich so klassifizieren müsste).

Hätte ich eine analoge Kamera mit einem AF wie die D610 und den AF-S Nikkoren davor, so hätten die Bilder #1 und #3 vermutlich noch einen Ticken mehr Schärfe, denn alle Aufnahmen entstanden mit Offenblende oder maximal einer Blendenstufe runter. Das ist dann für mich - Ü50 - manuell mit Einstellscheibe K fokussiert schon eine Herausforderung. Das Korn und die etwas andere Abstufung der Grautöne bleiben aber Eigenschaften, die mit dem Tri-X einhergehen.


Persönliches Fazit

Man kann mit jeder Technik jedes Bild machen - Qualitätsunterschiede sieht man meist nur im direkten Vergleich und nicht wenn ein Bild allein präsentiert wird. Ja, wenn man weiss, worauf man Achten soll/muss, wird es einfacher, digital oder Analog zu erkennen. Das ist aber beim hiesigen Präsentationsformat (0,7 MP) ziemlich unwichtig und ich halte auch Aussagen wie "dieses Bild funktioniert nur auf Film" für hanebüchenen Schwachsinn. Das Model findet übrigens die analogen Bilder hier oben besser, meine Frau und Tochter die digitalen Aufnahmen - ich selbst enthalte mich mal.​
 

sam25

Nikon-Community VIP Member
Ich verstehe - wie so oft - die Frage nicht ... :)

Digital und Analog sind lediglich zwei verschiedene Techniken. Erstere populärer, weil sie sie sich nahtlos an unseren Alltag angepasst hat. Aber mit der Qualität von Bildern hat das nichts zu tun ...

Es ist das gleiche wie wenn man klassische Musik mit Rockmusik vergleichen würde ... :)
 

Hans-Peter R.

Administrator
Hi,

Digital und Analog sind lediglich zwei verschiedene Techniken. Erstere populärer, weil sie sie sich nahtlos an unseren Alltag angepasst hat. Aber mit der Qualität von Bildern hat das nichts zu tun ...
es fängt ja schon damit an, dass unter "Qualität" jeder etwas anderes versteht. Einmal ist es einfach die neutrale Beschreibung der Eigenschaften eines Objekts, seine Beschaffenheit sozusagen. Dann ist wieder die gewertete Güte eines Objekts. Wollen wir werten, benötigen wir Wertungskriterien und vielleicht auch eine Bewertungsskala.

Aber welche Skala wollen wir verwenden, die unsere emotionale Resonanz mit der Abbildung wiederspiegelt, die wir gerne als wertvoll und sehenswert beschreiben möchten? Und wollen wir das überhaupt? Muss wirklich immer alles messbar sein und wahr ... auch jenseits unserer Wahrnehmung?

Wahrheiten haben immer den inhärenten Anspruch, dass sie auch dann gültig sind, wenn gerade keiner da ist, der sie denkt oder ausspricht. Lässt sich dieser Anspruch nicht erfüllen, ist die Wahrheit eigentlich nur eine Meinung. Die ist zwar auch sehr wichtig ... jedoch personengebunden und austauschbar.

Wie bei so vielen fotografischen Themen würden IMO auch hier alle Dissensen mit einem Schlag verschwinden, wenn die Aussagen nicht mit "Analoge Bilder sind ..." beginnen würden, sondern mit "Ich empfinde analoge Bilder als ...".

Ich kenne übrigens auch noch eine Weisheit:
"Wirklich verstanden hat man es erst, wenn man es so erklären kann, dass es der andere auch verstehen kann".

Ciao
HaPe
 

Timotheos

Sehr aktives Mitglied
Wie bei so vielen fotografischen Themen würden IMO auch hier alle Dissensen mit einem Schlag verschwinden, wenn die Aussagen nicht mit "Analoge Bilder sind ..." beginnen würden, sondern mit "Ich empfinde analoge Bilder als ...".
Man muss nicht unbedingt bei den subjektiven Empfindungen landen, um dem Filmfoto heute gerecht zu werden. Man muss nur differenzieren, genauer formulieren und ein Verständnis dafür entwickeln, dass man das Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Das ist nicht immer das Markenzeichen von Forendiskussionen. Ist aber auch nicht weiter schlimm. Kriege müssen deswegen nicht ausbrechen.

Aus Sicht der grossen Gehäusehersteller ist Film sicher "tot", aber was stört das einen Kleinhersteller, der wirtschaftlich erfolgreich in einer Werkstatt Filmgehäuse und sonstige Ausrüstung zusammenbaut? Das gilt auch für den Film selbst. Für die grossen Firmen lohnt sich die Produktion nicht mehr, kleine Filmmanufaturen investieren in Produktionsanlagen. Von denen wird keiner sagen, Film sei tot, solange sie von Film gut leben können.

Und, ganz wichtig, die unendlichen Diskussionen über die Qualität von analogem Sensor gegenüber digitalem bringen den allermeisten Anwendern gar nicht so viel, wie sie Raum in Foren einehmen, weil es beim Endprodukt fast nie auf Linienpaare oder sonstige feinstrukurelle Merkmale des Abbildes ankommt. Da zählt Anmutung, Look - auch für Digitalfotografen, sonst wären die vielen Filterprogramme, mit denen man seinen Aufnahmen "Störungen" hinzufügen kann, gar nicht so erfolgreich.

Also, je nach Perspektive ist Film lebendig, langweilig, unnütz, interessant, uninteressant oder egal, aber noch nicht tot. Schon gar nicht "endgültig".

:)
 

Stefan M.

NF Team
Man muss nicht unbedingt bei den subjektiven Empfindungen landen, um dem Filmfoto heute gerecht zu werden. Man muss nur differenzieren, genauer formulieren und ein Verständnis dafür entwickeln, dass man das Thema aus verschieden Perspektiven betrachten kann.
So sieht es aus. Vor einigen Wochen habe ich beispielsweise eine F801s reaktiviert, also gesäubert, mit neuen Batterien und einem Film bestückt, und wollte eigentlich sofort losziehen. Aber seitdem hat sich schlicht keine passende Gelegenheit ergeben, um damit halbwegs erfolgversprechend zu fotografieren. Bei meinen digitalen Kameras habe ich so eine Hemmschwelle nicht, auch weil aktuell nicht mit weiteren Kosten oder Aufwand (Stativ etc.) verbunden. Wenn es analog sein soll, ist die "Planung/Vorbereitung" bei mir schon eine andere - kann aber auch daran liegen, dass vielleicht die Routine etwas flöten gegangen ist (z.B. welche Zeiten freihand noch gehen).
 
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Reaktionen: Kay

Kay

NF-F Platin Mitglied
... Bei meinen digitalen Kameras habe ich so eine Hemmschwelle nicht, auch weil aktuell nicht mit weiteren Kosten oder Aufwand (Stativ etc.) verbunden. Wenn es analog sein soll, ist die "Planung/Vorbereitung" bei mir schon eine andere ...
Bei mir geht es bei den digitalen Aufnahmen um das Foto - wie es entstanden ist, ist mir meist egal.

Bei den analogen Aufnahmen ist mir das Foto - als Ergebnis - meist fast egal und wird immer unwichtiger.
Was für mich zählt, ist immer mehr der Moment der Aufnahme.
Als Buch zur "Fortbildung" habe ich gerade angefangen mit dem Werk " Fotografie als Meditation" von Torsten Andreas Hoffmann im dpunkt.verlag
Diese von mir eingeschlagene Richtung wird mich weiter begleiten, ist und bleibt spannend.

Die digitalen Fotos werden bleiben.
 

Gianni33

NF-F Premium Mitglied
Die analoge Fotografie wird bleiben - jedenfalls bei einer "qualifizierten Minderheit" von künstlerisch anspruchsvollen Fotografen.

Ich erinnere z. B. an den Bildband VENEDIG, DIE UNSICHTBARE von Christopher Thomas.

Gruß
Hans
 

shovelhead

Sehr aktives Mitglied
Bei den analogen Aufnahmen ist mir das Foto - als Ergebnis - meist fast egal und wird immer unwichtiger.
Was für mich zählt, ist immer mehr der Moment der Aufnahme.
Wenn man "Zen in der Kunst des Bogenschiessens" überfliegt könnte man glauben, dass es nur um den Moment des loslassens geht - "es schiesst".

Dabei wird gern vergessen, dass der Meister unbedingt und vorrangig sein Ziel trifft. Wenn der Pfeil anstatt in der Mitte der Zielscheibe im Komposthaufen des Nachbarn landet, ist die Nummer wenig meisterhaft. Dann kann er den Schirm zuklappen und als Clown auf Kindergeburtstagen auflaufen. Die innere Suche und das Losslassen sind nicht Selbstzweck sondern der Weg. Der Meister befindet sich stets auf diesem Weg, deshalb trifft der Pfeil sein Ziel. Der Weg ist extrem steil und ob man ein sehenswertes Photo schiesst oder die Scheibe trfft ist nie egal. Wer glaubt, das Ergebnis sei unwichtig, sollte sich fragen, wlechen Stellenwert dann Bogen oder Kamera auf seinem Weg haben.

Ihr tut alle so, als wäre es wichtig, ob man den Nagel mit einem Hammer mit Holz- oder Gummigriff in die Wand kloppt. Wichtig ist, dass der Nagel die Last hält die man dranhängt.
 

Kay

NF-F Platin Mitglied
...
Dabei wird gern vergessen, dass der Meister unbedingt und vorrangig sein Ziel trifft. Die innere Suche und das Losslassen sind nicht Selbstzweck sondern der Weg. ...
Der Meister vielleicht - ich nicht. So weit bin ich nicht.

Soweit ich es erinnere, dürfen Schüler zwar auf eine Scheibe zielen, aber mehr noch nicht.
(Und mit dem Bogen bin ich noch nicht so sehr weit - aber das kommt auch - hoffentlich - später.)
 

Hans-Peter R.

Administrator
Hallo,

Wenn man "Zen in der Kunst des Bogenschiessens" überfliegt könnte man glauben, dass es nur um den Moment des loslassens geht - "es schiesst".
da ich in den letzten vier Jahren deutlich mehr Zeit beim Bogenschießen verbrachte als mit der Fotografie, muss ich also auch dazu noch meinen Senf geben.

Zunächst freut es mich, dass Du dieses Thema anschneidest. Es gibt da so unglaublich viele Parallelen zur Fotografie, wie man das im ersten Augenblick überhaupt nicht erwarten würde. Meine Art des Bogenschießens geht eher in Richtung Leistungssport und weniger in Richtung Zen-Meditation. Dennoch sind sich die Methoden, die im Zen und im Leistungssport angewendet werden sehr ähnlich.

Es würde mich wundern, wenn es im Buch "Zen in der Kunst des Bogenschiessens" nur um den (Aus-) Lösevorgang geht ... Wie beim fotografieren, ist dies zwar ein sehr prominenter Augenblick, der eine gewisse Endgültigkeit darstellt. Das wirklich entscheidende passiert aber vorher. Nicht nur Sekundenbruchteile vorher, sondern Sekunden, Stunden oder sogar Jahre vorher. All das entscheidet, ob der Pfeil sein Ziel findet und ob das Foto gelingt. Sekundenbruchteile vor dem (Aus-) Lösen sind bereits alle Weichen gestellt. So wie der Fotograf alleinig für sein Bild verantwortlich ist, kann auch ein Pfeil nicht anders als mitten ins Ziel zu treffen, wenn der Schütze vorher alles richtig gemacht hat. So banal diese Erkenntnis klingt, erst wenn man das wirklich verinnerlicht hat, hat man den Anfänger-Status verlassen. Dann kann kein ungünstiges Licht das Foto verderben und keine ungünstigen Umstände den Pfeil ablenken.

Spannendes Thema :).

Ciao
HaPe
 

sam25

Nikon-Community VIP Member
Hallo,


da ich in den letzten vier Jahren deutlich mehr Zeit beim Bogenschießen verbrachte als mit der Fotografie, muss ich also auch dazu noch meinen Senf geben.

Zunächst freut es mich, dass Du dieses Thema anschneidest. Es gibt da so unglaublich viele Parallelen zur Fotografie, wie man das im ersten Augenblick überhaupt nicht erwarten würde. Meine Art des Bogenschießens geht eher in Richtung Leistungssport und weniger in Richtung Zen-Meditation. Dennoch sind sich die Methoden, die im Zen und im Leistungssport angewendet werden sehr ähnlich.

Es würde mich wundern, wenn es im Buch "Zen in der Kunst des Bogenschiessens" nur um den (Aus-) Lösevorgang geht ... Wie beim fotografieren, ist dies zwar ein sehr prominenter Augenblick, der eine gewisse Endgültigkeit darstellt. Das wirklich entscheidende passiert aber vorher. Nicht nur Sekundenbruchteile vorher, sondern Sekunden, Stunden oder sogar Jahre vorher. All das entscheidet, ob der Pfeil sein Ziel findet und ob das Foto gelingt. Sekundenbruchteile vor dem (Aus-) Lösen sind bereits alle Weichen gestellt. So wie der Fotograf alleinig für sein Bild verantwortlich ist, kann auch ein Pfeil nicht anders als mitten ins Ziel zu treffen, wenn der Schütze vorher alles richtig gemacht hat. So banal diese Erkenntnis klingt, erst wenn man das wirklich verinnerlicht hat, hat man den Anfänger-Status verlassen. Dann kann kein ungünstiges Licht das Foto verderben und keine ungünstigen Umstände den Pfeil ablenken.

Spannendes Thema :).

Ciao
HaPe
...ein wunderbarer Vergleich, HaPe ... :):up::up::up:

Das sollte man sich aufschreiben und einrahmen und an die Schranktüre kleben, so dass man es jedesmal lesen muss, bevor man überhaupt eine Kamera herausnimmt....
 

Timotheos

Sehr aktives Mitglied
Die Analogie zum Bogenschiessen ist interessant, aber das Gesagte gilt für die Fotografie generell, oder?
 

shovelhead

Sehr aktives Mitglied
ein sehr prominenter Augenblick, der eine gewisse Endgültigkeit darstellt. Das wirklich entscheidende passiert aber vorher. Nicht nur Sekundenbruchteile vorher, sondern Sekunden, Stunden oder sogar Jahre vorher. All das entscheidet, ob der Pfeil sein Ziel findet und ob das Foto gelingt.
Yep - das ist "der Weg". Ich schiesse Wurftauben (im Winter regelmässig, im Sommer kaum) und kenne dieses "in der Zone" sein. Wenn man drin ist, holt man jede Scheibe vom Himmel, wenn man nicht drin ist, ändert man die Fussstellung oder den Griff oder die Gewichtsverteilung oder ....und es hilft alle' nix. Man bläst nur Bleibatzen durch die Landschaft und hört es knallen.
 
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