Mal ganz ehrlich: Ich schleppe meinen Rucksack immer mit. Auch bei jeder Hochzeit, Taufe oder wasauchimmer.
Denn erstens habe ich schon zig Male erlebt, daß die Feiernden schlicht vergessen haben, einen Fotografen zu buchen oder sich halt gedacht haben: heutzutage hat ja jeder 'ne Digiknipse in der Tasche, wir sammeln das dann alles ein und bekommen schon ein paar gute Fotos.
Dass dem nicht so ist, dürfte in diesem Forum eigentlich jedem klar sein.
Und zweitens habe ich schon haufenweise "Profis" erlebt, deren Arbeit keinen müden Cent wert war. Und auch wirklich teure Leute.
Ich frage dann vorher immer nach, ob's OK ist, ob ich Fotos machen soll. Meistens freuen sie sich dann darüber und jeder Profi wird nichts dagegen sagen, wenn er merkt, dass ihm da jemand gegenüber steht, der weiß, wie er sich dem anderen nicht in's Motiv stellt. Und was die Blitzfrequenz angeht, so kann man sich immer untereinander verständigen. Die Hosentaschendigiknipser aus der zweiten und dritten Reihe sind da meist eher das Problem.
Persönlich habe ich bei meiner Hochzeit ein tolles und ein schreckliches Erlebnis gehabt.
Wir haben in Kroatien geheiratet und mit der Planung über ein Jahr vorher begonnen. Nachdem wir einige Fotografen aufgesucht hatten, kristallisierte sich ziemlich schnell heraus, dass das einfach nix war. Nicht unser Geschmack, alles ziemlich altbacken, zweimal 1000 Watt links und rechts neben dem Altar, kein schönes Licht, Publikum soff komplett im Dunkeln ab, etc.
Also haben wir einen lokalen Fotomenschen nur für das Video engagiert. Man macht das da halt. Also, zwei Kameraleute gebucht, gut. Die haben dann spitzgekriegt, dass ich ein wenig Ahnung habe und sich meine Ausrüstung angeschaut und man hat sich unterhalten. Nette Menschen halt.
Der Fotograf, der im Endeffekt unsere Hochzeit geschossen hat, ist ein langjähriger Kunde und mittlerweile Freund von mir, den ich dafür extra aus Deutschland eingeflogen habe. Er hat mir die vier Tage (und die zwei Wochen mit je 1,5 Stunden pro Tag für's Sortieren nachher) nicht berechnet.
Ich habe lediglich die Tickets gezahlt und dafür gesorgt, dass es ihm an nichts fehlt, also Futter und Unterkunft.
Allerdings gab es einen Nebenschauplatz: Wir hatten vorgesehen, dass ein Foto-Gästebuch erstellt werden sollte. Dazu habe ich einem der lokalen Fotografen, der wirklich neun Monate im Jahr jedes Wochenende nichts anderes als Hochzeiten fotografiert, meinen Rucksack gegeben, er sollte sämtliche Gäste so, wie sie zusammengehörten (also Paar- bzw. Familienweise), ablichten, dann diese Fotos entwickeln und in das eigens in der Buchbinderei hergestellte Album einarbeiten.
Und was macht der Idiot? Er stellt die Gäste vor die Wand...
Naja, nicht wirklich vor die Wand, sondern vielmehr vor ein kniehohes Betonmäuerchen, dahinter verdorrtes Gebüsch und auf der Mauer Unrat wie z.B. Fläschchen vom Kleinen Feigling und ähnliches.
Man muss dazu sagen, dass sich auf der anderen Seite der Kirche eine sehr schöne, gepflegte Grünanlage direkt am Ufer der Adria befindet.
Soviel zum Thema "Profi".
Nunja, die Fotos von meinem eigens eingeflogenen Werbefotografen sind auf jeden Fall der Hammer geworden und ich bereue keine Sekunde, das so gemacht zu haben – selbst, wenn mich im Vorfeld wirklich jeder für komplett bescheuert erklärt hat.
Und ausserdem gibt's doch wirklich Profis, die allen Ernstes heute noch den Leuten erzählen, dass das mit den digitalen Fotoapparaten doch nix ist. Die überzeugen sie dann und schiessen analog, berechnen jeden Film und behalten nachher noch die Negative und lassen sich jeden Abzug teuer bezahlen. Sowas find' ich schon eher unverschämt.
Naja, wie dem auch sei – soviel wollte ich gar nicht schreiben – ich denke nicht, dass wirklich professionelle Hochzeitsfotografen ihre Daseinsberechtigung verloren haben oder verlieren werden. Denn es ist doch wie bei allem: man muss sich eben durch Qualität von der Masse abheben, alles andere kann man vergessen.
Dass das Qualitätsdenken hierzulande heute der "Geiz-ist-geil-Mentalität" und dem Heimwerkerdenken gewichen ist, ist eine traurige Tatsache. Aber das gilt nicht nur für die Fotografie, sondern für so gut wie jeden Berufszweig. Dummerweise kapiert Volk nicht, dass es sich damit in's eigene Fleisch schneidet. Aber komplizierte wirtschaftliche Zusammenhänge waren ja noch nie 'was für die Masse, da zieht Freibier und mehr Urlaub halt doch besser...
Nun denn,
oha!