Frage an analoge S/W Fotografen: Wie "seht" ihr?

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.

AndyE

Sehr aktives NF Mitglied
Registriert
Mit über 2200 Antworten ist der S/W Thread "Ein Lanze für Schwarzweiß" einer der aktivsten und längsten Threads des NFF. Ein Bereich - wenn ich so nachdenke - an dem ich Zeit meines Lebens vorbeigewandert bin. Aber wie heißt es so schön: "Es ist nie zu spät" :)

Immer wieder wurde erwähnt, daß gute S/W Bilder bereits im Kopf entstehen, daß das "Sehen" anders verläuft als bei Farbfotos und es einen "Riesen"unterscheid macht, ob bereits bei der Aufnahme ein S/W Film in der Kamera liegt oder ob ein Farbfoto später in der digitalen Dunkelkammer auf S/W zurechtgebogen wird.

Das weckt die Neugierde. Zumindest bei mir.

Ich würde gerne von den S/W Spezialisten und Experten lernen:
  • Wie sie eine Szene aus dem Blickwinkel eines S/W Fotos vor dem Aufnehmen betrachten. Was ist wichtig und relevant? Was ist irrelevant? Auf was wird das Augenmerk gelegt? Wann und wo beginnt die Transformation des farbigen Sehens zum gedachten fertigen S/W Bild? etc ...
  • Woran sie die Unterschiede zwischen einem aufgenommenen S/W Bild und einem nachträglich konvertierten farbigen Bild zu S/W festmachen?
  • verwendet ihr noch die alten Farbfilter?
Er ersuche alle EINDRINGLICh, diesen Thread nicht für die allseits beliebten Grundsatzdiskussionen zu missbrauchen (S/W gegen Farbe, Analog gegen Digital) - ich möchte diese Zusammenhänge einfach besser verstehen lernen. Noch besser wäre natürlich, wenn Kommentare mit Bildbeispielen unterlegt werden - irgendwie sind wir Fotografen ja visuelle Typen, nicht? :D

Jeder der dies auch will, ist hier herzlich eingeladen, für die anderen gilt: "Gehet hin und eröffnet euren eigenen Thread"

Ein lernbegieriger,
Andy
 
Anzeigen
nun, dann nimm dies: andy :D

1671489f99e815039.jpg


ich war mit Istvan letzes WE am nürburgring unterwegs.
er rein analog, ich rein digital.
wir hatten uns als einstiegspunkt das historische fahrerlager, die alte boxengasse vorgenommen.
dort finden sich rennwagen aus den 30ern - späten 50er jahren wieder. für mich war klar, dass diese alten karren SW gezeigt werden sollten, auch wenn farbfotografie während ihrer aktiven rennzeit durchaus vorhanden und in der späteren zeit auch bereits massenkompatibel war.

also ganz klar von vorn herein eine festlegung auf ein der zeit angemessenes "erscheinungsbild".

meine aufnahmen entstanden alle mit der heute üblichen dslr-farbtechnik.
Istvans ausschliesslich analog und wie gezeigt, SW.
hier der link zum akt. thema:
http://www.nikon-fotografie.de/vbulletin/showthread.php?t=70054

sie wurden dann von mir durch veränderungen am RAW an das angepasst, was ich bei der aufnahme im kopf hatte. ( ein "echter" analoger tut sich da letztlich leichter und auch schneller, weils mit der film entwicklung und dem scannen schon getan ist. und sofort von mir die fahne, da ich weiss, dass dies auch nicht immer so einfach "stimmt"). dies ist der eine mögliche ansatz. also ein aus gründen des sujets "mehr historischer".

der andere ansatz ( besser: ein anderer ansatz ) ist jener , der in der reinen bildgestaltung wurzelt: vielleicht eher grafisch bedingt, zumindest eindeutig aus dem motiv heraus bestimmt. bei "grafischen" motiven. aufgabenbezogen. anders kann ich es nicht ausdrücken.
man sieht vermutlich? stärker in kontrasten. nimmt dinge reduzierter wahr, kann farben ausblenden beim fotografieren. ein "SW-knipser", den ich sehr schätze, hier aus dem forum sagte mir mal, er nähme nahezu immer den rotfilter vor die linse, da ihm das hülfe, die farben zu vergessen. sicherlich ein ansatz, eine herangehensweise, an das gewollte !! resultat.

beide herangehensweisen stehen meiner meinung nach vollkommen gleichwertig nebeneinander.
sie nehmen sich nichts.
sie ergänzen sich.
positiv.
eines noch: ein bunt aufgenommenes bildchen, uninspiriert geknipst, kann nicht besser werden durch rausnehmen der farbsättigung.
"laborarbeit" im raw ist angesagt. nicht phtoshoppen. denn, wenn das ding von vorneherein falsch belichtet wurde, oder "der hintergrund nicht stimmt",

dann taugt es eben nixx. das bild.
gelle?

gruesse
ralf
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar
Abgesehen davon, daß manche Motive förmlich danach schreien, in SW abgelichtet zu werden: Ein Rot- oder anderer Farbfilter vor der Linse hilft ungemein dabei, zu beurteilen, ob die Szene auch monochrom wirkt, wenn halt mal ein SW-Film eingelegt ist, und haben darüberhinaus die bekannten mehr oder weniger willkommenen (Farb-)Kontraständerungen zur Folge. Mein Lieblingsfilter ist der Rotfilter, übrigens. :)

Der Unterschied zwischen einem konvertierten und einem originären SW-Bild? Das eine wurde halt in Farbe aufgenommen, das andere in SW. :) Mit einem echten SW-Film kriegt man meiner Meinung nach schönere Grauabstufungen und Kontraste als bei einer nachträglichen Konvertierung, egal ob gescannter Farbfilm oder digitale Datei - aber das kommt mir bestimmt nur so vor, weil mir bei echten SW-Bildern der Farbvergleich fehlt.

Der Unterschied ist also hauptsächlich der: Mit einem SW-Film in der Kamera muß man die fehlende Farbinformation gleich bei der Aufnahme mit einkalkulieren. Regenbogen kann man gleich vergessen, bunte Marktszenen kann man zwar einfangen, aber hier muß man ganz anders zu Werke gehen als in Bunt. Man sucht auch mehr nach SW-geeigneten Motiven: Portraits ältererer Menschen, eindrucksvolle Gebäude vor dramatischem Himmel, vor allem: Graphische Sujets. Wie ich schon schrieb: Manche Motive schreien geradezu nach SW. Manche gehen gar dagegen gar nicht oder nur sehr eingeschränkt in SW, dazu zählt alles, wo vor allem die (Licht-)Farbe uns überhaupt die Kamera zücken lässt: Der erwähnte Regenbogen, Sonnenauf- und untergänge, bunte Trachten, prächtig illuminierte Nachtszenen etc...

Viele Bilder funktionieren meiner Meinung aber sowohl in Farbe als auch in SW, auch wenn die Wirkung durchaus unterschiedlich ausfallen kann. Beispiel Nachtszene: SW lenkt den Blick eher auf die Strukturen, wohingegen nächtliche Farbbilder oft für das menschliche Auge verborgene Farben hervorzaubern.

Und nicht zuletzt: Wenig bis gar nichts halte ich davon, von vorneherein mißlungene Bilder durch eine Konvertierung zu "retten" (nicht, daß ich's nicht auch schon versucht hätte) - mit der Ausnahme vielleicht, daß das Rauschen unserer Nikon-DSLRs bei grenzwertigen Empfindlichkeiten in SW deutlich angenehmer wirkt. Aber dann kann ich auch gleich bei der Aufnahme den SW-Modus in der Kamera aktivieren. :)

Gruß Erik
 
Kommentar
Achja, es gibt noch eine Situation, wo man tatsächlich mit einer Konvertierung das Bild "retten" kann: Bei üblen Mischlichtsituationen. Dieses Bild wirkte in Farbe so irgendwie gar nicht, durch grünliches reflektiertes Sonnenlicht von draußen rechts, weißgelbes Sonnenlicht von links und gelbem Glühlampenlicht innendrin. Dazu kommt noch der graue Fleck mit dem roten Dings am Mittelpfeiler, der mir vor Ort aufgrund der düsteren Lichtverhältnisse gar nicht aufgefallen ist.

Das Bild hab ich aber auch schon in SW aufgenommen, extra zum zeigen nochmal zurückkonvertiert (RAW macht's möglich):

813748a21be07751d.jpg


Nochmal zum Vergleich in SW:
81374898beacbf379.jpg


Gruß Erik
 
Kommentar
Ralf, Erik, vielen, vielen Dank.
Ich melde mich morgen mit einer längeren Response - ich muß zeitig raus ....
LG, Andy
 
Kommentar
Das ist eine gute Frage und ich bin auch gespannt was fuer Antworten kommen.

Ich bin selbst grosser Fan von Schwarz-Weiss und hab mich sehr intensiv damit beschaeftigt. Trotz der Faszination Film und selbst entwickeln liegt meine Mittelformatkamera und S/W Filme nur noch im Regal. Die Vorzuege von digital sind fuer mich zu gross als das ich noch Film anfassen wuerde.

Schwarzweiss-Konvertierungen sind also mein Weg. Ich hab in Photoshop und Lightroom sehr viel experimentiert und mir Photoshop Aktionen gemacht die ich auch verkaufe. In weniger als zwei Jahren habe ich damit den Gegenwert meiner ganzen Fotoausruestung eingenommen. Man darf den Markt nicht unterschaetzen.

Ich fotografiere mit ETTR und meine Einstellungen in der Kamera machen das LCD fast unbrauchbar um den endgueltigen Look zu sehen, erst recht wenn es um S/W geht. Ich muss also S/W im Kopf sehen. Das hat auch eine Zeit gedauert. Alleine diese Einsicht ist ja schon der erste Schritt. Ich habe Zig Leute die mich per email fragen welche Nachbearbeitung ich verwende um meine S/W so hinzubekommen. Also ob ein gutes S/W Bild reine Nachbearbeitung weare.

Ein gutes Foto ist immer die Voraussetzung. Keine S/W-Konvertierung kann ein Foto gut machen wenn es schlecht ist. Kontrast in Helligkeit und Farben ist ganz wichtig fuer S/W. Weil bei S/W die Farbe fehlt braucht es mehr von "allem Anderen" um genauso interessant zu sein.
Manchmal kann aber auch die Reduzierung genau das sein was das Foto besser macht. Ein bunter Hintergrund kann irre vom Hauptmotiv ablenken, wenn in S/W die Farben weg sind wird der Hintergrund viel "ruhiger".

Ein einfacher Trick ist durch einen kraeftigen Graufilter zu schauen. Je dunkler um so weniger sehen wir Farben, gleichzeitig wirkt es auf uns kontrastreicher, weil das Auge bei weniger Licht einen kleineren Dynamikumfang hat.

Wenn ich ganz bewust S/W fotografiere achte ich auf viel Struktur und gutes, interesantes Licht.
 
Kommentar
  • Wie sie eine Szene aus dem Blickwinkel eines S/W Fotos vor dem Aufnehmen betrachten. Was ist wichtig und relevant? Was ist irrelevant? Auf was wird das Augenmerk gelegt? Wann und wo beginnt die Transformation des farbigen Sehens zum gedachten fertigen S/W Bild? etc ...
  • Woran sie die Unterschiede zwischen einem aufgenommenen S/W Bild und einem nachträglich konvertierten farbigen Bild zu S/W festmachen?
  • verwendet ihr noch die alten Farbfilter?

  • Die Tipps mit "Filter vors Auge/Objektiv halten" wurden ja schon mehrmals erwähnt. Mir hat der Blick durchs Rotfilter in der Anfangszeit auch den Blick für graphische Strukturen geschärft. Irgendwann ist der Motivcomputer im Hirn so trainiert, dass die Filterhilfe entbehrlich wird.
  • dazu kann ich leider nichts beitragen, vielleicht sollte ich's mal digital probieren;)
  • Das "Ampel"-Set (rot, gelb, grün) ist immer dabei.

Meinen bevorzugten Motive (Industrieruinen, aufgelassene Bahnstrecken u. ä.) "schreien" geradezu nach s/w, da graphische Strukturen primär für den Bildeindruck verantwortlich sind. Außerdem bringt s/w da die manchmal gewollte "wehmütige" Grundstimmung sehr gut rüber. Aber auch handfestere Gründe gibts: Die allgegenwärtigen bunten Plastik(müll)säcke verschwinden in (optischer) Belanglosigkeit.

lG
Wolfgang
 
Kommentar
Moin zusammen,
nun, die Frage ist schwer zu beantworten. Als ich vor 30 Jahren begann, mich ernsthafter mit der Fotografie zu beschäftigen, blieb mir als Schüler aus Geldgründen nur S/W. Da ich auch noch Spaß an Entwicklung und Vergrößerung hatte, sowieso.

Es ist also nicht so, daß ich bei der Bilderstellung die Farbe gedanklich ausblende. Ich schaue bei S/W nach der Führung des Lichts, nach geometrischen Linien und Kontrasten. Somit hat es was grafisches (was nicht heißt, das das Ergebnis immer was wird). Ich hab damals intensiv Farbfilter benutzt und mir die Wirkung auf S/W in Büchern angelesen. Will heißen, daß ich stumpf auswendig gelerntes angewendet habe. Durch die Duka-Arbeit ist daraus dann Try and Error geworden. In Summe wie Autofahren, irgendwann geht es in Fleisch und Blut über.

Gruß
Knut
 
Kommentar
Jedes Bild, dessen Aussage sich auf die reine Lichtwirkung zurückführen läßt, ist per se ein sw-Bild. Das heißt, wo die Farbe vernachlässigbar wird, lasse man sie auch weg. Grafische Strukturen sind nur eine Untermenge davon, aber am einfachsten zu sehen. Je länger man sich mit sw beschäftigt, desto reduzierter oder auch konzentrierter werden die Aussagen. Sw mit all seinen Beschränkungen hilft, das Auge zu entwickeln.

Bsp.:

2288048a2a00844844.jpg


Die Entscheidung, das Bild nach sw zu konvertieren wurde von zwei Dingen beeinflußt:
a) zu viele Farbinformationen, die vom Bild (dem Licht) ablenken (Müllbehälter, Fluchtweg-Schild, unterschiedliche Farben in in den Reflektionen)

b) die Figur wird der Farbe wegen viel zu unruhig, um als Gegenpol zur Fläche zu wirken

meiner Meinung nach als sw-Bild viel besser (und der Wirkung zum Zeitpunkt der Aufnahme viel näher)

(ich habe mittlerweile gelernt, sw zu sehen, und ja, man muß es trainieren und jedesmal wieder neu, wenn man sich zu lange nur mit Farbbildern beschäftigt hat - aus welchen Gründen auch immer - das ist wie der bewußte Schritt zurück zur analogen Fotografie von der Digitaltechnik - man braucht eine Zeit lang, um wieder zu "komponieren")

gruß jan
 
Kommentar
Hinzu kommt ein psychologischer Aspekt. Die älteren von uns sind mit S/W (allegemein, mit silberbasiertem Film) aufgewachsen und haben von jeher ein gewisses Gefühl für die Realität im Vergleich zu deren Abbild in S/W. Aus dieser Zeit (so sagen die Gelehrten) kommt auch die Abneigung gegen digitales Rauschen und eine gewisse Sympathie für Filmkorn.

Gruß
Knut
 
Kommentar
Ich melde mich auch mal zu Wort.

Ich fotografiere jetzt überwiegend analog, da ich gerne den Prozess zu Hause vollständig beherschen möchte. Ich versuche an die optimale Belichtung zu kommen, was in S/W durch die höhere Toleranzen ja einfacher ist.

Außerdem stören an einem Bild die Farben und lenken von der Bildaussage einfach zu sehr ab. Manchmal ist weniger mehr. Diese Aufnahme hätte ich nie in Farbe gemacht, die bunte Kleidung, Das Spielzeug im Hintergrund, gelb-oranges Sonnenlicht wären ein Störfaktor gewesen.

2725169514_68beac8abf_o.jpg

Fuji Acros 100

Bernd aka Balise hat mal gesagt, das Farbe ein Dimension ist, was er nicht behersche. Ich denke ich kann es sehr gut nachempfinden.

Hier geht es auch um ein Beispiel, was in Farbe nicht so gut kommen würde.

2750681994_48ce871068_o.jpg

Fuji Acros 100

Ich möchte eines Tages auch ein paar schöne Abzüge aus meine junge Jahren in der Hand halten können. :D

@ Andy, ja ich verwende alle Filter, von Gelb bis zu R60 Rot für die S/W Fotografie. Bei der Auswahl orientiere ich mich an die Empfehlungen aus den 70-ern und 80-ern.

OT, hast du mein PN von ein paar Tagen her bekommen?

@ David, ich gebe dir Recht, man muss schon in S/W sehen um die S/W aufnahme glaubhaft und wirkungsvoll umsetzen zu können.
 
Kommentar
István, danke für's Stichwort.....:)

nachdem ich einige Postings gelesen habe, ging mir das mit dem S/W durch den Kopf und ich suchte nach einer griffigen Erklärung bezüglich des "Sehens".
Viel fiel mir da nicht ein...

Oder doch:

S/W Fotografie ist die aus einzelnen Tönen gespielte Musik,
Color ist Musik, die aus Akkorden besteht, oder so ähnlich.....

LG
Bernd
 
Kommentar
Stephanie, ja, manchmal ist weniger mehr! Wer versucht ein schlechtes Farbbild in S/W um zu setzen scheitert sehr oft, da das Bild keine Spannung, Inhalt oder einfach keine angenehme Grautöne hat. Das sollte man vor auge führen, wenn man etwas in S/W presentieren möchte.
 
Kommentar
Hinzu kommt ein psychologischer Aspekt. Die älteren von uns sind mit S/W (allegemein, mit silberbasiertem Film) aufgewachsen und haben von jeher ein gewisses Gefühl für die Realität im Vergleich zu deren Abbild in S/W. Aus dieser Zeit (so sagen die Gelehrten) kommt auch die Abneigung gegen digitales Rauschen und eine gewisse Sympathie für Filmkorn.

Gruß
Knut

Dem möchte ich (Jhrg. 67) widersprechen. Ich habe in meinem ganzen Leben einen S/W Film (meinen allerersten 1978) verschossen und dabei festgestellt, das ich nicht S/W sehen kann. :nixweiss:

Wenn ich hier manches S/W Bild ansehe, merke ich, das ich das Motiv Lebtag nicht gesehen hätte :frown1:
 
Kommentar
....ein schon sehr interessanter Thread....:up:

Aufgewachsen bin ich noch mit s/w Fotografie...damals, als kleine Hüpfer hat meine Mutter nur mit s/w Filmen gearbeitet.
Die alten Fotografien mit alten Kern Kameras vom Grossvater haben mich schon als kleiner Junge beeindruckt...
Und ein guter leider verstorbener Freund hat als Graphiker privat ausschliesslich s/w fotografiert, selber entwickelt und wir haben Stunden zusammen verbracht, über einzelne Bilder zu diskutieren...

Nun wie man aufgewachsen ist prägt einem schon, nicht das ich stehen geblieben bin, aber ich habe die s/w Fotografie besonders gerne.
Manche Bilder brauchen von ihrer Wirkung und ihrer Gestaltung die Farbe nicht. Aber ich habe auch gelernt, dass es nicht immer so ist, dass ich von anfang an sehe, ob ich es in s/w oder Farbe möchte. Sehr oft ist es aber so, dass wenn ich "mein Bild" sehe, ich genau weiss, dass ich es in s/w konvertieren werde.

Und vielleicht hat ja das Ganze ja auch einen biologischen Hintergrund : Bei Farben konzentriert sich unser Auge viel mehr auf die Farbe und weniger auf die Handlung, sprich: es müssen andere und mehr Informationen im Gehirn verarbeitet werden als bei der Betrachtung eines s/w Bildes.

59448a2eaeb9f5e8.jpg


Dieses Portrait in Farbe hätte bei soviel Gegenlicht keinen nennswerten Effekt. Mein guter Freund, der mit seiner Familie mit uns in der Bretagne war, und wie ich mit seiner Kamera beschäftigt war, gibt in s/w das ab, was ich wollte: die konzentrierte Handlung beim Fotografieren...

Fazit für mich persönlich: bei s/w Aufnahmen konzentriere ich mich vor dem Auslösen wesentlich mehr auf Aussagen, Handlungen und Wirkung. Bei Farbbildern steht primär die Farbkombination im Vordergrund.

Landschaft, Makro, Portrait oder Street...es gibt überall Motive für s/w...dennoch möchte ich noch eines hinzufügen: letzlich ist es immer wieder eine Sache des Geschackes.
 
Kommentar
Dem möchte ich (Jhrg. 67) widersprechen. Ich habe in meinem ganzen Leben einen S/W Film (meinen allerersten 1978) verschossen und dabei festgestellt, das ich nicht S/W sehen kann. :nixweiss:

Wenn ich hier manches S/W Bild ansehe, merke ich, das ich das Motiv Lebtag nicht gesehen hätte :frown1:

Moin Stefan,
ich habe ja auch nicht gesagt, daß ich S/W-sehen kann. Ich (Jg 63) habe viel mit S/W gemacht und meine nur die Erfahrungswerte, die über die Zeit kamen. Es ist gefühlt und dieses Gefühl täuscht auch oft (im Ergebnis).

Aber ist es nicht so, das wir damals oft die S/W-Bilder, die uns unsere Eltern gezeigt haben gedanklich mit Farbe gefüllt haben, weil wir uns an die Situation (den Inhalt des Bildes) erinnert haben?

Gruß
Knut
 
Kommentar
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten