Ein Koffer für die Ewigkeit ...

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Der Wind geht. Die Wolken werden transportiert, die Sonne erhält hie und da freien Zugang zur Erde. Wann immer ich mich drehe, ist die gleiche Szene anders. Nie langweilig.

Mir war es - soweit ich mich erinnern kann - nie langweilig mit meinem Vater. Aber auch nicht mit meiner Mutter. Gute Gespräche, gemeinsame Ausflüge, was auch immer. Ich fand immer, dass ich die Stunden und Tage mit ihnen lohnten. Nahe und spannend und mit viel Humor.

Den Motiven nahe sein, dass weiss ich, dass ich das muss, um überhaupt zu fotografieren...anders geht es nicht ...


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Mit den Hunden gehe ich an Orte, welche ich zwar kenne, aber ich davon ausgehen kann, dass zur dieser Zeit keine Menschen sind.

Ich ziehe mich zurück, wenigsten für ein paar Minuten Ruhe. Ich versuche durch zu atmen, die Landschaft zu geniessen, die permanente Anspannung ab zu bauen ...


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Stille Momente. Ich bin froh bewegen sich die Bäume nicht noch im Wind. Das Wetter ist mir egal ...

Die Tage sind lang, zwischendurch brauche ich eine Pause. Und dennoch bräuchte ich immer mehr Zeit für mich. Gedanken ordnen, Stille und Ruhe. Die Nächte sind kurz. Jenem, welche ich tagsüber nicht nachkommen kann, meldet sich nachts ...


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Ein besonderer Moment, welcher mich an die unzähligen Wanderungen mit meinem Vater erinnerte. Gehen, oder vielmehr marschieren konnte er bis ins hohe Alter. Und ich - ja nicht unbedingt der Langsamste, hatte oft Mühe mit ihm das Tempo zu halten. Und dennoch vermochte er das um ihn genau wahrzunehmen...

Und es hat mich einmal mehr daran erinnert, welche Beobachtungsgabe er mir mit gegeben hat. Die Bäume stehen still, der Mensch geht. Ein Bild für mich mit grosser Symbolkraft ...


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Ich empfinde Stress. Vieles bleibt liegen, das Wochenende ist für meinen Vater reserviert.

Die Wolken wirken wuchtig auf mich. Sie bedrücken mich. Der Alltag ist stressig, nirgends komme ich mehr nach. Die Temperaturen von null Grad empfinde ich als unangenehm - weder warm noch kalt. Spaziergängern und Reitern weiche ich aus. Zu meiner Musik finde ich heute nur schwer Zugang. Die Nächte sind mit häufigen Wachsein unterbrochen. Dann stehe ich auf, starre aus dem Fenster in die Dunkelheit.


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Ich finde meine Bilder nicht schön heute. Aber authentisch. Ein schlechter Trost. Meine Bilder verwirren mich und ich mag sie im Moment nicht. Rational weiss ich, dass auch das dazu gehört. Dennoch.

Als ich das Helle erblickte rechts neben der Burg, dachte ich, dass es schön wäre, wenn Vaters Seele in dieses Helle fliegen könnte. Aber das Sterben ist ja nicht kontrollierbar und Seelen nicht führbar ...


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Vielleicht hatte Mozart beim Festen mehr musikalische Ideen als manch andere Komponist. Vielleicht holte Vivaldi seine Ideen und Melodien weitgehend von seinen Kindern im Ospedale.

Dies ist kein kreativer Ort. Wenn ich hier ankomme, dann tue ich eigentlich nur noch. Setze um, was ich wahrgenommen habe.

Es hat mich heute Abend daran erinnert, dass ich Vater nach seiner Pensionierung den Computer erklärt habe. Dabei blieb es. Ein Aufwand für die Katze. Wenn es darum ging, dass er nach draußen gehen kann, zu Menschen, in die Natur, dann war er immer dabei. Ein Computer, das ist Monolog....

Und heute, ja heute, verstehe ich ihn sehr gut. Die Steuerbehörde und das Treuhandbüro sitzt mir in Nacken. Und ich? Ich träume von Venedig, von Vivaldi, von Händel in seinen Italienjahren. Langsam finde ich wieder Zugang zur Musik, werde ruhiger.

Wenn ich zur Musik finde, dann finde ich wieder zu mir selbst. Wenn ich wieder zu meinen Bildern finde, dann finde ich auch wieder zu mir. Langsam...

Abschied hat auch damit zu tun, dass man Überflüssiges von Bord wirft. Oder anders gesagt, dass man den Weizen vom Spreu trennt ...


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Trauer überwiegt seit gestern Abend. Ein Gefühl dass ich kenne.

Im Radio spielten sie das Chorfantasie von Beethoven mit dem Gewandhaus Orchester Leipzig. Vor mehr als zehn Jahren bin ich auf dieses Werk gestossen. Und ich weiss noch, dass ich es Vater abgespielt habe...

Wenn alles vorbei ist, das haben meine Frau und ich beschlossen, dann gehen wir nach Leipzig. Und ich weiss schon jetzt, dass ich dort die Töne sehen werde ...

Schnee. Den Spaziergänger am Waldrand sah ich nicht. Aber Erinnerungen wurden wach ...


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Bei Anblick der verschneiten Landschaft kommen mir Erinnerungen an unsere Skiferien hoch.

Die schönsten Ferien in einem Walliser Seitental. Und wir konnten Skifahren bis über 3'000 Meter über mehr. Und wir hatten immer Schnee. Vater fuhr gut Ski und wenn das Wetter stürmisch oder bewölkt war, dann sahen wir ihn trotzdem. Er war der einzige Skifahrer mit einer roten Zipfelmütze ...

Ich sitze auf diesem schwarzen Stuhl im Büro und lasse mir die Bilder von diesen Ferien vor Augen führen. Zum Schnee hier, fehlt mir im Moment der Bezug ...


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Das Durchleben von Abschied und eben auch Trauer hat auch Gutes. Ich werde zurück geworfen auf mich selbst. Ich stelle mir Fragen, mache mir Gedanken.

Der Jurahügel wirkte heute Morgen wie eine Rückkopplung auf mich selbst. Über den Berg sah ich nicht, ich hatte mich mit mir selbst zu beschäftigen...


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In diesen Weinbergen haben mein Vater und ich einige Stunden verbracht. Das herbstliche Traubenlesen war für uns immer ein Event. Und die Degustation dann auf dem Bauernhof im Frühjahr ebenfalls.

Heute ist er verschneit, ruht. Und der Gedanke kam mir, dass mein Vater nun auch bald ruhen darf. Ich wende meinen Blick weg vom Weinberg und gehe weiter....


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Deine Traurigkeit und Rastlosigkeit kann ich in Deinen Bildern spüren, Sam.

Oft nehme ich Gedanken, die Du hier auslöst mit auf meinen Spaziergang, es lässt mich über das Leben nachdenken...

Ich möchte Dir mal Danke sagen, dass Du Deine Empfindungen mit uns teilst :)
 
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Die letzten Stunden, wie viele es noch immer sein mögen. Wir sassen am Bett von meinem Vater, die Seele geht langsam. Seelen sind autonom. Sie entscheiden wann sie gehen und sie entscheiden wie sie gehen ...

Heute Abend gibt es Braten, Kartoffelstock, gedörrte Bohnen und Rotkraut. Ich bin zurück zu Hause und mache mich langsam ans Kochen. Mein Vater hat immer gerne gut gegessen, nicht vornehm, aber gut...

Am Bett hörten wir Mozarts Konzert für Harfe und Flöte. Die Flöte gespielt von seinem Patenkind. Wunderschön, innig....

Und doch merke ich, dass ich in dieser Hütte bin, rechts oben. Ich lasse, alleine, Vaters Leben noch einmal an mir vorbei ziehen, und schliesse langsam ab. Erinnerungen werden ewig bleiben, Vaters Körper geht ...


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Sam, deine Bildsprache ist sehr schön. Manchmal der Himmel sehr dramatisch, aber es passt. Die Motive und Umsetzung gefallen mir.

VG
Willy
 
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Mein letzter Beitrag in diesem Beitrag.

Die Wolken haben sich um zwei Uhr diese Nacht verzogen. Der Mond leuchtete, die Sterne.

Der Himmel hat sich für meinen Vater geöffnet und er hat die Reise angetreten.


Meine Fotografie

Lasst mich freuen und lachen
über die vielen schönen Stunden.

Lasst mich freuen über die Begrüssung.
Lasst mich weinen über den Abschied.

Ein Motiv ist Leben. Ich begrüsse es.
Und ich nehme Abschied von ihm."​


Es ist mir ein grosses Anliegen zu danken:

Ich bedanke mich bei Anja [MENTION=74053]AnjaC[/MENTION] und [MENTION=1]Klaus Harms[/MENTION] und dem ganzen Team dieses Forums. Ich habe sie gebeten, mich in diesem Beitrag zu begleiten und ich bin Euch so dankbar.

Einen besonderen Dank geht an Claudia [MENTION=118377]stellaluna[/MENTION] und Hans [MENTION=67660]cavetenshi[/MENTION]. Eure Unterstützung war und ist für mich unermesslich ...

Ich danke von Herzen Euch allen. Für die stille und die aktive Begleitung und für den Respekt welcher Ihr mir und meiner Fotografie entgegen gebracht habt. Ich bedanke mich für die zahlreichen Mails die ich erhalten habe. Sie haben mich alle sehr gefreut und berührt.

Ich habe in den letzten Wochen Grenzen überschritten, nicht nur menschlich, auch fotografisch.

Ein Leben in Bildern, Bilder im Leben ....

Meine geliebte Frau hat diese Kerze angezündet. Sie steht im Korridor. Mehr kann ich nicht mehr fotografieren...



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*****​
 
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Sam, auch von mir mein tiefstes Beileid.
Ich mag mir gar nicht ausmalen wie es ist, wenn ein Elternteil geht...
Ich wünsche euch viel Kraft, irgendwann seht ihr euch wieder.
 
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