Ein Koffer für die Ewigkeit ...

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Ein Ästhet ist mein Vater nicht. Auch wenn er für Kunst doch viel übrig hat. Er hat es nicht gelernt. Seine Generation hat dies wenig gelernt, oder zumindest in seiner Familie musste es zweckmässig sein.
Das ist noch die "Kriegsgeneration". Sie behielt viel auf, Flaschen, Töpfe. Man trug den Sachen Sorge, pflegte es und entsorgte es erst, wenn es umreparierbar war ...

Ich mag Flaschen, alte Flaschen. Und ich mag den Wein in den Flaschen oder den Grappa oder den selbstgerechten Sirup. Die Zeiten sind aber nun vorbei, wo wir mit dem Vater ein Glas Wein trinken können...


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Wir Kinder haben alle ein Instrument gelernt. Und leider nicht fortgeführt. Dennoch blieb Musik für alle von uns ein ständiger Begleiter ...

Mein Vater ist ein guter Sänger. Jetzt nicht mehr. Er bringt die Lieder nicht mehr zusammen.

Aber in der Kirche, damals, sass ich am liebsten neben ihm. Er hatte eine wunderschöne Stimme ...


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Hinschauen, gerade jetzt, im "Davor". Genau hinschauen. Wahrnehmen. Und in jeder Ecke im Flohmarkt entdeckte ich eine Geschichte....

Ein charmanter Mensch ist mein Vater. Den Kindern winkt er wenn sie vor ihm über den Fussgängerstreifen gehen. Und wenn er noch kann, dann spricht er mit jedem Menschen. Sich unterhalten mit seinem Gegenüber, dass war und ist ein zentrales Anliegen von ihm ...


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Und so passt auch dieses Bild in diese Reihe.

Der Monitor gibt die Töne wieder vom Saxophone. Gespräche sind für meinen Vater immer eine Bereicherung. So hat er das in den meisten Fällen verstanden. So wie Töne letztlich auch nur eine Kommunikation sind.

Oder wie es Carl Philipp Emanuel Bach formulierte:

Musik ist für höheres bestimmt als lediglich die Ohren zu füllen. Ihr Auftrag ist unser Herz zu berühren ...


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Vielen Dank für Deine Fleißarbeit und die vielen netten kleinen Geschichten zu den wunderschönen Bildern.
LG, Unixx akaWilhelm
 
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Eigenartig, denke ich, wie man an einem Flohmarkt eine Rückschau halten kann...

Das Spielzimmer. Ich hatte ein grosses Zimmer und mein liebstes Spielzeug waren die Abfallhölzer vom Umbau Anfang der 70er Jahre. Und ein Schaukelpferd hatte ich auch. Aber nur eines aus Holz. Ohne Sattel und ohne weiches Kissen...

Das Gutenachtsagen war immer ein Ritual. Von Mutter und Vater. Und wohl für alle Menschen eines der wichtigsten. So auch für mich ...

Mein Vater spricht nicht mehr viel. Und dennoch hat er sehr klare und wache Momente. Und so berühren wir uns viel. Die Hand halten.


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Oft ist man sein eigener Choreograph. Im Moment übernehmen wir einen Teil der Choreographie von Vaters Alltag. Vor allem seine Frau, meine Mutter.

Aber innerlich tanzt er immer noch, und emotional wird er vermutlich immer sein eigener Choreograph bleiben...so wie er es immer gemacht hat ...


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Ich mag mich an ein paar Bücher erinnern, welcher er las. Heute guckt er noch in die Zeitung, viel bekommt er nicht mehr mit.

Ein Autor welcher mir einfällt ist Alexander Issajewitsch Solschenizyn. Viel hat er von ihm gelesen ...

Bücher, seine Entspannung ... vielleicht hat er ja das eine oder andere Buch auch gedanklich im Reisekoffer ...


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Der letzte Gedanke für heute ...

Ja, Leben. Wenn man, wie mein Vater, den Rhythmus im Leben weitgehend selbst bestimmen kann, hart dafür arbeitet aber eine solche hohe Dankbarkeit und Zufriedenheit mit sich und der Welt erreicht, dann ist man mit sich im Reinen.

Die Lebensrassel. Er hat uns immer gezeigt, dass wir viel vom eigenen Rhythmus selbst bestimmen können. Und gleichwohl hat er uns immer gesagt, dass wir damit achtsam und mit grösster Dankbarkeit umgehen müssen ...


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Bilder 9&10 sind einfach nur fantastisch! Sehr gelungene....aehm...Kompo....ich verkneif mir das Wort:hehe::hehe:
 
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In den ersten Lebensjahren war Vater für mich heilig, ein großes Vorbild zum Aufschauen.
Ab ca. dem 12. Lebensjahr gingen die Generationskonflikte los, was eine stressige Zeit im Rückblick war.
Seit ich verheiratet war und klarmachte, dass ich meine kleine Familie trotz laufendem Studium selbst versorge, waren wir auf Augenhöhe im gegenseitigen, helfenden Respekt.
Nun, da er nicht mehr ohne die Hilfe Anderer existieren kann, ist da wieder so eine tiefe Sohn-Vater-Liebe, die keiner erklären kann.

Ich weiss garnicht, wo ich die Zeit dafür hernehme, die ist einfach da, weil es Lebenszeit füreinander ist und alles andere an Bedeutung unwichtig.

Ich denke, dass Vater-Sohn-Beziehungen zu den schwierigsten gehören, die wir Söhne und selbst Väter leben.

Danke, Sam, für Deine sensible Fotografie und emotionale Umsetzung dieses Themas in Deiner jetzt schweren Zeit. :)
 
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Der Tod kommt ja wenn er kommt. Oft unverhofft, oft für die irdischen Vorstellungen zu einem falschen Zeitpunkt ...

Wann mein Vater geht, dass wissen wir ja nicht und eigenartigerweise beruhigt das nicht, sondern lässt mich so in einem Warten verharren. Obwohl wir ja viel über Sterben geredet haben, immer wieder ist es immer anders, wenn man selbst mitten drin steckt ...

Aber irgendwann ist es dann auch so weit, dass mein Vater und wir alle mit dem Handwagen abtransportiert werden....Vor dieser Szene verharrte ich eine Weile. Einerseits ist es der Griff des Wagens, andererseits zeigt er ein Kreuz ...


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Eigentlich war ich nie der Flohmarkttyp. Ich mag es nicht, wenn Menschen mir ihre Ware aufdrängen.

Im Verlaufe des Lebens habe ich gelernt, das zu akzeptieren und mich entsprechend zu verhalten. Mittlerweile geniesse ich die Flohmärkte und empfinde die Stimmung und das Treiben höchst spannend.

Seit letzter Woche habe ich noch einen andern Zugang zu Flohmärkten. Eine Art wie ein menschliches Geschichts- und Bilderbuch. Für diese Erfahrung bin ich äusserst dankbar und erweitert meinen fotografischen Horizont einmal mehr ...

Und so empfinde ich auch durchaus Farbe in den diesen Bildern und Geschichten ...


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Ja, sogar Gemütlichkeit kann in mir entstehen. Mein Vater ist und war durchaus immer ein geselliger Mensch. Gemeinsames Essen, gemeinsame Gespräche, gemeinsam Dinge unternehmen ...

Und doch war und ist er auch jemand, der sich gerne einmal hinsetzt. Das Lesen geht fast nicht mehr, aber die Ruhe in sich suchen und finden, sind und waren wichtige Dinge in seinem Leben ...


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Wo auch immer wir den Arbeitsvertrag für diese Erde lösen, irgendwann begreifen wir, dass wir nur ein temporäres Angestelltenverhältnis eingegangen sind, nur das wir den Zeitpunkt der Kündigung nicht wissen.

Aber es ist nicht so, dass als Arbeitskollegen, wenn wir schon bei diesem Bild bleiben, etwas zu sagen hätten. Ich kann nicht in einen Streik treten, nur weil mein Vater in der Kündigungszeit ist. Gehen ist seine Sache und eben auch meine Sache, welche ich nicht delegieren kann ...

So nett mich der kleine Engel am Flohmarkt anschaut, so ratlos macht er mich auch. Sitzend in Gips gegossen frönt er ein Dasein auf dem Gestell. Und irgendwann habe ich begriffen, dass ich das nicht kann.

Aber vielleicht sind es nicht die flatternden Engel, die ich im Moment brauche. Flattern tue ich im Moment schon selbst genug. Jene Ruhe und jenes Lächeln wären mir jetzt lieber ...


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Legendär ist dieser Spruch vom Vater meines Vaters und bildlich am Flohmarkt gefunden:

Als die Eltern meines Vaters eine kleine Reise machen wollten regnete es in Strömen. Worauf der Grossvater zur Grossmutter sagte: lass den Regenschirm zu Hause, wir nehmen das Tram (Strassenbahn...)

Diese Geschichte hat uns unser Vater mehrmals erzählt. Und als ich diese Szene sah, könnte der Spruch dann heissen, könnte der Vater zu uns sagen:

Bleibt zu Hause, ich nehm' nun die Strassenbahn ...

Es gibt ja diesen wunderschönen berndeutschen Song von Polo Hofer: "s'letschti Tram" (die letzte Strassenbahn). Nicht nur eine Anspielung an die Nachtmenschen, sondern auch an uns: die letzte Strassenbahn kehrt nicht mehr zurück. Und wer sie besteigt, nimmt unweigerlich Abschied ...

So bleibt in diesem ganzen Prozess genau zu beobachten, auch wenn ich die Kamera manchmal am Liebsten zu Hause liesse ...


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Man sagt immer wieder, dass demente Menschen wie Kinder seinen. Das stimmt nicht.

Vielleicht reduziert unser Hirn einfach die Tätigkeit. Und überlässt so der Seele ihren Platz für die grosse Reise. Mein Vater ist kein Kind mehr. Vermutlich bekommt er noch sehr viel mit, auch das wir sagen. Aber vielmehr reagiert er auf Lachen, auf Berührungen.

So hat er sich in den Jurahöhen immer wohl gefühlt. Und es dünkt mich, als aber diese Höhen, auch wenn er sie gut kannte, immer wieder von Neuem entdeckte. Das ist etwas, was ich von ihm gelernt habe. Bekanntes neu entdecken. Immer wieder und immer wieder von Neuem staunen, wie schön es ist, auch nur vor die Haustüre zu treten ...


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@Sam,
deine Bildsprache gefällt mir. Auch deine Textbeschreibungen lese ich gern.
Beides ergeben immer eine kleine interessante Geschichte.

vg
willy
 
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Danke allen für die Thanks, die Daumen und das stille Mitlesen- und schauen. Für mich ist es sehr spürbar, dass ich begleitet werde ... dafür danke ich sehr herzlich ... :)

Die Tage sind hektisch. Arbeit und Familie und Organisation. Und zwischendurch Mails und Telefone. Und oft fehlt mir die Orientierung. Ich bin froh habe ich die Fotografie und die Musik.

Heute kam das Heft "PhotoKlassik" bei mir an. Endlich sehe ich mein erstes Bild, in einem Magazin. Ein besonderes Gefühl.

Und da bin ich über ein Musikstück gestolpert, im Radio gehört und es hätte mir fast die Scheiben zerberstet, so laut habe ich es gehört. Ich reagiere stark auf Emotionen in der Musik und irgendwie erscheint es mir, dass Musik sie noch verstärkt.

"La resurrezione" ein Oratorium von Georg Friedrich Händel ist es, was mich unglaublich fasziniert. Die Geschichte darum ist Geschichte. So wie sie ist. Aber die Musik, die Arien sind ja fantastisch. Mit 23 Jahren hat Händel das Oratorium in Rom komponiert. Und den Obrigkeiten gefiel es bis auf das, dass Händel sich als fremder Gast das Recht heraus nahm, einen Frau den Sopran zu singen und nicht ein Kastrat. Bei der zweiten Aufführung musste er sich dann fügen ...

Zivilcourage: ja, das hatte mein Vater immer bewiesen. Ihm halb dabei immer seine unglaublicher Sinn für Gerechtigkeit. Diese Eigenschaft habe ich aber von beiden Elternteilen mitbekommen.

Die kurze Ablenkung mit den Hunden und leider nur mit meinem Handy nutze ich, alte Pfade zu gehen. Aber irgendwie passt dieses Bild, aus der Handkamera. Es ist ein Ort, wir Kinder unsere ersten längeren Spaziergänge machten. Und ein Bauernhof, wo wir fast wöchentlich ein- und ausgingen....


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