Nochmal zur Entstehung von Kalkfelsen. In #32 hatte ich dazu etwas ausgeführt. Meist wird an Riffkalk geklettert, also an Fels, der vor vielen Millionen Jahren im Meer entstand. Kalkstein entsteht aber auch sehr viel schneller: Wir kennen alle die Tropfsteine, Stalagmiten, Stalagtiten, Sinterterrassen und ähnliche Formationen. Sie bestehen aus Sinter. Kalkstein ist porös, es dringt also Wasser ein und wieder aus. Wo das Wasser beständig austritt, entsteht durch mineralische Ablagerung Sinter. Dieses Gestein ist nicht wie die Riffkalke Millionen von Jahre alt, sondern nur einige Tausend.
Geklettert wird an
Sinterfahnen. An einer Kalksteinwand ablaufendes Wasser, das nicht an einer Kante abtropfen kann, fließt nach unten. Durch Ablagerungen bilden sich zunächst wulstartige Streifen, die im Lauf der Jahrtausende langsam wachsen, sowohl in die Breite als auch in die Tiefe (also von der Wand weg). Schließlich entstehen die annähernd senkrecht zur Wand langsam wachsenden Sinterfahnen, die durch schwankende mineralische Beimengungen oft farblich markant sind sowie manchmal gebändert erscheinen. Sie bilden oft wellenartig „gefaltete“ Strukturen. Die Breite einer Sinterfahne liegt in den meisten Fällen zwischen 5 und 20 Zentimetern, kann aber auch über einen Meter betragen.
Auf Sardinien erkletterte ich vor vielen Jahren (es gibt davon nur Dias) eine Sinterfahne, die etwa einen Meter von der Wand weg stand. Wenn man mit der Hand darauf schlug, gab es einen wunderschönen tiefen Glockenton .....
Da Sinterfahnen eine deutlich geringere Dichte als Riffkalk aufweisen und daher weniger stabil sind, werden Sicherungshaken immer in die Wand daneben gesetzt.
Unter Kletterern bekannt sind die riesigen Sinterstrukturen an den Wänden der griechischen Insel Kalymnos. Oder die Wände von Seynes/Südfrankreich. Aber auch in Finale gibt es etliche Felsen, wo man an diesen faszinierenden Strukturen Klettern kann.
Hier die Route "Per uscire dalle tenebre" 6c+ in der Grotta dell'Edera.
Meist sind es ganze "Teppiche" die vor dem Riff schweben und sich mit den Wellen bewegen. Diese Anblicke geniesse ich immer beim Austauchen am Riff. Mit Aquarien und Fotos durch die Scheibe hab ich so meine Probleme
Aber sehr schöne Reportage