Auf dem Weg nach unten kommen wir nach ca. einem Kilometer zur Wiegestation. Hier wird die Rattanstange genau in
der Mitte in einen Haken gehängt und das Gewicht exakt ermittelt. Dabei passen die Schwefelschlepper genau auf,
dass das Gewicht richtig abgelesen wird, hängt doch ihre spätere Bezahlung daran. Sie bekommen für das getragene
Gewicht eine Quittung, für die sie später ihr Geld bekommen. Danach werden die beiden Körbe weiter nach unten
getragen, wo sie auf einen Lastwagen abgeladen werden. Die Lauftechnik beim Runterlaufen ist eine völlig andere
als beim Hochlaufen. Hier machen sie nun kurze, schnelle Trippelschritte, es sieht so aus, als würden sie leicht
traben, ja fast rennen. So entlasten sie bei jedem Schritt die Knie und die Muskulatur, da sie nicht jeden
Schritt abbremsen.
An der Wiegestation wird das Gewicht genau abgelesen
Die Lastwagen bringen den Schwefel dann ins nahe gelegene Dorf Licin zur Firma
PT Candi Ngrimbi, die von der
Regierung die Lizenz für die Mine gekauft hat. In der Fabrik wird der Schwefel in einem Ofen erhitzt, d.h.
verflüssigt, und von Steinen, Erde und Sand gereinigt. Die Firma kauft und verarbeitet den Schwefel hier nur,
weil sie ihn über die Schwefelmine vor Ort noch günstiger beziehen kann, als sie ihn auf dem Weltmarkt kaufen
könnte: Schwefel ist ein Abfallprodukt aus der Erdgas- und Erdöldestillation, deshalb gibt es ihn im Überfluss.
Der gereinigte Schwefel wird dann an die Zuckerraffinerien im Land verkauft, wo er zum Bleichen des Zuckers
dient. Aber auch die pharmazeutische und die chemische Industrie in der 200 Kilometer entfernten
Provinzhauptstadt Surabaya sind Abnehmer, zum Beispiel für die Herstellung von Medikamenten oder auch Dünger.
Am Kraterrand entlang, auf der anderen Seite nach unten - mitten durch die Touristen
Der Vulkan Ijen gilt, alles in allem, als so gefährlich und unberechenbar, dass Gefahrenzonen von 8 und 12
Kilometern Durchmesser eingerichtet wurden. Die größte konkrete Gefahr geht dabei vom türkisblauen See aus, der
zwei Drittel des Kraterbodens bedeckt, denn vor allem der Vulkanschlot auf seinem Grund ist unberechenbar:
• 1817 schleuderte eine Eruption riesige Schlammfontänen aus dem See,
die unzählige Menschen und Felder unter sich begruben.
• 1976 erstickten bei einem Gasausbruch 49 von 50 Schwefelarbeitern.
• 1989 starben weitere 25 Schwefelarbeiter bei einem Gasausbruch.
Am Kraterrand des Mount Ijen
Nach starken Regenfällen floss früher das säurehaltige Wasser des Kratersees über den Kraterrand und richtete
große Schäden an den Reisfeldern und Zuckerrohrplantagen der nördlichen Küstenebene an. Deshalb hat man bereits
1921 eine Schleuse gebaut, die das eigenmächtige Abfließen des sauren Wassers unterbindet. Die Mauern dieser
Schleuse bestehen aus Schwefelblöcken, da andere Baumaterialien dem sehr sauren Wasser auf Dauer nicht
standhalten!
Blick auf den Nachbarvulkan „Gunung Raung“
Manchmal ist es also gut und richtig, dass der Mensch so in die Natur eingreift. Aber eigentlich hat er an so
einem Ort direkt nichts zu suchen, weder als Arbeiter, noch als Tourist. Und doch übt die gesamte Vulkanwelt
diese eigenartige Faszination auf uns aus, obwohl sie so gefährlich ist. Oder vielleicht, gerade weil sie so
gefährlich ist? Weil sie uns so nahe an unsere Schöpfung bringt, weil das Universum uns ein klein wenig Zeuge
sein lässt?
Blick zurück in den Krater des Mount Ijen
Wenn man da steht und zurück in den Krater schaut, oder wenn man diese blaue Flamme sieht, diesen durch
Überhitzung entzündeten Schwefel, der tief aus der Erde strömt, dann erlebt man nicht nur ein schönes
Naturschauspiel, sondern hautnah die ungezügelten Gewalten unseres Erdinneren. An Orten wie diesem zeigt sich
uns die Natur immer wieder in ihrer ursprünglichsten Form und Kraft. Was uns daran erinnern sollte, dass wir
von ihr abhängig sind, und nicht
umgekehrt.
Blue Fire: eigentlich zu nahe dran
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End ~