ich möchte zum Thema DX vs. FX noch eine reine Marketing-Sicht zum Besten geben:
Das große Problem aus Marketing-Sicht ist die Differenzierung zwischen high-end und Mittelklasse (sprich: zwischen D3 und D300). Wie kann man den Preisunterschied rechtfertigen?
Dies ist momentan perfekt gelungen - fast alles gleich, außer dem Sensor. Dieser Feature-Unterschied rechtfertigt einen Preis-Unterschied von rd. 2700 €. Auch die Diskussionen in diesem Forum zeigen, dass (warum auch immer) diese Logik akzeptiert wird.
Die Preispositionierung geht einher mit einer schönen Marktsegmentierung, nämlich D3 für den Profi, D300 für den anspruchsvollen Amateur. (Naja, aus Nikon-Sicht funktioniert diese Segmentierung auch schon nicht perfekt, denn es gibt ja auch Profi-Anwender der D300. Die Welt ist eben nicht perfekt)
Was passiert also in Zukunft? Gäbe es keinen Wettbewerb, so würde Nikon mit ziemlich Sicherheit diesen Zustand (FX = Profiklasse, DX = gehobene Mittelklasse) aufrecht erhalten. Canon schläft aber nicht und irgendwann wird man nicht umhin kommen, FX in die Mittelklasse einzuführen. Nikon muss mitziehen - notgedrungen. Und ich garantiere: dieser Fakt hat nicht mal im Ansatz etwas mit der Frage zu tun, ob das aus Anwendersicht sinnvoll ist oder nicht!
Interessant natürlich die Überlegung, wie sich denn in Zukunft eine FX-Mittelklasse von einer FX-Profiklasse differenzieren wird. Ich denke mal, das wird garnicht einfach und muss sich (nachdem alle high-end features ja schon in der Mittelklasse verfügbar sind) nun ja fast auf die Eigenschaften des Sensors beziehen. Vermutlich wird die Profiklasse einfach in der Pixelzahl nach oben gehen (wie schon bei Canon) und der Sensor in der Mittelklasse wird eben bei 12 Mpix stehenbleiben. Dumm nur, dass das Rauschverhalten etwas mit der Pixelgröße zu tun hat. Da schießt die Physik quer ins Marketing. Dumm gelaufen.
Und noch was: Nikon kann eigentlich keine Mittelklasse FX-Kamera einführen, ohne einen Nachfolger der D3 zu präsentieren. Denn wer würde sonst noch das high-end kaufen? Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Problem!
Und wie gesagt: die Zukunft von DX ist nur zum Teil eine technische, bzw. eine Anwendungsfrage. In erster Linie geht es um Marketing. Und da ist es IMMER so, dass high-end features (und FX ist ganz klar ein solches) irgendwann nach unten wandern (siehe die Analogie bei Autos!). Somit kann man (ob man will oder nicht) schon darauf wetten, dass DX irgendwann "zurückgehen" wird (ich drücke mich mal vorsichtig aus).
Es gibt übrigens einen (und ich denke, eben nur einen) Weg, DX zu retten: Nikon müsste neben der high-end FX-Kamera eine high-end-DX-Kamera einführen, also etwas, das deutlich besser ist als die D300. Müsste dann preislich bei mindestens 3000-4000 € liegen. Feature-Ideen wären rauscharmer DX-Sensor, extreme Auflösung, etc. Dann könnte man beide Welten parallel weiterführen. Aus Nikon-Sicht scheint mir das aber nicht sonderlich attraktiv - man bedenke die immense Komplexität des Produktportfolios und die damit verbundenen Entwicklungskosten.
Gruß und viel Spaß beim Spekulieren
Ludwig