Es ist mir schwer gefallen - dazumal im Juni - die Diagnose von Claudia anzunehmen. Es fiel mir schwer darüber zu sprechen.
Wir gingen zwei Wochen nach der Diagnose in die Ferien, in die Bretagne. Und nach her habe ich entschlossen, diesen Bilderthread zu öffnen.
Heute ist der letzte Therapietag nach einer langen Zeit von Therapien, Erholung, erneut Therapien und weiteren Terminen bis ins Unendliche ...
Die Krankheit beeinflusste aktiv und passiv unser Leben, unser Rhythmus. Sie hat enorm viel bewegt, Dinge aufgerissen, offen gelegt, denen wir uns zu stellen hatten oder noch stellen müssen.
Wir haben Grenzen überschritten, aber fanden in dem immer wieder den individuellen und auch gemeinsamen Halt.
Unser Ziel war es immer, dass wir in all dem nicht alleine sind. Claudia hat sich sehr mit sich selbst beschäftigt und sich dennoch nicht zurück gezogen. Und ich brauchte immer wieder die Aussenwelt. Die Aussenwelt als Bild, dass es eine gewisse Normalität gibt, ein Weiterleben, Sinn, Freude.
Wer von Euch ähnliches miterlebt hat, der weiss, wie unendlich wichtig es ist, ein tragendes Beziehungsnetz zu haben, sich auf das Entgegenkommen von Mitmenschen verlassen zu können.
Was hier in diesem Thread passiert ist, ist genau das. Es hat weit mehr bewirkt, als Bilder einzustellen, gute Wünsche zu vermitteln. Der Wert dieses Thread ist die Begleitung, die Konstanz von Euch hier, die aktiv und passiv Mensch standen. Gedanken sind weit stärker als wir meinen.
Dieser Thread hat dazu beigetragen, uns und vor allem mich durch diese Zeit zu tragen. Die Bilder und Worte haben mitgeholfen, die Krankheit anzunehmen und sie gehen zu lassen. Eure Beiträge haben mitgeholfen, dass wir immer auch versucht haben, Normalität in die Zeit zu bringen.
Mein Danke an Euch steht in keinem Verhältnis zu dem, was Ihr alle mitgeholfen und mitgetragen habt. Und so sage ich einfach danke.
Danke: Danke für Eure Bilder, danke für Eure Worte und danke für die vielen persönlichen Mails die Claudia und ich erhalten haben. Wir haben Geschichten von einzelnen Euch erfahren, persönlich, welche uns wiederum sehr berührt haben.
Es haben sich neue Kontakte und sogar Freundschaften entwickelt, auch das ein unglaublich schöner "Effekt" aus dieser Zeit.
Ich danke dem Team hier, den Moderatoren und Moderatorinnen, welche den Thread sehr eng begleitet haben. Ich danke Anja, Bettina und Klaus, nicht nur für diese Plattform hier sondern auch für die vielen persönlichen Kontakte. Für mich immer wieder erstaunlich, wie über viele Kilometer und ohne dass man sich je gesehen hat, eine ungeheure Tiefe entsteht.
Das Innen und das Aussen: dieser ständige Dialog war das Zentrum meiner Fotografie. Dialoge mit meinem Innen und Aussen. So intensiv wie hier in diesem Thread empfand ich ihn noch nie. Und dieser Prozess des Gesprächs wird meine Fotografie auch weiterhin bestimmen. Man kann Krankheit nicht fotografisch festhalten. Das wusste ich. Aber ich kann mich zum Motiv im Umgang damit machen. Und das war dann auch das, was ich versucht habe: manchmal lachend, machmal tränenüberströmt.
Fotografie war ein ständiger Begleiter in dieser Zeit. Und oft war es auch Musik. Viel habe ich neu entdeckt, viel habe ich wieder entdeckt. Und oft fühlte ich mich in der gemeinsamen Kombination aufgehoben. Oft habe ich sie als Freiraum empfunden, als heile und sorgenlose Welt. Und oft hat es mir Mühe gemacht, mich wieder von ihr zu verabschieden.
Langsam beginnen wir uns aus dem Fahrplan der uns die Krankheit auf diktiert hat zu lösen. Die Erholung und das Zurückfinden in den Alltag wird noch eine Weile dauern. Aber wir packen auch das guten Mutes an.
Ich habe beruflich und privat mit vielen kranken Menschen zu tun gehabt in meinem bisherigen Leben. So wie Claudia umgegangen ist, habe ich aber noch nie jemand gesehen. Ich habe nie ein böses Wort über die Krankheit gehört, nie ein Hadern und doch die Entschlossenheit, die Krankheit in Liebe zu verabschieden.
Ich nehme Abschied von diesem Thread, ihr merkt, es fällt mir schwer, aber es ist ein guter Zeitpunkt. Und ich nehme Abschied mit ein paar Bildern von der Bretagne. Dort wo Claudia und ich uns wohl fühlen, dort wo wir gemeinsam unsere Spaziergänge machen. Dort wo wir gemeinsame Gespräche führen, oder oft auch nur schweigen.
Ich habe gebeten den Thread am Sonntagabend zu schliessen. Man kann dann hier keine Beiträge mehr einstellen. Es ist für mich ganz wichtig, dass dieser Thread abgeschlossen wird und nicht einfach verschwindet. Geschlossen heisst für mich, dass ich Abschied genommen habe von einer höchst intensiven Zeit. Geschlossen heisst, dass nun etwas Neues entstehen darf.
Es kann sein, dass ich später, nach dem ich etwas Abstand gewonnen habe, ihn wieder hervor nehme.