Bangladesch in vollen Zügen

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.
Ganz ganz großes Kino - meinen Dank an den TO für diesen Thread!

Etwas gibt mir aber auch zu denken und das betrifft nicht diesen Thread und nicht den TO!!!

Wir haben immer wieder erstklassige Reiseberichte / Reportagen aus allen Herren Ländern, aber der Gleichen aus heimischen Regionen fehlt oder kommt ganz selten (es gab mal einen tollen Thread über Romanik im Elsass)

Warum nicht mal über die Muschelschubser in Vorderdeichmoor oder über die geländegänigen Kühe in Hintertupfinger Berg?

Ich würde mich echt mal freuen wenn wieder jemand sich traut auch Gegenden die nicht so abgelegen und exotisch sind in gleicher Qualität zeigen würde.
 
Reaktionen: Kay
Kommentar
Anzeigen

keiner hält dich davon ab dies zu tun BW400CN.

Ich finde die Reportage aus Bangladesh klasse. Ich selbst war nur mal ganz kurz in Dhaka, in Erinnerung sind mir genau solche Bilder geblieben, wie sie hier gezeigt werden, unglaubliche Enge und sehr nette offene Menschen.
 
Kommentar

Hab ich irgendwo geschrieben, das ich die Reportage nicht Klasse finde?
aber anscheind gehört es hier zum guten Ton einem das Wort im Mund umzudrehen! Langsam hab ich echt fertig mit dem Forum!!!!
 
Kommentar
ich habe eine ganz naive frage. wieso sind auf den zügen keine frauen zu sehen? wie reisen sie? taxen und schiffe werden von ihnen benutzt aber warum nicht die züge?
 
Kommentar
wieso sind auf den zügen keine frauen zu sehen?

Vielleicht sitzen die ja alle innen?

Ist mir gerade so rausgerutscht. Ich wollte den tollen Bericht eigentlich nicht stören, kommt auch nicht mehr vor. Ich lese nämlich lieber noch ein bisschen mehr von Bernds einmaligem Bericht.
 
Kommentar
Angesichts der Armut und des Elends dort hätte ich wohl keinen Bissen heruntergebracht; ich wäre mir schäbig vorgekommen …
Ganz ehrlich, Bernd: wie seid ihr mit dieser Situation umgegangen?
Auch wenn gerade kein Zug kam, habe ich mich mit der Knipskiste am Bahnhof herumgetrieben.
Ich habe dort gar keine Zeit zum Frühstücken gehabt und mir nur einen Saft kurz abgegriffen.
Aber die Menschen drumherum sind neugierig und wollten nur gucken.
Die haben nicht mit raushängender Zunge und knurrenden Magen dagestanden.
Die Menschen sind dort sehr stolz.
Ich glaube sogar ein „Berufsbettler“ würde nicht an den Tisch kommen und nach Essen betteln.
Bangladesch ist da ganz anders als Afrika!
In Afrika ist eine Anspruchsmentalität. Der Weiße ist reich und muss mir etwas abgeben.
Am besten gibt er mir gleich alles, weil er sich ja was Neues kaufen kann.

Wenn man mal genauer hinschaut, dann sieht man auch so ein paar Details.
Das Kind hat keine Hose und keine Schuhe, aber Papa hat Handy.
#258


Ich habe auch ein Foto von einem Mädchen ohne Höschen, wo Mama danebenhockt und Zigarette raucht. (Foto möchte ich hier nicht zeigen, wegen unanständig)
Solange für die Menschen Handy und Zigarette wichtiger sind, als komplette Kleider für die Kinder,
dann kann die Armut nicht ganz so schlimm sein.
Ich bin Nichtraucher und habe kein Handy!

Wir haben immer wieder erstklassige Reiseberichte / Reportagen aus allen Herren Ländern, aber der Gleichen aus heimischen Regionen fehlt oder kommt ganz selten.
Meine Reisen führen mich heute in ferne, exotische Länder, weil ich vielleicht in ein paar Jahren gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage bin.
Viele meiner Bilder hier im Thread leben von der Exotik.
Fotografisch sind sie keine Meisterwerke.
Wenn ich jetzt die Schnappschussknipsbilder vom Schulbus (#251) und vom Taxi (#250) auf Situationen in meiner Umgebung übertrage,
dann hätte ich bei den Lichtverhältnissen nicht auf den Auslöser gedrückt,
oder das Bild gleich in der Kamera gelöscht.
Eine Fotoreportage aus unserer gewohnten Umgebung verlangt nach einer viel höheren Bildqualität.
Dann wären von einer zweiwöchigen Reise vermutlich nur eine Handvoll Bilder zeigenswert.

wieso sind auf den zügen keine frauen zu sehen?
Das ist mir auch schon aufgefallen. Frauen auf dem Zug sind sehr selten.
Im Zug sieht man schon Frauen reisen.
In der muslimischen (männerdominierten) Welt, bleiben die Frauen wohl eher zu Hause (im Dorf),
während der Mann (für Wochen oder Monate) in die Stadt oder auf die Werft fährt,
um in der Trockenzeit Geld zu verdienen.
Reisekosten werden wohl so auch optimiert.
 
Kommentar
Am Ende des Bahnhofs ist ein ehemaliges Bahnbetriebswerk.
Dort ist ein Dampfkran bei der Arbeit.
Die Lok 2713 wird vom Drehgestell abgehoben, um Teile tauschen zu können.
Zwischen den Gleisen weiden Kühe
#259


Die Hinterlassenschaften der Kühe, werden gesammelt,
sorgfältig auf Stöcke aufgespießt und zum Trocknen aufgestellt.
Im wahrsten Sinne des Wortes ein Scheißjob.
Im Eifer der Arbeit, hat die Dame nicht bemerkt, dass ihr Kleider in Unordnung geraten sind.
#260


Die Arbeit des Dampfkrans zieht sich in die Länge.
Zeit sich ein wenig umzuschauen und Widlife zu knipsen.
#261


#262


Dann fahren wir zu einer Ziegelei bei Laksam.
Vor der Ziegelei begegnet uns ein Handwagen.
Manpower!
#263
 
Kommentar
Wir besuchen mal die Ziegelei.
Ziegeleien sind in Bangladesch allgegenwertig.
Die Bauern verkaufen Ihren Lehmboden.
Der Lehm wird von den Feldern abgetragen und mit dem Traktor in die Fabrik gebracht.
Dort wird der Lehm mit Wasser versetzt und in Formen gepresst.
Die rohen Ziegel werden zum Trocknen aufgeschichtet.
#264


Innerhalb der Ziegelei werden die Ziegel mit dem Handwagen transportiert.
#265


Und in Kammern aufgeschichtet.
#266


Der zentrale Ofen mit Schornstein liefert die Energie zum Brennen.
#267


Die gebrannten Ziegel (und der unglaublich viele Ziegelbruch) werden mit Körben auf dem Kopf aus den Brennkammern geholt.
#268


Die Ziegel werden auf Traktoren verladen und abtransportiert.
Nur ein Bruchteil kommt heile an und davon werden wieder viele Steine
Von den Steinklopfern zu Splitt zerkleinert.
#269
 
Kommentar
Auch von mir ein großes Lob für die vielen aussagekräftigen und schönen Bilder sowie die vielen Informationen.:up:
Gruß
Berno
 
Kommentar

Das kann man so sehen, ist sicherlich auch nicht falsch, auch Bilder aus unserer eigenen, teilweise garnicht so fernen Vergangenheit, sei es aus dem Berufsleben, sei es aus dem familiären Umfeld oder auch nur dem Handel und Wandel auf dem Wochenmarkt werden umso exotischer - und damit interessanter, je älter sie werden.

Trotzdem zeigen Deine Bilder die Menschen dort als Individuen in ihren Lebensumständen und nicht als Photoobjekte und das hebt viele Deiner Bilder auf sehr angenehme Weise heraus.

Ich bin beeindruckt. Danke fürs Zeigen!

P.
 
Kommentar
Die Baby Taxis gehören zum gewohnten Bild in Bangladesch.
Um die Luftverschmutzung zu reduzieren fahren sie alle mit CNG (Compressed Natural Gas)
Die Tankstellen haben aber nur zweitweise geöffnet.
Vor der Tankstelle Bilden sich dann lange Schlangen.
#270


Alles was irgendwie rein- oder raufpasst, wird damit transportiert.
#271


Manche sind auch mal etwas flotter unterwegs
#272


Bis sie wieder „kalt abgestellt“ an der nächsten Tankstelle warten
#273


Und wenn sie mal kaputt sind,
lassen sie sich in Hajigonj Bazar einfach reparieren.
#274
 
Kommentar
Wir setzen unsere Reise fort.
An einem Bahnübergang erwischen wir einen Personenzug von Laksam nach Chandpur mit Lok 2411.
#275


Es gibt hier im Forum auch immer wieder nette Threads mit Bildern aus unserer Umgebung.
Häuschen macht nachts die Autoscheibe runter und „klick“.
Heute zum Beispiel eine Tour durch den Vorort, in dem ich wohne.

Wir fahren mit dem Bus durch das nächtliche Chandpur.
Hier habe ich es Häuschen nachgemacht.
Busscheibe zur Seite und "klick" - während der Fahrt.
Die Geschäfte sind erleuchtet und wir können viele Details sehen, die tagsüber verborgen bleiben.
Drogerie
#276


Kleiderladen
#277


Obstladen.
Die Orangen schön dekorativ gestapelt.
#278


Und ein Tuchladen
#279


Wir landen im Hotel „Taj Mahal“ in Chandpur.
Allerdings kann man das Hotel nicht mit dem gleichnamigen Hotel in Bombay vergleichen.
Damit endet der 9. Reisetag.
 
Kommentar
Wir müssen mal wieder was gemeinsam unternehmen.

Du nimmst mich ja nicht mit. :hallo:


Am 10. Reisetag geht erst mal gar nix.
In Bangladesch ist Generalstreik.
Dem hat sich auch unser Busfahrer angeschlossen.
Gleich gegenüber vom Hotel (hohes Gebäude) befindet sich eine Moschee.
Der Muezzin ist nicht im Generalstreit.
Mit einer unbeschreiblichen Phonzahl hat er uns mit seinen Gebetsaufruf aus dem Bett gepustet.
#280


Nachdem ich wieder hören kann, schaue ich mich mal auf der Straße um.
Motorbetriebene Fahrzeuge sind nicht unterwegs.
#281


Dafür sind aber schon viele Rikschas auf Achse.
Schnell, schnell die Kunden warten schon.
#282


Eine neugierige Ziege interessiert sich auch für Touristen.
#283


Eine Lastenrikscha wird um die Ecke gebracht.
#284


Eine Gigaphon-Rikscha mit Stereobeschallung ist auch unterwegs.
Damit kann sogar der Muezzin übertönt werden.
#285
 
Kommentar
Ohne Bus geht es nur zu Fuß weiter.
Wir schlendern zum Hafen.
Dort tuckert gerade ein Streikbrecher vorbei.
#286


Am Hafen wird Holz und Bambus umgeschlagen.
#287


Zwischen den Holzstämmen schöpfen Frauen Wasser und nehmen gleich ein Bad.
#288


Es wird im Fluss Geschirr gespült und nebenbei gleich noch die Füße gewaschen.
#289


Man kann auch die Wäsche im Hafen waschen.
#290
 
Kommentar
Am Zusammenfluss von Meghna und Padma ist reger Schiffsverkehr.
#291


Nach längerer Warterei am Bahnhof kommt dann doch noch ein Zug an.
Lok 2401 hat Einfahrt in den Endbahnhof.
#292


An den Gleisen sind auch in Chandpur viele Menchen unterwegs.
#293


Auch Kinder kümmern sich um ihre Geschwister
#294


Und wie immer sind wir die Touristenattraktion.
Das muss schnell im Bild festgehalten werden.
#295


Durch den Streik geht unsere Reise erst am Nachmittag weiter.
Nach ein paar weiteren Fotohalten mit mittelprächtigen Bahnmotiven erreichen wir am späten Abend Chittagong.
 
Kommentar
Am 11. Reisetag haben wir das zweite Highlight der Reise.
Wir besuchen die Abwrackwerften in Chittagong.
Als in den 1960er Jahren ein Schiff im Sturm nahe Chittagong gestrandet ist,
haben die Fischer in den Folgejahren das Schiff zerlegt und den Stahl verkauft.
Daraus ist eine Industrie geworden, von der heute ca. 3 Millionen Menschen direkt oder indirekt leben.
Heute werden ca. 30-40% der jährlich ausgemusterten Schiffe in Chittagong verschrottet.
Bekannt geworden sind die Abwrackwerften durch den Film Eisenfresser von Shaheen Dill-Riaz.

Durch den Film und einige Fotoreportagen von Profifotografen sind die Werften auf Besucher sehr negativ eingestellt.
Das Abwrackgeschäft ist so lukrativ, dass man auf „Eintrittsgelder“ für Touristen nicht angewiesen ist.
Die Werften sind eingezäunt und Sicherheitspersonal geschützt.
Man kann also nicht durch den Zaun kriechen.
Unseren Reiseveranstalter ist es gelungen, über Mittelsmänner, dunkle Kanäle, „Under-Table-Fees“ und ein paar Buddels Schnaps (Im muslimisches Bangladesch gibt es keinen Alkohol) für unsere Gruppe Zutritt zu einer Werft zu bekommen.
Damit wir Hobbyfotografen nicht mit Profis verwechselt werden, sollen wir zu große Kameras und Stative nicht mit auf die Werft nehmen.
Am Eingang bekommen wir weiße Helme und einen Mundschutz.
Dann dürfen wir uns etwas umsehen.
Wir laufen an Bergen von Stahlschrott vorbei und können am Strand mehrere Schiffe in unterschiedlichen Stadien der Zerlegung betrachten.
#296


Wir schwärmen aus und suchen nach Fotomotiven.
Leider ist auf unserer Werft wenig los.
Es wird auch eher mit modernen Geräten (Bagger mit Elektromagnet) gearbeitet.
Die Nachbarwerft ist viel interessanter.
Ich sondere mich etwas ab und gehe dort auf Fotojagd.
Die Arbeiter auf der Nachbarwerft freuen sich auf einen Besuch und posieren für die Kamera.
#297


#298


Ein stahlharter Träger schleppt einen schweren Stahlträger.
#299


Aber es dauert nur wenige Minuten.
Dann hat mich der Sicherheitsdienst entdeckt.
Wenig später hat mich unser Guide wieder eingefangen.
Ich muss auf „unsere“ Werft zurück.

#300


#301
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar
Gehen wir mal an den Strand.
Ein paar Bilder aus Chittagong hatte ich schon im Strandgut-Thread gezeigt.
#302


Blick in einen Tanker
#303


Und ein Autotransporter
#304


Schiffsteile vor der „Attractive“.
#305


Blick nach Südosten ins morgendliche Gegenlicht.
Schiffe, soweit das Aug reicht.
#306
 
Kommentar
Schon nach viel zu kurzer Zeit müssen wir die Werft wieder verlassen.
Glücklicherweise kennen unsere Reiseführer eine neue Pier, die weit auf den Strand herausführt.
Hier ist man leider etwas weit vom Geschehen weg.
Dafür können wir aber ungestört beobachten.

Die Arbeiter ziehen und schieben ein Seil auf einen Schlitten durch den Morast.
Im Hintergrund ist eine Seilwinde zu sehen.
Sie können 2100t mit einem 38mm dicken Stahlseil ziehen.
#307


Der Weg führt raus zu den Schiffen.
#308


Eine Seilschaft bei der Arbeit.
#309


Die Schiffe werden in große Stücke zerschnitten.
An diesen Stücken wird dann ein Seil befestigt.
#310


Mit der Seilwinde werden dann die Teile an Landgeszogen.
#311


Und anschließend zerlegt.
#312
 
Kommentar
Hallo Bernd,
phantastische Aufnahmen - es ist schier unglaublich, wie die Menschen dort leben.
Aber wohl gerade deshalb würde ich dieses Erlebnis nicht mit Dir tauschen wollen. Ich denke, einiges kann ganz schön bedrückend sein. Und essen könnte ich wahrscheinlich gar nicht; was Du so geschildert hast, läßt mir den Appetit schon hier vergehen. Ich bin eben wohl schon zu sehr "zivilisiert".
Eine Frage hätte ich allerdings schon: Wie schnell fahren diese Züge eigentlich in dem Menschengewirr? Du hast mal was dazu geschrieben, aber das bezog sich auf die freie Strecke (wenn ich es richtig verstanden habe).
Von Deiner Reportage bin ich genau so begeistert wie die Anderen, die dies in ihren Posts zum Ausdruck gebracht haben. Dir vielen Dank dafür :up::up::up:
 
Kommentar
-Anzeige-