die Safawiden und der "Entwurf der Welt"
Rund um das Zentrum Isfahans, den Meydan-e Imam, begegnet man auf Schritt und Tritt der Pracht, die die von 1501 bis 1722 herrschenden Safawiden hier hinterlassen haben.
Die Epoche der Safawiden hatte tiefgreifende historische Folgen für den heutigen Staat Iran. Es gelang nicht nur eine Ausweitung des Herrschaftgebietes und die Vereinigung mehrheitlich iranisch bevölkerter Regionen, sondern es wurde auch der Keim gelegt zu einem persisch-iranischen "Nationalbewusstsein" und damit die Grundlage geschaffen für den heutigen Iran.
Die Safawiden machten einen gemäßigten Schiismus, der sich abgrenzte von der in den Nachbarstaaten bekannten Sunna, zur Staatsreligion. Da es bis dato nur relativ wenige Anhänger der Schiat Ali (Partei Alis) gab, holten die Safawiden viele schiitische Religionsgelehrte aus den Gebieten des heutigen Syrien in ihr Reich. Dies war der Anfang der traditionell guten Beziehungen dieser beiden Staatswesen, die bis heute andauern. Diese Entwicklung mündete in einen Prozess der Individualisierung des Iran, der durch vielfältige Anfeindungen von außen unterstützt wurde. So standen die Safawiden in einem fortwährenden Konflikt mit den sunnitischen Herrschern des Osmanischen Reich sowie den Usbeken im heutigen Afghanistan und den indischen Großmoguln. Die Auseinandersetzungen erforderten zunehmend eine innere Stärke des persisch-iranischen Bewusstseins.
Andauernde Kriege mit den Osmanen bewegten die Safawiden, ihre ursprüngliche Hauptstadt Tabris, die ständig vom nahen Osmanischen Reich bedroht wurde, ins Landesinnere zu verlegen. 1598 wurde Isfahan zur Hauptstadt des Safawiden-Schahs Abbas I., der für den Ausbau der Stadt ca. 30.000 Künstler und Handwerker aus dem ganzen Land nach Isfahan holte. In dieser Zeit entstanden die bis heute eindrucksvollen Prachtbauten rund um den zentralen Platz. Abbas I. ließ ihn zwischen 1590 und 1595 unter dem ursprünglichen Namen Naqsh-e Jahan („Entwurf der Welt“) anlegen. Später wurde er Meydan-e Shah („Königsplatz“) genannt und erhielt nach der islamischen Revolution zu Ehren von Ayatollah Khomeini seinen heutigen Namen („Platz des Imam“). Wie der Platz selbst stehen viele der angrenzenden großartigen Bauwerke unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes.
Die von Abbas I. umgesiedelte armenische Händlergemeinschaft spann ein ausgedehntes Netz von Handelsverbindungen und Isfahan spielte bald eine wichtige Rolle im Seiden- und Gewürzhandel zwischen Orient und Okzident. Binnen kurzem liefen bedeutende Handelswege zwischen China und Europa über Isfahan, wo türkisfarbene Kuppeln und kostbar schimmernde Kacheln der Moscheen, Medressen (Koranschulen), blühende Gärten, vornehme Paläste und großzügige Wohnhäuser das Bild einer prosperierenden Stadt prägten, was den nach entbehrungsreicher und kräftezehrender Reise in Karawanen ankommenden Besuchern wie eine Fata Morgana – oder eben das „Paradies auf Erden“ – vorgekommen sein mag.
Hier möchte ich die vier eindrucksvollen Bauten jeweils mit einem Foto vorstellen. Im weiteren Verlauf dieser Reportage werden drei dezidierter vorgestellt.
Ich beginne mit dem eher unscheinbaren Qeisarieh-Tor, das den Haupteingang zum Basar bildet.
Es ist nicht spektakulär und die Wandmalereien müssten restauriert werden.
Der Ali-Qapu-Palast wurde ursprünglich lediglich als Torbau und Durchgang zu den königlichen Gärten und Residenzen geplant, entwickelte sich jedoch selbst zu einem Palastbau.
Der Palast verfügt über fünf Ebenen bei einer Gesamthöhe von 68 Metern. In der dritten Etage ist ein großer Balkon, von dem aus man den besten Blick über den großen Meydan und einen hervorragenden Blick auf die Stadt hat. In der Mitte des Balkons ist ein kleines Wasserbecken im Boden eingelassen. Der gewaltig hohe, von großen Holzsäulen getragene Baldachin, der den Balkon überdacht, prägt das Erscheinungsbild des gesamten Palastes.
Die Schah-Moschee, heute Imam-Moschee genannt, sollte nach den Vorstellungen Abbas I. die Komposition des Platzes krönen. Ihre Vollendung im Jahre 1638 erlebte er allerdings nicht mehr.
Die Moschee gilt als Meisterwerk islamischer Baukunst und besticht durch ihre himmelblaue Zwiebelkuppel und ihre reichen Mosaikarbeiten auf Portalen, Gebetshallen, Minaretten und Arkaden. Flankiert wird sie von zwei schlanken, türkisfarbenen, 50 Meter hohen Minaretten.
Der nach meinem Empfinden schönste Bau dieses Platzes ist die Lotfollah-Moschee. Die Schönheiten befinden sich jedoch im Inneren.
Sie ist eine untypische Moschee, da sie weder Minarett noch Hof besitzt. Gebaut wurde sie für die Mitglieder der königlichen Familie und benannt nach einem der Schwiegerväter von Abbas I. Da sie vorwiegend von den Frauen des Shahs genutzt wurde, wird sie auch "Frauenmoschee" genannt. Sie hat tatsächlich etwas weibliches.