Auf der Achse des Bösen

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‏اصفهان - die Hälfte der Welt

Der absolute Höhepunkt einer Iran-Reise ist der Besuch der Stadt Isfahan. Im Mittelalter Hauptstadt des Seldjuken-Reiches und ab 1598 Regierungssitz der Safawiden-Schahs, hat sich diese Stadt ihren Charme trotz der Zerstörungswut von Timur Leng (Tamerlan) 1388 über Jahrhunderte bis heute konserviert. Die bedeutendsten erhaltenen Bauwerke stammen aus der Zeit der Safawiden, als Isfahan eine beispiellose Blüte erlebte.
Viele der großartigen islamischen Bauwerke sind als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt.

"Die Schönheit Isfahans teilt sich einem ganz unbewusst mit. Man fährt auf Straßen umher, die von weißstämmigen Bäumen gesäumt sind, unter Baldachinen aus schimmernden Zweigen, vorbei an türkisblauen und frühlingsgelben Kuppeln in einem hellen, veilchenblauen Himmel, den Fluss entlang, in dessen trüb-silbrigen Stromschnellen sich das Blau fängt, vorbei an lichten Gärten, in denen alles sprießt, über Brücken aus hellbraunen Ziegeln, Bogen um Bogen zu Pavillons erweitert, in der Ferne die violetten Berge, der höckerförmige Kuh-e-Sufi und die anderen Höhenzüge, die sich zu einer Linie schneeweißer Brandung verbinden - und ehe man sich's versieht, hat sich Esfahan einem unauslöschlich eingeprägt, sein Bild in die Galerie jener Orte hineingeschmuggelt, die jedermann insgeheim für die schönsten hält."
Robert Byron: Der Weg nach Oxiana, 1933

Nach der Ankunft steigen wir an einer kleinen und staubigen Geschäftsstraße aus. Hier soll unser Hotel sein? Wir schleppen das Gepäck ein paar hundert Meter die hier nicht überdachte Basargasse entlang, argwöhnisch, ob wir hier denn richtig sind und gehen durch einen unscheinbaren Eingang. Dahinter verbirgt sich unser kleines Hotel im kadjarischen Stil mit einem zauberhaften Innenhof. Fast mitten im Basar!







 
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der Meydan-e Imam und seine Prachtbauten

Wenn man sich das safawidische Persien als einen Organismus vorstellt, dann findet man hier das Herz. Der Platz ist rechteckig angelegt und diente früher als Polospielfeld, worauf heut noch eines der Tore hindeutet. Er ist von zweigeschossigen Arkadenbauten umgeben und an jeder Flanke bildet ein Gebäude den Höhepunkt. Die Architekten haben dadurch auch zum Ausdruck gebracht, dass hier das Zentrum des weltlichen wie auch des religiösen Lebens ist, denn zwei Gebäude sind Moscheen (Imam-Moschee und Sheikh-Lotfollah Moschee), die anderen beiden sind der Ali-Qapu Palast und das Qeisarieh-Tor, das als Eingangsportal zum dahinter liegenden Bazar dient.


Abendlicher Blick auf die Imam-Moschee. Schah Abbas I. ließ den Platz zwischen 1590 und 1595 unter dem ursprünglichen Namen Naqsh-e Djahan („Entwurf der Welt“) anlegen. Später wurde er Meydan-e Shah („Königsplatz“) genannt und erhielt nach der islamischen Revolution zu Ehren von Ayatollah Khomeini seinen heutigen Namen („Platz des Imam“). Im Zentrum des Platzes, der weitgehend noch immer mit Rasen bedeckt ist, steht eine große Springbrunnenanlage, an dessen Rand die Stunden vor allem in der Abendzeit verfliegen können. Dieser Platz begeistert nicht nur, er kann süchtig machen.


"Am Chehel Sotun betrat ich den Meydan. Zweigeschossige Blendarkaden säumen den 500 Meter langen und 150 Meter breiten Platz. An der einen Schmalseite steht die Ruine des Basartores, an der anderen das blaue Portal der Masjid-e Schah, mitsamt Kuppel, Iwan und Minaretten im schrägen Winkel zur Hauptachse, entsprechend der Ausrichtung nach Mekka. Rechter Hand steht ein gemauerter Schuhkarton, der Ali Qapu, gegenüber die mit floralen Motiven versehene Flachkuppel der Sheikh-Lotfollah Moschee, leicht nach rechts versetzt hinter einem blauen Portal. Symmetrie, aber nicht im Übermaß. Der Reiz ergibt sich aus dem Kontrast der formalen Strenge des Platzes und der romantischen Verschiedenheit der einzelnen Gebäude. Um dem entgegenzuwirken und um zu demonstrieren, dass Bakhtiarenfürsten hier nicht mehr Polo spielen oder ihre Pferde trainieren dürfen, legte der Fortschritt in der Mitte des Platzes ein hübsches Wasserbecken an, das von einem gotischen Eisengitter und jungen Petunienbeeten eingefasst wird."
Robert Byron: Der Weg nach Oxiana, 1933



Auch bei den vielen iranischen Touristen sind die Kutschfahrten um den Platz sehr beliebt. Im Hintergrund sind schon die Plakate für die Wahlkampfveranstaltung Ahmadinedjads zu sehen.



Christiane wird von einer jungen Frau in sehr gutem Englisch angesprochen. Wie immer werden wir gefragt, woher wir kommen und wie es uns hier gefällt. Wir erfahren, dass die junge Frau gerne ein Auslandsstudium in Kanada aufnehmen möchte. Es gibt kaum gebildete Iraner, die nicht Verwandte in westlichen Ländern haben.

Am Abend verweile ich noch alleine am Meydan und genieße einfach. Kinder, afghanische Flüchtlinge, wie sich bald heraus stellt, sprechen mich an und wollen kleine Kärtchen verkaufen. Die Jungs verkaufen Gedichte von Hafez, das Mädchen Koransuren.

Ich kaufe einige Karten und habe noch viel Spaß mit den sehr aufgeweckten und lebhaften Kindern.


Ein junger Mann spricht mich in sehr gutem Englisch an. Die üblichen Fragen: Woher ich komme, was ich hier mache, wie es mir im Iran gefalle, wo ich bisher gewesen sei und was ich noch sehen wolle. Als ich ihm sage, dass ich es hier am Meydan "like paradise" empfinde, strahlt er. Er liebe Isfahan, seine Heimatstadt und diesen Platz und komme, sofern er es einrichten könne, jeden Abend hierher. Er gehe dann immer noch im nahen Basar eine Isfahaner Spezialität essen. Dazu werde ich jetzt eingeladen. Es ist eine Art Pudding -sehr wohlschmeckend! Er erzählt mir noch, dass seine Mutter gerade in der Moschee zum Gebet sei. "She is always praying." Dabei verdreht er die Augen. Er bete nie. Aber seine Mutter habe ihm beigebracht, dass man als Muslim immer freundlich zu den Menschen sein müsse, und zwar insbesondere zu Fremden. Das mache er und das sei genauso gottgefällig wie beten.
 
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Die Abendstunden am Meydan sind fast magisch. Der Platz bzw. die angrenzenden Bauten sind wundervoll beleuchtet. Nach Einbruch der Dunkelheit füllt sich der sowieso schon sehr lebhafte Platz mit hunderten von Menschen. Kinder spielen Ball, fahren mit Skateboards und Inlinern.


Am meisten staunen wir über die vielen Familien, die sich auf dem Rasen niederlassen. Mit Teppich, Samowar und einem Gaskocher wird hier gepicknickt. Zu hunderten!






Wir finden ein Teehaus direkt neben dem Einganstor zum Basar. Da es sich in der oberen Arkaden-Etage (die meist rein optischen Zwecken dient und also überwiegend "leer" ist, hat man einen tollen Blick auf den abendlichen Meydan.


Simon sitzt hier mit der Shisha auf den Kuppeln des darunter befindlichen Basars.
 
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die Safawiden und der "Entwurf der Welt"

Rund um das Zentrum Isfahans, den Meydan-e Imam, begegnet man auf Schritt und Tritt der Pracht, die die von 1501 bis 1722 herrschenden Safawiden hier hinterlassen haben.
Die Epoche der Safawiden hatte tiefgreifende historische Folgen für den heutigen Staat Iran. Es gelang nicht nur eine Ausweitung des Herrschaftgebietes und die Vereinigung mehrheitlich iranisch bevölkerter Regionen, sondern es wurde auch der Keim gelegt zu einem persisch-iranischen "Nationalbewusstsein" und damit die Grundlage geschaffen für den heutigen Iran.

Die Safawiden machten einen gemäßigten Schiismus, der sich abgrenzte von der in den Nachbarstaaten bekannten Sunna, zur Staatsreligion. Da es bis dato nur relativ wenige Anhänger der Schiat Ali (Partei Alis) gab, holten die Safawiden viele schiitische Religionsgelehrte aus den Gebieten des heutigen Syrien in ihr Reich. Dies war der Anfang der traditionell guten Beziehungen dieser beiden Staatswesen, die bis heute andauern. Diese Entwicklung mündete in einen Prozess der Individualisierung des Iran, der durch vielfältige Anfeindungen von außen unterstützt wurde. So standen die Safawiden in einem fortwährenden Konflikt mit den sunnitischen Herrschern des Osmanischen Reich sowie den Usbeken im heutigen Afghanistan und den indischen Großmoguln. Die Auseinandersetzungen erforderten zunehmend eine innere Stärke des persisch-iranischen Bewusstseins.

Andauernde Kriege mit den Osmanen bewegten die Safawiden, ihre ursprüngliche Hauptstadt Tabris, die ständig vom nahen Osmanischen Reich bedroht wurde, ins Landesinnere zu verlegen. 1598 wurde Isfahan zur Hauptstadt des Safawiden-Schahs Abbas I., der für den Ausbau der Stadt ca. 30.000 Künstler und Handwerker aus dem ganzen Land nach Isfahan holte. In dieser Zeit entstanden die bis heute eindrucksvollen Prachtbauten rund um den zentralen Platz. Abbas I. ließ ihn zwischen 1590 und 1595 unter dem ursprünglichen Namen Naqsh-e Jahan („Entwurf der Welt“) anlegen. Später wurde er Meydan-e Shah („Königsplatz“) genannt und erhielt nach der islamischen Revolution zu Ehren von Ayatollah Khomeini seinen heutigen Namen („Platz des Imam“). Wie der Platz selbst stehen viele der angrenzenden großartigen Bauwerke unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes.

Die von Abbas I. umgesiedelte armenische Händlergemeinschaft spann ein ausgedehntes Netz von Handelsverbindungen und Isfahan spielte bald eine wichtige Rolle im Seiden- und Gewürzhandel zwischen Orient und Okzident. Binnen kurzem liefen bedeutende Handelswege zwischen China und Europa über Isfahan, wo türkisfarbene Kuppeln und kostbar schimmernde Kacheln der Moscheen, Medressen (Koranschulen), blühende Gärten, vornehme Paläste und großzügige Wohnhäuser das Bild einer prosperierenden Stadt prägten, was den nach entbehrungsreicher und kräftezehrender Reise in Karawanen ankommenden Besuchern wie eine Fata Morgana – oder eben das „Paradies auf Erden“ – vorgekommen sein mag.

Hier möchte ich die vier eindrucksvollen Bauten jeweils mit einem Foto vorstellen. Im weiteren Verlauf dieser Reportage werden drei dezidierter vorgestellt.

Ich beginne mit dem eher unscheinbaren Qeisarieh-Tor, das den Haupteingang zum Basar bildet.


Es ist nicht spektakulär und die Wandmalereien müssten restauriert werden.

Der Ali-Qapu-Palast wurde ursprünglich lediglich als Torbau und Durchgang zu den königlichen Gärten und Residenzen geplant, entwickelte sich jedoch selbst zu einem Palastbau.


Der Palast verfügt über fünf Ebenen bei einer Gesamthöhe von 68 Metern. In der dritten Etage ist ein großer Balkon, von dem aus man den besten Blick über den großen Meydan und einen hervorragenden Blick auf die Stadt hat. In der Mitte des Balkons ist ein kleines Wasserbecken im Boden eingelassen. Der gewaltig hohe, von großen Holzsäulen getragene Baldachin, der den Balkon überdacht, prägt das Erscheinungsbild des gesamten Palastes.


Die Schah-Moschee, heute Imam-Moschee genannt, sollte nach den Vorstellungen Abbas I. die Komposition des Platzes krönen. Ihre Vollendung im Jahre 1638 erlebte er allerdings nicht mehr.


Die Moschee gilt als Meisterwerk islamischer Baukunst und besticht durch ihre himmelblaue Zwiebelkuppel und ihre reichen Mosaikarbeiten auf Portalen, Gebetshallen, Minaretten und Arkaden. Flankiert wird sie von zwei schlanken, türkisfarbenen, 50 Meter hohen Minaretten.

Der nach meinem Empfinden schönste Bau dieses Platzes ist die Lotfollah-Moschee. Die Schönheiten befinden sich jedoch im Inneren.


Sie ist eine untypische Moschee, da sie weder Minarett noch Hof besitzt. Gebaut wurde sie für die Mitglieder der königlichen Familie und benannt nach einem der Schwiegerväter von Abbas I. Da sie vorwiegend von den Frauen des Shahs genutzt wurde, wird sie auch "Frauenmoschee" genannt. Sie hat tatsächlich etwas weibliches.
 
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Der mittlerweile im Exil lebende Sänger Moein besingt Esfahan, seine Heimatstadt.

"Einmal noch möchte ich nach Esfahan zurück kehren,
zur Hälfte der Welt.
Am Ufer des Zayandeh-Rud sitzen
und aus tiefstem Herzen
Verse, Gedichte und Lieder rezitieren und singen."

In diesem youtube-Video sind auch schöne Aufnahmen aus Isfahan zu sehen. Allerdings haben sich zweimal Bilder aus Kashan hinein geschmuggelt.....
 
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Super schöne Bilder sind das wieder. Besonders gut gefällt mir die organische Bauweise der 'einfacheren' Gebäude. So etwas fehlt mir hier in Deutschland.

Warum haben es die Safawiden eigentlich nicht geschafft weiterzuregieren?
Ein wenig klingt durch deine ausführlichen Erklärungen an, daß die sehr geprotzt haben.
Das schürt wahrscheinlich Neid und Mißgunst. Und vielleicht haben sie sich ein wenig zu sehr von den Nachbarn abgegrenzt. Außenseiter können viele großartige Sachen vollbringen, haben es jedoch meistens nicht einfach.

Viele Grüße.
 
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Warum haben es die Safawiden eigentlich nicht geschafft weiterzuregieren?

Es heißt, dass die Herrscher nach Abbas I. immer schwächer und auch dekadenter wurden. Vom letzten Safawiden-Schah Hussein wird berichtet, dass er sich mehr mit seinen Frauen abgegeben habe als mit Staatsgeschäften. Jedenfalls eroberten 1722 Afghanen (sunnitische Ghilazi) die Hauptstadt und setzten der Safawiden-Herrschaft ein Ende. Zwar wurde auch später von Nadir Schah, dem ehemaligen Safawiden-General und Begründer der Afschariden-Dynastie, Safawiden als Herrscher eingesetzt, doch waren diese nur noch Marionetten. Mit dem Ende der Safawiden verlor Isfahan den Status der Hauptstadt Persiens. Für wenige Jahrzehnte wurde Shiraz die Hauptstadt und seit 1789 ist es Tehran.
 
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Selten war es leichter zu sagen: grandiose Reportage! :applause:


Etwas darf beim Thema Isfahan natürlich keinesfalls fehlen,
das berühmte, gleichnamige Stück aus der Far East Suite,
das Duke Ellington nach seinen 1963er State Department Tour
dieser bezaubernden Stadt widmete:






Es ist Dir mit diesem Bericht etwas ganz besonderes gelungen:
Sehnsucht nach diesem Land bei Deinem Publikum zu wecken.


با تشکر از شما زندگی می کنند و ممکن است شما از هزار سال

Sven



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Sven, ich muss gestehen, dass ich zwar einige Brocken Farsi sprechen kann, aber nicht weiß, was da über deinem Namen steht....ich kann nur sagen, dass es rechtsbündig sein müsste, da man Farsi von rechts nach links schreibt.

Irgendwann wollte ich ein paar Ausführungen zur Sprache Farsi (persisch) machen. Nun gut, das ist die Gelegenheit.

Persisch...
...gehört zur großen Familie der indogermanischen Sprachen und bildet zusammen mit weiteren iranischen und indischen Sprachen den indo-iranischen Sprachzweig dieser Sprachfamilie. Persisch ist die mit Abstand am weitesten verbreitete der iranischen Sprachen. Im Iran heißt sie nach dem Stammland der Perser, der Region Fars, „Farsi“, während sie in Afghanistan und Tadschikistan, wo sie auch Amtssprache ist, „Dari“ heißt.

Persisch wird seit der arabischen Eroberung des Landes im 7. Jahrhundert und der damit einhergehenden Islamisierung mit der arabischen Schrift geschrieben. Das persische Alphabet umfasst allerdings mehr Buchstaben als das klassische arabische. Im Arabischen gibt es kein „P“ und so wurde aus der für die Perser namensgebenden Region „Pars“ eben „Fars“. Obwohl Farsi für den Laien auf den ersten Blick sehr viel Ähnlichkeit mit dem Arabischen aufweist, ist sie als indogermanische Sprache keineswegs mit ihm verwandt. Arabisch ist eine semitische Sprache.

fast verdrängt durch arabisch

Nach der arabischen Eroberung wurde die persische Sprache mehr und mehr mit arabischen Wörtern durchsetzt; eine Verdrängung drohte. Im 10. Jahrhundert schuf Ferdowsi, der große Nationaldichter des Iran, sein Epos „Schahnameh“ . Es gehört heute zum Nationalerbe, da durch seine Bedeutung und Verbreitung der Einfluss des Arabischen wieder zurück gedrängt wurde. Die noch heute gültigen Grundlagen der neupersischen Sprache wurden in diesem Monumentalwerk (es ist umfangreicher als die "Ilias") gelegt. Da Ferdowsi in diesem Werk jedoch die Geschichte der persischen Könige bis zur Islamisierung beschreibt, waren die nach der Islamischen Revolution von 1979 herrschenden Kleriker drauf und dran, seine Werke zu verbieten sowie – wie es anderen großen Persern vielfach geschah – Straßen und Plätze, die nach ihm benannt wurden, umzubenennen. Da jedoch die Werke Ferdowsis im Bewusstsein des Volkes so tief verankert sind, ließ man dann doch davon ab.

Verbreitung

Die meisten Muttersprachler leben mit ca. 40 Millionen im Iran. Auch in Afghanistan und Tadschikistan, wo Dari (das sich nur unerheblich von Farsi unterscheidet) ebenfalls Amtssprache ist, sprechen jeweils rund 15 Millionen Menschen als Muttersprache persisch. Zudem wird persisch in einigen Teilen Usbekistans, Pakistans und Indiens gesprochen. Kleinere persischsprachige Gemeinden findet man in den Staaten des Persischen Golfes sowie in Georgien, Aserbaidschan und dem Irak.

Weitere Sprachen im Iran

Im Iran ist persisch die Amtssprache, jedoch ist sie in diesem Vielvölkerstaat natürlich nicht die einzige Sprache. Für etwa die Hälfte der Bevölkerung ist sie die Muttersprache; als weitere Sprachen lassen sich jedoch auch azari (aserbaidschanisch), kurdisch, arabisch, luri, belutsch, gilaki und turkmenisch finden.

Einfluss auf andere Sprachen

Das Neupersische entwickelte sich im Mittelalter zur Gelehrten- und Literatursprache der östlichen islamischen Welt und hatte so großen Einfluss auf die benachbarten Sprachen. Viele persische Wörter wurden auch in europäische Sprachen übernommen. Im Deutschen kennen wir nicht nur die Wörter „Basar“, „Scheck“, „Karawane“, „Pistazie“, „Schach“, „Paradies“, „Schal“ und „Magier“, die ihren Ursprung alle im Persischen haben. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass „Tochter“ auf persisch „dochtare“ und „Bruder" „baradar“ heißt, wird die Verwandtschaft nochmals deutlicher.

Ach übrigens: „Witz“ heißt im persischen „dschok“……
 
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Sven, ich muss gestehen, dass ich zwar einige Brocken Farsi sprechen kann, aber nicht weiß, was da über deinem Namen steht....ich kann nur sagen, dass es rechtsbündig sein müsste, da man farsi von rechts nach links schreibt. ...


Kurz und bündig:
Rechtsbündig wäre ja am rechten Rand gewesen,
das hätte nicht gut ausgesehen …

Im übrigen kann ich auch kein Farsi, weiß mir
im Bedarfsfall aber zu helfen.

Um das Rätsel der "Würmchen-Schrift", wie meine
Mutter die Schreibübungen meines Bruder gern zu
nennen pflegte, nun aber zu lösen – da steht:


Herzlichen Dank und mögest Du 1000 Jahre leben!


Sven


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die Imam-Moschee

Da die Moschee den südlichen Abschluss des Platzes bildet, ist das Licht, um sie vom Platz aus zu fotografieren, tagsüber denkbar schwierig. So steige ich früh auf, um beim ersten Tageslicht dort zu sein.



Zunächst staune ich Bauklötze, was den Zustand des Platzes betrifft: Wir haben Hochsommer und gestern bis in die Nacht waren hier hunderte, wenn nicht tausende und haben gepicknickt, gespielt, den Abend und die angenehmen Temperatur nach der Hitze des Tages genossen, und jetzt.......


...wirkt der Platz wie aus dem Ei gepellt. Arbeiter bewässern die Beete und den Rasen und lesen hin und wieder ein klein wenig Abfall auf. Wie würde es hierzulande nach solch einem Abend in einer öffentlichen Parkanlage aussehen?

Die weiteren Fotos stammen von anderen Tageszeiten. So früh am Morgen steht die Moschee Touristen noch nicht offen.

Das Eingangsportal zur Moschee:


Nicht nur, dass der von Schah Abbas I. beauftragte Architekt zu höchster Eile angehalten wurde, nein, es gab, wie es scheint, ein gravierendes Problem: Die Moschee musste natürlich – wie alle Moscheen – nach Mekka ausgerichtet werden, was mit der Lage des dazu diagonal ausgerichteten Platzes zunächst nicht zu vereinbaren war. Der Architekt entschied sich daher dafür, die Moschee in einem Winkel von etwa 45 Grad zum Meydan zu platzieren. So steht es in fast allen Reiseführern.

Aber kann man es sich vorstellen, dass ein so vollkommen wirkender Platz aus der Not heraus so gestaltet wurde? Die großartigen persischen Architekten hätten wohl auch eine andere Lösung gefunden. In seinem sehr empfehlenswerten Buch „Persien, Gottes vergessener Garten“ legt Jason Elliot dar, dass der große Platz mit all seinen Bestandteilen bis ins kleinste Detail dem Prinzip des „Goldenen Schnitts“ entspricht und ein harmonisches Ganzes darstellt, wenn man nicht auf vordergründige Symmetrie fixiert ist.

Aufgrund der Ungeduld des Auftraggebers wurde für die Fliesen eine neue Brenntechnik namens Haft Rang (wörtlich: „Sieben Farben“) eingesetzt. Während man davor noch mit Mosaiktechnik arbeitete, gestattete die neue Technik nun, mit bis zu sieben Farben gleichzeitig auf einer Fliese zu arbeiten, ohne dass diese ineinander laufen.

Für die riesige Moschee wurden schätzungsweise 18 Millionen Ziegelsteine und für die Verkleidung annähernd 500.000 Kacheln verbaut.



Blick vom großen Innenhof auf das Eingangsportal.














Die Kuppel des zentralen Gebetsraumes.



Die ganze Anlage ist viel größer, als sie vom Meydan zunächst wirkt; sie beherbergt auch eine eigene Koranschule. Mancher legt die Wege innerhalb des Komplexes wohl lieber mit dem Fahrrad zurück.
 
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der Ali Qapu-Palast


Auch hier ein Foto im Morgenlicht. Byron nannte das Gebäude despektierlich einen "gemauerten Schuhkarton".

Der Name Ali Qapu, „Hohe Pforte“, bezieht sich den auf Durchgang in seiner Mitte in Form eines gewölbten Gangs, der zu einem ausgedehnten, sich direkt hinter dem Meydan erstreckenden Gelände führt, das unter anderem den „Palast der 40 Säulen“ – kommt später - und königliche Gärten beinhaltet. Dieses Gebäude wurde als einziges am Meydan auf einem bereits bestehenden Bauwerk aufgebaut: Schah Abbas I. ließ einen Pavillon aus timuridischer Zeit (14/15. Jh.) von zwei auf fünf Ebenen erhöhen und eine Eingangspforte vorbauen.

Auf der Vorderseite wurde eine Aussichtsplattform errichtet, die von 18 Säulen aus Zedernholz umrahmt zu einer das dritte und vierte Stockwerk umfassenden, offenen Säulenhalle unter einem imposanten Flachdach gestaltet wurde. Diese Plattform war der ideale Platz für König und Hofstaat, Polospiele, aber auch andere Ereignisse, wie Hinrichtungen, auf dem Meydan zu verfolgen.
 
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So, weiter zum Ali Qapu.


Hier die "Hohe Pforte", also der Durchgang zu den königlichen Gärten, von innen.


Auf dem Balkon wollen diese jungen Damen mit meinen Damen fotografiert werden. Da Aron so lange Haare hat, halten sie ihn für ein Mädchen...


Die Decke des Balkons.

Die Privatgemächer des Herrschers befanden sich in den oberen Etagen. Hier ließ er sich ein nach den neuesten Erkenntnissen der Akustik geplantes Musikzimmer einbauen. Dieser berühmte Raum enthält kunstvolle Verputzarbeiten, die mittels einer speziellen zweiwandigen Stuckornamentik verschiede Arten von Vasen und anderen Gefäßen darstellen.


Die Decke des Vorraums zum Musikzimmer.







Man weiß nicht, ob, wie gelegentlich behauptet, in diesen Nischen ursprünglich wirklich Gefäße standen oder ob allein die Nischen den Schmuck darstellten.

 
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Wie erwähnt, ist das Qeisarieh-Tor, das den Haupteingang zum Basar bildet, eher unscheinbar. Dennoch ist die Gestaltung des Torbogens sehenswert:



Morgen komme ich zu meinem absoluten Favoriten unter den vielen sehenswerten Bauwerken Irans: Der Sheikh Lotfollah-Moschee.

Bis dann,
Stephan
 
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Also ich finde diese Verschachtelungen alles andere als unscheinbar.
Das ist großartig und ich kann mich gar nicht satt sehen.
Ist das wirklich alles 3D, oder sind die Kacheln so kunstvoll gestaltet, daß ein 3D-Eindruck entsteht?

Die Decke das Musikzimmers hat es mir auch angetan.

Wie langweilig ist dagegen die Architektur und Gestaltungswüste unserer modernen Baustile? Hauptsache schnell hingegossen und teuer verkauft. Doch da ist nichts dabei, was Auge und Herz erfreut. Doch wahrscheinlich bin ich ein altmodischer Mensch.
 
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Also ich finde diese Verschachtelungen alles andere als unscheinbar.
Das ist großartig und ich kann mich gar nicht satt sehen.
Ist das wirklich alles 3D, oder sind die Kacheln so kunstvoll gestaltet, daß ein 3D-Eindruck entsteht?

Unscheinbar ist das Tor im Vergleich zu den anderen Eindrücken, die man an diesem Ort erlebt, vor allem, weil die Wandmalereien sehr verblasst sind. Schau dir mal das erste Foto in #105 an. Die Stalaktiten des Torbogens sind natürlich wunderschön.

Das ist tatsächlich dreidimensional. Wenn ich demnächst die überwältigende Freitagsmoschee und das Khaneh Borudjerdiha in Kashan vorstelle, werde ich noch wesentlich spektakulärere Kuppelbögen zeigen. Es handelt sich um bemalten Stuck, nicht um Kacheln.
 
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die Sheikh Lotfollah-Moschee

Gegenüber des Ali Qapu liegt im Osten des Meydan das farbenprächtige, blaugrundige Eingangsportal der Sheikh-Lotfollah-Moschee.


Die Moschee mit ihrer hellen Kuppel ist innen und außen mit kostbaren Kacheln geschmückt und wurde in der Zeit von 1603 bis 1616 errichtet.

Oft liest man in Reiseberichten, dass die Imam-Moschee doch wesentlich eindrucksvoller sei. Tatsächlich besteht der recht kleine Bau nur aus einem überdachten Eingangsbereich und einem Gebetssaal, der mit einer Kuppel überwölbt ist. Der übliche Innenhof mit Wasserbecken zur rituellen Waschung fehlt genau so wie ein Minarett. Den Grund dieser Besonderheiten sehen die Historiker darin, dass Schah Abbas I. sie als Privatmoschee für die königliche Familie bauen ließ. Sie war durch einen unterirdischen Gang unter dem Meydan mit dem gegenüberliegenden Ali Qapu verbunden, um die weiblichen Angehörigen der königlichen Familie vor den Blicken Fremder zu schützen.


Betritt man sie vom Meydan, geht man zunächst durch einen recht dunklen, mit blau- und türkisfarbenen Kacheln geschmückten Gang.



Der Hauptraum umfasst eine Grundfläche von 19 mal 19 Metern und enthält einen Mihrab - Gebetsnische -, die zur Qibla - Gebetsrichtung - ausgerichtet ist, so dass die Anlage wie auch die Imam-Moschee etwa 45 Grad zum Platz versetzt liegt.


Ihre Farbgestaltung weicht von den sonst bei Moscheen vorherrschenden Blau- und Türkistönen ab. Hier ist das Ocker der Ziegelsteine die Grundfarbe, von der sich die kunstvollen Verzierungen kontrastreich abheben.


Wie immer finden sich im Inneren kunstvolle Mosaiken und die typischen blauen Schriftbänder mit Koransuren, die um die einzelnen Bauelemente herumlaufen. Das verleiht dem Raum klare Linien zwischen den meist recht kleinteilig und aufwendig gestalteten Mosaiken.

 
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Auch Robert Byron, der sonst die safawidische Baukunst meist in spöttisch-herablassendem Ton als zu verspielt und kitschig bezeichnete, war überwältigt:

"Eine solche Pracht hatte ich noch nie gesehen. Andere Interieurs kamen mir in den Sinn - Versailles oder die Porzellanzimmer von Schloss Schönbrunn, der Dogenpalast oder der Petersdom. Alle sind prachtvoll, aber nicht derartig prachtvoll. Ihr Reichtum ist dreidimensional, von der ganzen Kraft des Schattens geprägt. In der Sheikh-Lotfollah Moschee haben wir einen Reichtum ausschließlich von Licht und Oberfläche, von Ornament und Farbe. Die architektonische Form ist unwichtig. Sie hat nichts rokokoglattes. Sie ist einfach das Werkzeug eines Schauspiels, so wie Erde das Instrument eines Gartens ist. Und plötzlich musste ich an die heutigen Innenarchitekten denken, jene bedauernswerten Geschöpfe, die da glauben, sie könnten ein Restaurant, ein Kino oder die Villa eines Plutokraten prachtvoll erscheinen lassen, wenn sie nur genügend Geld für Blattgold und Spiegel bekommen. Sie wissen nicht, was sie für Amateure sind."
Robert Byron: Der Weg nach Oxiana, 1933



"Ich hatte Fotos der Moschee gesehen, aber hier wird einem die Unzulänglichkeit der Kamera bewusst gemacht: die Kamera gibt nur eine Oberfläche wieder. Hier jedoch verschwören sich Resonanz und Kontrapunkt von Form, Farbe und Licht zu einer Alchemie von exquisiter Balance. Die Moschee hat nichts von der monumentalen Wucht der Königsmoschee, gleicht aber in ihrer Intensität einem Juwel."
aus Jason Elliot: Persien - Gottes vergessener Garten
 
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