Der BMI Mitarbeiter hat eigenmächtig gehandelt, die Ergebnisse der Studie von 10 renommierten deutschen Wissenschaftlern werden dadurch aber nicht abgewertet.
Nee, die kann man aus anderen Gründen nicht ernst nehmen. Dafür braucht es ein paar Hintergundinfos.
Ich weiß überhaupt nicht, warum hier dauernd nur Prof. Schirmacher genannt wird. Sind die anderen 9 Experten nicht renommiert genug, um genannt zu werden? Dazu die Auflösung weiter unten....
Interessanterweise wurde Schirmacher offenbar von dem BMI-Mitarbeiter selbst kontaktiert, während Herr Gunter Frank, "in Heidelberg niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren" (sic!) für sich in Anspruch nimmt, die "Expertengruppe" selbst zusammengestellt zu haben. Der gleiche Herr Frank, der laut eigener Aussage von Anfang an wusste, dass es sich um eine Privatinitiative des BMI-Mitarbeiters handelte und dieser "dafür Ärger bekommen könnte". Während Prof. Schirmacher im übrigen von einer nichtöffentlichen Stellungnahme für das BMI ausging, zumindest er als einer der Autoren also von der Intention her auch nicht für die Öffentlichkeit geschrieben hat und auch nie erwartet hat, dass seine Stellungnahme der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden wird. Dies nennt er auch als Grund, sich inhaltlich nicht weiter zu äußern.
Das sind alles Inhalte, die ich dem verlinkten Focus-Artikel entnehme, was mich wieder einmal darin bestärkt, dass man, egal bei wem, nicht nur den jeweiligen individuellen Kommentar lesen und wahrnehmen sollte, sondern tatsächlich auch die als Beleg herangeführte Quelle aufmerksam lesen sollte. Für mich hier ein klarer Fall von backfired.
Anmerkung am Rande: Belustigt hat mich, dass der Focus unter die Worte "den BMI (-Mitarbeiter)" einen Link zu einem Body Mass Index Rechner legt.. Aber seis drum, die Tücken der Technik.
Informiert man sich über Herrn Frank, so stellt man fest, dass er bereits vor dem BMI-Vorfall Gastautor bei der rechtpopulistischen Achse des Guten war und immer noch ist. Glaubt hier wirklich irgendjemand, das BMI würde einem Allgemeinmediziner mit null Fachausbildung in Epidemiologie/Virologie/Intensivmedizin/Lungenheilkunde die Leitung einer Expertenkommission für eine Corona-Studie übertragen? Glaubt wirklich jemand, der BMI-Mitarbeiter hätte nicht von Vornherein damit gerechnet, dass das "Paper" zu 100% in den entsprechenden Medien publiziert wird, auch wenn er "Ärger bekommt"? Dumm nur, dass sich vom Versenden mit BMI-Briefkopf keiner hat täuschen lassen und er so schnell aufflog.
Und jetzt nennen wir mal Roß und Reiter der angeblichen "gemeinsamen Presseerklärung" der 10 Experten. Macht euch selbst euren Reim auf die Fachbezeichnungen und daraus resultierende Kompetenz und bemüht bei Hockertz, Bhakdi und anderen Namen gerne die diversen Faktenchecks der seriösen Quellen, hier auch schon des öfteren verlinkt und diskutiert wurden.
Die Unterzeichner:
Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Universitätsprofessor für Medizinische Mikrobiologie (im Ruhestand), Universität Mainz
Dr. med. Gunter Frank, Arzt für Allgemeinmedizin, Mitglied der ständigen Leitlinienkommission der Deutschen Gesellschaft für Familienmedizin und Allgemeinmedizin (DEGAM), Heidelberg
Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Dipl.-Soz. Dr. Gunnar Heinsohn, Emeritus der Sozialwissenschaften der Universität Bremen
Prof. Dr. Stefan W. Hockertz, tpi consult GmbH, ehem. Direktor des Instituts für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie am Universitätskrankenhaus Eppendorf
Prof. Dr. Karina Reiß, Department of Dermatology and Allergology University Hospital Schleswig-Holstein
Prof. Dr. Peter Schirmacher, Professor der Pathologie, Heidelberg, Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Prof. Dr. Andreas Sönnichsen, Stellv. Curriculumsdirektor der Medizinischen Universität Wien Abteilung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM)
Dr. med. Til Uebel, Niedergelassener Hausarzt, Facharzt für Allgemeinmedizin,
Diabetologie, Notfallmedizin, Lehrarzt des Institutes für Allgemeinmedizin der Universität Würzburg, akademische Lehrpraxis der Universität Heidelberg
Prof. Dr. Dr. phil. Harald Walach, Prof. Med. Universität Poznan, Abt. Pädiatrische Gastroenterologie, Gastprof. Universität Witten-Herdecke, Abt. Psychologie